Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Judentum

Das jüdische Volk entstand ab etwa 1200 v. Chr. und entwickelte den JHWH-Monotheismus, aus dem später die weiteren abrahamitischen Religionen Christentum und …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundverständnis
  2. 2. Geschichtliche Entwicklung
  3. 3. Religion, Lehre und religiöses Leben
  4. 4. Religiöse Strömungen und historische Gruppen
  5. 5. Jüdische Gemeinschaften und Gegenwart
  6. 6. Kultur und Sprachen

Grundverständnis

Judentum bezeichnet zugleich die Gesamtheit der Juden, also das jüdische Volk, sowie die jüdische Religion und Kultur. Diese Bereiche sind eng miteinander verbunden und prägen jüdische Identität. Sie kann religiös begründet sein, muss es aber nicht. Der Davidstern, auf Hebräisch „magen david“ („Schild Davids“), ist eines der Symbole des Judentums.

Das jüdische Volk entstand ab etwa 1200 v. Chr. Seine Eingottlehre wird als JHWH-Monotheismus oder ethischer Monotheismus bezeichnet. Aus dieser Tradition gingen später auch Christentum und Islam hervor. Gemeinsame Grundlage der jüdischen religiösen Richtungen ist die schriftliche Tora („Weisung“), der erste und wichtigste Teil der hebräischen Bibel, des Tanach. Mischna und Talmud gehören zur rabbinischen Literatur und legen die Tora aus.

In der Antike umfasste die jüdische Lebensweise nicht nur Religion im heutigen Sinn, sondern alle kulturellen, rechtlichen, gesellschaftlichen und religiösen Verhaltensweisen, die Juden als Gemeinschaft kennzeichneten.

Geschichtliche Entwicklung

Das Judentum entstand ab etwa 1200 v. Chr. im Bergland Samarien als Stämmebund „Israel“. Bis etwa 900 v. Chr. bildeten sich zwei Kleinstaaten: das Nordreich Israel mit Samaria und das Südreich Juda mit Jerusalem als Hauptstadt. Assyrien eroberte Israel 720 v. Chr., Babylonien Juda 586 v. Chr. Im babylonischen Exil entwickelte sich der exklusive JHWH-Monotheismus. Mit dem Wiederaufbau des Jerusalemer Tempels wurde er zur gemeinsamen Religion der Juden in Israel und in der Diaspora, also der jüdischen Bevölkerung außerhalb des Landes.

Seit 332 v. Chr. führte der Hellenismus teilweise zur Anpassung an die griechische Kultur; in Alexandria entstand ein hellenistisches Judentum. Aus dem Widerstand der Makkabäer ging 141 v. Chr. der teilautonome Staat Judäa der Hasmonäer hervor. Rom machte ihn 63 v. Chr. zum Vasallenstaat und 6 n. Chr. zur Provinz. Der Jüdische Krieg von 66 bis 70 endete mit der Zerstörung des zweiten Jerusalemer Tempels. Nach dem Bar-Kochba-Aufstand von 132 bis 136 wurden große Teile der Juden vertrieben, versklavt oder zerstreut.

In Javne, Tiberias und babylonischen Diasporagemeinden entwickelten Pharisäer und Tannaiten bis etwa 500 das rabbinische Judentum. Grundlage war die in Halacha, Mischna und Talmud festgehaltene Auslegung der Tora. Im mittelalterlichen Europa entstanden zahlreiche Gemeinden, die besonders seit dem Hochmittelalter immer wieder christlichen Verfolgungen ausgesetzt waren. Fluchtbewegungen verbreiteten jüdische Gemeinschaften zusätzlich nach Nordafrika, Osteuropa und in Gebiete unter islamischer Herrschaft.

Im 19. Jahrhundert entstand unter dem Druck des Antisemitismus der Zionismus als jüdische Nationalbewegung. Mehrheitsfähig wurde er erst infolge des Holocaust von 1941 bis 1945, bei dem rund sechs von damals 17 Millionen Juden ermordet wurden. Nach dem UN-Teilungsplan für Palästina von 1947 gründeten Zionisten 1948 den Staat Israel.

