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Synonym

Wörter mit gegensätzlicher Bedeutung sind Antonyme. Inhaltsverzeichnis. 1 Begriff der Synonymie; 2 Strikte und partielle Synonymie. 2.1 Strikte Synonymie …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundbegriff und Bedeutungsebenen
  2. 2. Strikte und partielle Synonymie
  3. 3. Hyponymie und kontextabhängige Austauschbarkeit
  4. 4. Erscheinungsformen
  5. 5. Sprachwissenschaft und Wörterbücher

Grundbegriff und Bedeutungsebenen

Synonyme sind sprachliche Ausdrücke oder Zeichen, die in der Bedeutungsbeziehung der Synonymie stehen. Im strengen Sinn bedeutet Synonymie systematische Bedeutungsgleichheit; im weiteren Sinn umfasst sie auch Bedeutungsähnlichkeit. Perfekte Synonymie ist im Wortschatz natürlicher Sprachen selten, weil Ausdrücke häufig unterschiedliche Nebenbedeutungen, Bewertungen, Stilebenen oder regionale Verwendungen haben. Wörter mit gegensätzlicher Bedeutung heißen Antonyme.

Synonyme Wörter stehen in einer wechselseitigen Beziehung und bilden eine semantische Dublette. Genau genommen betrifft diese Beziehung meist nur bestimmte Lesarten der Wörter, da ein Wort mehrere Bedeutungen besitzen kann. Ein Wort, das für mehrere Begriffe steht, ist ein Homonym. Umgekehrt liegt Synonymie vor, wenn mehrere Wörter für denselben Begriff stehen.

Bei einem Begriff unterscheidet man die Intension, also den Begriffsinhalt oder die mit ihm verbundene Idee, und die Extension, also den Begriffsumfang beziehungsweise die Menge der bezeichneten Gegenstände. Intensionale Gleichheit führt zu extensionaler Gleichheit, aber extensionale Gleichheit nicht zwingend zu intensionaler Gleichheit. „zwölf“, „12“, „XII“ und „twelve“ bezeichnen die Zahl 12 und können als intensional und extensional gleich gelten. Gottlob Freges Beispiel „Abendstern“ und „Morgenstern“ zeigt dagegen extensionale Gleichheit bei unterschiedlicher Intension: Beide Ausdrücke bezeichnen die Venus, stellen sie aber über verschiedene Begriffsgehalte dar.

Häufig gilt extensionale Gleichheit als ausreichendes Kriterium. Synonyme müssen dann austauschbar sein, ohne den Wahrheitswert eines Satzes zu verändern; dieses Kriterium heißt salva veritate. Willard Van Orman Quine kritisierte es als unzureichend, weil es in Modalkontexten Schwierigkeiten verursacht. Auch Frege kannte entsprechende Probleme opaker Kontexte. Andere Auffassungen grenzen bloße Referenzidentität von Synonymie ab und fordern intensionale Identität oder Ähnlichkeit.

Unterschiede der Konnotation, also der Begleit- oder Nebenbedeutung, werden häufig von der eigentlichen Synonymiebeziehung getrennt. So können „Pferd“ und „Gaul“ dieselbe denotative Bedeutung, aber unterschiedliche Konnotationen haben. In der deutschsprachigen Rechtsförmlichkeit gilt dagegen das Synonymverbot: Gleiches darf nicht mit unterschiedlichen Wörtern bezeichnet werden, sondern muss stets mit demselben Wort benannt werden.

Strikte und partielle Synonymie

Strikte Synonymie oder Bedeutungsgleichheit liegt nur vor, wenn zwei lexikalische Zeichen dieselbe denotative Bedeutung besitzen, in allen Kontexten austauschbar sind und überall dieselbe Wirkung haben. Als typische deutsche Beispiele gelten „Orange – Apfelsine“ und „Streichholz – Zündholz“. Selbst diese Fälle sind jedoch nicht völlig unstrittig. „Apfelsine“ ist vor allem in der Nordhälfte des deutschen Sprachgebiets üblich und in der Deutschschweiz sowie in Österreich als Teutonismus markiert. In dort spielenden Texten könnte das Wort befremdlich wirken oder auf eine norddeutsche beziehungsweise zugereiste Person hinweisen. Das Paar kann deshalb auch nur als bedeutungsähnlich gelten.

