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Steinzeit
Die Steinzeit ist die früheste Epoche der Menschheitsgeschichte. Sie ist durch erhalten gebliebenes Steingerät gekennzeichnet und begann – nach heutigem …
Inhalt6 Abschnitte
Grundlagen und zeitliche Einordnung
Die Steinzeit ist die früheste Epoche der Menschheitsgeschichte. Kennzeichnend sind erhaltene Werkzeuge aus Stein. Nach heutigem Forschungsstand begann sie vor 2,6 Millionen Jahren mit den ältesten gesicherten Werkzeugen der Oldowan-Kultur. Zu den Herstellern von Steingeräten gehörten Homo habilis und wahrscheinlich Homo rudolfensis sowie spätere Menschenarten wie Homo ergaster beziehungsweise Homo erectus, der Neandertaler und der anatomisch moderne Mensch Homo sapiens.
In Europa wird die Steinzeit in Altsteinzeit, Mittelsteinzeit und Jungsteinzeit gegliedert. Für Afrika südlich der Sahara gelten die davon abweichenden Abschnitte Early Stone Age, Middle Stone Age und Later Stone Age. Zeitliche Grenzen sind grundsätzlich unscharf: Fundbedingungen unterscheiden sich, Entwicklungen verliefen regional verschieden, und archäologische Kulturen lassen sich nicht immer eindeutig einer Menschenart zuordnen.
Die Altsteinzeit begann in Afrika vor etwa 2,6 Millionen Jahren und endete am Übergang vom Pleistozän zum Holozän vor etwa 12.000 Jahren. Dmanissi in Georgien belegt eine frühe Auswanderung aus Afrika vor 1,8 Millionen Jahren. Die frühesten Homininen-Nachweise Europas sind vermutlich etwa 1,1 Millionen Jahre alt; in Mitteleuropa reichen gesicherte Belege höchstens 600.000 Jahre zurück. Das Ende der gesamten Steinzeit war regional sehr verschieden. Mit der Verwendung von Kupfer begann die Kupfersteinzeit; in Mitteleuropa wurde die Steinzeit mit der frühen Bronzezeit um 2200 v. Chr. abgelöst.
Entwicklung der Altsteinzeit
Das Altpaläolithikum begann mit der gezielten Veränderung von Stein zum Gebrauch als Werkzeug. Geröllgeräte des Oldowan erhielten durch wenige Abschläge scharfe Kanten. Ob die ersten Veränderungen bewusst oder zufällig entstanden, ist ungeklärt; ihre Hersteller erkannten jedoch den Nutzen und gaben vermutlich Werkzeuge und Herstellungsmethoden weiter. Die ältesten gesicherten Funde aus Gona in Äthiopien sind 2,6 Millionen Jahre alt. Ob 3,4 Millionen Jahre alte Kerben auf Knochen aus Dikika Werkzeugspuren sind, ist umstritten. Vor etwa 600.000 Jahren entwickelte sich das Acheuléen mit seinen Faustkeilen; es bestand bis vor etwa 100.000 Jahren und ist in Europa mit Neandertalern verbunden.
Im Altpaläolithikum wurde erstmals Feuer genutzt. Es erleichterte die Besiedlung kalter Regionen und machte Nahrung bekömmlicher. Die ältesten eindeutig von Menschen angelegten Feuerstellen liegen in der Wonderwerk-Höhle in Südafrika und sind etwa 1,7 Millionen Jahre alt.
Vor ungefähr 130.000 bis 120.000 Jahren begann das Mittelpaläolithikum. Im Micoquien entstanden asymmetrische Faustkeilmesser. Beim Moustérien mit Levalloistechnik wurden kleinere, leichtere und vielseitiger verwendbare Abschläge gezielt von einem Kernstein gewonnen. Der Abschnitt wird meist mit dem Neandertaler verbunden; im Nahen Osten lebten seit etwa 90.000 Jahren auch anatomisch moderne Menschen. Sie jagten und sammelten, verwendeten Feuer sowie zusammengesetzte Waffen aus Holz und Stein, die mit Birkenpech verbunden waren. Erste Kunstwerke und Bestattungen mit möglichen Grabbeigaben weisen auf Vorstellungen von einem Leben nach dem Tod hin.
Das Jungpaläolithikum begann in Europa mit dem Auftreten von Homo sapiens vor annähernd 45.000 Jahren. Im Aurignacien verbreiteten sich lange, schmale Klingen und Messer; auch frühe Höhlenmalerei ist belegt. Das Châtelperronien bewahrte zugleich Elemente der älteren Levalloistechnik. Ob Aurignacien und Châtelperronien klar Homo sapiens beziehungsweise Neandertalern zugeordnet werden können, ist umstritten. Es folgten unter anderem Gravettien, Solutréen und Magdalénien. Aus diesen Kulturen stammen Venusfigurinen, Felsbilder, gravierte Knochen, verbesserte Jagdwaffen, Schmuck und bewegliche Kunstwerke. Die berühmten Malereien von Lascaux gehören zum Magdalénien. Im etwa 30.000 Jahre alten Grab von Sungir wurden ein Mann und zwei Kinder aufwendig bestattet. Das Doppelgrab von Oberkassel mit etwa 14.000 bis 13.000 Jahre alten Skeletten und Beigaben ist ein besonders gut erhaltener deutscher Fund.
