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Jungsteinzeit

Die Jungsteinzeit oder Neusteinzeit, fachsprachlich Neolithikum (aus altgriechisch νέος néos ‚neu, jung' und λίθος líthos ‚Stein'), ist eine Epoche der …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Kern der Jungsteinzeit
  2. 2. Entstehung der Landwirtschaft
  3. 3. Ausbreitung und regionale Unterschiede
  4. 4. Technik, Siedlungen und Gesellschaft
  5. 5. Kulturen, Bestattung und Alltag

Kern der Jungsteinzeit

Die Jungsteinzeit, fachsprachlich Neolithikum, ist eine Epoche der Menschheitsgeschichte. Sie wird heute vor allem durch den erstmaligen Übergang von Jäger- und Sammlerkulturen zu Hirten- und Bauernkulturen definiert. Das entscheidende Kriterium für ihren Beginn ist der Nachweis domestizierter Nutzpflanzen, also vom Menschen gezielt angebauter und veränderter Pflanzen.

Zur Jungsteinzeit gehört der Wechsel von einer aneignenden Wirtschaftsweise, also Jagd, Sammelwirtschaft und Fischerei, zu einer produzierenden Wirtschaftsweise: Feldwirtschaft, Gartenbau und Viehwirtschaft. Dieser Wandel wird oft als „Neolithische Revolution“ oder „Neolithisierung“ bezeichnet. Er bedeutete nicht überall dasselbe und verlief je nach Klima, Umwelt und Region unterschiedlich.

Mit der neuen Wirtschaftsweise verband sich ein „Neolithisches Bündel“ von Merkmalen: Sesshaftigkeit der Bauern, Domestizierung von Tieren und Pflanzen, geschliffene Steingeräte wie Steinbeile und Dechsel sowie ein zunehmender Gebrauch von Keramikgefäßen. Nomadismus blieb jedoch bei vielen auf Viehhaltung beruhenden Kulturen bestehen; es gab auch Mischformen wie Transhumanz.

Nach heutigem Wissen begann das Neolithikum zuerst um 9500 v. Chr. im Fruchtbaren Halbmond Vorderasiens, besonders an den Südrändern des Zagros- und Taurusgebirges. In Mittel- und Nordwesteuropa begann es deutlich später, etwa zwischen 5800 und 4000 v. Chr. Das Ende der Jungsteinzeit wird in der Alten Welt meist durch den Übergang zu früher Metallverarbeitung bestimmt. In Europa und Vorderasien gilt die Kupfersteinzeit noch als letzte Phase der Steinzeit; die Bronzezeit löste die Jungsteinzeit je nach Region zwischen 3300 und 1800 v. Chr. ab. In Afrika folgte direkt die Eisenzeit, während es in Australien und Ozeanien vor der europäischen Kolonisierung keine Metallverarbeitung gab.

Entstehung der Landwirtschaft

Die Entstehung der Landwirtschaft begann zwischen 12.000 und 9500 v. Chr. am Ende der letzten Eiszeit und am Beginn des Holozäns, der heutigen Zwischeneiszeit. In der Levante gab es bereits vor der eigentlichen Landwirtschaft dauerhafte Siedlungen, weil Fisch, Fleisch und Pflanzen in der Allerödzeit ausreichend verfügbar waren. Wildgetreide wurde schon lange genutzt; am See Genezareth ist dies seit 21.000 v. Chr. nachweisbar.

Zur Erklärung des Übergangs zur Landwirtschaft wurden zwei gegensätzliche Hypothesen genannt. Die Überflusshypothese sieht den Getreideanbau als Experiment relativ sesshafter und gut versorgter Jäger und Sammler. Josef H. Reichholf verband dies unter anderem mit der Nutzung von Getreide für alkoholische Getränke wie Bier. Von den meisten Fachleuten wird heute jedoch die Mangelhypothese akzeptiert: Durch die jüngere Dryas-Kaltzeit verschlechterten sich die Nahrungsgrundlagen, und saisonale Engpässe nahmen zu. Weil eine Rückkehr zum Nomadismus nach langer Sesshaftigkeit weder möglich noch gewollt war, intensivierten Menschen die Wiedereinsaat von Getreide und produzierten Vorräte selbst.

Im Nahen Osten zeigen Funde aus Ohalo II, dass Jäger und Sammler vor 20.000 bis 22.000 Jahren viele Gräser, darunter wilden Weizen und wilde Gerste, nutzten. Die ältesten Spuren von möglicherweise domestiziertem Getreide, in diesem Fall Roggen, stammen aus Tell Abu Hureyra und sind etwa 13.000 Jahre alt. Der rund 11.600 Jahre alte Fund domestizierten Getreides aus Iraq ed-Dubb gilt als ältester sicher datierter Nachweis und als Beginn der Jungsteinzeit. Tierhaltung entwickelte sich ebenfalls: Für Beidha wird Domestikation um 11.000 v. Chr. angenommen und ab 8300 v. Chr. belegt. Schafe und Ziegen wurden zunächst wegen Fleisch und Fell gehalten; um 7500 v. Chr. ist Milchnutzung archäologisch nachweisbar.

