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Urgeschichte
Die Urgeschichte erstreckt sich vom Auftreten der ersten Steinwerkzeuge vor etwa 2,6 Millionen Jahren (vgl. Stammesgeschichte des Menschen) bis zum regional …
Inhalt5 Abschnitte
Begriff und zeitliche Einordnung
Die Urgeschichte, auch Vorgeschichte oder Prähistorie genannt, ist der älteste Zeitabschnitt der Menschheitsgeschichte. Kennzeichnend ist, dass aus dieser Zeit keine schriftlichen Überlieferungen vorliegen. Sie beginnt mit den ersten Steinwerkzeugen vor etwa 2,6 Millionen Jahren und endet regional unterschiedlich mit dem Auftreten von Schriftzeugnissen.
Ihre Erforschung stützt sich vor allem auf archäologische Funde und Befunde, etwa Werkzeuge, Waffen, Siedlungen, Gräber und Kunstwerke. Beteiligt sind die Archäologie und Hilfswissenschaften wie die Paläoanthropologie. Auf die Urgeschichte folgt die Frühgeschichte: In ihr werden indirekte Schriftquellen und archäologische Quellen ungefähr gleichwertig genutzt. In der Geschichte im engeren Sinne stammen die wichtigsten Erkenntnisse dagegen aus schriftlichen Quellen; die materielle Kultur wird zusätzlich archäologisch untersucht.
Die klassische Einteilung der Vorgeschichte in Steinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit wurde 1836 von Christian Jürgensen Thomsen in einem publizierten Dreiperiodensystem vorgestellt. Diese Periodisierung gilt für die Alte Welt, ist aber nicht weltweit gleichzeitig gültig. Der Beginn der historischen Zeit hängt von der jeweiligen Region ab. In Nordamerika beginnt sie beispielsweise nicht vor der Entdeckung durch die Spanier.
Steinzeit und Entwicklung des Menschen
Die Steinzeit ist die früheste Epoche der Menschheitsgeschichte. Sie ist durch die vorherrschende Nutzung von Steinwerkzeugen gekennzeichnet und begann nach heutigem Kenntnisstand vor etwa 2,6 Millionen Jahren in Afrika. Sie umfasst die Altsteinzeit und die mit dem Beginn der Landwirtschaft einsetzende Jungsteinzeit. In Mittel- und Nordeuropa liegt dazwischen die Mittelsteinzeit; sie entspricht ungefähr dem jüngeren Epipaläolithikum des Mittelmeerraums. Die Altsteinzeit fällt erdgeschichtlich mit dem Pleistozän, dem Eiszeitalter, zusammen. Die folgenden Epochen gehören zum Holozän. Das Pleistozän beziehungsweise die letzte Eiszeit, Würm III, endete vor etwa zehn Jahrtausenden.
In Afrika entwickelten Vorfahren des Menschen vor etwa 6 Millionen Jahren den aufrechten Gang. Aus den Australopithecinen gingen schließlich Homo rudolfensis und Homo habilis hervor. Sie werden der Gattung Homo unter anderem zugerechnet, weil sie vermutlich schon vor 2,6 Millionen Jahren einfache Geröllgeräte herstellten. Diese Werkzeuge, sogenannte Choppers und Chopping tools, gehören zur Kulturstufe des Oldowan. Dieser Abschnitt wird meist Frühpaläolithikum genannt.
Homo erectus lebte im Altpaläolithikum, das durch die Existenz von Faustkeilen gekennzeichnet ist. Spätere Vertreter nutzten auch das Feuer. Die älteste sicher datierte Fundstelle mit diesem Gebrauch ist Gesher Benot Ya’aqov im heutigen Israel; sie ist 790.000 Jahre alt. Vor etwa 1,5 Millionen Jahren entstand in Afrika die Stufe des Acheuléen, deren sorgfältig gefertigte, beidseitig zugeschlagene Artefakte vor etwa 500.000 Jahren auch Europa erreichten. Homo erectus breitete sich von Afrika über Vorderasien nach Indien, China, Südostasien sowie nach Süd- und Mitteleuropa aus. Späte Vertreter, die häufig Homo heidelbergensis zugerechnet werden, waren bereits Jäger und Sammler. Dafür sprechen unter anderem acht hölzerne, mindestens 290.000 Jahre alte Wurfspeere aus Schöningen in Niedersachsen.
