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Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Überrest

Überrest bezeichnet in der Geschichtswissenschaft, in Abwandlung der normalen Wortbedeutung, eine „unabsichtlich“ hergestellte Quelle, also einen Gegenstand …

Inhalt3 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Abgrenzung
  2. 2. Arten von Überresten
  3. 3. Bedeutung für die Quellenkritik

Begriff und Abgrenzung

Ein Überrest ist in der Geschichtswissenschaft eine „unabsichtlich“ hergestellte Quelle. Gemeint sind Gegenstände oder Dokumente, die nicht mit dem Zweck geschaffen wurden, Informationen an die Nachwelt zu übermitteln. Der Begriff geht auf Johann Gustav Droysens Quellentypologie und -systematik zurück. Droysen unterschied unabsichtlich überlieferte Überreste von Denkmälern und Traditionen, bei denen eine Überlieferungsabsicht vorhanden ist. In der vereinfachten Typologie von Ernst Bernheim bilden Überreste den Gegenpart zu Traditionsquellen, die vornehmlich zur absichtlichen Überlieferung hergestellt wurden.

Arten von Überresten

Man unterscheidet drei Hauptformen:

  • Sachüberreste: Dazu gehören beispielsweise Menschen- und Tierleichen, Gebrauchsgegenstände wie Werkzeug und Kochgeschirr, Kleidung sowie Bauten.
  • Abstrakte Überreste: Beispiele sind Sprache und Namen, Institutionen und Gebräuche.
  • Schriftliche Überreste: Hierzu zählen vor allem Schriftdokumente des täglichen Gebrauchs, die ohne Überlieferungsabsicht für die Nachwelt entstanden sind, etwa Urkunden, Akten und Alltagsschriftgut.

Bedeutung für die Quellenkritik

Quellenkritik ist die Methode, aus Quellen verlässliche Aussagen über die Vergangenheit zu gewinnen. Die Unterscheidung zwischen Überresten und Traditionsquellen ist dabei wichtig, weil Überreste kein durch bewusste Überlieferungsabsicht verfälschtes Bild liefern können. Dennoch werden sie erst durch teilweise aufwendige methodische Aufarbeitung und Interpretation für historische Fragestellungen nutzbar.

Ob eine Quelle als Überrest oder Tradition gilt, hängt außerdem von der jeweiligen Fragestellung ab. Ein Denkmal ist bei der Frage nach dem Ereignis oder der Person, an die es erinnert, eine Tradition. Bei einer Untersuchung der Memorialkultur der Epoche, in der es errichtet wurde, gilt dasselbe Denkmal dagegen als Überrest.

Auch Überreste können gefälscht oder verfälscht sein, besonders rechtsrelevante Texte wie Urkunden. Damit können in Gegenwart und Zukunft rechtliche Vorteile erlangt werden. Solche Fälschungen sind für die Forschung nicht wertlos: Eine sachgemäße Quellenkritik untersucht auch die Motive der Fälscher. Dadurch können Fälschungen aufschlussreiche Erkenntnisse liefern und selbst zu historischen Quellen werden.

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