Religion, Lehre und religiöses Leben

Die jüdische Religion ist monotheistisch. Im orthodoxen Verständnis ist der Gott Israels Schöpfer des Universums und handelt weiterhin in der Welt; diese Auffassung heißt Theismus. Einzelne jüdische Philosophen vertraten dagegen deistische Positionen, nach denen Gott seiner Schöpfung ferner steht.

Die religiöse Überlieferung besteht aus der schriftlichen Tora und der mündlichen Tora. Die mündliche Lehre wird im Talmud behandelt, der historisch in Mischna und Gemara gegliedert ist. Darauf beruht die Halacha, das jüdische Religionsgesetz. Zu ihren weiteren Grundlagen gehören rabbinische Gesetzgebungen und Responsen, also Antworten religiöser Rechtsgelehrter auf konkrete Fragen. Eine bekannte Zusammenfassung der Halacha ist der Schulchan Aruch.

Anders als das Christentum besitzt das Judentum keine allgemein verbindlich festgelegten Glaubenssätze und keinen Katechismus. Selbst der Glaube an Gottes Existenz ist nicht in Form eines verbindlichen Bekenntnisses dogmatisch festgelegt. Zahl und Bedeutung möglicher Glaubensprinzipien werden unterschiedlich beurteilt. Josef Albo nennt drei Prinzipien. Maimonides formulierte unter anderem den Glauben an Gott als höchste und erste Ursache sowie Schöpfer von allem, an Gottes Einheit und an seine Unkörperlichkeit. Seine 13 Glaubenssätze wurden weithin aufgenommen, etwa im Hymnus Jigdal, besitzen aber keine kanonische Geltung.

Das Judentum missioniert Andersgläubige grundsätzlich nicht. Andere Religionen gelten nicht als Hindernis für einen Anteil am Leben nach dem Tod, sofern ein Mensch ethisch lebt; in diesem Zusammenhang stehen die Noachidischen Gebote. Die Beschneidung von Jungen ist ein elementares Gebot und ein grundlegendes Merkmal jüdischer Identität.

Eine Gemeinde wird geistlich und rechtlich von einem Rabbiner geleitet. Sephardische Juden und Karäer verwenden auch die Bezeichnung Chacham („Weiser“), jemenitische Juden Mori („mein Lehrer“). Den Gottesdienst leitet meist ein Kantor beziehungsweise Chasan oder ein anderer Vorbeter. Er setzt einen Minjan voraus, ein Quorum von zehn religiös volljährigen jüdischen Personen; in der Orthodoxie zählen dafür nur Männer. Die weltliche Gemeindeleitung übernimmt ein gewählter Gemeindevorstand.

Religiöse Strömungen und historische Gruppen

Zu den wichtigsten heutigen Richtungen gehören orthodoxes, konservatives und liberales beziehungsweise Reformjudentum. Weitere Strömungen sind Rekonstruktionismus, Jewish Renewal und humanistisches Judentum. Zur Orthodoxie zählen unter anderem das ultraorthodoxe Judentum, der Chassidismus und die Neo-Orthodoxie. Das konservative Judentum, das sich im 19. Jahrhundert formierte, nimmt eine Mittelstellung zwischen Orthodoxie und liberalem Judentum ein.

Ein Hauptunterschied betrifft die Offenbarung am Berg Sinai. Die Orthodoxie versteht die von Moses empfangene Tora ihrem buchstäblichen Sinn nach als unbedingt gültige Weisung. Nichtorthodoxe Richtungen deuten die Offenbarung als fortdauernden Dialog Gottes mit seinem Volk, der sich in verschiedenen Zeiten und Kulturen entwickelt. Im engeren Sinn gehören zum progressiven Judentum die in der Weltunion für progressives Judentum zusammengeschlossenen Reformgruppen.

In Israel werden häufig vier Gruppen unterschieden: Haredi (Ultraorthodoxe), Dati (Religiöse beziehungsweise Orthodoxe), Masorti („Traditionelle“) und Hiloni („Säkulare“). Der Artikel nennt für Israel Anteile von 17 % für das orthodoxe Judentum, 25 % für die Traditionalisten und weniger als 1 % für den Rekonstruktionismus; für Deutschland werden 2,5 % für das orthodoxe Judentum angegeben.

