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Periodisierung
Unter Periodisierung versteht man die Einteilung der Geschichte in aufeinander folgende Zeitalter, historische Epochen oder Zeitabschnitte, die je für sich …
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Begriff und Funktion der Periodisierung
Periodisierung bezeichnet die Einteilung der Geschichte in aufeinanderfolgende Zeitalter, historische Epochen oder Zeitabschnitte. Jede Periode weist gemeinsame Merkmale auf und unterscheidet sich in wichtigen Punkten von anderen Perioden. Solche Epochengliederungen helfen, geschichtliche Prozesse und Strukturen zu ordnen und verständlich zu machen.
Periodisierungen besitzen jedoch nur relative Gültigkeit. Sie hängen vom historischen, geografischen und kulturellen Standort derjenigen ab, die Geschichte deuten, sowie von der Gewichtung bestimmter Einflussfaktoren des Wandels. Berücksichtigt werden können zum Beispiel gesellschaftspolitische, wirtschaftliche, ökologische oder mentalitätsgeschichtliche Aspekte. Deshalb gelten Periodisierungen als Annäherungen an ein objektives Geschichtsbild und müssen mit wachsender Erkenntnis überarbeitet werden.
Der Begriff wird teilweise als problematisch angesehen, weil seine altgriechische Herkunft „Kreislauf“ bedeutet und damit ein zyklisches Geschichtsbild nahelegen kann. Als Ersatz wurde „Geschichtsgliederung“ vorgeschlagen; dieser Ausdruck hat sich jedoch nicht allgemein durchgesetzt.
Frühe Ordnungssysteme und religiöse Modelle
Eine umfassende Darstellung von Geschichte setzt eine allgemein verwendbare Zeitrechnung voraus. Chronologie entsteht durch die astronomisch-mathematische Ordnung von Zeit und durch die lineare Abfolge sprachlicher Erzählungen. Erst vor einem Hintergrund zeitlichen Gleichmaßes lassen sich etwa Beschleunigung und beschleunigter historischer Wandel erkennen. Für Annalen war zunächst ein Kalenderjahr auf Grundlage eines Sonnen- oder Mondkalenders erforderlich.
Frühe Systeme der Geschichtserfassung waren unter anderem Königslisten in Ägypten und Vorderasien sowie die 24 Dynastiegeschichten Chinas. In der griechischen Antike dienten die alle vier Jahre stattfindenden Olympiaden als Fixpunkte, in der attischen Demokratie die Archontenlisten und im Römischen Reich die Konsullisten. Später entstand in Verbindung mit dem angenommenen Geburtsjahr Jesu Christi eine umfassende Chronologie.
In der jüdisch-christlichen Tradition lassen sich nach Jacques Le Goff besonders zwei Modelle erkennen. Das Vierermodell orientiert sich an den vier Jahreszeiten. Im Buch Daniel erscheinen vier Tiere als Sinnbilder für die Könige von vier Reichen. Johannes Sleidanus leitete daraus 1556 eine Gliederung in die Reiche Babylon, Persien, Griechenland und Rom ab. Das Sechsermodell beruht auf den sechs menschlichen Lebensaltern. Augustinus unterschied in „De civitate Dei“ sechs Perioden: von Adam bis Noah, von Noah bis Abraham, von Abraham bis David, von David bis zur Babylonischen Gefangenschaft, von dieser bis zur Geburt Christi und schließlich bis zum Ende aller Zeiten.
Im christlichen Mittelalter wurde die Weltgeschichte heilsgeschichtlich in drei Reiche gegliedert: die heidnische „lex naturalis“, die „lex mosaica“ des Alten Testaments und das christliche Reich. Joachim von Fiore deutete die Geschichte entsprechend der Trinität als Zeit des Vaters, des Sohnes und des künftig erwarteten Heiligen Geistes. Dieses eschatologische „Dritte Reich“ sollte ein freies und glückliches Zeitalter sein.
