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Schabbat
Im Christentum entstand die Feier des Sonntags aus dem jüdischen Schabbat. Dabei wurde der wöchentliche Ruhetag auf den „ersten Tag der Woche“ gelegt, an dem …
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Grundidee und Bedeutung
Der Schabbat (auch Sabbat) ist im Judentum der siebte Wochentag und ein Ruhetag. Seine Einhaltung gehört zu den Zehn Geboten (Ex 20,8–11; Dtn 5,12–15). Er beginnt bereits am Freitagabend bei Sonnenuntergang und endet am folgenden Samstag nach Einbruch der Dunkelheit. Grundlage dafür ist das jüdische Verständnis des Tages als Zeitraum vom Vorabend bis zum Abend sowie der Schöpfungsbericht: Gott ruhte am siebten Tag nach seinem Sechstagewerk.
Der Schabbat gilt als heiliges Bundeszeichen zwischen Gott und Israel. Er erinnert sowohl an die Schöpfung als auch an die Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei. Das Ruhegebot gilt für alle Mitglieder des Hauses, außerdem für abhängige Arbeitskräfte, Fremde und Haustiere. Dadurch besitzt der Schabbat auch eine soziale und tierschützende Bedeutung: Niemand soll ununterbrochen arbeiten oder ausgebeutet werden.
Schon in der Tora wird der Schabbat als regelmäßiger, von Mond- und Sonnenzyklen unabhängiger siebter Tag vorausgesetzt. Seine genaue Herkunft ist ungeklärt. Anders als einzelne Ruhetage in anderen antiken Gesellschaften war er ein regelmäßig wiederkehrender Ruhetag für alle Mitglieder eines Haushalts und zugleich ein Tag des Gottesdienstes.
Gebote und halachische Auslegung
Das biblische Arbeitsverbot bleibt zunächst allgemein. Die rabbinische Auslegung ordnet deshalb die verbotenen Tätigkeiten genauer. Im Zentrum stehen die 39 Melachot, also 39 Hauptarten der Arbeit. Sie werden aus den Tätigkeiten abgeleitet, die zum Bau des Mischkan, des Stiftszeltes, erforderlich waren. Dazu gehören unter anderem Pflügen, Säen, Ernten, Mahlen, Backen, Spinnen, Weben, Nähen, Schreiben, Bauen und Zerstören, das Anzünden oder Löschen von Feuer sowie das öffentliche Tragen von Gegenständen.
Aus diesen Hauptkategorien werden weitere Verbote abgeleitet, etwa Erwerbsarbeit, Handel, Reisen und der Umgang mit Geld. Im orthodoxen Judentum wird deshalb auch die Bedienung elektrischer Geräte meist als verboten angesehen, weil Elektrizität seit etwa 1900 dem Feuerverbot zugeordnet wird. Muktza bezeichnet Gegenstände, die am Schabbat nicht bewegt oder benutzt werden dürfen. Ein Eruv kann eine Schabbatgrenze schaffen, innerhalb derer notwendige Gegenstände getragen werden dürfen.
Die Regeln wurden in der Mischna, im Talmud und späteren halachischen Werken wie dem Schulchan Aruch weiterentwickelt. Zugleich gelten Ausnahmen: Lebensrettung hat Vorrang vor dem Schabbat. Nach Sanhedrin 74a dürfen zur Rettung des eigenen Lebens grundsätzlich alle Verbote außer Mord, Götzendienst und Inzest übertreten werden. Auch bei möglicher Lebensgefahr kann der Schabbat zurücktreten. Nothilfe für Tiere ist ebenfalls erlaubt; Essen, Trinken und grundlegende Körperpflege sind gestattet, medizinische Behandlung jedoch grundsätzlich nur zur Lebensrettung.
Das Jubiläenbuch und die Schriftrollen vom Toten Meer enthalten besonders strenge Regeln, etwa Verbote des Reisens, Pflügens, Feueranzündens, Reitens, Schlachtens, Fastens und Kriegführens. Die Mischna und der Talmud diskutieren dagegen zahlreiche Ausnahmen und praktische Lösungen. Die Schabbatgesetze sind daher bis heute ein wichtiger Bereich innerjüdischer Auslegung und Diskussion.
Ablauf der Schabbatfeier
Vor dem Beginn wird der Schabbat am Erev Schabbat, dem Freitagabend, vorbereitet. Dazu gehören das Reinigen der Wohnung, ein Reinigungsbad, das Schneiden von Haaren und Nägeln, festliche Kleidung und die Vorbereitung von drei Mahlzeiten. Auf dem Tisch liegen zwei bedeckte Challot, die an die doppelte Manna-Menge am sechsten Tag erinnern, sowie der Becher für den Kiddusch. Speisen wie Tscholent werden am Freitag vorbereitet und langsam warm gehalten.
