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Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Artikulation (Musik)

Unter Artikulation in der Musik wird die Art verstanden, wie ein einzelner Ton stimmlich oder instrumental gebildet wird und aufeinander folgende Töne …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Was ist Artikulation?
  2. 2. Abgrenzung des Begriffs
  3. 3. Die grundlegenden Artikulationsarten
  4. 4. Ausführung und Instrumentenbezug
  5. 5. Beispiel und Verhältnis zur Phrasierung

Was ist Artikulation?

Artikulation in der Musik bezeichnet die Art, wie ein einzelner Ton stimmlich oder instrumental gebildet wird und wie aufeinander folgende Töne miteinander verbunden werden. Der bewusste Einsatz der zahlreichen Möglichkeiten, Töne zu erzeugen und zu verbinden, ist ein wesentlicher Bestandteil der musikalischen Gestaltung. In zahlreichen außereuropäischen Musikkulturen, zum Beispiel in der klassischen Musik Indiens, bilden Tonerzeugung und Tonverbindung eine integrale Einheit; dort führen sie zu fließenden Übergängen zwischen artikulatorischen und ornamentalen Elementen der musikalischen Liniengestaltung.

Abgrenzung des Begriffs

  • Die sprachliche Lautbildung und die instrumentale Tonbildung (Ansatz, Anschlag, Bogenstrich) betreffen die technisch-physiologische Bildung der einzelnen Laute bzw. Töne. Hier nimmt der Artikulationsbegriff seinen Anfang. Die Wikipedia markiert diese Erklärungen als nicht ausreichend belegt (die Angaben könnten ohne Belege entfernt werden). Im Gesang, wo sowohl Laute wie Töne erzeugt werden (Phonation = Stimmerzeugung), bezieht sich der Begriff auch auf die Klarheit und Deutlichkeit der erzeugten Laute und Töne (italienisch articolare = deutlich aussprechen). Diese Laut- und Tonbildung ist von der künstlerischen Artikulation beim Rezitieren und Musizieren zu unterscheiden. Mit dem Artikulationsbegriff ist immer auch die Vorstellung einer sinnlichen Tonqualität verbunden, etwa laut–leise, hart–weich oder spitz–rund. Ein Artikulationszeichen darf aber nicht als rein instrumentaltechnisches Ausführungszeichen umgedeutet werden, zum Beispiel das Staccatissimo nicht als Akzent. Die Akzentuierung eines Tones gehört zur Dynamik (Lautstärkegestaltung) und in einem formalen Tonverbund zur Metrik (Taktordnung). Die häufig vertretene Auffassung, die Artikulation diene der Phrasierung, geht vermutlich auf die figürliche Bedeutung von articulus als ‚Glied, Satzteil, Abschnitt‘ zurück. Begriffe der formalen Gliederung sind in der Musik unter anderem Figur, Motiv, Phrase, Thema, Periode und Satz.

Die grundlegenden Artikulationsarten

Die grundlegenden Arten, Töne miteinander zu verbinden bzw. voneinander abzuheben, heißen: legato (gebunden), non legato (nicht gebunden), tenuto (gehalten), portato (getragen), staccato (abgesetzt, abgestoßen, getrennt, kurz und prägnant) und staccatissimo (stark abgesetzt, stark getrennt, äußerst kurz). Notiert werden sie mit den Schriftsymbolen Bogen, Querstrich, Punkt und Keil; auch das senkrechte Strichlein (|) wird benutzt. Die Verwendung dieser Symbole ist nicht einheitlich und kann sogar innerhalb des Werkes eines Komponisten variieren. So ist die Bezeichnung des Staccatissimo durch Keile nicht allgemein üblich. Hugo Riemann nennt in seiner Klavierschule zusätzlich die in der Praxis selten verwendeten Bezeichnungen mezzolegato und mezzostaccato (leggiero).

Ausführung und Instrumentenbezug

Die Ausführung von Artikulationsangaben muss je nach Instrument, Spieltechnik und Musikstil modifiziert werden und hängt stark vom gewählten Tempo und der Raumakustik ab. Ein Beispiel ist das Legatissimo (auch Überlegato genannt), das wie das Legato mit einem Bogen notiert wird. Es bedeutet ein Weiterklingen in den nächsten Ton hinein, bei dem die Finger sich erst von der Taste heben, wenn der nächste darauf folgende Ton schon gehört worden ist; das ist nicht auf allen Instrumenten möglich. Bei der Harfe und anderen mehrsaitigen Zupfinstrumenten ist dieses Nachklingen von Tönen über ihre notierte Dauer hinaus ein integraler Bestandteil des Klangcharakters, zum Beispiel durch campanela-Fingersätze bei der Barockgitarre, und nicht nur bei der Ausführung von Akkordzerlegungen. Auch auf dem Klavier wird diese Artikulationsart von C. Ph. E. Bach erwähnt und in der Klassik etwa bei der pedallosen Ausführung von Alberti-Bässen angewendet. In späterer Zeit übernimmt oft das Pedal diese Funktion; Frédéric Chopin hat das legatissimo-Spiel in Begleitfiguren jedoch noch selbst praktiziert und gelehrt. Hingegen soll die Möglichkeit, auf dem Klavier auch bei gleichzeitiger Pedalanwendung ein Non-Legato zu erzeugen, wobei ein Staccato mit ‚spitzem‘ Anschlag angedeutet wird, auf einer akustischen Täuschung beruhen und den physikalischen Gegebenheiten widersprechen.

Beispiel und Verhältnis zur Phrasierung

Künstlerische Artikulation lässt sich an exemplarischen Vorbildern studieren. In einer Melodie aus der Violinsonate B-Dur KV 378 von W. A. Mozart (erster Satz, allegro moderato, Takt 26–30) finden sich Legato, Non-Legato (im 5. Takt), Staccato, Portato und das Strichlein (im 2. Takt). An diesem Beispiel lässt sich auch die Beziehung zwischen Artikulation und musikalischer Struktur aufzeigen. Zu Analysezwecken werden eckige Klammern, Kommata oder Gliederungsstriche benutzt. Damit wird deutlich, dass Artikulation und Phrasierung mit der Melodie und ihren Motiven ein gemeinsames Objekt haben, aber ihren je eigenen Aspekt der Charakterisierung und der Formgestaltung bzw. Gliederung bewahren: „Nur wenn sich die praktische Ausführung der Phrasierung mit der Artikulation nicht berührt, können beide nebeneinander bestehen und unabhängig von einander durchgeführt werden.“ Schreibt der Komponist die Artikulation nur rudimentär oder gar nicht vor, ist es Aufgabe des Interpreten, eine Artikulationsweise zu finden, die möglichst den Stilkriterien der Zeit folgt. Der Bogen, der das artikulatorische Binden und Absetzen der Töne anzeigt, wird seit der Frühromantik auch zur Bezeichnung der Phrase und sogar des Motivs verwendet und heißt dann sogenannter Phrasierungsbogen (Motiv- oder Phrasenbogen). Wegen dieser Mehrdeutigkeit kann die Bedeutung eines Bogens nur aus dem jeweiligen Kontext erschlossen werden.

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