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Visuelle Medien im Geschichtsunterricht
Visuelle Medien im Geschichtsunterricht bzw. geschichtsdidaktische visuelle Medien sind grundsätzlich Quellen und Darstellungen von Vergangenheit, …
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Begriff und Bedeutung visueller Medien
Visuelle Medien im Geschichtsunterricht sind grundsätzlich Quellen und Darstellungen von Vergangenheit. Sie sind so codiert und gestaltet, dass sie den Lernenden vor allem als Bilder begegnen. Dazu gehören unter anderem Fotografien, Filme, Karikaturen und Karten. Sie unterscheiden sich damit von anderen geschichtsdidaktischen Mediengruppen und Quellengattungen wie Texten, Hörstücken oder materiellen Objekten beziehungsweise Überresten.
Visuelle Medien können im Unterricht entweder als historische Quellen untersucht oder zur Veranschaulichung eingesetzt werden. Da Bilder vergangene Wirklichkeit nicht unmittelbar und unverändert zeigen, müssen ihre Entstehung, Gestaltung, Verwendung und Wirkung kritisch untersucht werden. Ziel ist es, die dargestellte Vergangenheit und zugleich die jeweilige Form ihrer Darstellung zu verstehen.
Fotografien als Quellen und Veranschaulichung
Der Einsatz von Fotografien in Schulbüchern und im Geschichtsunterricht hat aufgrund veränderter Rezeptionsgewohnheiten in den vergangenen Jahrzehnten erheblich zugenommen. Fotografien dienen entweder als Quelle oder zur Veranschaulichung historischer Inhalte.
Bei fotografischen Quellen ist zu beachten, dass die im Bild wiedergegebene „Wirklichkeit“ „in vielerlei Weise eingeschränkt, gebrochen und von außen beeinflusst“ ist. Eine Fotografie zeigt daher nicht einfach die Vergangenheit, wie sie tatsächlich war. Ihre Bedeutung entsteht erst im jeweiligen Diskurs, also im Zusammenhang mit den Fragen, Deutungen und gesellschaftlichen Vorstellungen, in denen sie betrachtet wird.
Für die Arbeit mit Bildquellen gibt es verschiedene Methoden. Häufig wird das dreistufige Modell des Kunsthistorikers Erwin Panofsky verwendet. Hans-Jürgen Pandel hat dieses Modell für die Geschichtsdidaktik überarbeitet, erweitert und angepasst.
In der neueren Diskussion, unter anderem bei Gerhard Paul und Christoph Hamann, steht stärker die Entstehungs- und Bearbeitungsgeschichte historischer Fotografien im Mittelpunkt. Untersucht werden dabei auch ihre Verwendungen und Instrumentalisierungen. Dieses Erkenntnisinteresse gehört zur Visual History, also zur Untersuchung der Bedeutung, Herstellung und Nutzung von Bildern in historischen Zusammenhängen.
Filme zwischen Geschichte und Fiktion
Filme sind weit verbreitet und attraktiv. Deshalb prägen sie die Geschichtskultur, also die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit Vergangenheit, wesentlich mit. Historische Filme erzählen Ereignisse, Epochen und Figuren neu und interpretieren sie dadurch. Produzenten, Drehbuchautoren und Regisseure orientieren sich dabei nicht immer an fachwissenschaftlichen Erkenntnissen und Methoden, sondern auch an Interessen wie Unterhaltung und Vermarktung.
Der Einsatz von Spielfilmen verlangt deshalb einen kritischen Umgang mit den dargestellten Inhalten. Lernende können häufig nicht sicher unterscheiden, welche Elemente historisch plausibel und welche reine Fiktion sind. Diese Unterscheidung muss im Unterricht ausdrücklich thematisiert werden. Dadurch lässt sich ihre Dekonstruktionskompetenz fördern, also ihre Fähigkeit, Darstellungen zu untersuchen, aufzuschlüsseln und kritisch zu beurteilen.
Filme können hinsichtlich dreier Formen von Authentizität untersucht werden:
- Faktenauthentizität: Wie korrekt sind die dargestellten historischen Fakten?
- Typenauthentizität: Wie glaubwürdig werden typische Verhältnisse, Verhaltensweisen oder Lebensbedingungen einer Zeit dargestellt?
- Repräsentationsauthentizität: Wie werden historische Wirklichkeit und historische Personen oder Gruppen in der Darstellung repräsentiert?
