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Arbeit (Philosophie)

Arbeit im philosophischen Sinn erfasst alle Prozesse der bewussten schöpferischen Auseinandersetzung des Menschen. Sinngeber dieser Prozesse sind die …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Bedeutung der Arbeit
  2. 2. Philosophische Entwicklung bis Hegel
  3. 3. Marx: Arbeit, Ware und Entfremdung
  4. 4. Freiheit, Ethik und neue Deutungen
  5. 5. Arbeit in der Menschheitsgeschichte
  6. 6. Gegenwart und offene Fragen

Begriff und Bedeutung der Arbeit

Arbeit im philosophischen Sinn umfasst alle Prozesse, in denen Menschen sich bewusst und schöpferisch mit ihrer Welt auseinandersetzen. Sie handeln dabei selbstbestimmt und eigenverantwortlich, aber unter Bedingungen der Natur und der Gesellschaft. Philosophisch ist Arbeit vor allem die Tätigkeit des Menschen, der wegen seiner natürlichen Bedürfnisse seinen Lebensunterhalt sichern muss.

Hans Paul Bahrdt beschreibt Arbeit als gekonntes, kontinuierliches, geordnetes, anstrengendes und nützliches Handeln. Ihr Ziel liegt außerhalb der einzelnen Handlung, etwa im hergestellten Produkt oder in der Sicherung des Lebens. Arbeit kann zugleich Anerkennung, Sinn und Gemeinschaft ermöglichen. In arbeitsteiliger Arbeit entsteht sie durch Interaktionen: Menschen wirken in Handlungsgemeinschaften zusammen. Sie kann aber auch Konkurrenz zwischen unterschiedlichen persönlichen und kollektiven Zielen erzeugen.

Künstlerisches Schaffen zeigt, dass Arbeit nicht immer unmittelbar auf Nutzen oder Verwertbarkeit gerichtet sein muss. Ernst Cassirer versteht Kunst als schöpferische Formgebung: Künstler vermitteln ihre Auffassung von sichtbaren, greifbaren oder hörbaren Erscheinungen in symbolischen Formen.

Philosophische Entwicklung bis Hegel

In frühen Gesellschaften wurde gemeinschaftliche Arbeit teils positiv bewertet. Hesiod hob um ca. 700 v. u. Z. in Werke und Tage die mühevolle Landwirtschaft als Grundlage eines ehrlichen Lebens und gerechten Wohlstands hervor. In der griechischen Antike galt körperliche und handwerkliche Arbeit dagegen meist als niedrig. Platon und Aristoteles verbanden geistige Kreativität vor allem mit Kontemplation, also nachdenklicher Muße. Aristoteles verwendete für Tun, Schaffen und Bewirken den Begriff Poiein, bezog seine Überlegungen aber vor allem auf die aristokratischen Gruppen. Arbeitende Klassen und Sklaven wurden nicht als politisch gleichrangig angesehen.

Im Christentum wurde diskutiert, ob manuelle Arbeit von der Gottessuche ablenke oder selbst Gottesdienst sein könne. Die Formel „ora et labora“ verbindet Beten und Arbeiten im klösterlichen Leben. Die Reformation, besonders Luther, Calvin und Zwingli, deutete Arbeit als vorbestimmte Pflicht und als Weg zu Gottes Segen, gesellschaftlichem Ansehen und Wohlergehen. Thomas Morus beschrieb 1516 in Utopia einen Staat ohne Privateigentum, in dem Bildung und gemeinschaftliche Arbeit Pflicht sind.

Seit der Aufklärung wurde Arbeit stärker mit Eigentum, Herrschaft, Reichtum, Konkurrenz und Markt verbunden. Die politische Ökonomie untersuchte Erwerbsarbeit, Arbeitsteilung sowie den Einfluss von Arbeit auf Kosten, Löhne und Preise. Kant verstand Arbeit im Rahmen seiner Ethik als Teil sittlicher Pflicht. Hegel analysierte Arbeit und Tausch als Kategorien der bürgerlichen Gesellschaft. In seinem Verhältnis von Herrschaft und Knechtschaft formt der Knecht durch Arbeit die äußere Welt und sich selbst; dadurch entwickelt er Selbstbewusstsein. Arbeit wird bei Hegel daher auch als Prozess der Selbsterzeugung des Menschen verstanden.