Aus europäischen Homo-erectus-Populationen entwickelten sich über Homo heidelbergensis und Homo steinheimensis die Neandertaler. Sie waren an die Umweltbedingungen der Eiszeit besonders gut angepasst. Bei ihnen sind in Mitteleuropa erstmals kultische Praktiken nachweisbar, darunter Bestattungen mit Grabbeigaben, etwa in La Ferrassie. Technisch bearbeiteten sie neben den Werkzeugkernen auch scharfkantige Abschläge weiter. Diese Breitklingenkulturen nutzten unter anderem die Levalloistechnik, bei der sogenannte präformierte Kerne bearbeitet werden. Die Ursache für das Verschwinden der Neandertaler ist ungeklärt; ihre jüngsten Fundstellen liegen auf der Iberischen Halbinsel.
Homo sapiens entwickelte sich aus in Afrika verbliebenen Populationen von Homo erectus. Vor etwa 100.000 Jahren begann seine zweite Auswanderungswelle nach Asien und Europa. Belege für eine aggressive Verdrängung der Neandertaler sind nicht nachweisbar; beide Menschenformen könnten sich in Europa noch vor rund 40.000 Jahren begegnet sein. Homo sapiens verfeinerte die Steinbearbeitung zu Schmalklingenkulturen und hinterließ frühe Zeugnisse abstrakten und symbolischen Denkens. Figürliche Kunstwerke aus der Schwäbischen Alb, darunter der etwa 40.000 Jahre alte Löwenmensch, zeigen dies ebenso wie Flöten aus Schwanenknochen. Die ältesten dort genannten Höhlenmalereien sind etwa 35.000 Jahre alt. Noch ältere künstlerische Erzeugnisse sind gravierte Knochenobjekte aus der Blombos-Höhle in Südafrika; ihre ältesten Exemplare werden auf etwa 77.000 Jahre datiert.
Landwirtschaft und Metallzeiten
Mit dem Ende der letzten Eiszeit verschoben sich die Klimagürtel nach Norden. Besonders im Fruchtbaren Halbmond in Vorderasien wurden dadurch sesshafte Lebensweisen möglich. Die jüngere Dryaszeit brachte noch einmal sinkende Temperaturen und ein schlechteres Nahrungsangebot. Menschen, die nicht zur nomadischen Lebensweise zurückkehren konnten oder wollten, suchten daher neue Formen der Ernährung. Daraus entstand die Landwirtschaft.
Erste Ansätze gab es im Proto-Neolithikum vor 14.000 Jahren. Ab 9500 v. Chr. begann die organisierte Domestikation von Pflanzen und Tieren. Diese produzierende Wirtschaftsweise wird seit Vere Gordon Childe als „Neolithische Revolution“ bezeichnet, weil sie tiefgreifende sozioökonomische Veränderungen auslöste. Landwirtschaft entstand außerdem unabhängig voneinander in weiteren Zentren, etwa in Südchina und Südamerika. Nach Mitteleuropa gelangten die Neuerungen vor etwa 7000 Jahren.
Typische Merkmale der Jungsteinzeit sind Sesshaftigkeit, Keramik und der Schliff von Stein. Die höhere landwirtschaftliche Produktivität ermöglichte eine Spezialisierung verschiedener Berufsgruppen, also eine horizontale Differenzierung. Gleichzeitig entstanden Herrschaftsstrukturen: zunächst Häuptlingsreiche, später Staaten; dies wird als vertikale Differenzierung beschrieben.