Trotz gleicher Referenz entstehen Unterschiede unter anderem durch die Wertung des Sprechers („Pferd – Klepper“), den Soziolekt einer gesellschaftlichen Gruppe („Geld – Piepen“), Dialekte („Mädchen – Dirn“), stilistische Sprachebenen („Zimmer – Gemach“), politischen Sprachgebrauch („Angriff – Präventivschlag“), Euphemismen („sterben – heimgehen“) oder Fremdwörter („Innenstadt – City“). Strikte Synonyme sind auch deshalb selten, weil Sprachen unnötige Doppelungen im Wortschatz tendenziell vermeiden. Als idealer Referenzpunkt auf einer Skala der Bedeutungsgleichheit bleibt das Konzept dennoch methodisch nützlich.

Partielle Synonyme, auch Homoionyme genannt, haben eine gleiche oder ähnliche Grundbedeutung, erfüllen aber nicht alle Bedingungen strikter Synonymie. Unterschiede können regional sein („Metzger – Fleischer“, „Brötchen – Weckle – Semmel – Schrippe“) oder zwischen einem einheimischen Wort und einem Fremdwort bestehen („Fahrstuhl/Aufzug – Lift“, „senkrecht – vertikal“). Im Alltag genügt oft die Austauschbarkeit salva veritate in typischen Kontexten. So beschreiben „Er benutzt schon wieder nicht den Genitiv“ und „Er benutzt schon wieder nicht den Wesfall“ denselben Sachverhalt.

Bei weiter gefasster partieller Synonymie entstehen Abstufungen. „Fluss – Wasserstraße“ und „Wasserstraße – Kanal“ werden teilweise als Synonyme angegeben, obwohl nicht jede Wasserstraße ein Fluss oder Kanal ist. Kontrastierende Unterbegriffe desselben Oberbegriffs, sogenannte Kohyponyme, werden gewöhnlich nicht als synonym behandelt; einige Quellen ziehen die Grenze jedoch großzügiger. Synonymie wird bei einer nicht-strikten Deutung daher zu einem graduellen Begriff.

Hyponymie und kontextabhängige Austauschbarkeit

Hyponymie bezeichnet die Beziehung zwischen einem Unterbegriff und seinem Oberbegriff. Solche Beziehungen, etwa „Wasserstraße – Kanal“, werden mitunter als Fälle partieller Synonymie eingeordnet, allerdings nicht einheitlich. Der Einschluss hat eine lange Tradition: Bei Aristoteles gelten „Mensch“ und „Rind“ insofern als synonym, als beide denselben Namen „Lebewesen“ tragen und das entsprechende Wesensmerkmal gemeinsam haben.

Ob zwei Ausdrücke austauschbar sind, hängt häufig vom Kontext ab. In synonymischen Kontexten treten die Gemeinsamkeiten hervor, während Unterschiede nicht wirksam werden. Dann können etwa „lachen“ und „wiehern“ oder „fotografieren“ und „aufnehmen/knipsen“ trotz inhaltlicher und stilistischer Nuancen ausgetauscht werden. Ein Sem ist dabei ein einzelnes Bedeutungsmerkmal; verschiedene Spezialseme können zugleich Gemeinsamkeiten und Unterschiede erzeugen. Eine konnotative Differenz verhindert die Synonymie nicht, solange sie die denotative Ähnlichkeit nicht überdeckt.

In nichtsynonymischen Kontexten werden gerade die besonderen Merkmale hervorgehoben. Die Ausdrücke sind dann nicht austauschbar und können vorübergehend wie Gegensätze wirken, etwa in „Dann knipse ich mal. Sonst fotografiere ich ja“, „Das ist kein Kamm, das ist eine rostige Läuseharke“ oder „Ich habe keinen Laden, ich habe einen Salon“.

Erscheinungsformen

Synonymie betrifft nicht nur einzelne Wörter. Auch Wortgruppen, sogenannte Syntagmen, und ganze Sätze können bedeutungsgleich oder bedeutungsähnlich sein. „Der Rasen muss geschnitten werden“ und „Der Rasen ist zu schneiden“ können denselben Inhalt ausdrücken. Die „ist-zu“-Konstruktion ist jedoch mehrdeutig und kann neben einer Verpflichtung auch eine Möglichkeit bezeichnen.