Der Schabbat beginnt etwas vor dem eigentlichen Sonnenuntergang durch die Tosefet Schabbat, den „Zusatz zum Schabbat“. In vielen deutschen Gemeinden beginnt diese Zeit 18 Minuten vorher, in Tel Aviv 21 Minuten und in Jerusalem 40 Minuten vorher. Josef Karo bezog die zusätzliche Zeit auf die Dauer, die man zum Gehen eines Mil benötigt; ein Mil wird im Artikel mit etwa 1.000 Metern angegeben. Traditionell zündet die Frau des Hauses vor Einbruch der Dunkelheit die Schabbatkerzen an und spricht einen Segen.
Der Freitagabend umfasst den Empfang des Schabbats in der Synagoge, das Lied Lecha Dodi, das Abendgebet Maariw und zu Hause den Kiddusch über Wein. Danach werden die Hände gewaschen, die Challot gesegnet und mit Salz gegessen. Häufig werden Schabbatlieder gesungen und das Tischgebet feierlich gemeinsam gesprochen. Das gesellige und geistige Zusammensein wird auch Oneg Schabbat, „Schabbatfreude“, genannt.
Am Samstagmorgen folgen Schacharit, die Toravorlesung und das Musafgebet. Während an Werktagen drei Personen zur Tora gerufen werden, sind es am Schabbat sieben; anschließend liest der Maftir die Haftara aus den Prophetenbüchern. Die Amida wird auf sieben Bitten verkürzt, und Tefillin werden am Schabbat nicht angelegt. Reform- und viele konservative Gemeinden beten das Musafgebet nicht oder gestalten es um.
Der Tag umfasst traditionell drei Mahlzeiten: eine am Freitagabend und zwei am Samstag. Nachmittags folgen Mincha und die dritte Mahlzeit, Se'uda schlischit, mit Gesang, Toraworten und Besinnung. Die Zwischenzeiten dienen der Ruhe, Selbstbesinnung, dem Spazierengehen und dem Torastudium.
Ende, Sonderformen und Jahresrhythmus
Der Schabbatausgang heißt Motza’e Schabbat und wird mit der Hawdala begangen. Dabei werden Segenssprüche über Wein, Gewürze und eine mehrdochtige Kerze gesprochen. Die Kerze wird mit dem restlichen Wein gelöscht. Das Ende wird gewöhnlich 45 Minuten nach Sonnenuntergang angesetzt, wenn drei mittlere Sterne sichtbar sind oder bei ungünstigem Wetter sichtbar wären. Einschließlich Tosefet Schabbat dauert die Schabbatbeobachtung insgesamt etwa 25 Stunden. Zum Abschluss wünscht man sich Schawua tov, „eine gute Woche“. Besonders religiöse Juden nehmen danach noch eine Mahlzeit namens Melawe Malka ein.
Die Schabbatot des Jahres werden meist nach dem jeweiligen Toraabschnitt benannt. Besondere Formen sind unter anderem Schabbat Schuwa zwischen Rosch ha-Schana und Jom Kippur, Schabbat Schabbaton für Jom Kippur, Schabbat Chanukka, Schabbat Sachor vor Purim, Schabbat Para, Schabbat ha-Chodesch und Schabbat ha-Gadol vor Pessach, Schabbat Chason vor dem 9. Aw sowie Schabbat Nachamu danach. Schabbat Mevorchim bezeichnet den Schabbat, an dem der kommende Monat gesegnet wird; Schabbat Chatan ist der Schabbat vor einer Hochzeit, an dem der Bräutigam nach aschkenasischem Brauch zur Tora aufgerufen wird.
Das Schemittajahr überträgt den Schabbatgedanken auf die Landwirtschaft: Nach sechs Jahren Bewirtschaftung soll das Land Israel ein Jahr ruhen. Felder stehen dann allen offen, auch Armen; außerdem werden am Ende des Jahres nicht bezahlte Schulden erlassen. Das letzte im Artikel genannte Schemittajahr war das Jahr 5782 nach der Schöpfung, vom 7. September 2021 bis zum 25. September 2022. Nach sieben mal sieben Jahren sollte ein 50. Jahr als Erlass- oder Jubeljahr folgen. In ihm sollten Schulden erlassen, Erbland zurückgegeben und Schuldknechtschaft aufgehoben werden. Der Talmud setzte dieses Gebot aus praktischen Gründen außer Kraft; seine sozialen Ziele wurden teilweise in der Zedaka, der Wohltätigkeit, bewahrt.