Die europäische Dreiteilung und ihre Erweiterungen
In der europäischen Geschichtswissenschaft ist die Dreiteilung in Altertum, Mittelalter und Neuzeit verbreitet. Sie entstand aus der italienischen Renaissance: Humanisten betrachteten die Antike als Leitbild und bezeichneten die dazwischenliegende Epoche abwertend als Mittelalter. Der Begriff Renaissance wurde von Giorgio Vasari zur Abgrenzung der Kunst seiner Zeit von der mittelalterlichen Kunst geprägt.
Le Goff ordnet die Renaissance dagegen nicht als Beginn der Neuzeit ein, sondern als Spätphase eines langen Mittelalters. Dieses habe erst im 18. Jahrhundert geendet: wirtschaftlich mit der Dampfmaschine als Auftakt der Industrialisierung, in Philosophie und Religion mit der Erstellung und Verbreitung der von Diderot initiierten Enzyklopädie und politisch mit der Französischen Revolution gegen das monarchische Herrschaftsprinzip.
Christoph Cellarius machte die Dreiteilung durch seine 1702 erschienene dreibändige „Historia Universalis“ zu einem gängigen historischen Ordnungsschema. Später wurde sie erweitert und ausdifferenziert. Vor das Altertum trat die Ur- und Frühgeschichte. Die Neuzeit wurde unter anderem in Frühe Neuzeit und Neueste Geschichte gegliedert; die Neueste Geschichte wird häufig weiter in Moderne und Zeitgeschichte unterteilt.
Periodisierung dient nach Le Goff dazu, Vorstellungen von Zeit in eine Form zu bringen und ein kontinuierliches Bild der Vergangenheit zu entwickeln. Ihr Bedarf nahm zu, als Geschichte an europäischen Universitäten und Schulen als wissenschaftliches Fach gelehrt wurde: in Deutschland bereits ab dem 16. Jahrhundert, allgemein seit dem späten 18. und frühen 19. Jahrhundert. In Verbindung mit Fernand Braudels Begriff der „langen Dauer“ berücksichtigt sie sowohl Kontinuität als auch Diskontinuität. Lange Zeiträume können wichtige, aber nicht entscheidende Veränderungen enthalten, die als Unterperioden gelten.
Probleme und alternative Modelle
Ein zentrales Problem ist die Festlegung von Anfangs- und Endpunkten. Für den Beginn der Neuzeit werden beispielsweise die Renaissance in Italien ab der Mitte des 14. Jahrhunderts, Gutenbergs Druck mit beweglichen Lettern ab der Mitte des 15. Jahrhunderts, die Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus 1492 oder die Anfänge der Reformation mit Martin Luther am Ende des zweiten Jahrzehnts des 16. Jahrhunderts genannt. Ein einzelnes Ereignis oder Jahr eignet sich daher nur selten als eindeutige Epochenscheide. Nach Jürgen Osterhammel entstehen Epochenschwellen vielmehr durch die Überlagerung zahlreicher feiner Zeitraster und durch eine Verdichtung von Veränderungen. Deshalb sind auch Feinperiodisierungen für einzelne Gesellschaften und Lebensbereiche, etwa Klima- oder Kunstgeschichte, wichtig.
Das auf Karl Marx und Friedrich Engels zurückgehende, am Historischen Materialismus orientierte Modell erklärt historische Gesellschaftsformationen aus dem zunehmenden Gegensatz zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen. Es folgt einer gesetzmäßig-fortschreitenden Abfolge: klassenlose Stammesgesellschaft, Asiatische Produktionsweise, antike Sklavenhaltergesellschaft, mittelalterliche Feudalgesellschaft und kapitalistische Gesellschaft. Durch eine proletarische Revolution sollte daraus der Sozialismus entstehen, danach eine erneut klassenlose Gesellschaft, der Kommunismus. Nach Ursula A. J. Becher war dies die letzte Konzeption, die von einer einheitlichen Geschichte und einem allgemein gültigen Periodisierungsprinzip ausging.
Niklas Luhmann unterschied Gesellschaften nach Formen sozialer Differenzierung. In segmentären Gesellschaften lebten Menschen in kleinen, räumlich getrennten Stämmen oder Dörfern mit grundsätzlicher Gleichheit und persönlicher Kommunikation. In den Hochkulturen der Antike und des Mittelalters überwog die stratifikatorische Differenzierung in hierarchische Schichten, etwa Besitzlose, Bauern und Adel. Daraus entwickelte sich die funktionale Differenzierung, bei der sich Systeme wie Politik, Wirtschaft, Recht, Religion und Wissenschaft verselbständigen und eigenen Regeln folgen. Diese Formen dürfen laut Luhmann nicht als streng lineare Abfolge verstanden werden; sie können gleichzeitig vorkommen.