Unabhängige oder wahrscheinlich unabhängige Zentren der Landwirtschaft lagen neben dem Nahen Osten auch in Südchina, Nordchina, Mittelamerika, Südamerika, Westafrika und Indien; weitere mögliche Zentren waren Äthiopien, der Osten Nordamerikas und Neuguinea. In China wurden Reis im Gebiet des Jangtsekiang und später Hirse im Norden angebaut. In Mesoamerika begann der Pflanzenanbau zunächst mit Gartenkürbissen um 8000 v. Chr.; Teosinte, eine Wildform des Maises, wurde um 5100 v. Chr. kultiviert.

Ausbreitung und regionale Unterschiede

Außerhalb der Ursprungsregionen wurden Ackerbau und Viehzucht meist durch Übernahme oder durch Einwanderung neuer Siedler verbreitet. Weizen und Gerste hatten ihre Wildformen ursprünglich in Kleinasien und Syrien, wurden dort domestiziert und von dort weitergegeben. Landwirtschaft war dem Jagen und Sammeln nicht in jeder Hinsicht überlegen: Für denselben Kalorienertrag war mehr Arbeit nötig, Wetter und Klima wurden wichtiger, Ortsbindung schränkte Beweglichkeit ein, und Vorräte konnten gefährdet sein. Trotzdem setzten sich Ackerbau und Viehzucht in vielen Gebieten durch, auch weil die neuen Kulturgüter beeindruckend wirkten und neue Lebensformen ermöglichten.

Im Nahen Osten und Mittelmeerraum hatten sich die Ackerbauern der Levante um 8000 v. Chr. bis in das südliche Kleinasien, nach Zypern und zur persischen Golfküste ausgebreitet. Nach Europa kam Landwirtschaft durch Migration über zwei Hauptrouten: über die Ägäis auf den Balkan und entlang der nördlichen Mittelmeerküste auf die Iberische Halbinsel. Genetische Untersuchungen stützen diese Ausbreitung durch Bauern aus dem ägäischen Raum.

Afrika ist ein Sonderfall. Dort verlief die Neolithisierung langsamer und uneinheitlicher; einzelne Merkmale wie Rinderhaltung und Kulturpflanzen konnten Jahrtausende auseinanderliegen. Deshalb wird der Begriff „Neolithikum“ für Afrika vorsichtiger verwendet. Um 4900 v. Chr. gab es Hirtengemeinschaften mit Schafen, Ziegen und später Rindern. Südlich der Sahara traten Kulturpflanzen wie Perlhirse und Augenbohne erst Anfang des zweiten vorchristlichen Jahrtausends auf. Die Keramik ist in Afrika teilweise älter als im Vorderen Orient.

In Ostasien und Polynesien verbreitete sich Landwirtschaft mit der austronesischen Expansion ab etwa 3000 v. Chr. aus Südchina nach Südostasien und in den pazifischen Raum. In Neuguinea wurden Bananen und Zuckerrohr schon vor dem Eintreffen südchinesischer Kulturpflanzen genutzt. In Amerika breitete sich der mesoamerikanische Ackerbau nach Norden aus; im Osten der heutigen Vereinigten Staaten könnten Sonnenblumen, Gänsefüße, Maygrass und Topinambur unabhängig domestiziert worden sein. In den Anden und im Amazonasgebiet wurden vermutlich Maniok und Kartoffeln eigenständig domestiziert. Als größere Nutztierart diente in Südamerika vor allem das Lama für den Lastentransport.

Technik, Siedlungen und Gesellschaft

Viele jungsteinzeitliche Werkzeuge aus Holz, Tierknochen oder Feuerstein ähnelten noch denen älterer Steinzeiten. Neu waren jedoch Beile und Äxte, die durch Sägen und Schleifen geschärft und für die Schäftung durchbohrt wurden. Ein wichtiges neues Merkmal waren gebrannte Tongefäße, meist zur Vorratshaltung. In den meisten Regionen traten sie mit oder kurz nach der Entwicklung des Ackerbaus auf, in Japan jedoch schon früher.

Mit der Sesshaftigkeit entwickelte sich der Hausbau. Im Alpenraum wurden Pfahlbauten an Seeufern errichtet, also Hütten auf meterhohen Stützen, die an Überflutungen angepasst waren. Dörfer wurden oft durch Palisaden geschützt. In Çatalhöyük bestanden Häuser meist aus Lehmziegeln und Holzgerippen. In Oasenstädten wie Jericho gab es meterhohe Mauern. Grundbesitz und seine Verteidigung wurden für sesshafte Kulturen wichtig.

