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Eisenzeit

Die Eisenzeit ist eine nach dem verwendeten Material (Eisen) zur Herstellung schneidender Waffen und Gerätschaften benannte Periode der Ur- und …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Einordnung
  2. 2. Naher Osten und östlicher Mittelmeerraum
  3. 3. Europa
  4. 4. Eurasische Steppe und Asien
  5. 5. Subsaharisches Afrika und Amerika

Begriff und Einordnung

Die Eisenzeit ist eine Periode der Ur- und Frühgeschichte, die nach Eisen als Material für schneidende Waffen und Gerätschaften benannt ist. Im Dreiperiodensystem folgt sie auf Steinzeit und Bronzezeit und ist dessen dritte große Periode. Entscheidend ist nicht das erste Auftreten einzelner Eisenobjekte: In vielen Regionen wurde Eisen schon deutlich früher vereinzelt verwendet. Von einer Eisenzeit spricht man erst, wenn Eisen breit als Werkstoff genutzt wird und deshalb im archäologischen Fundmaterial deutlich nachweisbar ist.

Ursprünglich galt die Eisenzeit als letzter Abschnitt der Urgeschichte vor historischen Zeiten. Wo schriftliche Quellen vorhanden sind, wird sie jedoch zur Frühgeschichte gerechnet; die englischsprachige Forschung verwendet dann auch den Ausdruck „Historische Eisenzeit“ (Historic Iron Age). Ihre Zeitgrenzen sind regional sehr verschieden: Im Nahen Osten beginnt sie um 1200 v. Chr. mit dem Untergang des Hethiterreiches, in Nordeuropa reicht sie ungefähr von 750 v. Chr. bis 1025 n. Chr. Im Mittelmeerraum geht sie in die Antike über.

Naher Osten und östlicher Mittelmeerraum

In Anatolien wurde bereits im 3. Jahrtausend v. Chr. vereinzelt Eisen bearbeitet; ein Beispiel ist ein Dolch aus Gold und Eisen aus Alaca Höyük um 2500 v. Chr. Als archäologische Eisenzeit gilt dort die Zeit ab etwa 1200 v. Chr. Sie wird meist in Frühe Eisenzeit („Dunkle Jahrhunderte“), Mittlere Eisenzeit (phrygische und urartäische Zeit) und Späte Eisenzeit (persische Zeit) eingeteilt. Je nach Region werden Abschnitte auch nach Herrschaftsmächten wie neo-hethitischer, assyrischer oder lydischer Zeit benannt.

In Mesopotamien umfasst die Eisenzeit den Zeitraum von der Isin-II-Zeit (1160–1026 v. Chr.) bis zum Beginn des Hellenismus. Wichtige Abschnitte sind die neuassyrische Zeit (1000–600 v. Chr.), die neubabylonische Zeit (1025–627 v. Chr.), die spätbabylonische Zeit (626–539 v. Chr.) und die Achämenidenzeit (539–330 v. Chr.). In der Levante begann der Übergang um 1200 v. Chr. mit den Umbrüchen der „Seevölker“. Eisenzeit I dauerte von 1200–1000 v. Chr., Eisenzeit II von 1000–586 v. Chr. und Eisenzeit III von 586–332 v. Chr. Die letzte Phase umfasst die babylonische Zeit (586–539 v. Chr.) und die achämenidische Zeit (539–332 v. Chr.). Da für die babylonische und besonders die persische Zeit Schriftquellen und Münzprägung vorliegen, sind dies keine rein urgeschichtlichen Perioden mehr. Spätestens 332 v. Chr., mit der Eroberung durch Alexander den Großen und dem Beginn des Hellenismus, endet die Eisenzeit.

Auf Zypern folgen die zyprisch-geometrische Zeit (1050–750 v. Chr.) und die zyprisch-archaische Zeit (750–475 v. Chr.) auf die von der mykenischen Kultur beeinflusste Bronzezeit. Ab dem 9. Jahrhundert v. Chr. entstanden phönizische Siedlungen; später gehörte die Insel zu Assyrien (707–612 v. Chr.), Ägypten (570–526/525 v. Chr.) und ab 526/525 v. Chr. zu Persien. Für Ägypten wird wegen der Herrscherlisten und der daraus abgeleiteten Chronologie gewöhnlich keine „Eisenzeit“ verwendet. Der Dolch aus dem Grab Tutanchamuns bestand wahrscheinlich aus Meteoreisen; verbreiteter wurde Eisen erst nach der assyrischen Eroberung im 7. Jahrhundert v. Chr.