Albert D’Haenens gliederte die Geschichte nach Kommunikationsweisen in „Oralité, Scribalité, Electronalité“: zunächst mündliche Wissensweitergabe, danach vorherrschende Schriftlichkeit, besonders seit der Erfindung der Schrift und des Buchdrucks, und zuletzt zunehmende elektronische Kommunikation durch Rundfunk und Fernsehen. Auch dieses Modell enthält Überlappungen, da Gespräche und gedruckte Texte im elektronischen Zeitalter fortbestehen.
Weltgeschichte, globale Umwälzungen und Fachgebiete
Globalisierung und weltweite Verflechtungen machen deutlich, dass standortgebundene, besonders eurozentrische Periodisierungen begrenzt sind. Weltgeschichtliche Ansätze sollen Zusammenhänge, Abhängigkeiten, Rivalitäten und Gewichtsverlagerungen verschiedener Regionen berücksichtigen. Für Osterhammel bedeutet dies, Eurozentrismus und jede „naive kulturelle Selbstbezogenheit“ zu überwinden. Er fordert keine angeblich neutrale Perspektive, sondern einen bewussten Umgang mit der Relativität verschiedener Sichtweisen.
Karl Jaspers teilte die Weltgeschichte in drei Phasen: zunächst ein unverbundenes Nebeneinander von Menschen und Kulturen, danach die „Achsenzeit“ und schließlich eine neuzeitliche Phase, in der die verkehrsmäßige Erschließung eine Welteinheit hervorbrachte. Fernand Braudel untersuchte Alltag und Wirtschaft weltweit für das 15. bis 18. Jahrhundert. Weltgeschichtliche Darstellungen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bezogen zunehmend außereuropäische Geschichte sowie sozial-, wirtschafts- und mentalitätsgeschichtliche Perspektiven ein.
Vere Gordon Childe prägte für den Übergang von der eiszeitlichen Altsteinzeit zur nacheiszeitlichen Jungsteinzeit den Begriff „Neolithische Revolution“. In dieser Phase traten menschliche Sesshaftigkeit, die Domestizierung von Tieren und die Kultivierung von Pflanzen erstmals auf. Ernest Gellner unterschied Jäger- und Sammlergesellschaften, Agrargesellschaften und Industriegesellschaften, getrennt durch die Neolithische Revolution ab dem 12. Jahrtausend v. Chr. und die Industrielle Revolution des 18. und 19. Jahrhunderts. Yuval Noah Harari unterschied 2011 die kognitive Revolution, die landwirtschaftliche Revolution und die wissenschaftliche Revolution ab der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert, verbunden mit zahlreichen Umwälzungen seit der Industriellen Revolution.
Jörn Rüsen verwendet als Kriterium das jeweilige Ausmaß an Humanität, also die Verbreitung des Anspruchs auf Gleichbehandlung als Mensch beziehungsweise im Sinne der Menschenrechte. In der ersten Phase wurde Menschheitsqualität überwiegend nur der eigenen Gruppe zugestanden. In der zweiten, von Rüsen mit einer von Jaspers erwogenen zweiten Achsenzeit um 1800 verbundenen Phase wurde sie zumindest grundsätzlich allen Menschen zugesprochen, während das eigene Menschsein weiterhin über das anderer Populationen gestellt werden konnte. In der dritten, bis zur Gegenwart reichenden Phase wurde Menschheitsqualität zur Grundlage interkultureller Kommunikation unter dem Gesichtspunkt kritischer Anerkennung.
Auch einzelne Fachgebiete verwenden Periodisierungen. In der deutschen Sprachgeschichte wird beispielsweise zwischen Althochdeutsch, Mittelhochdeutsch und Neuhochdeutsch unterschieden; vergleichbare Einteilungen gibt es in anderen Sprachen.