Marx: Arbeit, Ware und Entfremdung

Karl Marx und Friedrich Engels betrachten Arbeit als notwendige Existenzbedingung menschlichen Lebens. Marx beschreibt sie in Das Kapital, Band I, als Prozess zwischen Mensch und Natur: Der Mensch verändert Naturstoffe für seine Bedürfnisse und verändert dabei zugleich seine eigene Natur. Engels erklärt Arbeit neben der Natur zur Quelle des Reichtums und zur „ersten Grundbedingung alles menschlichen Lebens“.

Konkrete Arbeit ist die jeweils besondere, nützliche Tätigkeit, etwa entsprechend den Fähigkeiten, Bedürfnissen und Zielen einer Person. Sie schafft einen Gebrauchswert, also den Nutzen eines Produkts. Dafür werden Arbeitskraft als „lebendige Arbeit“ und bereits hergestellte Produktions- oder Lebensmittel als „vergegenständlichte Arbeit“ eingesetzt. Vergegenständlichte Arbeit ist ruhendes Arbeitskraft- und Informationspotenzial in Dingen wie Konsumgütern und Produktionsmitteln; lebendige Arbeit aktiviert dieses Potenzial erneut.

Der Doppelcharakter der Arbeit erklärt Waren auf zwei Ebenen: Konkrete, nützliche Arbeit erzeugt Gebrauchswerte. Abstrakte Arbeit meint dagegen die Verausgabung menschlicher Arbeitskraft im physiologischen Sinn; sie bildet nach Marx den Warenwert beziehungsweise Tauschwert. Marx entwickelt damit die Arbeitswerttheorie weiter.

Entfremdung liegt vor, wenn von Menschen geschaffene Produktionsverhältnisse ihnen als fremde Macht gegenübertreten. Unter kapitalistischen Produktionsverhältnissen verkaufen Lohnarbeiter ihre Arbeitskraft an Eigentümer der Produktionsmittel; der Arbeitslohn ist ihr Tauschwert. Kapitaleigner richten sich vor allem auf Profit und Profitmaximierung, abhängig Beschäftigte vor allem auf Lohnsicherheit und Erhalt des Arbeitsplatzes. Marx zufolge würde eine bewusst gestaltete Arbeit ohne Klassenantagonismen die umfassende menschliche Entfaltung fördern.

Freiheit, Ethik und neue Deutungen

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert wurde Arbeit unterschiedlich als zweckrationales Handeln, als Spiel oder Kunst und als sittliches Handeln verstanden. Für Hegel, Marx und Engels bedeutet Freiheit „Einsicht in die Notwendigkeit“. Kant verknüpft Freiheit und Gerechtigkeit mit verantwortlichem sittlichem Handeln. Kierkegaard sah Arbeit 1843 als Ausdruck von Freiheit, warnte aber zugleich vor unfreier Berufsabhängigkeit. Nietzsche kritisierte ironisch ein Arbeitsverständnis, in dem selbst Freude und Muße ein schlechtes Gewissen auslösen. Max Weber verband die protestantische Ethik mit zweckrationalem Handeln im Kapitalismus.

Hannah Arendt prägte den Begriff Arbeitsgesellschaft. In Vita activa oder Vom tätigen Leben unterscheidet sie Arbeiten, Herstellen und Handeln. Arbeiten bedeutet bei ihr den lebenslangen Zwang zur Erhaltung des Lebens; Herstellen schafft eine dauerhaftere menschliche Welt aus Geräten und Werkzeugen; Handeln und Sprechen sind für sie die höchsten menschlichen Tätigkeiten. Sie warnt vor einer Gesellschaft von „Jobholdern“, die nur noch automatisch funktionieren.

Jürgen Habermas stellte zunächst die Frage nach dem Verhältnis von Arbeit und Interaktion und entschied sie später zugunsten eines Kommunikationsparadigmas: Kommunikation wird gegenüber Produktion philosophisch vorrangig. Andere Positionen widersprechen einer scharfen Trennung. Gerd Spittler versteht Arbeit anhand ethnographischer Fallstudien stets als Interaktion zwischen eigenständigen Arbeitern, Arbeitsmitteln und Arbeitsgegenständen. Wilhelm Schmid fasst als „Lebensarbeit“ alle Leistungen auf, mit denen Menschen ein bejahenswertes Leben gestalten.

Seit den 1990er Jahren werden Arbeits- und Lebenswelt häufig als Dichotomie behandelt. Michael Cholbi nennt das Verlangen nach Arbeit 2018 teilweise „adaptive Präferenz“: Menschen schätzen Arbeit auch deshalb, weil soziale Zwänge es schwer machen, nicht zu arbeiten. Da Berufe langfristig verschwinden können, sollten Menschen auch außerhalb der Arbeit Bereiche für Leidenschaft finden.

