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Auferstehung Jesu Christi
Als Auferstehung oder Auferweckung Jesu Christi bezeichnet das Christentum das im Neuen Testament (NT) bezeugte Ereignis, Jesus Christus, Sohn Gottes, …
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Was die Auferstehung Jesu Christi ist
Die Auferstehung oder Auferweckung Jesu Christi bezeichnet das Christentum als das im Neuen Testament (NT) bezeugte Ereignis, dass Jesus Christus, der Sohn Gottes, am dritten Tag nach seiner Kreuzigung von den Toten erweckt wurde und seinen Jüngern in leiblicher Gestalt erschien. Das NT beschreibt den Vorgang selbst nicht, sondern setzt ihn als alleinige Tat Gottes voraus, die kein Mensch beobachtete (Mk 16,6). Bezeugt werden die Folgen: Nach der sehr frühen Osterzeugenliste (1 Kor 15,5–8) sahen einige der ersten Jünger den auferstandenen Jesus. Auf diesem Zeugnis beruht der Glaube des Urchristentums an Jesu Messianität und an die Rettung zum ewigen Leben (Röm 10,9: „…wenn du mit deinem Mund bekennst: Herr ist Jesus – und in deinem Herzen glaubst: Gott hat ihn von den Toten auferweckt, so wirst du gerettet werden.“). Das Christentum feiert die Auferstehung jedes Jahr zu Ostern, dem wichtigsten christlichen Fest. Die Geschichtlichkeit bzw. Entstehung, Inhalt und Bedeutung des Auferstehungsglaubens werden seit der Neuzeit kontrovers diskutiert.
Bezeugung im Neuen Testament
Alle NT-Schriften stammen von Urchristen, die von der leiblichen Auferstehung überzeugt waren und sie als Hauptinhalt ihres Glaubens betrachteten. 17 der 27 NT-Schriften erwähnen sie, die übrigen setzen sie implizit voraus. Kein NT-Zeuge beschrieb den Vorgang selbst, keiner berief sich auf fremde nichtchristliche Zeugen. Schon um das Jahr 30 entstanden formelhafte Glaubenssätze, die Paulus in seinen Briefen (ab 50 n. Chr.) als etablierte Überlieferung zitiert – sie gelten als Keimzelle des NT. Längere Ostererzählungen an den Enden der Evangelien und am Anfang der Apostelgeschichte gelten als jüngere narrative Entfaltung dieser Glaubenssätze, zurückgeführt auf einen ersten schriftlichen Passionsbericht der Urgemeinde, den Markus (um 70) aufnahm und die späteren Evangelisten abwandelten.
Formeltradition und Urchristliches Credo
Die Paulusbriefe enthalten eingliedrige Formeln mit dem griechischen Verb egeiro („Gott hat Jesus von den Toten erweckt“, z. B. Röm 10,9; 1 Kor 6,14) und mehrgliedrige Formeln mit anistemi („Jesus ist gestorben und auferstanden“, 1 Thess 4,14; „der Menschensohn muss getötet werden und nach drei Tagen auferstehen“ – die Passionssummarien, Mk 8,31). Hier ist Gott Subjekt des Handelns; Jesu Auferstehung erscheint als exklusive Ausnahme von allen anderen Toten, in den Passionssummarien als bezogen auf sein Sterben (inklusiv). Beide Verben übersetzen das hebräische Lexem qum, das im Passiv nicht gebildet werden kann. Mit der Wortwahl „Auferwecktwerden“ und „Aufstehen“ widersprachen die Urchristen anderen damaligen Vorstellungen wie der Unsterblichkeit einer vom Leib getrennten Seele, einer Befristeten Wiederbelebung oder Wiedergeburt: Sie verstanden die Auferstehung als reales, ganzheitliches, einzigartiges, von Gott allein vollzogenes Ausnahmegeschehen (Hans Kessler: Gott habe „unerwartet und exzeptionell an dem gekreuzigten und toten Jesus gehandelt“). Als wichtigstes Auferstehungszeugnis gilt 1 Kor 15,1–8: Paulus überliefert das von ihm empfangene Credo („Christus ist für unsere Sünden gestorben … und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift“), das wohl aus der Jerusalemer Urgemeinde stammt und mit der Zeugenliste schriftlich fixiert war. Die Liste nennt als Empfänger von Erscheinungen: Kephas (Petrus), die Zwölf, mehr als 500 Brüder (die meisten noch am Leben, einige entschlafen), Jakobus, alle Apostel, zuletzt Paulus selbst. Jedes Glied beginnt mit dem Passivpartizip ophtae („er erschien / wurde gesehen von“) – kein gewöhnliches Sehen, sondern eine nur von Gott ermöglichte visionäre Offenbarung, ein personal das ganze Leben umstürzendes Erkennen.