Die Bevölkerungszahlen stiegen, obwohl die Versorgung der Bauern unsicherer sein konnte als die der Jäger und Sammler. Ein Grund war die sesshafte Lebensweise: Kleine Kinder waren bei weniger mobiler Lebensform weniger hinderlich, und durch Milch und Getreide konnte die Stillzeit verkürzt werden. In bäuerlichen Kulturen spezialisierten sich Menschen stärker auf bestimmte Tätigkeiten. Dadurch entstanden arbeitsteilige Gesellschaften sowie geistige und politische Führungsschichten wie Priester, Stammesoberhäupter und Fürsten.

In der Jungsteinzeit begann auch Metallbearbeitung, die Archäometallurgie. Sie beschränkte sich zunächst auf natürlich vorkommende Metalle wie Gold, Silber und Kupfer. Die ältesten Kupferfunde aus Kleinasien und Iran sind über 9000 Jahre alt. Wegen dieser Entwicklung wird der letzte Abschnitt der Jungsteinzeit in manchen Regionen als Kupfersteinzeit bezeichnet. Aus dem Mittelmeerraum sind außerdem Funde bekannt, die als Reste von Booten gedeutet wurden.

Kulturen, Bestattung und Alltag

Für die Jungsteinzeit lassen sich deutlicher als für die Altsteinzeit archäologische Kulturen erkennen. Gemeint sind Gruppen von Funden und Fundorten, die in einer bestimmten Zeit und Region ähnliche Formen zeigen. Solche Kulturen dauerten oft mehrere Jahrhunderte und wurden dann von neuen Phasen abgelöst. In Mitteleuropa breitete sich das Neolithikum ab 5600/5500 v. Chr. vom Donauraum nach Norden aus, besonders mit der bandkeramischen Kultur. Sie reichte schließlich von Moldau bis in das Pariser Becken. Im Norden Europas setzte das Neolithikum zwischen 4100 und 3900 v. Chr. mit der Trichterbecherkultur ein; ab etwa 3600 v. Chr. begann dort die Megalithik mit Dolmen, später mit aufwendigen Ganggräbern.

Wichtige Stätten und Monumente der Jungsteinzeit sind unter anderem Göbekli Tepe in Anatolien, die Megalithanlagen und Menhire von Carnac, Skara Brae in Schottland, die Tempel auf Malta sowie Newgrange und Knowth in Irland. Ein berühmter Fund aus der Endphase der Jungsteinzeit ist Ötzi, der „Mann vom Tisenjoch“. Er lebte vor über 5000 Jahren, blieb als Mumie im Eis des Similaungletschers erhalten und trug typische Geräte wie Pfeil und Bogen sowie bereits ein Kupferbeil.

Die Bestattungspraxis war sehr unterschiedlich. Es gab Einzelbestattungen in der Erde, auch in Häusern, Gemeinschaftsbestattungen, Mehrfach- oder Einzelbestattungen in Holz- oder Steinkisten, in Silogruben oder Höhlen, Bestattungen in gebauten Räumen oder Nekropolen sowie Feuerbestattungen.

Im Ackerbau gehörte Emmer zu den ältesten kultivierten Getreidearten Eurasiens. Er stammte aus dem Nahen Osten und wurde dort seit mindestens 10.000 Jahren angebaut. Während der Jungsteinzeit waren Emmer und Einkorn wichtig. Man unterscheidet Spelzgetreide wie Emmer, Einkorn, Spelzgerste und Dinkel von Nacktgetreide wie Nacktweizen. Spelzgetreide ließ sich besser einfach lagern, musste aber vor dem Mahlen entspelzt werden. Die neue Lebensweise brachte auch Probleme: Krankheiten wie Tuberkulose und Brucellose breiteten sich aus, und Fragen von Hygiene, Besitz, Vorräten, Wasser und sozialer Ordnung wurden wichtiger.

Für Ackerbau wurden Kalender und Himmelsbeobachtung bedeutsam. Aussaat und Ernte mussten an Jahreszeiten angepasst werden. Während Mondkalender für nomadische Gruppen gut nutzbar waren, verschiebt ein reiner Lunarkalender die Jahreszeiten im Sonnenjahr um etwa elf Tage rückwärts. Für sesshafte Ackerbaugruppen wurden daher Sonnenbeobachtung, Solstitien und Tag-und-Nacht-Gleichen wichtig; im Zusammenhang mit der bandkeramischen Kultur wird ein Übergang vom Mond- zum Sonnenkalender angenommen.

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