Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Geschichte
Unter Geschichte versteht man im Allgemeinen diejenigen Aspekte der Vergangenheit, derer Menschen gedenken und die sie deuten, um sich über den Charakter …
Inhalt5 Abschnitte
Begriff und Bereiche
Geschichte meint allgemein Aspekte der Vergangenheit, an die Menschen sich erinnern und die sie deuten. Sie hilft, zeitlichen Wandel sowie dessen Folgen für Gegenwart und Zukunft zu verstehen. Im engeren Sinn bezeichnet sie die Entwicklung der Menschheit; als Historie meint sie außerdem das Gedenken, Erzählen und wissenschaftliche Darstellen der Vergangenheit. Historiker sind Forschende der Geschichtswissenschaft. Geschichte ist zugleich ein Schulfach mit Themen der Welt-, Landes-, Regional-, Personen-, Politik-, Religions- und Kulturgeschichte.
Als Vergangenheit kann Geschichte die Natur- und Universumsgeschichte, die Geschichte des Menschen und die Zeit seit der Erfindung der Schrift umfassen. Naturgeschichte behandeln etwa Astronomie, Geologie und Biologie; dazu zählt auch die Entstehung des Homo sapiens. Menschheitsgeschichte enthält kulturelle Faktoren und die Veränderung der Umwelt durch Menschen. Archäologie, Ethnologie und Sozialgeografie befassen sich damit. Zeiten ohne Schriftquellen heißen Urgeschichte, Zeiten mit sehr wenigen, meist nicht einheimischen Schriftquellen Frühgeschichte.
Die Geschichtswissenschaft arbeitet hauptsächlich mit der Zeit seit der Erfindung der Schrift im 4. Jahrtausend v. Chr. Schriftzeugnisse ermöglichen, menschliches Handeln und Erleben dauerhaft festzuhalten. Zentrale Grundlage sind Quellen: zeitnahe schriftliche Aufzeichnungen und Dokumente. Auch mündliche Überlieferung wird als Oral History wissenschaftlich genutzt.
Geschichte, Bewusstsein und Unterricht
Zu unterscheiden sind Geschichte als tatsächliches Geschehen und Geschichtsbewusstsein, also das Bild des Vergangenen. Dieses zeigt sich einerseits im Selbstverständnis historischer Personen, andererseits entsteht es bei Erforschung und Darstellung aus der überlieferten Quellenlage. Historische Erkenntnis beruht auf Überresten und Traditionen; sie ist nie völlig objektiv. Sie hängt von der historischen Situation, der Perspektive der Betrachtenden und den verfügbaren Quellen ab.
Geschichtsdidaktik soll den Zugang zu wichtigen Bereichen der Geschichte erleichtern und ein mehrdimensionales Geschichtsbewusstsein ermöglichen. Geschichtsunterricht setzt dies praktisch um. Er soll nicht nur Forschungsergebnisse, sondern zumindest ansatzweise historisch-kritische Methoden vermitteln. Schulisches Geschichtswissen ist stets eine Rekonstruktion und kann keinen Wahrheitsanspruch erheben.
Funktionen und wissenschaftliche Merkmale
Geschichte bewahrt Traditionen und kann Identität stiften, etwa bei der Frage, woher Menschen kommen und wohin sie gehen. Cicero bezeichnete sie als „Lehrmeisterin des Lebens“ (Historia magistra vitae). Rolf Schörken nennt vier Hauptfunktionen: Geschichte kann unterhalten und vom Alltag entlasten, Prestige vermitteln, Gemeinschaften durch gemeinsame Vergangenheit stabilisieren sowie mit Beispielen und Argumenten legitimieren.
Der Anspruch des Historismus, etwa bei Leopold von Ranke, zu zeigen, „wie es eigentlich gewesen“ sei, gilt wegen der Zeitgebundenheit und Individualität jedes Rückblicks als nicht vollständig einlösbar. Geschichte ist keine exakte Wissenschaft, sondern eine humanistische Disziplin, deren Gegenstand Menschen in ihren Umständen sind. Wissenschaftliche Forschung soll Ereignisse sowie Ursachen und Wirkungen nachvollziehbar und möglichst objektiv darstellen. Geschichtsphilosophie ordnet Handlungen in ein übergeordnetes Geschichtsbild ein; wichtige Hilfsmittel sind Chronologie und Periodisierung.
Hans-Jürgen Pandel beschreibt historische Erzählungen als retrospektiv, temporal, selektiv, konstruktiv und partiell: Sie blicken zurück, ordnen Ereignisse zeitlich, treffen eine perspektivische Auswahl, formen Geschichte erzählerisch und bleiben räumlich sowie zeitlich begrenzt. Jörn Rüsen ergänzt, Geschichte sei perspektivisch, sequentiell, kommunikativ und argumentativ: Sie folgt einem Leitfaden, ist Teil eines größeren Zeitverlaufs, bezieht sich auf andere Geschichten und begründet wissenschaftliche Geltungsansprüche durch andere Forschungen.
