Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Dynamik (Musik)

Häufig sind musikalische Akzente in Form von speziellen Zeichen; hierbei am geläufigsten sind > für marcato („akzentuiert“, „betont“) und ^ für martellato …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Funktion
  2. 2. Notation und Ausführung
  3. 3. Dynamikstufen
  4. 4. Übergänge und Akzente
  5. 5. Geschichtliche Entwicklung

Grundidee und Funktion

Dynamik bezeichnet in der Musik die Lehre von der Lautstärke oder Tonstärke sowie die bewusste Anwendung verschiedener Lautstärken als Gestaltungsmittel beim Spielen, Singen oder Produzieren von Musik. Physikalisch hängt die Lautstärke von der Amplitude ab, also von der Weite der Schwingung, die einen Ton erzeugt.

Dynamik ist wichtig, weil sie Musik gliedert, Spannung aufbauen kann und Überraschungsmomente ermöglicht. Sie beeinflusst, wie ein Stück wirkt und wie einzelne Stimmen, Motive oder Akkorde hervortreten. Im Unterschied zur Tonhöhe, die etwa in Hertz genau festgelegt werden kann, sind dynamische Angaben nicht absolut. Ein piano kann je nach Zusammenhang ähnlich laut wirken wie an anderer Stelle ein mezzoforte. Entscheidend ist deshalb die passende Proportion innerhalb des musikalischen Kontextes.

Man unterscheidet drei Grundarten: einheitliche Lautstärken als Stufen, gleitende Veränderungen der Lautstärke als Übergänge und abrupte Veränderungen als Akzente.

Notation und Ausführung

Dynamikanweisungen stehen in Noten meist in italienischer Sprache. Seit dem 19. Jahrhundert finden sich aber auch Angaben in der Sprache des Komponisten. In moderner Notation werden Lautstärken meist durch kursive Buchstaben und Zeichen unter dem Notensystem angegeben. Bei Gesangsstimmen stehen sie normalerweise über dem Notensystem, weil unter den Noten der Gesangstext steht.

Verschiedene Instrumente erzeugen Lautstärke auf unterschiedliche Weise. Bei Streichinstrumenten verändern Spieler den Bogendruck, die Geschwindigkeit des Bogenstrichs und die Strichstelle. Bläser verändern Druck und Menge des Luftstroms; bei manchen Blasinstrumenten kann Druckänderung jedoch auch die Tonhöhe beeinflussen und dient dann der Intonation. Bei Zupf- und Schlaginstrumenten sowie beim Klavier bestimmt vor allem die Härte des Anschlags die Dynamik. Bei der Orgel entsteht durch das Ziehen oder Abstoßen von Registern eine Stufendynamik; mit einem Schwellwerk ist auch eine stufenlose Veränderung möglich.

Neben Zeichen wie forte oder pianissimo können ausgeschriebene Anweisungen verwendet werden, etwa „hervorbringen“, „etwas zarter“ oder englisch „bring out“. Ausdrucksbezeichnungen wie dolce oder marcato geben zusätzlich Hinweise auf die gewünschte Vortragsart. Mit ma non troppo, italienisch für „aber nicht zu sehr“, kann eine Dynamik abgemildert werden, zum Beispiel forte ma non troppo.

Dynamikstufen

Die wichtigsten Lautstärkestufen der abendländischen Musik werden mit italienischen Begriffen und Abkürzungen bezeichnet. Die Grundreihe von leise nach laut lautet: ppp, pp, p, mp, mf, f, ff, fff.

piano, abgekürzt p, bedeutet „still“, „leise“ oder „zart“ und verlangt eine leise Tonstärke. forte, abgekürzt f, bedeutet „stark“, „laut“ oder „kräftig“ und verlangt eine laute Tonstärke. Mit m für mezzo, also „mittel“ oder „halb“, wird die Anweisung abgeschwächt: mf, mezzoforte, bedeutet „mittellaut“ oder „halbstark“ und ist etwas leiser als f; mp, mezzopiano, bedeutet „mittelleise“ oder „halbleise“ und ist etwas lauter als p.

