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Karikatur

Oftmals versucht der Karikaturist, typische Charaktereigenschaften, die öffentliche Wahrnehmung oder eine subjektive Interpretation der karikierten Person …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Funktion
  2. 2. Formale und inhaltliche Typen
  3. 3. Historische Entwicklung
  4. 4. Karikatur in Literatur, Musik und anderen Medien
  5. 5. Beispiele, Institutionen und verwandte Formen

Begriff und Funktion

Eine Karikatur ist die komisch überzeichnete Darstellung von Menschen oder gesellschaftlichen Zuständen. Sie kann politische oder propagandistische Ziele verfolgen. Karikaturisten zeichnen Karikaturen; das Zeichnen wird als karikieren bezeichnet. Im Englischen entsprechen die Begriffe caricature und cartoon. Der Cartoon gilt teilweise als eigenes Genre, die Übergänge sind jedoch fließend.

Karikaturen sind meist eine bildliche Form der Satire, also einer parteiischen Kritik an bestehenden Werten oder politischen Verhältnissen. Sie werden häufig als „Waffe“ in gesellschaftlichen Auseinandersetzungen eingesetzt. Durch bewusste Übertreibung, Zuspitzung und Verzerrung machen sie charakteristische Merkmale eines Ereignisses oder einer Person sichtbar. Der Kontrast zur Realität und die dargestellten Widersprüche sollen die Betrachtenden zum Nachdenken bringen.

Oft beziehen Karikaturen zu aktuellen Themen sarkastisch oder ironisch Stellung. Fehler und Mängel einer Person, eines Gegenstands oder eines Ereignisses werden aufgedeckt und durch die Darstellung der Lächerlichkeit preisgegeben. Eine Karikatur kann stark satirisch sein und ihr Opfer vollständig verurteilen oder eher humoristisch als Witzzeichnung einige Mängel mit leiser Ironie kommentieren.

Eine besondere Form ist die Porträtkarikatur. Sie hebt markante Gesichtszüge hervor, ohne die Erkennbarkeit der Person zu verlieren. Zusätzlich können typische Charaktereigenschaften, die öffentliche Wahrnehmung oder eine subjektive Interpretation dargestellt werden. Straßenkünstler fertigen solche Zeichnungen beispielsweise am Place du Tertre in Montmartre oder in Themenparks an; sie werden auch Schnellzeichner genannt.

Formale und inhaltliche Typen

Nach der formalen Darstellungsstruktur werden drei Formen unterschieden:

  • Die apersonale Sachkarikatur bezieht ihre Aussage vor allem auf Sachen oder Gegenstände. Sie zielt jedoch häufig auf politisch-personales Handeln und lässt Gegenstände mit bestimmten Personen in Verbindung bringen. Sie kommt am seltensten vor.
  • Die personale Typenkarikatur stellt Staaten, Völker, soziale Gruppen, Institutionen oder Verbände durch typische Figuren, Kleidung oder Tiere dar. Der „Michel“ steht für die Deutschen oder Deutschland, „Marianne“ für die Franzosen oder Frankreich und der „Yankee“ für die US-Amerikaner oder die USA. Vornehme Kleidung und Zylinder können Unternehmer, Latzhose und Schutzhelm Arbeiter und eine Lederhose Bayern repräsentieren. Auch Tiere übernehmen solche Funktionen, etwa der britische oder bayerische Löwe, der russische oder Berliner Bär und der chinesische Drache.
  • Die personale Individualkarikatur ist am weitesten verbreitet. Besonders Politiker werden durch unverwechselbare Gesichts-, Körper- oder Kleidungsmerkmale eindeutig erkennbar gemacht. Haarform, lange Nase oder markantes Kinn können übertrieben werden. Typische zusätzliche Attribute erhöhen die Wiedererkennbarkeit. Horst Haitzinger, Frank Hoppmann und Bernhard Prinz verbinden diese Charakterisierung mit einer persönlichen stilistischen Note.

Inhaltlich unterscheidet man ebenfalls drei Typen. Die Ereigniskarikatur behandelt ein punktuelles, zeitlich begrenzt aktuelles Geschehen, etwa ein Wahlergebnis, den Sturz einer Regierung, einen politischen Zwischenfall oder eine politische Rede. Die Prozesskarikatur stellt geschichtlichen Wandel dar. Sie hebt Wendepunkte, Aufstieg und Abstieg oder den Gegensatz zwischen Vorher und Nachher hervor und konfrontiert Ideen mit der Wirklichkeit. Häufig besteht sie aus einer zwei- oder mehrgliedrigen Bildfolge.

Die Zustandskarikatur nimmt zwar oft einen aktuellen Anlass auf, richtet sich aber gegen dauerhafte und wenig wandelbare Strukturen, zum Beispiel Herrschafts-, Gesellschafts- oder Wirtschaftsordnungen. Zu ihr gehören Panoramakarikaturen, die eine allgemeine und längerfristige politische Lage über die Tagesaktualität hinaus kennzeichnen.

