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Quellenkritik

Die Quellenkritik versucht festzustellen, unter welchen Umständen eine Geschichtsquelle entstanden ist, insbesondere wer sie wann mit welcher Motivation …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Bedeutung
  2. 2. Hintergrund und Vorgehen
  3. 3. Befund, Deutung und Einteilung
  4. 4. Äußere Quellenkritik
  5. 5. Innere Quellenkritik
  6. 6. Digitale Quellenkritik

Grundidee und Bedeutung

Quellenkritik ist ein Verfahren der Geschichtswissenschaft. Sie versucht festzustellen, unter welchen Umständen eine Geschichtsquelle entstanden ist: wer sie hergestellt hat, wann sie entstand, mit welcher Motivation sie geschaffen wurde und wie zuverlässig ihr Inhalt ist. Eine Geschichtsquelle ist dabei ein Zeugnis aus der Vergangenheit, aus dem historische Erkenntnis gewonnen werden kann.

Quellenkritik ist eine zentrale Aufgabe der Geschichtswissenschaft und gehört zur historisch-kritischen Methode. Sie ist wichtig, weil historische Forschung die Vergangenheit nicht direkt beobachten kann. Quellen sind Spuren einer vergangenen, nicht mehr gegenwärtigen Zeit. Deshalb müssen sie kritisch geprüft werden, bevor man sie als Grundlage für Aussagen über Geschichte nutzt.

Zur Quellenkritik gehören Vergleiche mit anderen Quellen, die Prüfung der Plausibilität von Aussagen und technische Untersuchungen. Manche Fragen lassen sich dadurch klären, andere bleiben unklar oder können erst mit neuen Untersuchungsmethoden beantwortet werden. Quellenkritik betrifft nicht nur Texte, sondern auch nicht-schriftliche Quellen, zum Beispiel Gebäude, archäologische Artefakte, Münzen oder Briefmarken. Mit solchen Quellenarten und ihren Prüfmethoden befassen sich die Historischen Hilfswissenschaften.

Hintergrund und Vorgehen

Die moderne methodische Quellenkritik hat zwei wichtige Vorläufer. Der erste ist die philologische Textkritik aus der Renaissance. Sie untersucht überlieferte Texte, etwa um ursprüngliche Fassungen oder spätere Veränderungen zu erkennen. Der zweite Vorläufer ist die Diplomatik, also die wissenschaftliche Beschäftigung mit alten Urkunden. Sie prüft vor allem deren Echtheit und damit auch, wie zuverlässig die mit ihnen verbundenen Aussagen sind.

Ein Ziel solcher Prüfungen ist es, mögliche Geschichtsfälschungen aufzudecken. In der klassischen Philologie wurde Quellenkritik teilweise kritisiert, weil sie stark auf verlorene und vermeintlich höherwertige griechische Vorbilder ausgerichtet gewesen sei. In aktualisierter Form wird sie jedoch wieder verstärkt angewendet.

Bei der Arbeit mit Quellen werden die Quelle selbst, ihr Überlieferungszustand und ihr historischer Zusammenhang untersucht. Wichtig ist, dass die Prüfung nicht nur danach fragt, was in einer Quelle steht, sondern auch, wie diese Quelle entstanden ist und welche Bedingungen ihre Aussage beeinflussen.

Befund, Deutung und Einteilung

Bei der Quellenkritik wird zwischen Aufnahme beziehungsweise Befund und Deutung unterschieden. Der Befund meint die Feststellung dessen, was an der Quelle beobachtbar ist. Die Deutung ist die Erklärung oder historische Einordnung dieser Beobachtungen. Der Befund geht immer der Deutung voraus.

Die Deutung darf nicht allein aus dem Text erfolgen. Auch Entstehungsgeschichte und historische Umstände tragen zur Bedeutung einer Quelle bei. Deshalb fragt Quellenkritik nicht nur nach dem Inhalt, sondern auch nach dem Umfeld der Entstehung.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen äußerer und innerer Quellenkritik. Die äußere Quellenkritik untersucht vor allem die äußere, materielle und überlieferungsgeschichtliche Gestalt einer Quelle. Die innere Quellenkritik fragt nach der Qualität, Plausibilität und Aussagekraft der enthaltenen Informationen.

Äußere Quellenkritik

Die äußere Quellenkritik bezieht sich auf die physische Gestalt einer Quelle. Dazu gehören die Art der Herstellung, das Material, der Textfluss, die Wortwahl, der Stil, der Aufbewahrungsort, der Erhaltungszustand, der Überlieferungszusammenhang und die Vollständigkeit der Quelle. Solche Merkmale können helfen, Ursprungsort und Entstehungszeit zu bestimmen.