Europa

In Griechenland begann die Eisenzeit nach der spätbronzezeitlichen mykenischen Kultur (ca. 1600–1050 v. Chr.) und einer submykenischen Phase (ca. 1050/1030–1020/1000 v. Chr.). Die Einteilung folgt Kunst- und Keramikstilen: protogeometrische Zeit (1050/1000–900 v. Chr.), geometrische Zeit (900–700 v. Chr.) und orientalisierende Periode (um 700 v. Chr.). Die Zeit von etwa 1050 bis 700 v. Chr. heißt wegen der vergleichsweise wenigen Quellen auch „Dunkle Jahrhunderte“; die archaische Zeit ab 700–490/480 v. Chr. gehört bereits zur Antike. In Italien entstanden ab dem 10./9. Jahrhundert v. Chr. aus dem Einfluss der Urnenfelderkultur eisenzeitliche Kulturen wie die Este-, Golasecca- und Villanovakultur; später prägte vor allem die etruskische Kultur (8.–1. Jahrhundert v. Chr.) die Entwicklung. Mit der Ausbreitung Roms ging die Eisenzeit in die Antike über.

In Mitteleuropa entwickelte sich um 800 v. Chr. nördlich der Alpen aus der Urnenfelderkultur die Hallstattkultur. Die Frühe oder Ältere Eisenzeit (800–450 v. Chr.) entspricht der Hallstattkultur: Ha C ist die ältere, Ha D die jüngere Hallstattkultur. Die Späte oder Jüngere Eisenzeit (450 v. Chr. bis Ende des 1. Jahrhunderts v. Chr.) entspricht der La-Tène-Kultur: LT A–B Frühlatène, LT C Mittellatène und LT D Spätlatène. Die detaillierten Zeitangaben lauten Ha C 800–620 v. Chr., Ha D1–D3 620–450 v. Chr., LT A 450–380 v. Chr., LT B 380–250 v. Chr., LT C 250–150 v. Chr. und LT D 150–15 v. Chr./0. Hans Hildebrand definierte 1874 die Unterteilung in Hallstatt- und Latènezeit; Paul Reinecke gliederte sie weiter in Ha A–D und LT A–D, wobei Ha A–B noch zur späten Bronzezeit zählen. Das Ende richtet sich nach der Eingliederung eines Gebietes in das Römische Reich, etwa in Noricum 15 v. Chr.

In Norddeutschland reicht die vorrömische Eisenzeit von 750 bis 30/60 v. Chr., die Römische Kaiserzeit von 30/60 v. Chr. bis 375 n. Chr. und die germanische Eisenzeit von 375–455 n. Chr. In Skandinavien verlief der Übergang von der Nordischen Bronzezeit zur nordischen Eisenzeit ohne starken Bruch. Die Wikingerzeit reicht beispielsweise in Dänemark von 775–1050 n. Chr., in Norwegen von 800–1050 n. Chr., in Schweden von 800–1100 n. Chr. und in Finnland von 800–1025 n. Chr. Spätestens mit der Christianisierung ging die Eisenzeit ins Mittelalter über.

Frankreichs erste Eisenzeit (800–460 v. Chr.) entspricht weitgehend der Hallstattzeit, die zweite (460–25 v. Chr.) der Latènezeit. In Britannien umfasst die Eisenzeit etwa 800 v. Chr. bis zur römischen Eroberung im 1. Jahrhundert n. Chr.; in Südengland endet die späte Eisenzeit je nach Gebiet 43 oder 84 n. Chr. Auf der Iberischen Halbinsel bestanden ab dem 8. Jahrhundert v. Chr. die tartessische Kulturregion (8.–6. Jahrhundert v. Chr.), die iberische und die keltiberische Kulturregion. Die Römer eroberten schließlich bis zur Zeitenwende die gesamte Halbinsel.

Eurasische Steppe und Asien

Im eurasischen Steppengürtel traten mit Beginn der Eisenzeit die ersten echten Reiternomaden auf. Ihre größere Mobilität führte zu einer großräumigen Vereinheitlichung der Sachkultur. Angehörige der Oberschicht wurden in reich ausgestatteten Hügelgräbern bestattet. Die Ältere Eisenzeit, die skythische Periode, dauerte vom 9./8. bis zum 3. Jahrhundert v. Chr. und ist mit Skythen und Saken verbunden. Die Jüngere Eisenzeit, die hunno-sarmatische Periode, dauerte von 200 v. Chr. bis 400 n. Chr. und ist durch Sarmaten und Hunnen gekennzeichnet. Im 5. Jahrhundert n. Chr. erfolgte der Übergang zum Frühmittelalter beziehungsweise westlich des Urals zur Völkerwanderungszeit.

