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Altes Testament
Das Alte Testament (abgekürzt AT) ist der erste Teil der Christlichen Bibel und basiert hauptsächlich auf den 24 Büchern der hebräischen Bibel, …
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Bedeutung und Bezeichnung
Das Alte Testament (AT) ist der erste Teil der christlichen Bibel. Es beruht hauptsächlich auf den 24 Büchern der hebräischen Bibel (Tanach) und auf Apokryphen, also weiteren Schriften, die nicht in allen christlichen Bibeln gleich bewertet werden. Es sammelt alte jüdische religiöse Texte in hebräischer und teilweise aramäischer Sprache. Das Neue Testament (NT) ist der zweite Teil der christlichen Bibel und wurde griechisch verfasst. Auswahl und Anordnung der biblischen Bücher wurden bis 350 n. Chr. festgelegt.
„Testament“ geht über das lateinische testamentum auf das hebräische berît und das griechische diathēkē zurück; beide bedeuten hier „Bund“. Seit etwa 180 n. Chr. bezeichnet die christliche Theologie mit „Altem Testament“ die vor Jesus Christus entstandenen heiligen Schriften. Die ersten Christen sprachen meist von „der Schrift“, „den Schriften“, „dem Gesetz und den Propheten“ oder „Mose und den Propheten“. In Lk 24,44 erscheint die Dreiteilung „Gesetz, Propheten und Psalmen“.
Paulus bezog diathēkē in 2 Kor 3,14 auf Gottes Offenbarung am Berg Sinai (Ex 19–24). Er stellte ihr Gottes Versöhnungswillen gegenüber, der sich nach christlichem Verständnis im Tod Jesu Christi am Kreuz erfüllt habe. Voraussetzung war für die Urchristen die Identität JHWHs, des Gottes Israels, mit dem Vater Jesu Christi sowie die bleibende Segenszusage an Abraham, „Vater vieler Völker“ zu werden (Gen 12,3). Melito von Sardes nannte um 170 erstmals die schriftlichen Zeugnisse von Gottes Heilswillen vor Jesus Christus „Altes Testament“; bei Tertullian ist die lateinische Übersetzung testamentum erstmals um 200 belegt.
Das Wort „alt“ wurde in antijüdischer Substitutionstheologie oft als „überholt“, „abgelöst“ oder „ungültig“ verstanden. Um diese Abwertung zu vermeiden und die gemeinsame Grundlage von Judentum und Christentum hervorzuheben, wird das AT auch „Erstes Testament“ genannt.
Bücher und christliche Anordnung
Die Tora beziehungsweise der Pentateuch blieb beim Übergang vom Tanach zum christlichen Alten Testament unverändert: Genesis, Exodus, Levitikus, Numeri und Deuteronomium. Die christliche Ordnung fasst die weiteren Bücher vor allem als Geschichtsbücher, Lehrbücher und Propheten zusammen.
Bücher, die im Tanach zu den Schriften (Ketuvim) gehören, wurden teilweise zu den Geschichtsbüchern gestellt. Rut steht zwischen Richter und Samuel, weil die Handlung zur Richterzeit spielt und Ruts Sohn als Großvater König Davids galt. Esra und Nehemia folgen auf die Chronik. Tobit, Judit, Ester sowie 1. und 2. Makkabäer schließen sich nach ihren beschriebenen Zeiten und Themen an. So entsteht eine Erzählung der Geschichte Israels von der Landnahme bis zur Wiederherstellung eines jüdischen Staates, in dem Tora und Tempelkult wieder gelten.
Zu den Lehrbüchern zählen unter anderem Ijob, Psalmen, Sprichwörter, Kohelet und Hoheslied; hinzu kommen Weisheit Salomos und Jesus Sirach. Ijob wurde vor die Psalmen gestellt, weil er als älter als die David zugeschriebenen Psalmen galt. Bei den Propheten wurden die Klagelieder dem Buch Jeremia und Daniel den „großen“ Propheten zugeordnet. Daniel wurde dabei als apokalyptische Schrift verstanden, also als Schrift über die Zukunft der ganzen Welt, die frühere prophetische Verheißungen fortführt. Am Schluss des AT wurden die Propheten für Christen zu Verheißungen auf Jesus Christus.
Die deuterokanonischen Schriften gehören nicht in allen Konfessionen zum selben Umfang des AT. Der Protestantismus erkennt 39 Bücher aus dem Griechischen Alten Testament an, der Katholizismus und die Orthodoxie 46; der orthodoxe Kanon umfasst bis zu 51 Bücher.
Kanon und Textüberlieferung
Im ersten nachchristlichen Jahrhundert besaßen weder Juden noch Judenchristen oder Frühchristen einen feststehenden, kanonisierten Tanach beziehungsweise einen alttestamentlichen Kanon. Die heiligen Textsammlungen unterschieden sich sowohl in ihrer Reihenfolge als auch in der Auswahl der Schriften; auch die einzelnen Texte waren noch nicht einheitlich.
Die Alte Kirche verteidigte die jüdischen Schriften als Offenbarungszeugnisse gegen christliche Gruppen, die ihre Geltung ablehnten. Der Gnostizismus betrachtete das Alte Testament als Dokument einer verworfenen, überholten und antichristlichen Religion. Marcion trennte dualistisch den von ihm als böse und materialistisch betrachteten Gott Israels vom guten, spirituellen Geist Jesu und schlug deshalb einen von jüdischen Einflüssen gereinigten Kanon vor.