Erscheinungen, leeres Grab und Osterablauf
Die Erzähltradition kombiniert Grab- und Erscheinungstexte: Mk 16,1–8 (Entdeckung des leeren Grabes durch Frauen, Engel, die Frauen fliehen und schweigen aus Furcht) gilt als ältester narrativer Ostertext; Mt, Lk und Joh variieren ihn und verbinden ihn mit Erscheinungen und Missionsauftrag. Nur das apokryphe Petrusevangelium beschreibt den Auferstehungsvorgang selbst – es gilt als späte apologetische Legende. Erscheinungstexte berichten u. a. von zwei Frauen beim Grab (Mt 28,9–10), den Elf in Galiläa (Mt 28,16–20), zwei Jüngern bei Emmaus (Lk 24,13–35), allen Elf in Jerusalem, wo Jesus sich anfassen lässt und isst (Lk 24,36–49), Maria Magdalena („noli me tangere“, Joh 20,11–18), Thomas (Joh 20,24–29) und sieben Jüngern am See Genezareth (Joh 21). Nach Apg 1 erschien Jesus vierzig Tage lang, dann folgte die Himmelfahrt; das Damaskuserlebnis (Apg 9) ist die Bekehrung des Christenverfolgers Paulus. Die narrativen Texte bestätigen vier Erscheinungen der Zeugenliste; Erscheinungen vor Jakobus und den 500 werden nirgends ausgeführt, andere (Emmausjünger, Maria Magdalena, Thomas) fehlen in der Zeugenliste und gelten als erst von Lukas und Johannes komponiert. Das leere Grab rief zunächst Furcht und Unverständnis hervor; erst die Erscheinungen weckten Glauben. Grab- und Erscheinungsüberlieferung gelten als unabhängig voneinander entstanden und erst später verknüpft. Zur Historizität des leeren Grabes gibt es Argumente beider Seiten: Für eine späte Legende sprechen etwa die damalige Praxis, Gekreuzigten ein anständiges Begräbnis zu verweigern (Bart Ehrman), das Schweigen der Formeltradition vom leeren Grab und uneinheitliche Details; für einen historischen Kern sprechen unter anderem die Frauentransmission (deren Zeugnis damals wenig galt, also kaum erfunden wurde), der feste Termin „dritter Tag“ und die unlösbare Verbindung mit dem Grablegungsbericht. Der Ablauf der Osterereignisse ist bis heute umstritten; Jesus starb nach Mk während eines Pessach am Freitag, wurde von Josef von Arimathäa in einem Felsengrab bestattet, und am Tag nach dem Sabbat fanden Frauen – darunter Maria Magdalena – das Grab leer.
Kirchliche Rezeption von der Alten Kirche bis heute
In der Alten Kirche wurde die Auferstehung vor allem im Gottesdienst gefeiert (deshalb Sonntag als Wochentag der Auferstehung) und als Auftakt der Auferstehung der Menschen gedeutet; nach Ignatius von Antiochien erhält der Mensch Anteil daran besonders durch die als „Unsterblichkeitsmedizin“ verstandene Eucharistie. Das Apostolische Glaubensbekenntnis sagt bloß „am dritten Tage auferstanden von den Toten“, das Bekenntnis von Nicäa (325) „am dritten Tage auferstanden nach der Schrift“; die elfte Synode von Toledo (675) formulierte, Christus sei „aus eigener Kraft“ erstanden. In der Scholastik lag der Schwerpunkt auf Kreuz und Zwei-Naturen-Lehre; Thomas von Aquin beschrieb in der Summa theologiae den „Vollendungscharakter der Auferstehung“ für Jesus selbst, mit der die Auferstehung aller eingeleitet ist. Martin Luther verstand Kreuz und Auferstehung als Einheit und „Heilsereignis“; das Augsburger Bekenntnis (1530) nennt Jesus „am dritten Tage wahrhaftig auferstanden von den Toten“. Kardinal Joseph Ratzinger erklärte 1982, alle christliche Theologie müsse zuerst Theologie der Auferstehung sein. Der Katechismus der Katholischen Kirche (1997/2003) beschreibt sie als gleichzeitig geschichtliches und transzendentes Ereignis und als Werk der Dreieinigkeit. Die EKD betont: Auferstehung bedeute keine Wiederbelebung, sondern Verwandlung in ein neues, unvergängliches Leben; der Osterglaube sei nicht durch das leere Grab, sondern durch Begegnungen mit dem auferstandenen Jesus entstanden.