Historische Entwicklung und religiöse Richtungen
In der Antike wurde der Schabbat offenbar wiederholt für Angriffe auf jüdische Gemeinden genutzt, weil manche Juden an diesem Tag keinen militärischen Widerstand leisteten. Nach den Makkabäerbüchern beschlossen Mattatias und seine Anhänger, am Schabbat zu kämpfen, wenn sie angegriffen wurden. Diese Ausnahmeregel hob die allgemeine Halacha nicht auf, sondern passte sie an eine akute Notlage an. Im Römischen Reich wurden jüdische Schabbatbräuche zeitweise geschützt; nach dem Aufstand von 135 verbot Kaiser Hadrian jedoch große Teile jüdischer Religionsausübung.
Im Mittelalter wurden Hausrituale und Liturgie weiterentwickelt. Im 13. Jahrhundert entstanden drei Schabbatmahlzeiten, später eine vierte. Im 16. Jahrhundert prägten kabbalistische Kreise die feste Liturgie des Freitagabends mit Kiddusch, Hawdala, Psalmengesang und Lecha Dodi. Maimonides, Jakob ben Ascher, Josef Karo und Moses Isserles systematisierten die Schabbat-Halacha in maßgeblichen Werken.
In der Neuzeit führte die staatliche Sonntagsruhe in christlich geprägten Ländern zu wirtschaftlichen Nachteilen für Juden, da sie an zwei Tagen ihre Geschäfte schließen mussten. 1845 forderte Samuel Holdheim auf der deutschen Rabbinerkonferenz, den Schabbat auf den Sonntag zu verlegen; nur einzelne Gemeinden folgten. Andere jüdische Gruppen verteidigten die Schabbatruhe als Grundlage jüdischer Identität. Schomre-Schabbat-Vereine setzten sich für rechtliche Ausnahmen von der Sonntagsruhe ein. Im Nationalsozialismus wurden Juden auch am Schabbat zur Arbeit gezwungen.
Orthodoxe und ultraorthodoxe Juden befolgen die 39 Melachot weiterhin weitgehend. Für technische Probleme wurden unter anderem Sabbat-Modi und eine Schabbatsteckdose entwickelt. Liberale und progressive Juden betonen vor allem Ruhe, Freude, geistige Erneuerung und gemeinschaftliches Leben; Erwerbsarbeit und Handel werden möglichst vermieden, Elektrizität ist jedoch nicht generell verboten. In Israel ist der Schabbat seit dem 14. Mai 1948 gesetzlicher Ruhetag. Ein Gesetz von 1951 garantiert eine wöchentliche Ruhezeit von mindestens 36 Stunden, erlaubt aber Ausnahmen etwa für Landesverteidigung, öffentliche Sicherheit und staatliche Dienstleistungen. Die meisten Geschäfte und der öffentliche Verkehr sind am Schabbat geschlossen oder eingeschränkt; über Öffnungen und öffentliche Veranstaltungen kommt es regelmäßig zu Konflikten.
Beziehungen zu Christentum und Islam
Das Neue Testament zeigt die Schabbatpraxis des palästinischen Judentums mit Arbeitsruhe, Festmahlen, Synagogengottesdiensten und Toralesungen. Jesus beteiligte sich an den damaligen Diskussionen. Als seine Jünger am Schabbat Ähren sammelten, verwies er auf Davids Handeln in einer Notsituation und sagte: „Der Sabbat ist für den Menschen gemacht, nicht der Mensch für den Sabbat.“ Außerdem beanspruchte er als Menschensohn die Vollmacht über den Sabbat. Heilungen am Schabbat deutete er als erlaubte Hilfe zum Schutz des Lebens. Damit hob er das Gebot nicht vollständig auf, sondern ordnete Hilfe für Notleidende seinem Sinn entsprechend höher ein.
Die Urchristen hielten den Schabbat zunächst ebenso wie andere Juden. Paulus sprach sich später gegen eine verpflichtende Übernahme der jüdischen Schabbat-Halacha durch Heidenchristen aus und forderte gegenseitige Achtung bei unterschiedlichen Auffassungen. Bis mindestens 130 feierte die Alte Kirche den Schabbat neben dem Sonntag. Konstantin der Große machte den Sonntag 321 zum gesetzlichen Feiertag und öffentlichen Ruhetag. Dadurch wurde der Sonntag zum christlichen Wochenfeiertag; das Konzil von Laodicea verurteilte 363/64 die zusätzliche Schabbatfeier als judaisierend. Einige christliche Gemeinschaften, darunter Siebenten-Tags-Adventisten, begehen den Schabbat bis heute.
Im Islam entstand aus dem Sabbat keine allgemeine wöchentliche Arbeitsruhe. Das Freitagsgebet, al-dschumu'a, bildet eine lose Parallele. Nach Sure 62,9 sollen Muslime beim Gebetsruf das Kaufgeschäft ruhen lassen und sich dem Gedenken Gottes zuwenden. Nach dem Gebet dürfen sie wieder ihrer Arbeit und ihrem Erwerb nachgehen. Die Arbeitsunterbrechung gilt somit nur für die Dauer des gemeinsamen Freitagsgebets.