Fast alle Juden der Neuzeit gehören zum rabbinischen Judentum und erkennen das in Mischna und Talmud überlieferte mündliche Gesetz an. Karäer lehnen diese Lehren ab. Samaritaner besitzen eine eigene Fassung der Tora, die Schrift Memar Markah sowie eigene Liturgien, Gesetze und Auslegungen. Große Teile des Tanach und die Autorität von Mischna und Talmud erkennen sie nicht an. Ihr Psalter enthält 155 Psalmen statt der im Judentum und Christentum üblichen 150.

Die sogenannten messianischen Juden verstehen sich selbst als jüdisch und christlich. Meist handelt es sich um zum evangelikalen Christentum konvertierte Juden, die Teile jüdischer Traditionen bewahren. Orthodoxes, konservatives, liberales und reformiertes Judentum betrachten diese Gruppe wegen ihrer christlichen Auslegung religiös nicht als Teil des Judentums.

Jüdische Gemeinschaften und Gegenwart

Das Judentum war über Jahrtausende religiösen, ideologischen und politischen Anfeindungen, Pogromen und Verfolgungen ausgesetzt. Die Schoah war der einmalige Versuch des nationalsozialistischen Deutschlands, die als „jüdische Rasse“ verfolgten Menschen planmäßig und quasi-industriell auszulöschen. 1934 lebten weltweit etwa 17 Millionen Juden; sechs Millionen Menschen, die von den Nationalsozialisten als Juden eingestuft wurden, fielen dem Holocaust zum Opfer.

Der 1948 gegründete Staat Israel ist eine säkulare Demokratie westlichen Vorbilds, dessen Innenpolitik in einigen Bereichen stark religiös geprägt bleibt. Eine bürgerliche Heirat ist dort nicht möglich, weil das Familienrecht den Religionsgemeinschaften untersteht. Nach traditionellem jüdischen Recht benötigt eine Frau für die Scheidung den Scheidebrief Get ihres Mannes. Verweigert der Mann ihn dauerhaft ohne Grund, kann ein Rabbinatsgericht Erzwingungshaft anordnen; ohne Get bleibt die Frau jedoch „gebunden“ und kann nicht erneut heiraten.

Jüdische Identität beruht häufig auf gemeinsamer Geschichte und gemeinsamem Schicksal und ist nicht zwingend religiös. Juden können sich daher zugleich als Angehörige ihrer jeweiligen Staaten verstehen, etwa als Briten oder US-Amerikaner.

Als große ethnisch-kulturelle Gruppen gelten Aschkenasim, Sephardim, Mizrachim, jemenitische Juden und Tzabar. Aschkenasim haben ihre historischen Wurzeln vor allem in Deutschland und Frankreich und wanderten später vielfach nach Osteuropa und in die USA aus. Sephardim stammen von Juden der iberischen Halbinsel ab, die 1492 vor der spanischen Inquisition flohen und sich vor allem im Mittelmeerraum, teilweise auch in Mittel- und Westeuropa niederließen. Mizrachim ist ein Sammelbegriff für orientalische Juden aus dem Nahen Osten und Nordafrika. Jemenitische Juden entwickelten wegen langer Isolation teilweise eigene Bräuche. Tzabar bezeichnet in Eretz Israel geborene Juden.

Daneben bestehen zahlreiche kleinere Gruppen, etwa Beta Israel aus Äthiopien, persische, bucharische, georgische und indische Juden, Romanioten aus dem griechischen Raum, Bergjuden, Krimtschaken, kurdische Juden und Bnei Menashe. Die Zugehörigkeit der Karäer, Samaritaner, afrikanischen Neujuden, schwarzen Hebräer afroamerikanischer Herkunft, Dönme und Subbotniki wird unterschiedlich beurteilt.

Kultur und Sprachen

Jüdische Kultur steht in enger Wechselwirkung mit den Kulturen der Länder, in denen jüdische Gemeinschaften leben. Religion besitzt dabei je nach Gemeinschaft eine unterschiedlich große Bedeutung. In Europa entwickelten sich mit Aschkenasim und Sephardim zwei auch sprachlich unterschiedliche Kulturräume.

