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Sonntag
Romanische Sprachen haben diese Bezeichnung aufgenommen und nennen den Sonntag daher „Domenica“ (italienisch), „Domingo“ (spanisch) und „Dimanche“ (französisch) …
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Bedeutung und Stellung in der Woche
Der Sonntag ist im bürgerlichen Kalender des deutschsprachigen Raums und in großen Teilen der Welt der siebte und letzte Wochentag. Dies entspricht auch der internationalen Norm ISO 8601. In früheren Jahrhunderten galt er dagegen als erster Tag der Woche. Darauf weist unter anderem der Name Mittwoch hin: Er bezeichnete ursprünglich den vierten, also mittleren Tag einer Woche, die mit dem Sonntag begann.
In jüdischen, muslimischen und christlichen Zusammenhängen wird der Sonntag teilweise weiterhin als erster Wochentag verstanden. Nach jüdischer Tradition beginnt die siebentägige Woche mit Jom Rischon und führt zum Schabbat als siebtem Tag. Im Christentum entwickelte sich der Sonntag zum wöchentlichen Festtag, weil die Auferstehung Jesu am ersten Tag der Woche überliefert wird. Frühe Christen nannten ihn Herrentag, griechisch kyriakē hēmera, lateinisch dies dominica. Daraus entstanden unter anderem die Bezeichnungen Domenica, Domingo und Dimanche.
Sabbat und neutestamentliche Grundlagen
Das mosaische Gesetz bestimmte den siebten Tag als Ruhetag: Nach sechs Arbeitstagen sollte am Sabbat keine Arbeit verrichtet werden, weder von Menschen noch von Sklaven, Fremden oder Tieren. Als Begründung nennt Exodus 20,8–11 die Schöpfung in sechs Tagen und Gottes Ruhe am siebten Tag.
Im Neuen Testament wird das Sabbatgebot vor allem in den Auseinandersetzungen zwischen Jesus und den Pharisäern thematisiert. Jesus ging mit den genauen traditionellen Ausführungsbestimmungen offenbar freier um. Jüdische Anhänger Jesu hielten den Sabbat vermutlich weiterhin ein; die Frauen, die Jesus bestatteten, hielten am Sabbat die vorgeschriebene Ruhe ein. Auch Jesus und christliche Missionare besuchten am Sabbat Synagogen und nutzten diese Besuche zur Verkündigung.
Paulus formulierte gegenüber Gemeinden mit vielen Heidenchristen, dass Christen bei der Bewertung bestimmter Tage unterschiedliche Auffassungen haben könnten. In Römer 14,5f heißt es, jeder solle von seiner eigenen Überzeugung ausgehen. In Kolosser 2,16f warnt Paulus davor, sich wegen Feiertagen, Neumonden oder Sabbaten ein schlechtes Gewissen machen zu lassen. Die Texte lassen daher erkennen, dass die Sabbatbeachtung für viele Heidenchristen nicht als verbindliche Vorschrift galt, ohne dass dadurch alle biblischen Aussagen zum Gesetz eindeutig aufgehoben wären.
In der Alten Kirche sind keine Hinweise auf regelmäßige christliche Gottesdienste am Sabbat überliefert. Sabbat und Sonntag bildeten zunächst zwei unterschiedliche Entwicklungslinien: Der Sabbat war der jüdische Ruhetag, während der Sonntag der Erinnerung an Jesu Auferstehung diente.
Auferstehung und erste christliche Versammlungen
Die synoptischen Evangelien berichten, dass Frauen nach dem Sabbat am frühen Morgen zum Grab Jesu kamen. Der Auferstehungstag wird ausdrücklich als erster Tag der Woche bezeichnet. Nach der im Altertum üblichen inklusiven Zählweise gilt er als dritter Tag nach der Kreuzigung. Auch die Begegnung Jesu mit Thomas acht Tage später fiel nach dieser Zählweise wieder auf einen Sonntag.
Apostelgeschichte 20,5f berichtet von einer Versammlung der Gemeinde in Troas am ersten Tag der Woche. Die Christen kamen zum Brotbrechen zusammen, das als gemeinsames Mahl mit dem Gedenken an Jesus und als Abendmahl verstanden wird. Die Versammlung begann vermutlich am Sonntagabend und dauerte wegen der langen Rede des Paulus bis nach Mitternacht. Der Bericht gilt häufig als frühester klarer Hinweis auf einen regelmäßigen sonntäglichen Abendmahlsgottesdienst.