Auch ein Dokumentarfilm stellt die Vergangenheit nicht zwingend realitätsgetreuer dar. Er kann beispielsweise politisch instrumentalisiert sein. Neben Spiel- und Dokumentarfilmen sind filmische Zeitzeugnisse wichtige Gegenstände des Unterrichts. Filme betten Geschichte in eine Narration ein und vollziehen damit eine Tätigkeit, die der Geschichtsunterricht auch von Lernenden verlangt: Sie ordnen historische Ereignisse und entwickeln daraus eine Darstellung.
Filme sollten mit einem Verfahren bearbeitet werden, das der Quellenkritik ähnelt. Dabei sind besonders die Wahrheit beziehungsweise Faktizität der Darstellung, ihre Wirkung, die Kritik an ihrer Darstellung und ihre Bedeutung für die Geschichtskultur im Alltag zu untersuchen. Diese Faktoren beeinflussen auch die individuelle Sicht auf Geschichte. Die Forschung zur Wirksamkeit von Filmen befasst sich entsprechend mit drei Ebenen: der Faktizität, den Einstellungen einzelner Personen oder Personengruppen zu historischen Themen sowie der gesellschaftlichen Sinnstiftung. Die qualitative Untersuchung dessen, „was Zuschauer überhaupt in den Filmen sehen“, gilt als Voraussetzung für eine wirksame Vermittlung historischer Fakten und Geschichtskultur. Dazu liegen unter anderem empirische Untersuchungen von Britta Almut Wehen und Christoph Kühberger vor.
Karikaturen kritisch erschließen
Karikaturen bilden Sachverhalte oder Ereignisse verdichtet und zugespitzt ab. Das kann den Geschichtsunterricht erleichtern, weil zentrale Aussagen schnell sichtbar werden. Zugleich besteht die Gefahr, dass tendenziöse Werturteile der Karikatur von Lernenden unhinterfragt übernommen werden.
Karikaturen werden häufig als Einstieg in ein Thema sowie zur Systematisierung und Werturteilsbildung eingesetzt. Wegen ihrer semantischen Komplexität, also der Vielzahl und Mehrdeutigkeit ihrer Bedeutungen, vertreten manche Positionen jedoch die Auffassung, dass sie grundsätzlich in der Erarbeitungsphase ausführlich untersucht werden sollten.
Ihr besonderer Wert für historisches Denken und Lernen liegt darin, dass sie zum kritischen Nachdenken anregen. Lernende müssen sich sorgfältig mit den in der Karikatur enthaltenen Werturteilen auseinandersetzen und den historischen Sachverhalt deuten. Dazu müssen verwendete Symbole, dargestellte Typen und kollektive Stereotype gründlich untersucht und erklärt werden. Karikaturen ermöglichen außerdem Multiperspektivität, also die Einbeziehung verschiedener Sichtweisen auf einen historischen Sachverhalt.
Die Analyse kann im klassischen Dreischritt erfolgen: Beschreibung, Analyse sowie Interpretation beziehungsweise Urteil.
Geschichtskarten lesen und bewerten
Geschichtskarten und historische Karten wirken wegen ihrer Komplexität auf den ersten Blick häufig distanzierend und sind für Lernende nicht ohne Weiteres zugänglich. Erst wenn sie die verschiedenen Elemente der Karte dekodieren, also deren Zeichen und Bedeutungen entschlüsseln, können sie die Karte lesen, ihre Informationsfülle erfassen und sie deuten.
Die Analyse von Geschichtskarten umfasst drei Hauptphasen:
- Orientierungsphase: Zuerst wird der Titel gelesen, der als Schlüssel zum Verständnis dient. Danach werden die Zeichenerklärung beziehungsweise Legende, der Maßstab, die Farben und die Beschriftungen untersucht.
- Informations- und Verarbeitungsphase: Anschließend wird geklärt, welche Informationen zu Thema, Raum und Zeit aus der Karte herausgelesen und wie sie zusammengetragen werden können. Ebenso wichtig ist die Frage, welche Auskünfte die Karte nicht vermittelt.
- Interpretations- und Bewertungsphase: Zum Schluss werden die Erkenntnisse mit dem Vorwissen der Lernenden oder mit Informationen aus anderen Medien verbunden. Dabei können neue Fragen entstehen. Zu berücksichtigen sind außerdem die Absicht, die Perspektivität und die Objektivität der Karte.