Mittelsteinzeit und Jungsteinzeit
Die Mittelsteinzeit begann in Mitteleuropa mit dem Ende der letzten Kaltzeit vor etwa 11.700 Jahren. Durch die Wiederbewaldung und das Aussterben vieler großer eiszeitlicher Tiere mussten die Menschen ihre Jagdweise anpassen. Typisch waren Mikrolithen, also sehr kleine Steinklingen und Pfeilspitzen. Zu den Kulturen dieser Epoche gehörten die Maglemose-Kultur und später die Ertebölle-Kultur. Das mitteleuropäische Mesolithikum endete mit der Ausbreitung der Linienbandkeramik: Sie begann ab 6000 v. Chr. in Pannonien und erreichte innerhalb der folgenden 2000 Jahre den Norden Europas. In der Levante dauerte die entsprechende Übergangszeit nur bis etwa 9500 v. Chr. und wird Epipaläolithikum genannt.
Die Jungsteinzeit wird durch den Wechsel von der aneignenden zur produzierenden Wirtschaftsweise definiert. Statt Nahrung ausschließlich zu sammeln und zu jagen, betrieben Menschen nun Viehhaltung und Ackerbau. Dieser grundlegende Wandel heißt neolithische Revolution. Er begann zu regional unterschiedlichen Zeiten: In der Levante setzte das Präkeramische Neolithikum um 9500 v. Chr. ein, breitete sich über Anatolien und den Balkan aus und erreichte Mitteleuropa um 5600 v. Chr.
In Mitteleuropa begann das Neolithikum mit der Bandkeramik zwischen etwa 5600 und 4900 v. Chr. Auf deutschem Gebiet folgte die Rössener Kultur, weiter östlich die Stichbandkeramik. In Südosteuropa und im Donauraum entstanden unter anderem Lengyel-, Badener-, Vinča- und Tisza-Kultur. Archäologische Funde erlauben nun häufiger die Abgrenzung regionaler und zeitlicher Kulturräume. Erste Versuche der Metallbearbeitung gab es im 8. Jahrtausend v. Chr. Bearbeitet wurden zunächst gediegene, also natürlich metallisch vorkommende Edelmetalle wie Gold, Silber und Kupfer. Ohne Legierung waren sie für Waffen und Werkzeuge zu weich. Zu den bekannten gut erhaltenen Menschenfunden des Neolithikums gehören der Kennewick-Mann und Ötzi.
Menschen, Ernährung und Siedlungsweise
Homo habilis und Homo rudolfensis gelten als frühe Werkzeugnutzer; auch Paranthropus robustus wurden Werkzeugfunde zugeschrieben. Homo erectus verwendete Werkzeuge und Feuer. Der kleinwüchsige Homo floresiensis, der noch vor rund 50.000 Jahren auf Flores lebte, könnte ein direkter Nachfahre von Homo erectus gewesen sein. Im Altpaläolithikum lebten weltweit vermutlich nur wenige zehntausend Menschen. Der Neandertaler entstand in Europa vor rund 200.000 Jahren aus Homo erectus beziehungsweise Homo heidelbergensis. Spuren von Homo sapiens sind dort seit nahezu 45.000 Jahren belegt. Beide Menschenformen lebten einige Jahrtausende nebeneinander; vor etwa 39.000 Jahren starb der Neandertaler aus.
Jäger und Sammler nutzten Pflanzen, Früchte, Samen, Wurzeln, Pilze, Honig, Eier, Fleisch, Fisch und Weichtiere. Vor der Domestizierung von Weidetieren stand keine Milch zur Verfügung; Zuchtformen von Obst, Gemüse und Getreide gab es ebenfalls noch nicht. Kleine Sippen zogen im jahreszeitlichen Wechsel ihrer Jagdbeute nach. Untersuchungen zufolge stammten etwa zwei Drittel ihrer Energie aus tierischer und ein Drittel aus pflanzlicher Nahrung.
Nach der letzten Eiszeit starben in Europa Mammuts, Wollnashörner und Waldelefanten aus. Hirsche, Wildrinder, Pferde und Wildschweine wurden wichtige Beutetiere. Das wärmere Klima erhöhte zugleich die Bedeutung pflanzlicher Nahrung. Viehzucht und Ackerbau ermöglichten dauerhafte Sesshaftigkeit, Vorratshaltung, Handel und ein starkes Bevölkerungswachstum. Für Einzelne verschlechterte sich die Ernährung im Durchschnitt jedoch eher: Der Proteinanteil sank, Missernten konnten Hungersnöte verursachen, und die Körpergröße nahm gegenüber Jägern und Sammlern ab. Dichtere Besiedlung förderte außerdem Infektionskrankheiten und Zoonosen, also zwischen Tieren und Menschen übertragbare Krankheiten. Landwirtschaft ermöglichte eine stärkere soziale Differenzierung, weil nicht mehr alle Erwachsenen Nahrung beschaffen mussten.
