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Die Zauberflöte

Die Zauberflöte (KV 620) ist eine deutschsprachige Oper in zwei Aufzügen von Wolfgang Amadeus Mozart, die 1791 im Freihaustheater in Wien uraufgeführt wurde …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grunddaten und Bedeutung
  2. 2. Gattung und Aufbau
  3. 3. Handlung
  4. 4. Handlungsstruktur und Deutung
  5. 5. Entstehung und Einflüsse
  6. 6. Musik und Wirkung

Grunddaten und Bedeutung

Die Zauberflöte (KV 620) ist eine deutschsprachige Oper in zwei Aufzügen von Wolfgang Amadeus Mozart. Das Libretto stammt von Emanuel Schikaneder. Die Uraufführung fand am 30. September 1791 im Theater im Freihaus auf der Wieden in Wien statt. Die Spieldauer beträgt etwa drei Stunden. Ort und Zeit der Handlung sind märchenhaft unbestimmt: ein Phantasieort zwischen Tälern und Bergen und eine Märchenzeit.

Das Werk gehört zu den bekanntesten und am häufigsten aufgeführten Opern weltweit. Viele einzelne Nummern sind sehr berühmt, etwa Papagenos „Der Vogelfänger bin ich ja“, Taminos „Dies Bildnis ist bezaubernd schön“ und die Arie der Königin der Nacht „Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen“. Weil die Oper märchenhafte Handlung, komische Figuren, ernste Prüfungsszenen und eingängige Musik verbindet, wird sie auch kindergerecht, als Schulaufführung oder als Marionettentheater gespielt.

Die wichtigsten Rollen sind Sarastro (Bass), Tamino (Tenor), die Königin der Nacht (Sopran), Pamina (Sopran), Papageno (Bariton), Papagena (Sopran), Monostatos (Tenor), drei Damen, drei Knaben und ein Chor aus Priestern, Sklaven und Gefolge.

Gattung und Aufbau

Bei der Uraufführung wurde das Bühnenwerk als „Eine große Oper in zwei Akten“ bezeichnet; Mozart selbst nannte es „deutsche Oper“. Formal ist Die Zauberflöte ein Singspiel: eine Form des Musiktheaters mit gesungenen Musiknummern und gesprochenen Dialogen. Zugleich verbindet sie unterschiedliche Musik- und Theaterstile, darunter Opera seria, Opera buffa und Tragédie lyrique.

Die Oper steht in der Tradition des Alt-Wiener Zaubertheaters, das märchenhafte Stoffe, Zaubergegenstände und spektakuläre Bühnenverwandlungen nutzte. Mozart und Schikaneder erweiterten diese Tradition jedoch deutlich. Neben einfachen Strophenliedern, Duetten und Vaudevilles verwendet Mozart große „Ketten-Finali“. Damit sind lange Finalabschnitte gemeint, in denen Personen, Orte, Stimmungen und musikalische Formen ständig wechseln.

Ein wichtiges Prinzip ist der Kontrast: komische Szenen mit Papageno stehen neben ernsten Tempel- und Prüfungsszenen; Märchenzauber steht neben Ideen von Weisheit, Vernunft und moralischer Bewährung. Im Verlauf der Handlung treten zunehmend freimaurerische Ideale hervor.

Handlung

Im ersten Aufzug wird der junge Prinz Tamino von der Königin der Nacht beauftragt, ihre Tochter Pamina zu retten. Pamina sei vom Fürsten Sarastro entführt worden. Tamino verliebt sich schon in Paminas Bildnis. Der Vogelfänger Papageno begleitet ihn. Von den drei Damen der Königin erhält Tamino eine Zauberflöte, Papageno ein magisches Glockenspiel. Beide Instrumente schützen in Gefahr und können Feinde besänftigen oder verwandeln.

Papageno findet Pamina in Sarastros Reich. Sie fliehen gemeinsam vor Monostatos, Sarastros Oberaufseher. Durch Papagenos Glockenspiel entkommen sie zunächst. Tamino gelangt unterdessen zum Weisheitstempel. Dort erfährt er von einem Priester, dass Sarastro nicht einfach der böse Entführer sei, für den ihn die Königin dargestellt hat. Am Ende des ersten Aufzugs werden Tamino und Papageno zu Prüfungen in den Tempel geführt, während Pamina von Tamino getrennt wird.

Im zweiten Aufzug erklärt Sarastro, er habe Pamina entführt, um sie vor der Königin der Nacht zu schützen. Diese wolle den Tempel zerstören. Tamino soll in den Kreis der Eingeweihten aufgenommen werden; auch Pamina ist für ihn bestimmt. Dafür müssen Prüfungen bestanden werden: Mündigkeit, Verschwiegenheit und Standhaftigkeit. Papageno ist ängstlich und scheitert früh an den höheren Anforderungen, erhält aber am Ende durch sein Glockenspiel Papagena. Tamino und Pamina bestehen mit Hilfe der Zauberflöte die Feuer- und Wasserprobe. Die Königin der Nacht versucht mit Monostatos und ihren Verbündeten einen Überfall auf den Tempel, wird aber besiegt. Am Schluss werden Tamino und Pamina gemeinsam in den Kreis der Eingeweihten aufgenommen.