Synonyme können außerdem verschiedenen Zeichentypen angehören. Ein Wort kann einer mehrteiligen Wendung entsprechen, beispielsweise „stören – dazwischenfunken – in die Quere kommen“. Ein Wortbildungsmittel kann mit einem Wort oder einer Wortgruppe synonym sein, etwa „Online- – im Netz“. Eigennamen und besonders Produktnamen können zu allgemeinen Bezeichnungen werden; ein Beispiel ist „Tempo“ für „Papiertaschentuch“. Die Angabe eines Synonyms ähnelt dadurch einer Definition oder Paraphrase, weil jeweils Bedeutungsgleichheit ausgedrückt wird.

Bedeutungsgleichheit oder -ähnlichkeit kann innerhalb einer Sprache, also intralingual, oder zwischen verschiedenen Sprachen, also interlingual, untersucht werden. Territoriale Dubletten sind regionale Varianten, die in größeren Gebieten als einzelne Mundarten verbreitet sind, beispielsweise „Sonnabend – Samstag“.

Als Plesionymie oder Fast-Synonymie wird teilweise eine Beziehung ohne vollständige Referenzidentität bezeichnet, bei der der Austausch die Referenz nur geringfügig verändert, etwa „laufen – rennen“. Kritisiert wird, dass solche Paare meist lediglich stärkere oder schwächere Ausprägungen eines Eigenschaftskonzepts darstellen und daher besser als skalare Relation behandelt werden. Pseudonyme, also Deck-, Tarn- oder Künstlernamen, können als synonyme Eigennamen gelten. Auch abkürzende Symbole wie eine Ziffer können als Synonyme sprachlicher Ausdrücke betrachtet werden.

Sprachwissenschaft und Wörterbücher

Synonymie ist in mehreren Bereichen der Sprachwissenschaft wichtig. In der generativ-transformationellen Grammatik besitzt sie eine zentrale Stellung und ermöglicht die Bildung von Paraphrasenklassen. In Lexikologie und Lexikografie wird sie klassisch in Wortfeldern und heute auch in Synsets dargestellt. In der Wortbildungslehre gilt ein Synonymieverbot: Ein nach den Wortbildungsregeln mögliches neues Wort wird gewöhnlich blockiert, wenn bereits ein bedeutungsgleiches Wort existiert.

In einer empiristischen Auffassung kann Abstraktion über Synonymie erklärt werden: Bedeutungen gelten dann als „Abstrakta von Ausdrücken unter Synonymie“. Im Anschluss an P. Lorenzen werden Aussagen über Begriffe als invariante Aussagen über Prädikate verstanden. Ein Begriff /P/ wird durch das Prädikat P dargestellt und entsteht durch Abstraktion als dessen Intension beziehungsweise intensionale Bedeutung.

Synonymwörterbücher sind Wörterbücher mit eingeschränktem Informationsprogramm. Zu einem Stichwort nennen sie sinn- und sachverwandte Wörter. Weil absolute Synonymie selten ist, enthalten sie überwiegend bedeutungsähnliche Ausdrücke. Die Benutzer müssen daher genügend Sprachkompetenz besitzen, um ein zum jeweiligen Kontext passendes Wort auszuwählen.

Distinktive Synonymiken unterscheiden die einzelnen Lesarten mehrdeutiger Lexeme und ordnen jeder Lesart passende bedeutungsähnliche Wörter zu. So kann „durcheinander“ bei einer Person „verwirrt“, bei Sachen dagegen „chaotisch“, „vermischt“ oder „wie Kraut und Rüben“ bedeuten. Ein deutsches Beispiel ist „Schülerduden. Die richtige Wortwahl“. Kumulative Synonymiken sammeln dagegen ähnliche lexikalische Zeichen, ohne die Lesarten zu trennen; ein Beispiel ist „Duden Band 8. Die sinn- und sachverwandten Wörter“. Synonymwörterbücher helfen, häufige Wortwiederholungen in Texten zu vermeiden, und können zur systematischen Wortschatzarbeit im Zweitsprachunterricht eingesetzt werden.

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