Im Iran begannen Bronze- und Eisenzeit regional zeitversetzt. Erika Bleibtreu teilt in Eisenzeit I (1500/1400–1100 v. Chr. außerhalb von Elam beziehungsweise 1300–1000/900 v. Chr.), Eisenzeit II (1000/900 v. Chr. beziehungsweise außerhalb von Elam 1100–800 v. Chr.) und Eisenzeit III (800–600 v. Chr.; Überschneidung mit der Meder-Konföderation). Um 550 v. Chr. entstand das Achämenidenreich.

Für Indien sind Teile der Angaben im Ausgangstext als nicht hinreichend belegt markiert: Eine Verwendung von Eisen im 18. Jahrhundert v. Chr. sowie Gussstahl im 3. Jahrhundert v. Chr. gelten dort als unbelegt und zweifelhaft. Einige wenige Nachweise lassen eine erste Eisenverwendung im heutigen Uttar Pradesh im 18.–12. Jahrhundert v. Chr. wahrscheinlich erscheinen. Ab dem 13. Jahrhundert v. Chr. ist weithin verbreitete Eisenverhüttung nachweisbar und wird als Beginn der indischen Eisenzeit angesetzt. Sie endete im 2. Jahrhundert v. Chr., war historisch mit der vedischen Zeit verbunden und ging über das Maurya-Reich (320–185 v. Chr.) sowie das Reich der Indo-Griechen bis zur Herrschaft des indo-skythischen Königs Maues ab 120 v. Chr. in die klassische Periode über.

In China sind metallurgische Kenntnisse ab dem 9. Jahrhundert v. Chr. belegt; im 7. Jahrhundert v. Chr. gab es fortgeschrittene Eisenwerkstätten im Yangtse-Flusstal. Die Eisenzeit beginnt dort gegen Ende des 6. Jahrhunderts v. Chr., zur Zeit der Frühlings- und Herbstannalen (722–481 v. Chr.) und der Zeit der Streitenden Reiche (475–221 v. Chr.). Mit der Qin-Dynastie ab 221 v. Chr. endet sie. In Korea wurden Eisengegenstände ab dem 8. Jahrhundert v. Chr. im Norden und ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. im Süden eingeführt; die großflächige Eisenverarbeitung begann im 1.–2. Jahrhundert v. Chr. Die Proto-Drei-Reiche gelten als späte Eisenzeit, die mit der Drei-Reiche-Zeit endet. In Japan waren Eisenwerkzeuge aus Korea die ersten Metallobjekte; das Ende der Eisenzeit wird auf das Ende der Kofun-Zeit 538 n. Chr. datiert.

Subsaharisches Afrika und Amerika

Für Subsahara-Afrika lässt sich das in Europa übliche Dreiperiodensystem nicht einfach anwenden, weil die Eisenzeit dort auf die Steinzeit folgte, ohne dazwischenliegende Kupfer- oder Bronzezeit. Der Artikel ist jedoch als grundsätzlich überarbeitungsbedürftig markiert; außerdem fehlt Nordafrika. Als früheste Belege für Eisenverhüttung nennt er das Adamaua-Plateau im nördlichen Zentralafrika mit Datierungen von 3000–2500 v. Chr. Funde von Alltagsgegenständen stammen unter anderem aus Balimbé, Bétumé und Bouboun; Schmelzöfen sind für Gbabiri, Schmiedeaktivitäten für Ôboui und Gbatoro genannt. Weitere Funde aus Taruga in Zentral-Nigeria und N’Djamena im Tschad werden nach ersten Einschätzungen auf 800–500 v. Chr. datiert. Der Text bewertet eine indigene Erfindung der Eisenverhüttung als sehr wahrscheinlich und hält Einflüsse aus Meroe oder Karthago nach dem genannten Forschungsstand für unwahrscheinlich.

Für die vorkoloniale Geschichte Amerikas werden eigene Epochensysteme verwendet; der Begriff „Eisenzeit“ kommt darin nicht vor. In präkolumbischer Zeit bestanden jedoch Wikingersiedlungen von Island aus an den Küsten Grönlands und Neufundlands. Genannt werden Eystribyggð (Ostsiedlung), Vestribyggð (Westsiedlung) und L’Anse aux Meadows.

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