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Neues Testament
Die Schriften des NT lassen sich in vier Textgattungen einteilen: Erstens die vier Evangelien, die Jesu Leben, Sterben und Auferstehen erzählend entfalten, …
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Wesen und Aufbau
Das Neue Testament (NT) ist eine Sammlung von 27 griechischsprachigen Schriften des Urchristentums. Es verkündet Jesus von Nazareth als den christlichen Messias und Sohn Gottes, der zur Rettung Israels und der Welt (κόσμος) gekommen sei. Zusammen mit dem Alten Testament bildet es die christliche Bibel, die in Varianten verschiedener christlicher Konfessionen als Wort Gottes und Glaubensgrundlage gilt.
Die 27 Schriften gehören zu vier Textgattungen: vier Evangelien über Jesu Leben, Sterben und Auferstehen; die Apostelgeschichte; 21 Briefe an Gemeinden und Mitarbeiter; sowie die Johannesoffenbarung als Apokalypse, also Schrift über Visionen und das endzeitliche Gericht. Das NT umfasst rund 140.000 Wörter. Wegen Fehlern von Schreibern in Antike und Mittelalter weist die Überlieferung ungefähr 400.000 nicht authentische Änderungen auf.
Neuer Bund und Sprache
„Testament“ geht über das lateinische testamentum auf hebräisch בְּרִית berît und griechisch διαθήκη diathēkē zurück; beide Wörter können „Bund“ bedeuten. „Neues Testament“ heißt daher auch „Schriften des Neuen Bundes“. Der Ausdruck geht auf καινὴ διαθήκη kainē diathēkē, „neuer Bund“, und dessen lateinische Übersetzung Novum Testamentum zurück.
Der Bund Gottes mit Israel ist ein zentrales Thema des Tanach. Nach Lk 22,20 verwendet Jesus beim letzten Abendmahl den Ausdruck „neuer Bund“, wahrscheinlich in Anlehnung an Jer 31,31. Dort wird ein neuer Bund mit dem Haus Israel und dem Haus Juda angekündigt, der die Tora nicht aufhebt, sondern sie im Inneren der Menschen verankert. Nach Hebr 9,15–17 beginnt der neue Bund mit Jesu Tod: Jesus ist dessen Mittler; διαθήκη wird dabei sowohl als „Bund“ als auch als „Testament“ verstanden.
Alle erhaltenen, auch die ältesten, neutestamentlichen Handschriften sind griechisch geschrieben, genauer in Koine-Griechisch. Semitische Einflüsse dieser biblischen griechischen Sprache heißen Bibelgriechisch. Die Annahme, Teile seien ursprünglich aramäisch verfasst worden, besitzt keine antiken Textzeugnisse. Im christlich-jüdischen Dialog werden „Altes“ und „Neues“ Testament teils als wertend empfunden; deshalb wird das Alte Testament auch „Erstes Testament“ genannt.
Büchergruppen und Inhalte
Die vier Evangelien nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes stehen am Beginn des NT, entstanden aber nach den Paulusbriefen. Sie verkünden die gute Nachricht (εὐαγγέλιον, Evangelium) von der Versöhnung der Menschen mit Gott in Jesus Christus. Sie berichten vor allem von Jesu öffentlichem Auftreten bis zu Tod und Auferstehung; besonders ausführlich sind die letzten Tage bis zur Kreuzigung. Zu ihren Formen gehören Sprüche, Reden, Wundergeschichten, Parabeln, Dialoge und Deutungen.
Die Apostelgeschichte des Lukas setzt das Lukasevangelium fort. Sie behandelt Pfingsten, die Aussendung der Jünger, die Jerusalemer Urgemeinde, die ersten Märtyrer Stephanus und Jakobus den Gerechten sowie Paulus: seine Zeit als Verfolger, Bekehrung und Mission in Kleinasien und Europa. Sie endet bei Paulus in Rom; sein Ende wird vorausgesetzt, aber nicht erzählt.
Die Evangelien machen nach der Tabelle 8.259 von 17.998 Zeilen des NT aus, also 45,90 %; die Apostelgeschichte umfasst 2.443 Zeilen oder 13,60 %. Die Paulusbriefe umfassen 4.235 Zeilen (23,50 %), der Hebräerbrief 717 (4,00 %), die katholischen Briefe 1.025 (5,70 %) und die Offenbarung 1.319 Zeilen (7,30 %).