In 1. Korinther 16,2 forderte Paulus die Gemeinde auf, am ersten Tag jeder Woche Geld für eine Sammlung zurückzulegen. Dies weist auf einen regelmäßig beachteten Wochenrhythmus hin. Die Offenbarung des Johannes spricht außerdem vom dem Herrn gehörenden Tag. Einige Jahrzehnte später wurde diese Bezeichnung eindeutig auf den Sonntag bezogen.
Die Feier am Sonntag ist im frühen 2. Jahrhundert durch Ignatius von Antiochien, den Barnabasbrief, die Didache und Justin den Märtyrer bezeugt. Ignatius unterschied den Herrentag ausdrücklich vom Sabbat. Der Barnabasbrief deutete den Sonntag als achten Tag: Der siebte Tag beendet die Schöpfungswoche, während mit der Auferstehung Jesu eine neue Welt beginnt. Die Didache beschreibt das Zusammenkommen am Herrentag zum Brotbrechen und Danken.
Um 150 schilderte Justin der Märtyrer eine Sonntagsversammlung mit Lesungen aus den Schriften der Apostel und Propheten, einer Ansprache, gemeinsamen Gebeten, Friedensgruß und der Eucharistie aus Brot sowie mit Wasser vermischtem Wein. Diese Zeugnisse zeigen eine regelmäßige christliche Versammlung am Sonntag, enthalten aber zunächst kein allgemeines Gebot, an diesem Tag nicht zu arbeiten. Als gesellschaftliche Minderheit konnten Christen eine Arbeitsruhe nicht anordnen; für viele, besonders für Sklaven, war ein arbeitsfreier Tag nicht erreichbar. Der Sonntag wurde außerdem zu einem Bekenntnis dazu, dass Jesus Christus und nicht der römische Kaiser der Herr ist.
Vom römischen Feiertag zur kirchlichen Sonntagsheiligung
In der griechisch-römischen Antike gab es neben der jüdischen und babylonischen Sieben-Tage-Woche auch andere Rhythmen, darunter den umstrittenen römischen Nundinalrhythmus von acht Tagen und in griechischen Poleis häufig einen Zehn-Tage-Rhythmus. Die Bezeichnungen der sieben Wochentage wurden nach den sieben alten Planeten einschließlich Sonne und Mond gebildet. Der erste, der Sonne gewidmete Tag hieß lateinisch dies Solis.
Kaiser Aurelian erklärte den dies Solis 274 n. Chr. zum reichsweiten Feiertag für Sol Invictus. Eine rechtlich verbindliche Sieben-Tage-Woche mit Arbeits- und Gerichtstagsfreiheit lässt sich jedoch erst mit Kaiser Konstantin festmachen. Am 3. März 321 erklärte Konstantin den Tag der Sonne zum verpflichtenden Feiertag: Richter, Stadtbewohner und Arbeiter aller Künste sollten ruhen. Dringende landwirtschaftliche Arbeiten waren ausgenommen. Der Feiertag konnte dadurch sowohl christlichen als auch Mithrasanhängern entgegenkommen; Konstantin ließ sich selbst weiterhin als Sol invictus darstellen.
Im 4. Jahrhundert übernahmen die Germanen die Wocheneinteilung und übersetzten dies Solis zu Sonntag, althochdeutsch sunnûntag. In romanischen Sprachen setzte sich Dominica dies, also Tag des Herrn, durch.
Im Mittelalter entstanden kirchliche Gebote zur Sonntagsruhe. Die Teilnahme am Gottesdienst wurde verpflichtend, und Sonntagsarbeit galt als Sonntagsfrevel, der das Seelenheil gefährden konnte. In der Reformation war ein absolut arbeitsfreier Sonntag weniger wichtig als der Gottesdienstbesuch. Martin Luther begründete den Ruhetag vor allem mit den körperlichen Bedürfnissen der arbeitenden Menschen und mit der Gelegenheit, Gottes Wort zu hören, zu beten und zu singen. Der Heidelberger Katechismus verband den Feiertag mit Gottesdienst, Sakramenten, Gebet und einem Leben frei von bösen Werken.
Im 17. Jahrhundert kam unter dem Einfluss puritanischer Pietisten eine stärker sabbatähnliche Sonntagsheiligung auf, die durch die Industrialisierung zunehmend zurückging. Die Französische Revolution schaffte Feiertage zeitweise ab und behandelte den Sonntag wie einen gewöhnlichen Werktag. Im 19. Jahrhundert entstanden erste Arbeitsgesetze zur Einschränkung der Sonntagsarbeit, etwa das Schweizer Fabrikgesetz von 1877.
