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Variation (Musik)

Eine Variation (lateinisch variatio, „Veränderung“) ist die Veränderung eines musikalischen Themas hinsichtlich seiner melodischen, rhythmischen, harmonischen …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Bedeutung
  2. 2. Techniken des Variierens
  3. 3. Renaissance, Barock und Klassik
  4. 4. Romantik und 20. Jahrhundert
  5. 5. Typische Werke und Besetzungen

Grundidee und Bedeutung

Eine Variation ist die Veränderung eines musikalischen Themas in seiner melodischen, rhythmischen, harmonischen oder satztechnischen Gestalt. Dabei müssen wesentliche Eigenschaften des Ausgangsmodells erkennbar bleiben. Das veränderte Wiederholen musikalischer Gedanken gehört zu den Grundprinzipien des Komponierens und kommt in fast allen Gattungen und Formen vor. Entscheidend ist das Verhältnis zwischen Wiederholung und Kontrast.

Eine wichtige musikalische Form ist „Thema mit Variationen“, die seit dem späten 16. Jahrhundert unter verschiedenen Namen nachgewiesen ist. In ihr behalten die Variationen grundsätzlich die Gliederung des Themas bei. Eine Variationsfolge kann ein selbstständiges Werk oder ein Satz innerhalb eines größeren Zyklus sein, etwa in einer Klaviersonate, Violinsonate, einem Streichquartett oder einer Sinfonie.

Variationen sind besonders häufig für Soloinstrumente geschrieben, kommen aber auch in Kammermusik, Orchestermusik sowie in Werken für Soloinstrument und Klavier oder Orchester vor. Der Artikel weist insgesamt auf eine unzureichende Beleglage hin; besonders der Abschnitt zur Kompositionstechnik ist ausdrücklich als überarbeitungsbedürftig, teilweise unbelegt und fehlerhaft gekennzeichnet.

Techniken des Variierens

Verändert werden können unter anderem Tempo, Dynamik, Artikulation, Tonart, Tongeschlecht, Melodie, Rhythmus, Begleitung, Harmonik, Klangfarbe und Verzierungen.

• Diminution bedeutet die Verzierung oder Unterteilung eines melodischen beziehungsweise harmonischen Gerüsts. Die Taktzahl oder das rhythmische Grundgerüst bleibt bestehen, während zusätzliche Töne eingefügt werden. Bei der melodischen Diminution wird eine Linie über einer gleichbleibenden Akkordfolge unterteilt. Bei der harmonischen Diminution kommen weitere Akkorde hinzu, die das harmonische Gerüst feiner gliedern.

• Ornamentierung fügt dekorative Verzierungen und Schnörkel hinzu, die für den grundlegenden Verlauf der Melodie nicht wesentlich sind. Variationen durch Diminution und/oder Ornamentierung heißen auch Figuralvariationen.

• Reharmonisierung bezeichnet das Hinzufügen, Umdeuten oder Ersetzen von Akkorden innerhalb einer vorhandenen Akkordfolge. Sie ist besonders in der Jazzimprovisation verbreitet und kann spontan erfolgen. Dabei werden etwa klangverwandte Akkorde ausgetauscht oder Dominant- und Subdominantsituationen verändert.

• Entwickelnde Variation ist ein von Arnold Schönberg geprägter Begriff. Dabei bezieht sich eine neue Variation nicht mehr unmittelbar auf das Ausgangsthema, sondern auf eine bereits entstandene Variation.

Renaissance, Barock und Klassik

In Renaissance und Barock wurden Melodien häufig nicht schriftlich festgelegt variiert: Sänger schmückten Arien durch Diminution aus, während Instrumentalisten über bekannte Tanzbässe oder Lieder improvisierten. In der Renaissance entsprach dies dem Varietas-Prinzip, das Vielfalt anstrebte und genaue Wiederholungen vermeiden sollte.

Seit dem frühen 16. Jahrhundert verbreiteten sich Ostinatovariationen. Ein Ostinato ist ein gleichbleibender Bass oder eine wiederkehrende Akkordfolge, über der andere musikalische Bestandteile verändert werden. Dazu gehören Passacaglia und Ciacona sowie Tanzmodelle wie Passamezzo, Romanesca und Folia. Im Barock entstanden außerdem improvisierte und komponierte Variationen über Generalbassmodelle oder Melodien, darunter Tanz-, Lied- und Cantus-Firmus-Variationen. Johann Sebastian Bachs Goldberg-Variationen BWV 988 bilden einen Höhepunkt dieser Kunst. Sie beruhen auf einem Ostinato aus 32 sogenannten Fundamentalnoten, das in sämtlichen Variationen erscheint.