Historische Entwicklung

Karikaturähnliche Darstellungen gab es vermutlich bereits in der Antike. Vereinzelte Beispiele finden sich auf altägyptischen Papyri, griechischen Vasen und in römischen Wandmalereien. Im Mittelalter erschienen satirische Motive an Kapitellen von Säulen und in der Buchmalerei. Während der Reformation karikierten sich Vertreter des Protestantismus und Katholizismus auf Flugblättern gegenseitig. Leonardo da Vinci zeichnete groteske Zerrbilder von Zeitgenossen; im 16. Jahrhundert widmeten sich Annibale und Agostino Carracci der Porträtkarikatur.

Im 17. Jahrhundert entstanden in Holland moralisierend-satirische Graphiken. Das frühneuzeitliche Schandbild nutzte Überzeichnungen als Strafmaßnahme. Die eigentliche gesellschaftskritische Karikatur entwickelte sich im 18. Jahrhundert in Großbritannien. William Hogarth schuf „moderne Lebensbilder“ mit zahlreichen satirischen Seitenhieben. In seiner Nachfolge zeichneten James Gillray, Thomas Rowlandson und später George Cruikshank politische Karikaturen gegen das britische Königshaus, britische Politiker und die Französische Revolution.

Im 19. Jahrhundert erlebte die karikaturistische Zeichnung in Frankreich eine Blüte. Honoré Daumier und Grandville kritisierten in den satirischen Blättern La Caricature und Le Charivari das Spießbürgertum. Daumiers Karikatur Gargantua von 1831 über König Louis-Philippe führte zu einer Haftstrafe von sechs Monaten. Die Darstellung des französischen Königs als „Birne“ brachte Charles Philipon in einen Strafprozess.

Karikaturistische Zeitschriften erschienen auch in anderen Ländern, etwa Punch in London, die Fliegenden Blätter und der Simplicissimus in München sowie der Kladderadatsch in Berlin. Heute gibt es auch außerhalb Europas zahlreiche bekannte Karikaturisten, beispielsweise Andeel, Tarek Shahin und Mohamed Anwar in Ägypten.

Karikatur in Literatur, Musik und anderen Medien

Der Begriff Karikatur wird auch außerhalb der bildenden Kunst verwendet. Gemeint ist dann eine Darstellung, in der bestimmte Mängel oder Eigenheiten so stark hervortreten, dass das Gesamtbild absichtlich verzerrt erscheint.

Im Drama nennt der Artikel Shylock in Shakespeares Der Kaufmann von Venedig und Riccaut de la Marlinière in Lessings Minna von Barnhelm als Beispiele. In der Lyrik wird Matthias Claudius’ Gedicht Nun will auch ich nicht länger leben im Anschluss an die Rezension von Goethes Die Leiden des jungen Werther genannt.

Auch Musik kann karikieren. Wolfgang Amadeus Mozarts Ein musikalischer Spaß ist ein Beispiel dafür. Hector Berlioz karikiert im fünften Satz seiner Symphonie Fantastique ein Leitmotiv aus den vorhergehenden Sätzen sowie das liturgische Thema des Dies irae. Paul Hindemiths Ouvertüre zum „Fliegenden Holländer“, wie sie eine schlechte Kurkapelle morgens um 7 am Brunnen vom Blatt spielt, stellt ebenfalls eine musikalische Karikatur dar.

Beispiele, Institutionen und verwandte Formen

Zu bekannten politischen Karikaturen gehören Der Lotse geht von Bord zum Rücktritt Otto von Bismarcks, The Rhodes Colossus zum britischen Kolonialismus und Das Gesicht Mohammeds aus der dänischen Tageszeitung Jyllands-Posten.

Im deutschsprachigen Raum bewahren und zeigen unter anderem Caricatura Kassel, das Cartoonmuseum Basel, das Caricatura Museum für Komische Kunst in Frankfurt am Main, das Wilhelm Busch – Deutsche Museum für Karikatur und Zeichenkunst in Hannover, das Karikaturmuseum Krems und das Satiricum im Sommerpalais Greiz Karikaturen. International bekannte Museen sind The Cartoon Museum in London, das Cartoon Art Museum in San Francisco, das ToonSeum in Pittsburgh und das Israeli Cartoon Museum in Cholon. International werden klassische beziehungsweise ernste Kunst und Unterhaltungskunst weniger stark getrennt; deshalb zeigen viele Museen neben Karikaturen auch Cartoons.

Auszeichnungen für Karikaturisten sind unter anderem der Thomas-Nast-Preis der Stadt Landau seit 1978, der Golden Nosey der International Society of Caricature Artists seit 1992, der e.o.plauen Preis und Förderpreis seit 1995, der Deutsche Preis für die politische Karikatur seit 1996, der Karikaturpreis der deutschen Anwaltschaft seit 1998, der Deutsche Karikaturenpreis seit 2000, der Ranan-Lurie-Political-Cartoon-Preis seit 2000 sowie Preise der Eurocature in Wien seit 2013. Außerdem gibt es den Goldenen, Silbernen und Bronzenen Gothaer der Gothaer Karikade.

Verwandte Kunstformen sind Cartoon, Groteske, Parodie und Satire. Zur weiteren Beschäftigung gibt es historische, politische und kunstwissenschaftliche Untersuchungen sowie Dokumentarfilme und digitale Bildsammlungen. Die genannten Ressourcen behandeln unter anderem die Geschichte der Karikatur, ihre politische Funktion, ihre Bedeutung als historische Quelle und ihre Verbindung zu Tanz und anderen Künsten.

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