Durch Verdopplung wird die Angabe gesteigert: ff heißt fortissimo, also „sehr laut“ oder „sehr stark“, pp heißt pianissimo, also „sehr leise“. In der Musik bis 1800 waren diese Werte die üblichen Lautstärkenextreme. In der Romantik kamen fff für „so stark wie möglich“ und ppp für „so leise wie möglich“ hinzu. Einzelne Komponisten gingen noch weiter: Pjotr Iljitsch Tschaikowski schreibt in seiner Symphonie Pathétique an der lautesten Stelle fffff und an der leisesten pppppp vor; György Ligeti verwendet teilweise achtfaches piano oder forte. Solche Nuancen gelten jedoch als kaum ausführbar.

In praktisch ausführbarer Musik werden meist Angaben von ppp bis fff verwendet. Forte-Wirkungen können zusätzlich durch Akzent- oder Marcatozeichen oder durch Zusätze wie s oder z verstärkt werden, zum Beispiel sf oder sffz.

Übergänge und Akzente

Gleitende Lautstärkeveränderungen beschreiben einen allmählichen Übergang. crescendo, abgekürzt cresc., bedeutet „wachsend“ und verlangt, dass die Tonstärke zunimmt. diminuendo, abgekürzt dim., und decrescendo, abgekürzt decresc., bedeuten, dass die Musik leiser wird. Häufig folgt darauf eine Dynamikangabe, die zeigt, welche Lautstärke am Ende erreicht werden soll.

Statt der Wörter cresc. oder dim. werden oft sogenannte Gabeln verwendet. Eine öffnende Gabel zeigt ein Lauterwerden, eine schließende Gabel ein Leiserwerden. Für ein Leiserwerden bis zur Lautlosigkeit steht al niente, „bis zum Nichts“; für ein Lauterwerden aus der Stille steht dal niente, „aus dem Nichts“. Solche Gabeln können an ihrer Spitze ein n. oder einen kleinen Kreis haben.

subito, abgekürzt sub., bedeutet „plötzlich“ oder „sofort“ und verlangt einen schlagartigen Übergang zu einer anderen Dynamikstufe. subito piano bedeutet zum Beispiel, dass nach einer lauten Stelle plötzlich leise gespielt wird. più bedeutet „mehr“, meno bedeutet „weniger“: più forte ist stärker als das bisherige Forte, meno piano ist weniger piano, also etwas lauter.

Abrupte Veränderungen heißen Akzente. sforzato oder sforzando, abgekürzt sf, sfz oder fz, bedeutet eine plötzliche Betonung. rinforzando, abgekürzt rf oder rfz, bedeutet „wieder stärker werdend“ oder eine anfangs leicht anschwellende Betonung. fortepiano, abgekürzt fp, bedeutet: zuerst laut, dann plötzlich leise. Häufige Akzentzeichen sind > für marcato, also „akzentuiert“ oder „betont“, und ^ für martellato, wörtlich „gehämmert“, also stark akzentuiert. Solche Akzente heben die Grunddynamik nicht auf; nach ihnen muss die vorherige Dynamik normalerweise nicht neu notiert werden.

Geschichtliche Entwicklung

Zu Beginn der Barockzeit hatte Dynamik als eigener musikalischer Parameter noch wenig Gewicht. Wo lauter oder leiser gespielt wurde, blieb oft dem mündlich überlieferten Stilempfinden der Musiker überlassen. Dynamikangaben im Aufführungsmaterial waren selten und bezeichneten häufig Abweichungen von Regeln. Frühe Beispiele sind Giovanni Gabrielis Sacrae Symphoniae von 1597, besonders die Sonata pian’ e forte, Johann Hermann Scheins Israelsbrünnlein von 1623 und Heinrich Schütz’ Musicalische Exequien von 1635.

Im Spätbarock wurde genauer unterschieden. Bei Vivaldi spielen im zweiten Satz des Frühlingskonzerts die Bratschen forte, um bellende Hunde darzustellen, während der Rest des Orchesters und die Solovioline piano spielen. Bei Johann Sebastian Bach zeigen Dynamikangaben oft, wann eine Stimme zurücktreten oder hervortreten soll. Der später geprägte Begriff Terrassendynamik beschreibt übergangslose Wechsel von Lautstärke und Klangfarbe, etwa durch Registerwechsel oder den Wechsel zwischen Concertino und Tutti im Concerto grosso. Die vereinfachende Übertragung dieses Begriffs auf die gesamte Barockmusik gilt aus heutiger Sicht als nicht haltbar, weil Quellen auch dynamische Abstufungen und Übergänge belegen.