Hebräisch ist die Sprache der ältesten jüdischen Schriften und war in der antiken Zeit jüdischer Unabhängigkeit Alltagssprache. Später wurde es im täglichen Gebrauch weitgehend vom Aramäischen verdrängt, blieb aber Gottesdienst- und teilweise Gelehrtensprache. Aramäisch ist eng mit dem Hebräischen verwandt und beeinflusste spätere jüdische Schriften. Teile des Tanach sind aramäisch verfasst; beispielsweise wechselt das Buch Daniel vom Hebräischen ins Aramäische. Die Bibel der äthiopischen Juden ist auf Altäthiopisch geschrieben.

In der Diaspora übernahmen Juden die Sprachen ihrer jeweiligen Länder und entwickelten daraus teilweise besondere Ethnolekte oder eigenständige Sprachen. Zu den wichtigsten Beispielen gehören Jiddisch als Sprache der Aschkenasim und Judenspanisch beziehungsweise Ladino als Sprache der Sephardim. Weitere Beispiele sind Jevanisch, Knaanisch, Judäo-Arabisch, Judäo-Persisch, Judäo-Berberisch, die neuaramäischen Sprachen kurdischer Juden, Judäo-Georgisch, Judäo-Tat, Buchori, Krimtschakisch, Karaimisch und Judäo-Malayalam.

Heute spricht die große Mehrheit der Juden im Alltag die Sprache ihres Wohnlandes. Das in Israel gesprochene Ivrit ist eine Wiederbelebung des antiken Hebräisch. Es wurde um modernen Wortschatz ergänzt, grammatisch teilweise angepasst und entwickelt sich durch den lebendigen Gebrauch weiter.

Lernvideos zu Judentum

Weiterlesen

Davidstern Chr. angenommenen König David, ist ein Hexagramm-Symbol mit religiöser Bedeutung. Er gilt heute vor allem als Symbol des Volkes Israel und des Judentums. Die … Koine Zeitraum, ca. 300 v. Chr. bis 600 n. Chr. ; Ehemals gesprochen in. östlicher Mittelmeerraum: Kleinasien, südliche Balkanhalbinsel, Syrien, Palästina, Ägypten; … Juden Religiöse wie nichtreligiöse Juden verstehen sich im Anschluss an die Bibel als Teil dieses Volkes, einer durch Abstammung und Geschichte verbundenen … Jüdische Religion Dieser Bund beinhaltet nach der jüdischen Lehre 613 Mitzwot (deutsch: Gebote). Diese Mitzwot bestimmen das gesamte Leben eines frommen Juden. Die mündliche … Jüdische Kultur ... Bar Mizwa, Heirat und Tod. Sie kommen zusammen, um Themen jüdischer Kultur und ihre Beziehung zu anderen Kulturen, im havurot, Kulturvereinen und weltlichen … JHWH Mit dem Auszug aus Ägypten beginnt für die Bibel JHWHs eigentliche Geschichte mit dem Volk Israel. ... Geschichte Jerusalems und die Entstehung des Monotheismus. Monotheismus Der Monotheismus ist eine Form des Theismus. Damit werden diese in der Religionswissenschaft vom Polytheismus unterschieden, der viele Götter kennt und verehrt. Abrahamitische Religionen auf den Ibrahim des Koran, und seinen Gott beziehen. Symbole der drei bekanntesten abrahamitischen Religionen: Judentum (oben), Christentum (Mitte), Islam ( … Christentum Das Christentum ist eine Weltreligion, die aus dem Judentum hervorging und sich ab dem 4. Jahrzehnt n. Chr. über Judäa hinaus ausbreitete. Islam Der Islam ist eine monotheistische Religion, die im frühen 7. Jahrhundert in Arabien durch den Mekkaner Mohammed gestiftet wurde. Jerusalemer Tempel Damit verlor die JHWH-Religion ihren Mittelpunkt. Große Teile der Bevölkerung wurden ins babylonische Exil deportiert. Zweiter Tempel: Hauptheiligtum der … Rabbinisches Judentum Das rabbinische Judentum legt großen Wert auf die mündliche Tora und deren schriftliche Ausarbeitung im Midrasch, Tosefta und Talmud sowie auf die …