Arbeit in der Menschheitsgeschichte

Arbeitsformen hängen mit den jeweiligen Gesellschaftssystemen, Ressourcen und Machtverhältnissen zusammen. Marx betont die prägende Rolle der Produktionsweise; Max Weber sieht ein je nach Epoche unterschiedliches Zusammenwirken von Herrschaft, Kultur und Ökonomie.

In der Urgesellschaft sicherten Horden ihren Lebensunterhalt durch gemeinschaftliches Sammeln, Jagen und Fischen. Nach Lewis Henry Morgan verlief Entwicklung von „Wildheit“ über „Barbarei“ zur „Zivilisation“; diese Einteilung wird im Artikel als Theorie von 1877 dargestellt. Arbeitsteilung, Sprache, Feuer, Werkzeuge, Kleidung und Lagerplätze verbesserten die Überlebenschancen. Im Neolithikum führten Domestizierung von Pflanzen und Tieren sowie Viehwirtschaft schrittweise zur Landwirtschaft. Der Übergang vom Sammeln zur Nahrungsmittelproduktion dauerte im Fruchtbaren Halbmond laut Artikel um die 3000 Jahre. Landwirtschaft ist dabei nicht zwangsläufig die Ursache von Privateigentum oder Ungleichheit; Macht- und Gewalterfahrungen können entscheidender sein.

Sesshafte Produktion ermöglichte Überschüsse, Spezialisierung und neue Bereiche wie Handwerk, Handel, Transport, Verwaltung, Bildung, Militär und Kultur. Mit Urbanisierung, politischer Herrschaft und Geld entstanden zunehmend Stände- und Staatsgesellschaften. Die industrielle Revolution ab dem späten 18. Jahrhundert ersetzte Tier- und Menschenkraft zunehmend durch Wasser-, Dampf- und Maschinenkraft und organisierte Arbeit in großen Fabriken. Taylorismus und Fordismus optimierten Abläufe, schufen aber auch monotone Arbeitsplätze. Elektronik, Computer, Robotik und Internet führten zur dritten und vierten industriellen Revolution; in Deutschland stehen dafür die Begriffe Industrie 4.0 und Arbeit 4.0.

Gegenwart und offene Fragen

Die steigende Produktivität moderner Technik kann menschliche Arbeitskraft in Produktionsprozessen verringern und dadurch Erwerbslosigkeit erzeugen. Menschen sind in dieser Lage nach dem Artikel nicht ohne Tätigkeit, sondern vor allem ohne Erwerbsarbeit. Automation gefährdet damit eine Arbeitsgesellschaft, in der Einkommen, Teilhabe und Lebenschancen stark an Erwerbstätigkeit gebunden sind. Frithjof Bergmann entwickelte in den 1980er Jahren „New Work“ als Idee einer Arbeitskultur mit mehr Freiheit, Selbstständigkeit und Teilhabe.

Zugleich hat Wirtschaftswachstum ökologische Gefahren hervorgebracht. Arbeit soll technische und kulturelle Veränderungen deshalb bewusst gestalten und ökologische Grenzen berücksichtigen. Als Mittel gegen Massenarbeitslosigkeit und zur Humanisierung der Arbeitswelt nennt der Artikel Arbeitszeitverkürzung, beschäftigungsorientierte Arbeitszeitmodelle und sozial ausgewogene, arbeitsrechtlich kontrollierte Tarifverträge. Gesellschaftlich wichtige Arbeitsfelder werden etwa in Erziehung, Bildung, Gesundheit, Sozialarbeit, Wissenschaft, Forschung, Umwelttechnik, Kreislaufwirtschaft, Sport, Spiel und Kunst gesehen.

Arbeit durchdringt nach der Schlussbemerkung alle Bereiche der Lebenswelt, nimmt aber historisch unterschiedliche Formen an. Industrielle Marktwirtschaft, agrikulturelle Subsistenzwirtschaft und archaische Wirtschaftsweisen bestehen weltweit nebeneinander. Immanuel Wallerstein untersucht dies unter dem Gesichtspunkt internationaler Arbeitsteilung und Machtverhältnisse. David Graeber und David Wengrow betonen, Menschen seien „Projekte kollektiver Selbsterschaffung“, und fragen, wie sie sich neue gesellschaftliche Möglichkeiten vorstellen können.

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