Historisch-kritische Deutungen und theologische Positionen
Seit der Historischen Jesusforschung (ab ca. 1750) und der Aufklärung werden rationale Erklärungen versucht: die Betrugstheorie (Leichnam gestohlen, Hermann Samuel Reimarus), die Scheintod-Hypothese (u. a. Karl Bahrdt, Heinrich Paulus, Karl von Hase) und die Umbestattungsthese. Seit etwa 1830 konzentriert sich die Debatte auf die Erscheinungen: Die subjektive Visionshypothese (David Friedrich Strauß, 1835/36; heute Gerd Lüdemann) deutet sie als innerpsychische Vorgänge, die den Osterglauben erzeugten – Lüdemann zufolge zuerst bei Petrus (Trauer, Schuldgefühle) und Paulus, die übrigen durch Abhängigkeit bzw. Massensuggestion. Rekonstruktionsversuche: Hans Freiherr von Campenhausen (1952) nahm die historische Priorität der Grabnachricht an, die die Jünger auf den Heimweg nach Galiläa brachte, wo Jesus ihnen erschien; Hans Graß sah umgekehrt nur die Erscheinungen als erklärungsfähig und die Grabgeschichte als spätere Legende. Zur jüdischen Auferstehungshoffnung: Etwa die Pharisäer (nicht die Sadduzäer) erwarteten die leibhafte Auferweckung der Toten zum Endgericht. Ulrich Wilckens betont, völlig neu und nicht ableitbar sei der Glaube, dass Gott einen Einzelnen, noch dazu Gekreuzigten, schon vor der allgemeinen Auferstehung auferweckt habe (Prolepse). Pinchas Lapide hielt die leibliche Auferweckung für den entscheidenden Faktor des urchristlichen Glaubens; Nicholas Thomas Wright hält nur Jesu tatsächliche Auferstehung für fähig, Erscheinungs- und Grabtradition zusammen zu erklären. Systematisch-theologisch unterschied Hans-Georg Geyer drei Haupttypen: Auferstehung bezogen auf den Kreuzestod (Bultmann, Barth), auf die Verkündigung des historischen Jesus (Willi Marxsen, Gerhard Ebeling) oder auf die jüdisch-apokalyptische Totenauferstehung (Wilckens, Pannenberg). Rudolf Bultmann (Entmythologisierung, 1941) verwarf die leibliche Auferstehung als mythisches, an ein überholtes Weltbild gekoppeltes Motiv: Der Auferstehungsglaube sei nichts anderes als der Glaube an das Kreuz als Heilsereignis; „Christus ist ins Kerygma auferstanden“. Karl Barth sah die Auferstehung als neue, alleinige, analogielose Tat Gottes, real in Raum und Zeit, aber ohne jede menschliche Beteiligung und daher historisch prinzipiell nicht fassbar – nur durch Gottes Offenbarung im Glauben erkennbar. Wolfhart Pannenberg dagegen versuchte, die Auferstehung als historisches Ereignis zu erweisen: Die Erscheinungen vor Petrus, Jakobus und Paulus seien als feste Formeln frühestens drei Jahre nach Jesu Tod fixiert und glaubwürdig; da subjektive Visionen (räumlich und zeitlich weit auseinanderliegend) nicht erklärbar seien und die Urgemeinde in Jerusalem nur mit Verweis auf das leere Grab verkündigen konnte, sei Jesu Auferweckung als Vorwegnahme des Weltendes und Beginn der allgemeinen Totenauferstehung sehr wahrscheinlich. – Repräsentative Umfragen: In Deutschland glaubten 2015 laut Emnid 36 % der Befragten an Jesu Auferstehung, 2019 laut INSA-Consulere 18 % an die leibliche Auferstehung (2023: 18 % der Deutschen, 23 % der EKD-Mitglieder, 28 % der Katholiken), während eine Kantar-Umfrage 2019 für 58 % der Protestanten und 61 % der Katholiken Glauben ergab; in den USA stimmten 2025 laut einer Umfrage 65 % den biblischen Berichten einer körperlichen Auferstehung zu.