Die Kupfersteinzeit, auch Chalkolithikum oder Äneolithikum, liegt zwischen Jungsteinzeit und früher Bronzezeit. In ihr begannen der Kupferbergbau und grundlegende Techniken der Metallurgie. Kupfer blieb jedoch knapp, sodass Steinwerkzeuge weiterhin überwogen. Ötzi, der Mann vom Tisenjoch, stammt aus der mitteleuropäischen Kupfersteinzeit. Sein Beil besaß eine Klinge, die zu 99 % aus Kupfer aus dem Salzburger Land bestand.
Bronze ist eine Legierung aus 90 % Kupfer und 10 % Zinn. Sie wurde Ende des 4. Jahrtausends v. Chr. erfunden, ist härter und schnitthaltiger als Kupfer und gab der Bronzezeit ihren Namen. In Israel ist Bronze ab 3300 v. Chr. belegt. In Kleinasien endete die Bronzezeit ab 1700 v. Chr., im Mittelmeerraum spätestens um 1200 v. Chr. mit dem Gebrauch verhütteten Eisens. In Mitteleuropa begann sie erst ab 2200 v. Chr. und dauerte bis 800 v. Chr. Die Verarbeitung von Metallen mit höheren Schmelzpunkten ermöglichte leistungsstärkere Werkzeuge und Waffen und verschaffte den produzierenden Regionen Vorteile.
Eisen war seit dem späten 4. Jahrtausend v. Chr. bekannt. Die früheste schriftliche Erwähnung steht auf Keilschrifttafeln des späten 3. Jahrtausends v. Chr.; zunächst handelte es sich um meteoritisches Eisen. Frühe Funde stammen unter anderem aus Iran, Mesopotamien und Ägypten. Gediegenes, auf der Erde vorkommendes Eisen ist in Troja und Alaca Hüyük zwischen 2550 und 2350 v. Chr. belegt, aber sehr selten. Im 2. Jahrtausend v. Chr. ist Eisen vor allem aus Anatolien überliefert. In assyrischen Quellen von 1950–1700 v. Chr. gilt es als kostbarer als Gold und Silber. Ob damals bereits durch Kohleanreicherung Stahl hergestellt wurde, ist unklar. Ab dem 9. Jahrhundert v. Chr. wurde Eisen im Neuassyrischen Reich in großem Maßstab verarbeitet und breitete sich danach weiter aus. Mit städtischen Hochkulturen und der Schrift, erstmals in Vorderasien bei den Sumerern, vollzog sich regional der Übergang von der Ur- zur Frühgeschichte.
Technische Grundlagen vor und während der Eiszeit
Technik entstand zunächst durch die Bearbeitung und Nutzung von Werkzeugen. Besonders wichtig war die Vorfertigung: Werkzeuge wurden mitunter in zeitlichem Abstand zu ihrer späteren Nutzung hergestellt. Dies ist bei anderen Primaten nicht beobachtet worden. Steine sind seit etwa 2,5 Millionen Jahren als Arbeitsmittel nachweisbar. Organische Materialien wie Holz, Knochen, Häute und Pflanzenschalen wurden vermutlich ebenfalls verwendet, sind aber im Paläolithikum meist vergangen und daher archäologisch nicht mehr nachweisbar.
Zu den frühen Arbeitsmitteln gehörten Wurfsteine, Steine als Amboss oder Hammer, Steinsplitter zum Schaben und Schneiden sowie Schlag- und Stützstöcke. Neandertaler und Homo sapiens stellten aus ausgewählten Steinen spezialisierte Speere und Keilmesser her. Homo konnte außerdem Hütten bauen. Gemeinsame Jagd förderte vermutlich Verständigung und Strategiefindung. Der Neandertaler fertigte wahrscheinlich als erster Mensch Kleidung für das eiszeitliche Europa; Homo sapiens beherrschte diese Fähigkeit möglicherweise parallel dazu oder spätestens nach dem Kontakt mit dem Neandertaler vor mindestens 75.000 Jahren.