Als Unterkünfte dienten zunächst Höhlen und Abris, also Felsüberhänge, sowie kurzzeitig genutzte Bauten aus Ästen oder Stämmen. Die älteste bekannte Hütte Europas in Přezletice ist etwa 600.000 Jahre alt. Aus dem Mittelpaläolithikum sind Hütten aus Mammutknochen und Stoßzähnen bekannt. Im Jungpaläolithikum entstanden Wohngruben und zeltartige Hütten mit Herdstellen und Pfosten. Seit den frühen Bauernkulturen um 10.500 v. Chr. gab es feste Häuser aus Lehm, Stein oder Holz; in Mitteleuropa war der Pfostenbau üblich. Megalithbauten und Dolmen waren dagegen Gräber oder Kultstätten.
Kunst, Musik, Religion und Austausch
Petroglyphen sind in Stein geritzte bildliche oder grafische Darstellungen. Ihre genaue Bedeutung ist meist unbekannt; häufig werden sie der Jungsteinzeit und den Metallzeiten zugeordnet. Fels- und Höhlenmalereien wurden dagegen mit Farben wie Ocker und Holzkohle sowie mit Gesteinen oder Erzen angefertigt. Wasser, Pflanzenharz und Pflanzensäfte dienten als Bindemittel. Die Künstler nutzten Perspektive, bezogen die Form des Felsens ein und verwendeten Wisch- und Sprühtechniken. Bekannte Fundorte sind Tassili n’Ajjer, Uluṟu, Lascaux und Altamira. Die ältesten mittels C-14-Methode untersuchten Beispiele reichen bis ins Aurignacien zurück.
Frühe Skulpturen stellten häufig Tiere oder weibliche Figuren mit betonten Geschlechtsmerkmalen dar. Die Deutung solcher Venusfigurinen als Fruchtbarkeitsgöttinnen oder Belege für ein Matriarchat wird heute nicht mehr vertreten. Tierfiguren sind oft sehr naturalistisch; manche werden als Gegenstände zur Beschwörung des Jagderfolgs gedeutet. Bekannte Beispiele sind die etwa 35.000 Jahre alte Venus vom Hohlefels und die ungefähr elf Zentimeter hohe Venus von Willendorf.
Als älteste erhaltene Musikinstrumente gelten etwa 35.000 Jahre alte Knochenflöten von der Schwäbischen Alb. Im Hohle Fels wurde eine Flöte aus dem Knochen eines Gänsegeiers gefunden. Aus dem Geißenklösterle stammen Flöten aus Schwanenknochen und Mammutelfenbein. Ob sie Homo sapiens oder Neandertalern zuzuordnen sind, ist ungewiss.
Bestattungen des Mittelpaläolithikums, mögliche Blumenbeigaben, Ocker und Werkzeuge in Gräbern sprechen für religiöse Vorstellungen. Über deren Inhalt und über ein angenommenes Leben nach dem Tod ist jedoch fast nichts bekannt; auch Rituale, Tänze und Gesänge lassen sich nur vermuten.
Nahrung, Materialien und Werkzeuge wurden vermutlich schon früh im unmittelbaren Umfeld getauscht. Muscheln gelangten als Schmuck weit ins Landesinnere. Feuerstein und andere wichtige Rohstoffe für Waffen und Werkzeuge wurden über weite Handelsrouten verbreitet.
Übergang zur Metallzeit
Mit der Kupferzeit, auch Chalcolithikum oder Äneolithikum genannt, begann der Übergang von Stein zu Metall. Metall bot neue Verwendungsmöglichkeiten, verlangte aber komplexere Techniken und Fernhandel, weil geeignete Rohstoffe nicht überall vorkamen. Stein, Holz und andere bewährte Materialien blieben zunächst neben Kupfer in Gebrauch.
Der Metallguss ermöglichte erstmals die Serienfertigung gleichartig aussehender Werkzeuge. Menschen entwickelten zudem die Suche nach Kupfererz, den Bergbau in offenen Gruben und die Verhüttung, also die Gewinnung von Metall aus Erz. Später wurden entsprechende Verfahren auch auf Zinn, Zink und Blei übertragen und bildeten eine Grundlage der Bronzezeit.
Die Kontrolle über Abbau und Verhüttung förderte die Bildung von Oberschichten. Angehörige dieser Gruppen wurden mit wertvollen Grabbeigaben bestattet. Mitteleuropäische Siedlungen wurden tendenziell kleiner, stärker befestigt und häufiger auf Anhöhen angelegt. Besonders im Mittelmeerraum nahm der Fernhandel zu. Ötzi veranschaulicht den Übergang: Neben überwiegend jungsteinzeitlicher Ausrüstung trug er bereits ein Kupferbeil. Die Kupferzeit endete mit dem Beginn der Bronzezeit.
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