Handlungsstruktur und Deutung

Die Handlung ist nicht nur eine einfache Abfolge von Szenen. Schikaneder arbeitet mit einer Art „Parallel-Montage“: Manche Handlungsstränge muss man sich als gleichzeitig vorstellen, obwohl sie nacheinander auf der Bühne gezeigt werden. Besonders wichtig sind zwei gleichberechtigte Linien: Taminos Weg durch Erkenntnis und Prüfung und Paminas eigener Weg durch Bedrohung, Verzweiflung und Bewährung. Diese Linien kreuzen sich an wichtigen Punkten und werden am Ende zusammengeführt.

Daneben gibt es im zweiten Finale weitere Handlungsebenen: Papageno sucht verzweifelt Papagena, während die Königin der Nacht mit Monostatos Sarastros Herrschaft stürzen will. In der Fachliteratur wird deshalb betont, dass das Leitthema nicht nur Liebe ist. Ebenso wichtig ist die Idee, durch Prüfungen und Selbsterkenntnis zu einem besseren Menschen zu werden.

Entstehung und Einflüsse

Als Textgrundlagen des Librettos dienten mehrere literarische und theatrale Quellen. Dazu gehören besonders das Märchen Lulu oder die Zauberflöte von August Jacob Liebeskind aus Wielands Sammlung Dschinnistan (1786–1788), Wielands Oberon (1780), Jean Terrassons Roman Séthos (1731), Karl Friedrich Henslers Sonnenfest der Braminen (1790) und Elemente aus der Oper Oberon, König der Elfen von Paul Wranitzky.

Die Oper ist auch von der Wiener Kasperl- und Zauberoper beeinflusst. Dieser beliebte Singspieltyp zeigte Liebe, Gefahren, gute und böse Mächte, Zauberer, Geister, Tiere und aufwendige Bühneneffekte. Zugleich enthält Die Zauberflöte freimaurerische Einflüsse. Mozart war selbst Freimaurer. Rituale der Einweihung, Symbole, die Zahl Drei und Motive von Weisheit, Vernunft und Prüfung spielen eine wichtige Rolle. Der Artikel betont aber auch, dass der Umfang dieser freimaurerischen Bedeutung umstritten ist. Manche Deutungen sehen die Oper als freimaurerisch geprägtes „Mysterium“, andere warnen davor, diesen Einfluss zu überschätzen oder erkennen sogar Kritik an freimaurerischen Methoden.

Häufig diskutiert wird der sogenannte „Bruch“: Die Königin der Nacht erscheint zunächst als leidende Mutter, später als rachsüchtige Gegnerin; Sarastro wirkt zunächst wie ein Entführer, später wie ein weiser Herrscher. Ältere Erklärungen sahen darin eine nachträgliche Umarbeitung des Librettos. Jan Assmann widerspricht dieser Bruchtheorie und deutet den Perspektivwechsel als absichtlich angelegten Erkenntnisprozess, den nicht nur die Figuren, sondern auch das Publikum durchlaufen sollen.

Musik und Wirkung

Das Orchester umfasst nach der Neuen Mozart-Ausgabe Holzbläser, Blechbläser, Pauken, Tastenglockenspiel und Streicher: zwei Flöten, zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Fagotte, zwei Hörner, zwei Trompeten, drei Posaunen, Pauken, ein Tastenglockenspiel und Streicher. Die Ouvertüre beginnt in Es-Dur mit einer feierlichen Akkordfolge. Es-Dur wird im Artikel als Tonart der Liebe und Tugend beschrieben. In der Oper haben Tonarten oft charakteristische Bedeutungen: C-Dur steht für Tugend und Weisheit, c-Moll für Tod, G-Dur für Unbekümmertheit und Freude, g-Moll für Trauer, d-Moll für Rache.

Auch die Figuren haben eigene musikalische Profile. Tamino und Pamina singen in deutlicher Gefühlssprache. Papageno und Papagena sind durch volkstümliche, leicht einprägsame Melodien geprägt. Sarastro und die Priester klingen ruhig und abgeklärt, oft mit tiefer Besetzung und gleichmäßiger Dynamik. Die Königin der Nacht ist durch virtuose, feurige Koloraturen gekennzeichnet. Monostatos verwendet eher syllabische Textvertonung, bei der jede Silbe klar auf einzelne Töne gesetzt wird.

Die Uraufführung wurde nicht sofort einhellig gefeiert. Die Oper wurde zwar im Oktober 1791 in Wien noch zwanzigmal gespielt, doch einige Zuschauer und Kritiker störten sich an Inhalt und Sprache des Textbuchs oder an den ernsten Priesterszenen. Langfristig setzte sich das Werk jedoch sehr schnell durch. Schon 1792 wurde es in Prag gespielt, 1793 auf vielen weiteren Bühnen, später in ganz Europa. Im 19. Jahrhundert bewunderten unter anderem Beethoven, Hegel, Herder und Goethe die Oper. Bis heute gehört Die Zauberflöte zu den meistgespielten Mozart-Opern und wurde vielfach aufgenommen, verfilmt, inszeniert und bearbeitet, darunter Ingmar Bergmans schwedische Filmfassung Trollflöjten von 1974 und moderne Neuinterpretationen im 21. Jahrhundert.

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