Die Beherrschung des Feuers ist für Homo erectus vor 790.000 Jahren nachgewiesen. Feuer ermöglichte Wärme und damit die Besiedlung kälterer Gebiete Europas und Asiens. Das Garen erhöhte die Nahrungsdichte pro Mahlzeit und verringerte den erforderlichen Kaudruck. Die Annahme, dass intensives Kochen bereits vor Homo erectus betrieben wurde, hat jedoch keine Anhaltspunkte. Auch die Vermutung, das Gehirnwachstum sei durch das Garen verursacht worden, bleibt problematisch, weil die Hirnentwicklung bereits einsetzte, als Feuergebrauch kaum anzunehmen ist.
Neandertaler stellten aus Birkensaft bei etwa 350 °C Birkenpech als Klebstoff her, beispielsweise zur Verbindung einer Speerspitze mit einem Speerschaft. Homo sapiens nutzte standardmäßig auch Feuerstein aus entfernter Herkunft und trug fernab der Küsten Muschelketten. Das Material der Neandertaler stammte dagegen immer aus der jeweiligen Region.
Während der Eiszeit kamen weitere Erfindungen hinzu. Die Nadel wurde nach dem vermuteten Aufbruch aus Afrika entwickelt. Die Domestikation des Hundes ist archäologisch zeitlich noch nicht eindeutig bestimmt, erfolgte aber vermutlich sehr früh, vor allen anderen Domestikationen, in der Zeit vor 30.000 bis 40.000 Jahren. Als mögliche Ausgangstiere gelten zentralasiatische Wölfe, zu denen Menschen dort seit ungefähr 40.000 Jahren Kontakt hatten.
Vor etwa 35.000 Jahren entstanden im Süden Frankreichs Höhlenmalereien; aus dieser Zeit stammen auch frühe europäische Elfenbeinschnitzereien und der älteste Nachweis einer Knochenflöte. Keramik aus gebranntem Ton oder Lehm wurde während der Eiszeit vermutlich zunächst zufällig nach Lagerfeuern auf Lehm- oder Tonboden entwickelt. Die Venus von Dolní Věstonice ist mindestens 24.000 Jahre alt. Die ältesten bekannten Keramikgefäße sind etwa 18.000 Jahre alt und wurden meist in Spiralwulsttechnik hergestellt. Vor 16.000–18.000 Jahren entstand vermutlich der Speerwerfer, auch Atlatl genannt; Bogen und Pfeil wurden daraus oder parallel dazu entwickelt.
Erfindungen und Veränderungen nach der Eiszeit
Nach dem Ende der Eiszeit vor etwa 10.000 Jahren wurde wahrscheinlich an verschiedenen Orten unabhängig voneinander mit dem Anbau von Grassamen begonnen, unter anderem in Syrien und China. Süd- und Mesoamerika folgten wesentlich später. Vor oder parallel zur Pflanzendomestikation wurden Tiere domestiziert und als lebender Fleischvorrat gehalten. Sesshaftigkeit führte zeitweise zur Entstehung größerer Siedlungen wie Jericho und Çatalhöyük.
Nach dem Rückzug der Gletscher wurde an verschiedenen Orten Feuerstein aus Kreide- und Juraablagerungen gewonnen. Neben Obsidian war er ein besonders wichtiger Rohstoff. Für den Abbau wurden metertiefe Schächte angelegt, die als erste Bergwerksminen gelten. Feuerstein wurde über große Entfernungen verbreitet. Auch Obsidian war wegen seiner besonders scharfen Bruchkanten begehrt, wurde über das Meer transportiert und in Europa verbreitet. Vor etwa 9000 Jahren begann seine Gewinnung auf Melos, Sardinien und den Liparischen Inseln sowie in weiteren Regionen.
Die Töpferdrehscheibe wurde möglicherweise vor oder parallel zum Rad erfunden; beide Erfindungen sind mindestens 6.000 Jahre alt. Sie entstanden möglicherweise an verschiedenen Orten, jedoch nicht auf dem amerikanischen und australischen Kontinent.
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