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Thema (Musik)

Thema) ist eine prägnante musikalische Gestalt, die als tragender Grundgedanke eines Musikstücks auf Wiederkehr, Abwandlung und Verarbeitung im weiteren Verlauf …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Formen
  2. 2. Musikalische Gestalt
  3. 3. Thema und Motiv
  4. 4. Variationenwerke
  5. 5. Fuge und Sonatenhauptsatz
  6. 6. Thema im Jazz

Grundidee und Formen

Ein Thema ist in der Musik eine prägnante musikalische Gestalt. Es wirkt als tragender Grundgedanke eines Musikstücks und ist darauf angelegt, im weiteren Verlauf wiederzukehren, verändert zu werden und kompositorisch verarbeitet zu werden. Es kann außerdem mit weiteren Themen konfrontiert oder kombiniert werden.

Für die Länge, Bauweise, rhythmische Prägnanz oder satztechnische Struktur eines Themas gibt es keine allgemeingültigen Regeln. Ein Thema kann einstimmig sein, mehrstimmig homophon, also mit einer führenden Stimme und Begleitung, oder polyphon, also aus mehreren selbständigen Stimmen aufgebaut. Seine konkrete Gestalt hängt stark von Gattung, Form, Kompositionsstil und Absicht des Werkes ab. Deshalb unterscheiden sich zum Beispiel die Themenbegriffe von Fuge, Sonate und Variationenwerk deutlich.

Musikalische Gestalt

Themen können sehr unterschiedlich erscheinen. Sie können „geschlossen“ sein, also als klar begrenzter Abschnitt auftreten, oder „offen“, sodass sie kaum merklich in andere, nicht mehr zum Thema gehörende Partien übergehen.

Ein Thema kann vor allem melodisch-linear wirken, also als erkennbare Melodielinie. Es kann aber auch von Anfang an klanglich-harmonisch oder sogar polyphon gedacht sein. Manche Themen sind einheitlich gestaltet, andere bestehen aus kontrastierenden Motiven. Ein Motiv ist dabei ein kleiner musikalischer Baustein, aus dem ein Thema entstehen oder weiterentwickelt werden kann.

Ein Thema kann neu erfunden sein oder vorhandenes musikalisches Material übernehmen und bearbeiten. Damit ist es nicht nur eine Melodie, sondern ein musikalischer Gedanke, der je nach Werk sehr verschieden ausgeformt sein kann.

Thema und Motiv

Hugo Riemann beschreibt den Unterschied zwischen Thema und Motiv so: Ein Thema ist ein musikalischer Gedanke, der noch nicht völlig abgerundet und geschlossen sein muss, aber bereits so weit ausgeführt ist, dass er eine charakteristische Gestalt zeigt. Ein Motiv ist dagegen nur ein „Keim thematischen Gestaltens“. Ein eigentliches Thema entsteht demnach durch die Bildungskraft eines Motivs, etwa durch Wiederholung in gerader oder umgekehrter Bewegung oder durch einen Gegensatz.

Nach dieser Sicht kann ein Thema aus mehreren verschiedenen Motiven oder aus Abwandlungen eines Motivs bestehen. Diese Definition ist oft hilfreich, stößt aber an Grenzen. Bei einem Fugenthema, das manchmal nur vier oder fünf Töne umfasst, ist eine Unterteilung in Motive schwer erkennbar. Auch bei Beethovens fünfter Sinfonie ist die Anwendung des Begriffs Thema schwierig: Der erste Satz beruht im Kern auf dem knappen viertönigen Anfangsmotiv. Folgt man Riemanns Definition, müsste man eher einen größeren Zusammenhang, der mit diesem Motiv arbeitet, als Thema bezeichnen; dann bleibt aber unklar, wo dieses Thema endet.

Auch der Begriff Leitmotiv, besonders wichtig für Wagners Opernwerke, ist nicht eindeutig. Viele sogenannte Leitmotive sind längere musikalische Bildungen, die sich selbst wieder in Motive untergliedern lassen. Im Sinne Riemanns wären sie daher eher als Themen zu verstehen.

Variationenwerke

In Variationenwerken liegt dem Stück ein bestimmtes musikalisches Muster zugrunde. Dieses kann eine Melodie sein, etwa aus einem Lied oder einem anderen Musikstück, aber auch eine Harmoniefolge, eine Basstonlinie oder ein vollständiges Musikstück. Dieses vorgegebene Material bildet das Thema, das im Verlauf des Werkes verändert wird.

Bei Chaconne und Passacaglia, besonders im Barock beliebten Formen, besteht die Grundlage aus Variationen über einem ostinaten Bass. Ein ostinater Bass ist eine wiederkehrende Basstonlinie. In diesen Formen fungiert dieser Bass als Thema.

Im Barock und noch stärker in Klassik und Romantik entstanden Variationenwerke, die geschlossene Musikstücke als Thema verwenden konnten, zum Beispiel Arien, Volkslieder, Märsche oder Tänze. Genannte Beispiele sind die Aria der Goldberg-Variationen (BWV 988) von Johann Sebastian Bach, Beethovens Sechs Variationen über ein Schweizer Lied (WoO 64), Beethovens Neun Variationen über einen Marsch von E. Chr. Dressler (WoO 63) über einen Marsch von Ernst Christoph Dressler sowie Beethovens Diabelli-Variationen op. 120 über einen Walzer.

Fuge und Sonatenhauptsatz

In der Fuge spielt der Begriff Thema aus heutiger Sicht eine besonders wichtige Rolle. Eine Fuge beginnt immer mit einer unbegleiteten Einzelstimme, die das Thema vorstellt. Danach treten weitere Stimmen hinzu. Sie übernehmen das Thema, wiederholen es auf anderen Tonstufen und verbinden sich mit den übrigen Stimmen zu einem kunstvollen polyphonen Geflecht. Das Thema ist nicht das einzige, aber das wesentliche Material der Fuge. Es bestimmt den Verlauf des Werkes und kann nach den Regeln des Kontrapunkts vielfältig abgewandelt werden. Historisch war zur Blütezeit der Fugenkomposition die Bezeichnung „Thema“ eher unüblich; man sprach in Anlehnung an Soggetto eher vom „Subjekt“ und nannte den zum Thema hinzutretenden Kontrapunkt „Kontrasubjekt“.

In der Klassik wurde das Thema in der Exposition der Sonatensatzform zentral. Dort erscheint es häufig homophon als begleitete Melodie, manchmal auch mit polyphonen Elementen. Meist tritt ein weiteres, oft kontrastierendes Thema hinzu. Aus Motiven und Figuren beider Themen entwickelt der Komponist den Mittelteil des Sonatenhauptsatzes, die Durchführung. Danach wiederholt die Reprise die Exposition in veränderter Form; das Stück kann anschließend mit einer Coda abgeschlossen werden.

Thema im Jazz

Im Jazz bildet ein Thema häufig die Grundlage für Soloimprovisationen der Bandmitglieder. Es wird am Anfang vorgestellt und im weiteren Verlauf von den einzelnen Musikern variiert. In Jazzstücken mit diesem Aufbau, oft, aber nicht zwingend Instrumentalstücken, heißt dieses Anfangsthema Kopfthema, englisch „head“.

Im Modern Jazz, besonders im Bebop, spricht man auch von einem „bebop head“. Im Hardbop findet sich meist die sogenannte Jazz-Performanceform: Das Thema wird, teilweise nicht einmal vollständig, streng einmal am Anfang und einmal am Ende als Reprise gespielt. Dazwischen liegen weitgehend freie Improvisationen.

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