Quellen und sprachliche Rekonstruktion
Die Geschichtswissenschaft kann die tatsächliche Vergangenheit nicht vollständig abbilden. Quellen können zudem gefälscht, lückenhaft oder widersprüchlich sein. Während man im 19. Jahrhundert gegensätzliche Aussagen möglichst zu harmonisieren versuchte, wird heute eher akzeptiert, dass ein vergangener Sachverhalt bis zum Fund neuer Quellen nicht rekonstruierbar bleiben kann.
Ein Beispiel ist die Kaiserkrönung Karls des Großen in Rom: Päpstliche Quellen schildern sie anders als Quellen nördlich der Alpen. Bei alleinstehenden Quellen wird diskutiert, ob die daraus gewonnene Darstellung eine Konstruktion sein könnte, die mit dem wirklichen Geschehen wenig oder nichts zu tun hat. Als Beispiele werden der Prozess Jesu und die Hintergründe der konstantinischen Wende genannt. Umstritten ist daher, ob auf Rekonstruktionen in solchen Fällen verzichtet werden sollte und ob die Unterscheidung zwischen „wirklicher“ und „rekonstruierter“ Wirklichkeit sinnvoll ist. Eine mögliche Maxime lautet: Rekonstruierte Geschichte gilt so lange als Wirklichkeit, bis neue Erkenntnisse Korrekturen erfordern.
Auch Sprache enthält konstruierende Anteile: Die Gesamtheit des Vergangenen wird erst durch Benennung, Bewertung und Ordnung verständlich. Geschichte ist damit auch ein Erzeugnis von Historikern und von Menschen, die sich auf Vergangenheit besinnen.
Erzählungen, Kunst und Politik
In der Geschichtswissenschaft stehen heute zahlreiche Narrative, also Deutungs- und Erzählmuster zu Vergangenheitsaspekten, nebeneinander. Thomas Walach betont, Geschichte sei nicht nur bewusste Reflexion: Historische Akteure und Historiker würden auch durch unbewusste psychische Anteile geprägt. Eine gesellschaftlich verantwortliche Geschichtswissenschaft müsse sich deshalb mit Schuldgefühl, Kränkung, Scham und Ressentiment beschäftigen. Ihre Quellenorientierung erzeugt dabei „blinde Flecken“, weil sie nur untersuchen kann, wofür Quellen vorhanden sind.
Geschichtliche Themen können künstlerisch statt wissenschaftlich verarbeitet werden. Beispiele sind William Shakespeares Drama Julius Caesar, Friedrich Schillers Wallenstein, Albrecht Altdorfers Alexanderschlacht, Werner Tübkes Bauernkriegspanorama sowie die Opern Don Carlos von Giuseppe Verdi und Anna Bolena von Gaetano Donizetti. Solche Werke beruhen stärker auf künstlerischer Einbildungskraft als auf wissenschaftlichem Anspruch.
Geschichtspolitik ist die gezielt politisch interessengeleitete Darstellung von Geschichte. Sie beeinflusst öffentliche Meinungsbildung, besonders in totalitären Systemen, und wirkt auf Geschichtsunterricht, Museumspädagogik und Gedenkstätten. Auch Histotainment, etwa Mittelaltermärkte, reicht von Wissensvermittlung bis Unterhaltung. In repräsentativen Demokratien ist Geschichtspolitik wegen politischer Bildung wichtig; zugleich gibt es kein einfach verordnetes Narrativ. Digitale Medien erweitern den Kreis derjenigen, die eigene Deutungen veröffentlichen. Alternative Fakten, Fake News und Geschichtsrevisionismus können die öffentliche Anerkennung wissenschaftlicher Erkenntnisse erschweren. Walach sieht Public History am Schnittpunkt von Wissenschaft, öffentlichen Geschichtsbildern und Geschichtspolitik.
Lernvideos zu Geschichte
43:32
Geschichte der Nordsee – Von König Artus, schaurigen Göttern und Wikingern | Ganze Folge Terra X
Terra X History · 5 Mio. Aufrufe
11:59
Erster Weltkrieg I Fakten und Verlauf I musstewissen Geschichte
MrWissen2go Geschichte | Terra X · 3,7 Mio. Aufrufe
11:41
Beginn des Zweiten Weltkriegs | Geschichte Hitlers Blitzkrieg
MrWissen2go Geschichte | Terra X · 3,6 Mio. Aufrufe
37:46
Eine kleine Geschichte aus dem Internet
Jules · 3,6 Mio. Aufrufe