In der Vorklassik gewann Dynamik an Bedeutung. Das Cembalo wurde vom Hammerklavier verdrängt, bei dem die Lautstärke durch die Stärke des Anschlags verändert werden konnte. Die Mannheimer Schule entwickelte eine neue Präzision im Orchesterspiel und ermöglichte Effekte wie einheitliches pianissimo, fortissimo und das „Mannheimer Crescendo“ mit dem ganzen Orchester.

In der Klassik, besonders bei Ludwig van Beethoven, wurde Dynamik endgültig zu einem eigenständigen musikalischen Parameter mit genauen Spielanweisungen. Beethoven verwendete regelmäßig pp und ff, oft in unmittelbarem Kontrast, lange Orchester-Crescendi, Crescendo vom p zum ff innerhalb eines Taktes, Crescendo mit anschließendem subito p, Decrescendo mit anschließendem ff und Akzente auf schwachen Taktzeiten.

In der Spätromantik und im Expressionismus wurde die Dynamik weiter gesteigert, besonders in „hyperexpressivistisch“ notierter Musik, etwa bei Gustav Mahler. In der Moderne und Postmoderne konnte Dynamik sogar kompositionsbestimmend werden. Als Beispiele nennt der Artikel Maurice Ravels Boléro, Arthur Honeggers Pacific 231 und Philip Glass’ The Canyon, das als großes Crescendo und Decrescendo in ABA-Form beschrieben wird.

Lernvideos zu Dynamik (Musik)

Weiterlesen

Musik Musik kann neben körperlichen Reaktionen auch seelische Empfindungen oder Assoziationen unterschiedlicher Art und Intensität hervorrufen. ... Da sich der … Lautstärke Die Lautstärke ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für die Stärke des Schalls oder eines Schallereignisses. Es geht dabei entweder um die gemessene oder … Interpretation (Musik) Interpretation oder (musikalischer) Vortrag bezeichnet in seiner musikpraktischen Bedeutung zunächst die Ausführung einer Komposition durch einen oder mehrere … Amplitude In Physik und Technik wird die Amplitude definiert als die maximale Auslenkung einer harmonischen Schwingung aus der Lage des arithmetischen Mittelwertes. ... Der … Schwingung Als Schwingungen oder Oszillationen (lateinisch oscillare ‚schaukeln') werden wiederholte zeitliche Schwankungen von Zustandsgrößen eines Systems bezeichnet. Ton (Musik) Ton bezeichnet in der Musik ein Schallereignis (sowie dessen Höreindruck und gedankliche Abstraktion), das von Musikinstrumenten, der menschlichen Stimme … Akzent (Musik) Ein Akzent (entlehnt von lateinisch accentus) ist eine Betonung (englisch accent bzw. emphasis) und in der musikalischen Notation auch eine Vortragsanweisung, … Notation (Musik) Als Notation bezeichnet man in der Musik das grafische Festhalten von musikalischen Parametern wie Tonhöhe, -dauer und -lautstärke in einer dazu … Musikinstrument Elektromechanische Musikinstrumente wie die Elektrogitarre mit elektromechanischer Tonabnahme und analoger Signalverarbeitung eines mechanischen … Streichinstrument Die Streichinstrumente sind Saiteninstrumente, Violine, Bratsche, Violoncello und Kontrabass. Viola d'amore, Baryton, Nyckelharpa und der Trumscheit. Blasinstrument Blasinstrumente sind Musikinstrumente, bei denen ein Musiker üblicherweise durch seine Atemluft meistens mit einem Instrumentenmundstück die Luftsäule … Schlaginstrument Man unterscheidet Schlaginstrumente mit definierbarer Tonhöhe wie zum Beispiel Pauke, Tabla, Glocke und Buckelgong und solche, die ein weniger definierbares …