Ab 150 übernahm die entstehende Kirche das durch die Septuaginta überlieferte Alte Testament als vollgültiges Gotteswort und stellte es dem Neuen Testament voran. Die Septuaginta ist die griechische Überlieferung des AT. Damit folgte die Kirche der Auffassung der Urchristen: Der Glaube an Jesus Christus bekräftige Gottes Bund mit Israel, statt ihn abzulösen. Leben, Lehre, Tod und Auferstehung Jesu konnten deshalb nicht von der Erwählung Israels getrennt werden.
Frühe lateinische Übersetzungen von Teilen der Septuaginta werden unter dem Namen Vetus Latina zusammengefasst. Seit 385 entstand durch Hieronymus die vollständige lateinische Übersetzung, die Vulgata. Sie verdrängte die älteren Übersetzungen und wurde im Katholizismus maßgebend.
Rolle für die ersten Christen und das Neue Testament
Für Jesus von Nazaret und seine Nachfolger waren Tora, Propheten, Psalmen, Daniel und Spruchweisheit Heilige Schrift. Jesus bezog seine Verkündigung darauf und verstand sie als gültige Auslegung des offenbarten Willens Gottes (Mt 5,17). Für die Urchristen war das Hören, Lesen und Auslegen dieser Texte grundlegend für ihre Botschaft vom Anbruch des Reiches Gottes.
Auch nach Jesu Tod blieb Israels Bibel die Norm, aus der heraus Christen den gekommenen und wiederkommenden Messias verkündeten. Die Glaubensformeln der Jerusalemer Urgemeinde betonen die „Schriftgemäßheit“: Ihr Glaube sollte mit Israels Heilsgeschichte übereinstimmen. Jesu Tod und Auferweckung galten ihnen als das in der Schrift erkennbare Ziel dieser Geschichte und als Bestätigung der Verheißungen einer endgültigen Verwandlung der Welt.
Indem Urchristen Jesu Geschichte als Erfüllung der Bundesgeschichte Gottes mit Israel erzählten, aufschrieben und lehrten, entstand das Neue Testament. Evangelien, Gemeindebriefe und Apostelgeschichte stellen Jesus als Erfüllung und Erneuerung des Israelbundes dar. Deshalb lässt sich die Botschaft des NT nach dem Artikel nur zusammen mit dem AT verkündigen.
Der Ausdruck „Altes Testament“ steht nicht im NT. Gemeint ist dort aber der „Erste Bund“ Gottes mit Israel (Hebr 8,7) in unauflösbarer Beziehung zum „Neuen Bund“ mit Israel und allen Völkern durch Jesu Selbsthingabe (Mk 14,24). „Alt“ bedeutet dabei zeitlich und inhaltlich vorangehend, nicht veraltet oder ersetzt. Jesu Tod und Auferweckung bestätigten nach dem NT die Offenbarungen, Bundesschlüsse und Verheißungen an Israel; Hebr 8,8 zitiert dazu Jer 31,31–32. Die Einzelgebote werden in christlicher Auslegung dem Doppelgebot der Gottes- und Nächstenliebe untergeordnet (Mk 12,30–31).
Auslegung, Forschung und Neubewertung
Die alttestamentliche Wissenschaft ist eine Teildisziplin der Theologie. Sie erforscht das AT philologisch und historisch, also anhand von Sprache, Texten und geschichtlichen Zusammenhängen. Zu ihren Bereichen gehören Literaturgeschichte, Exegese (Auslegung), die soziale, politische und religiöse Geschichte Israels, Theologie des AT und Hermeneutik, die Lehre vom Verstehen. Hilfswissenschaften sind Hebraistik, Judaistik, Archäologie Palästinas und benachbarter Gebiete sowie Orientalistik. Fachleute heißen Alttestamentler.
In der Patristik, der Theologie der Kirchenväter, prägte Augustinus von Hippo den Satz: „Novum Testamentum in Vetere latet, et in Novo Vetus patet.“ Das bedeutet: „Das Neue Testament liegt im Alten verborgen, das Alte wird im Neuen aufgedeckt/offenbar.“ Jesus Christus und sein Erlösungswerk wurden daher nicht nur in einzelnen Texten wie Psalm 22 oder Jesaja 53, sondern im Sinn des gesamten AT angedeutet gesehen. Röm 11,2–18 betont dazu: „Gott hat sein Volk nicht verstoßen“ und „Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich!“
Die um 130 n. Chr. entstandene Substitutionstheologie behauptete dagegen, Gott habe seinen Bund mit Israel seit Jesu Kreuzigung aufgehoben und auf die Kirche übertragen. Sie führte zur kirchlich-dogmatischen Enterbung des Judentums, begünstigte Pogrome und rechtfertigte Verfolgung bis weit in die Neuzeit. In der NS-Zeit versuchten die „Deutschen Christen“, alles „Jüdische“ aus dem christlichen Glauben zu entfernen; das AT wurde dabei weitgehend ignoriert.
Seit etwa 1960 führte der jüdisch-christliche Dialog zu einer Neubewertung des AT und des Judentums. Das Zweite Vatikanische Konzil, evangelische Kirchentage der 1960er Jahre und der Rheinische Synodalbeschluss von 1980 waren wichtige Schritte. Die dritte EKD-Denkschrift „Juden und Christen“ von 2000 fordert, Judentum als bleibenden, eigenständigen und lebendigen Zeugen der Hebräischen Bibel anzuerkennen. Dies betrifft Bibelforschung, Auslegung, Predigt, Konfirmandenunterricht und Gottesdienstgestaltung.
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