Die Weimarer Reichsverfassung schützte 1919 in Artikel 139 den Sonntag und staatlich anerkannte Feiertage als Tage der Arbeitsruhe und seelischen Erhebung. Nach Artikel 140 des Grundgesetzes von 1949 ist diese Bestimmung Bestandteil des Grundgesetzes. Der sowjetische Revolutionskalender überlagerte ab 1. Oktober 1929 die Sieben-Tage-Woche durch eine unterbrochene Fünf-Tage-Arbeitswoche und fünf zusätzliche arbeitsfreie Tage. 1940 wurde er wieder abgeschafft, weil sich die Bevölkerungstradition nicht verdrängen ließ und Arbeiter sowohl sonntags als auch an den vorgesehenen Ruhetagen der Arbeit fernblieben.
Arbeitsruhe und heutige Regelungen
In Deutschland beginnt die Kalenderwoche nach DIN 1355, die seit dem 1. Januar 1976 gilt, am Montag und endet am Sonntag. Die Sonntagsruhe ist gesetzlich geregelt und durch Artikel 140 des Grundgesetzes besonders geschützt. Ihre neuzeitlichen Ursprünge werden auf die Gewerbeordnungsnovelle vom 1. Juni 1891 unter Kaiser Wilhelm II. zurückgeführt.
Sonntagsarbeit ist in bestimmten Bereichen zulässig, etwa wenn Maschinen und Anlagen nicht für einzelne Tage abgeschaltet werden können, dringende landwirtschaftliche Arbeiten anfallen oder Sicherheit und Versorgung gewährleistet werden müssen. Zugleich gibt es Bestrebungen, den Sonntag als arbeitsfreien Tag und als Kulturgut zu schützen. In der Allianz für den freien Sonntag arbeiten kirchliche Organisationen, Arbeitnehmerverbände und die Gewerkschaft Verdi zusammen.
Viele europäische Länder beschränken Sonntagsarbeit gesetzlich. Im europäischen Recht war der arbeitsfreie Sonntag bis in die 1990er Jahre verankert, bevor der Europäische Gerichtshof diese Klausel aufhob. Seitdem entscheiden die einzelnen Staaten. Ende 2013 urteilte ein britisches Gericht, dass christliche Arbeitnehmer Sonntagsarbeit nicht allein mit ihrem Glauben ablehnen dürfen. Die 2011 gegründete European Sunday Alliance setzt sich mit Gewerkschaften, Kirchen, Sportverbänden und Sozialorganisationen für den arbeitsfreien Sonntag als Teil des europäischen Kulturerbes ein.
In vielen islamisch geprägten Staaten ist der Freitag der Ruhetag. Ursprünglich war er nicht zwingend arbeitsfrei, sondern sollte vor allem den mittäglichen Moscheebesuch ermöglichen; im 20. Jahrhundert wurde er in islamischen Ländern zum arbeitsfreien Tag. Der Sonntag heißt im Arabischen yom al ahad, erster Tag, und entsprechende Bezeichnungen finden sich als Lehnwörter oder Übersetzungen in mehreren Sprachen muslimisch geprägter Gesellschaften.
Besondere Beispiele und psychologische Bedeutung
Der Hamburger Fischmarkt findet an Sonn- und Feiertagen statt. Er beginnt um 5 Uhr, im Winter um 7 Uhr, und endet um 9:30 Uhr. Die frühen Zeiten gehen auf den historischen Fischmarkt seit 1703 zurück: Der leicht verderbliche Fisch sollte vor dem sonntäglichen Kirchgang verkauft sein.
Der schottische Leichtathlet Eric Liddell verweigerte bei den Olympischen Spielen 1924 in Paris den Vorlauf über 100 Meter, weil dieser an einem Sonntag stattfand. Stattdessen gewann er den 400-Meter-Lauf mit einem neuen Weltrekord. In den Niederlanden verbietet ein Gesetz von 1954 Fußballspiele vor 13 Uhr.
Viktor Frankl bezeichnete eine mögliche Sinnkrise des Arbeitenden als Sonntagsneurose. Sie könne den Menschen treffen, der sich vollständig über seine Arbeit definiert. Wenn am Sonntag das Arbeitstempo der Woche wegfällt, werde nach Frankls Beschreibung die Sinnarmut des großstädtischen Alltags besonders deutlich.