Briefe und Verfasserschaft
21 der 27 Schriften sind selbstständige Briefe. Zum Corpus Paulinum zählen die Schriften, die Paulus als Verfasser nennen. Als sicher echt gelten sieben: Römer, 1. und 2. Korinther, Galater, Philipper, 1. Thessalonicher und Philemon. Diese protopaulinischen Briefe sind die frühesten Schriften des NT. Als Deuteropaulinen gelten 2. Thessalonicher, Epheser, 1. und 2. Timotheus sowie Titus; die paulinische Verfasserschaft des Kolosserbriefs ist umstritten. Gefangenschaftsbriefe sind nach ihren Angaben aus dem Gefängnis geschrieben, Pastoralbriefe behandeln Leitung und Gemeinde. Die Paulusbriefe befassen sich mit Theologie, Gemeindesituationen, Ethik, Differenzen christlicher Gruppen und der Abwehr von Irrlehren.
Der Hebräerbrief nennt keinen Verfasser. Die Alte Kirche schrieb ihn Paulus zu, die moderne Bibelwissenschaft hat dies weitgehend aufgegeben. Textkritisch gehört er deshalb weiterhin zum Corpus Paulinum, unterscheidet sich theologisch jedoch deutlich von Paulus.
Die katholischen Briefe sind allgemein an Christen oder die Christenheit gerichtet; „katholisch“ bedeutet hier „allgemein“ oder „umfassend“, nicht römisch-katholisch. Sie nennen Petrus, Johannes, Jakobus oder Judas als Verfasser, doch die meisten Theologen halten diese Angaben für unzutreffend und sehen die Briefe als Pseudepigraphen, also unter fremdem Namen verfasst. Insgesamt ist die Autorenschaft der meisten NT-Bücher umstritten oder wahrscheinlich falsch angegeben. Die Evangelien und die Apostelgeschichte waren zunächst anonym und erhielten ihre Zuschreibungen später; bei anderen werden Namensverwechslungen oder bewusst angenommene Apostelnamen genannt. Die Offenbarung enthält Johannes’ Visionen in Briefform; zu ihren bekannten Bildern gehören die vier apokalyptischen Reiter als Boten des Jüngsten Gerichts.
Kanon und Bedeutung
Die einzelnen Schriften zirkulierten zunächst unabhängig in Gemeinden. Vermutlich bildete das Corpus Paulinum die erste Sammlung; gegen Ende des 1. Jahrhunderts wurden Paulusbriefe zum Erhalt zusammengefasst. Aus dem 2. bis 4. Jahrhundert sind verschiedene Kanonlisten überliefert, darunter der Kanon Muratori sowie Listen von Irenäus, Origenes, Eusebius von Caesarea, Kyrill von Jerusalem und Gregor von Nazianz.
Die formale Kanonisierung erfolgte im 4. Jahrhundert. Der 39. Osterfestbrief des Athanasius von Alexandria von 367 zählt die bis heute in allen christlichen Kirchen anerkannten 27 Schriften auf und erklärt sie für verbindlich. Das Decretum Gelasianum bestätigte dies, erkannte weitere Schriften an, nahm sie aber nicht in den Kanon auf oder schied sie aus. Stets unumstritten waren die vier Evangelien, Apostelgeschichte, Paulus- und Pastoralbriefe sowie 1. Johannes. Schließlich anerkannt wurden auch Hebräer, Jakobus, 1. und 2. Petrus, 2. und 3. Johannes, Judas und Offenbarung. Nicht aufgenommen wurden unter anderem 1. und 2. Clemensbrief, Didache, Barnabasbrief, Hirte des Hermas, Hebräerevangelium und Offenbarung des Petrus.
Das NT prägte besonders europäische und amerikanische Kultur, die Ausbreitung des Christentums sowie Kunst und Musik. Es ist Grundlage christlichen Glaubens, wird regelmäßig im Gottesdienst gelesen und ist ein Gegenstand der neutestamentlichen Bibelwissenschaft.
Antijudaismus
Antijudaismus bezeichnet Judenfeindschaft im Christentum aus religiösen Motiven. Der Artikel beschreibt antijüdische Aussagen in NT-Schriften als Antijudaismus von Urchristen gegen damalige Juden und nennt Mt 27,25 („Blutfluch“), Joh 8,44 sowie 1 Thess 2,14–16 als Beispiele. Spätere heidenchristliche Entrechtung, Unterdrückung und Verfolgung von Juden seien mit antijüdischen NT-Schriften gerechtfertigt worden; der spätere gesamtkirchliche Antijudaismus wird als daraus hervorgegangen dargestellt.
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