Seit dem 18. Jahrhundert schrieben Komponisten die Variationen und sogar Verzierungen einzelner Noten zunehmend genau aus. In der Wiener Klassik wurden Variationen freier eingesetzt: Sie dienten der Entwicklung eines Werkes und als dramaturgisches Mittel. Seit etwa 1770 ordnete man jeder Variation ein Grundmodell zu. Neben nahtlos durchkomponierten Folgen gab es Variationen als kurze, voneinander abgegrenzte Sätze. Typisch war ein Wechsel des Tongeschlechts: Eine Minore-Variation steht in Moll, eine Majore-Variation in Dur.

Mozart verband Variations- und Sonatenelemente, etwa in der Klaviersonate KV 331, und schuf damit eine geschlossene Großform. Haydns Andante mit Variationen f-Moll Hob. XVII/6 ist eine Doppelvariation über zwei Themen und steht der Rondoform nahe. Variations- und Rondoformen konnten auch miteinander verbunden werden; im zweiten Satz von Beethovens 7. Sinfonie treten zusätzlich Fugen bei gleichbleibendem Rhythmus auf.

Romantik und 20. Jahrhundert

In der Romantik diente die Charaktervariation dazu, wechselnde Seelenzustände und menschliche Empfindungen darzustellen. Beispiele sind Robert Schumanns Études symphoniques op. 13 und Felix Mendelssohn Bartholdys Variations sérieuses. Zugleich wurden Variationen genutzt, um große Gesamtformen zu schaffen. Dabei konnte die konsequente Bindung an das Thema zurücktreten; das Thema wurde verändert, verlassen oder in Einzelheiten zerlegt, etwa bei Johannes Brahms und Max Reger. Regers „Mozart-Variationen“ op. 132 sind ein bekanntes romantisches Variationswerk.

Im 20. Jahrhundert verloren traditionelle Variationsformen an Bedeutung, doch Variation blieb als Kompositionstechnik wichtig. Schönbergs Konzept der entwickelnden Variation bezeichnet fortlaufende Veränderungs- und Entwicklungsarbeit. In der Zwölftontechnik wurde dieses Prinzip grundlegend, weil Zwölftonreihen einen inneren musikalischen Zusammenhang herstellen sollten.

Der Serialismus führte diese Idee seit den 1950er Jahren weiter: Nicht nur Tonhöhen, sondern auch Dynamik, Anschlag und Klangfarbe wurden nach Reihen organisiert. Diese Strömung hielt ungefähr bis in die 1970er Jahre an und wurde kritisiert, weil ihre starke strukturelle Organisation beim Hören schwer zu erfassen sei. Nach Darstellung des Artikels zeigen sich im Höreindruck häufig keine deutlichen Unterschiede zwischen Serialismus und Aleatorik, also Zufallsmusik.

Auch im Jazz ist Variation wesentlich. Jazz-Standards werden interpretiert sowie improvisatorisch und kompositorisch verändert; dabei spielt auch die Reharmonisierung eine wichtige Rolle.

Typische Werke und Besetzungen

Die Bandbreite der Variationsform zeigt sich an unterschiedlichen Besetzungen. Für Tasteninstrumente entstanden unter anderem Händels Variationen über den „Harmonischen Grobschmied“ aus der Suite Nr. 5 HWV 430 (1720), Bachs Goldberg-Variationen (1741), Beethovens Diabelli-Variationen op. 120 (1823) und Anton Weberns dreisätzige Variationen für Klavier op. 27 (1935–1936).

Zu den Orchesterwerken zählen Brahms’ Variationen über ein Thema von Haydn op. 56a (1874), Edward Elgars Enigma-Variationen (1899), Schönbergs Variationen für Orchester op. 31 (1926–1928) und Benjamin Brittens The Young Person’s Guide to the Orchestra (1946).

Für Soloinstrument und Orchester stehen beispielsweise Tschaikowskis Rokoko-Variationen für Violoncello und Orchester (1877), César Francks Symphonische Variationen für Klavier und Orchester (1885) und Rachmaninows Rhapsodie über ein Thema von Paganini für Klavier und Orchester (1934). Weitere Besetzungen reichen von Bachs Chaconne aus der Partita Nr. 2 für Solovioline BWV 1004 über Schuberts Introduktion und Variationen e-Moll über „Trockne Blumen“ D 802 für Flöte und Klavier bis zu Monteverdis vokaler Chaconne „Zefiro torna“.

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