Eine ältere Bezeichnung für äußere Quellenkritik ist „Kritik der Echtheit“. Sie fragt, ob der angegebene Aussteller oder Hersteller tatsächlich der Urheber der Quelle ist oder sein kann. Auch nachgewiesene Fälschungen können aber Quellenwert besitzen, nämlich als Zeugnisse über den Fälscher und dessen Absichten.

Ernst Bernheim fasste die äußere Quellenkritik in vier Leitfragen zusammen. Erstens: Entspricht die äußere Form der Quelle der Form anderer als echt bekannter Quellen derselben Art aus der angeblichen Entstehungszeit und vom angeblichen Entstehungsort? Zweitens: Entspricht der Inhalt dem, was aus sicher echten Quellen bekannt ist? Drittens: Passen Form und Inhalt zum Charakter und zum historischen Milieu, in dem die Quelle angeblich steht? Viertens: Gibt es Spuren künstlicher oder fälschender Herstellung, etwa eine unglaubwürdige Art der Auffindung oder Überlieferung?

Innere Quellenkritik

Die innere Quellenkritik untersucht die Qualität der Informationen in einer Quelle. Sie fragt nach Autorenschaft, Adressaten, Sinnzusammenhang und danach, wie nahe die Quelle örtlich und zeitlich am berichteten Geschehen steht. Nähe zum Geschehen kann ein Hinweis auf bessere Informationsqualität sein, ist aber kein sicherer Beweis. Eine später entstandene Darstellung, etwa ein antikes Geschichtswerk, kann auf zuverlässigen zeitnahen Berichten beruhen, die heute verloren sind.

Der Aussagewert einer Quelle hängt von der jeweiligen Fragestellung ab. Deshalb müssen Kriterien der Nachprüfbarkeit eingehalten werden: Quellen sollen zugänglich und nachvollziehbar sein, die relevante Quellenbasis soll möglichst vollständig geprüft werden, und die Prüfung soll kritisch und transparent erfolgen.

Ein wichtiges Kriterium ist die Plausibilität: Es wird geprüft, ob der Quelleninhalt überhaupt möglich ist. Da das entscheidende Kriterium einer Quelle ihr Erkenntniswert für die historische Forschung ist, wird der Nähe zum Geschehen besondere Bedeutung gegeben. In diesem Zusammenhang wird teilweise zwischen „Primärquelle“ und „Sekundärquelle“ unterschieden. Nach Klaus Arnold genießt der Bericht eines Augenzeugen oder ein Foto in der Regel Vorrang vor einem späteren Bericht oder Untersuchungsprotokoll.

Besonders wichtig ist die Frage nach dem Urheber einer Quelle: seiner Person, seinen Lebensumständen und seiner Intention. Klaus Arnold formuliert dazu die Leitfrage: „Wieviel konnte ein Verfasser von den von ihm berichteten Vorgängen wissen, und wieviel wollte er davon berichten?“ Ernst Bernheim nennt als Aufgaben unter anderem die Prüfung von Fälschung und Verkennung, die Bestimmung von Entstehungsort und -zeit, die Bestimmung des Autors, die Quellenanalyse, Rezension und Edition, die Prüfung der Zuverlässigkeit, die Feststellung der Tatsachen und die Ordnung der Daten nach Thema, Zeit und Ort.

Digitale Quellenkritik

Bei digitalisierten oder von Anfang an digitalen Quellen wird die traditionelle Quellenkritik um eine Quellenkritik des Digitalen erweitert. Digitale Objekte sind besonders volatil, also leicht veränderbar oder flüchtig, und sie können manipuliert werden. Deshalb ist bei ihnen die Objektsicherung besonders wichtig: Das digitale Objekt muss so gesichert werden, dass seine Eigenschaften und sein Zustand nachvollziehbar geprüft werden können.

Pascal Föhr beschreibt die Quellenkritik des Digitalen als Teil eines neu etablierten historisch-kritischen Prozesses. Die traditionelle Methode wird dabei um den Schritt der Objektsicherung ergänzt. Außerdem braucht die Geschichtswissenschaft neue Methoden aus der Informationstechnik, um digitale Quellen angemessen analysieren zu können.

Wie bei traditionellen Quellen ist auch im digitalen Raum häufig entscheidend, welche Fassung einer Quelle wann von wem erstellt und möglicherweise verändert wurde. Erst diese Informationen ermöglichen eine korrekte Interpretation.

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