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Konstantin der Große
Die konstantinische Wende hatte Konsequenzen für das Verhältnis Konstantins zu den traditionellen paganen Kulten, die keineswegs eine Einheit darstellten …
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Bedeutung und historischer Rahmen
Flavius Valerius Constantinus, bekannt als Konstantin der Große oder Konstantin I., war von 306 bis 337 römischer Kaiser und regierte ab 324 als alleiniger Augustus. Er starb am 22. Mai 337 bei Nikomedia. Sein Geburtsjahr ist unsicher; die Forschung setzt es zwischen 270 und 288 an. Konstantin gehört zu den wichtigsten Herrschern der römischen Geschichte, weil er das Reich nach langen Bürgerkriegen wieder einte, Verwaltung und Heer weiter umformte und mit seiner Religionspolitik den Aufstieg des Christentums zur wichtigsten Religion des Imperium Romanum einleitete.
Das Römische Reich war im 3. Jahrhundert durch innere Instabilität, Bürgerkriege, Usurpationen und Druck an den Grenzen belastet. Am Rhein und an der Donau griffen unter anderem Franken, Alamannen und Goten an; im Osten entstand 224/226 mit dem Sassanidenreich ein gefährlicher Gegner. Diokletian, seit 284 Kaiser, stabilisierte das Reich durch Reformen und die Tetrarchie, eine Viererherrschaft mit zwei Augusti und zwei Caesaren. Dieses System sollte Usurpationen verhindern und beruhte auf Ernennung statt Erbfolge. Nach Diokletians Rücktritt 305 setzte sich aber wieder das dynastische Prinzip durch. In den folgenden Machtkämpfen stieg Konstantin zum Alleinherrscher auf.
Aufstieg zur Alleinherrschaft
Konstantin war der Sohn von Constantius I. und Helena. Sein Vater wurde 293 in Diokletians Tetrarchie Caesar im Westen und 305 Augustus. Konstantin hielt sich längere Zeit am Hof Diokletians im Osten auf, erhielt eine formale Ausbildung und machte militärisch Karriere. Als Constantius am 25. Juli 306 im Lager von Eboracum, dem heutigen York, starb, riefen die Soldaten Konstantin zum Kaiser aus. Dies durchbrach die tetrarchische Ordnung und war rechtlich problematisch, doch Konstantin konnte sich auf das gallische Heer stützen.
Zwischen 306 und 312 zerfiel die Tetrarchie weiter. Im Westen erhob sich Maxentius in Rom, während Konstantin Gallien und Britannien hielt. 307 heiratete Konstantin Fausta, die Tochter Maximians, und gewann dadurch zusätzliche Legitimation. Später löste er sich von Maximians Anspruch und betonte eine eigene Dynastie. In Trier ließ er Gebäude wie die Konstantinbasilika und die Kaiserthermen errichten; dort prägte er 309 auch den Solidus, eine stabile Goldmünze, die lange im Umlauf blieb.
312 marschierte Konstantin gegen Maxentius nach Italien. Obwohl Maxentius wohl über mehr Soldaten verfügte, siegte Konstantin bei Turin, Brescia und Verona. Am 28. Oktober 312 kam es an der Milvischen Brücke bei Rom zur Entscheidung. Maxentius’ Truppen gerieten in Panik; viele Soldaten und Maxentius selbst ertranken im Tiber. Konstantin führte den Sieg auf den Beistand des Christengottes zurück. Die Quellen berichten von einem göttlichen Zeichen, etwa einem Traum oder einer Himmelserscheinung mit Kreuzsymbol. Ob und was Konstantin tatsächlich sah, bleibt umstritten; historisch wichtig ist, dass er den Sieg später christlich deutete.
Nach dem Sieg herrschte Konstantin im Westen. 313 traf er sich in Mailand mit Licinius, dem Herrscher im Osten. Die Mailänder Vereinbarung garantierte Christen und allen anderen Religionen Kultfreiheit und erkannte die Kirche als rechtliche Körperschaft an. Zwischen Konstantin und Licinius entstanden jedoch bald Spannungen. Nach Kämpfen ab 316 kam es 324 zum Endkrieg. Konstantin siegte bei Adrianopel und Chrysopolis; sein Sohn Crispus vernichtete die Flotte des Licinius bei Kallipolis. Licinius kapitulierte, wurde 325 aber auf Befehl Konstantins hingerichtet. Damit war Konstantin alleiniger Herrscher des Reiches.
Regierung, Verwaltung und Heer
Als Alleinherrscher verlegte Konstantin seinen Schwerpunkt in den Osten. Er baute die alte griechische Stadt Byzanz stark aus und machte sie als Konstantinopel, „Konstantinsstadt“, zu seiner neuen Residenz. Die Stadt lag strategisch günstig, war an drei Seiten von Wasser umgeben und befand sich im wirtschaftlich wichtigen Osten. Konstantin ließ Befestigungen, Paläste, Verwaltungsgebäude, Bäder, ein Hippodrom, Plätze und Kirchen errichten. Die Stadt wurde am 11. Mai 330 feierlich eingeweiht. Sie war als Gegenstück zum alten Rom gedacht und entwickelte sich später zur Hauptstadt Ostroms.
Konstantin führte Diokletians Reformkurs fort. Militärische und zivile Ämter wurden strenger getrennt. Neue oder aufgewertete Ämter waren etwa der magister officiorum, der die Hofverwaltung und Kanzlei leitete, der quaestor sacri palatii für Rechtsfragen und der comes sacrarum largitionum für Staatsfinanzen. Die Prätorianerpräfekten wurden seit 312 rein zivile Spitzenbeamte. Die Verwaltung wurde stärker zentralisiert, ohne dass man nach heutiger Forschung einfach von einem „spätantiken Zwangsstaat“ sprechen sollte.
Auch die Herrschaftsdarstellung veränderte sich. Das Kaisertum wurde weiterhin sakral begründet, nun aber zunehmend mit christlichen Vorstellungen verbunden. Konstantin entfernte sich langsam von paganer Symbolik, ohne die Anhänger traditioneller Kulte offen zu provozieren. Der Beiname Invictus wurde durch Victor ersetzt. Zugleich blieb die Sonnen-Symbolik eine Zeit lang wichtig. Die Hofhaltung wurde prächtiger; Konstantin trug kostbare Roben, ein Diadem und saß auf einem Thron.
In der Gesellschaftspolitik verbesserte Konstantin das Verhältnis zum Senat und gab Senatoren wieder Zugang zu hohen zivilen Ämtern. Der Senatorenstand wurde erweitert. Die städtischen Eliten, die Kurialen, litten jedoch unter hohen finanziellen Pflichten; Konstantin versuchte durch Gesetze zu verhindern, dass sie sich diesen Aufgaben entzogen. In der Wirtschaft blieb die Landwirtschaft zentral, doch Handel und Städte konnten profitieren. Die Münzreform mit dem Solidus stabilisierte das Geldwesen. Im Steuerwesen blieb die von Diokletian eingeführte kombinierte Grund- und Kopfsteuer, die Capitatio-Iugatio, bestehen; der Festsetzungszyklus wurde von fünf auf fünfzehn Jahre verlängert.
Konstantin erließ viele Gesetze. Einige stärkten Witwen und Waisen, erschwerten freie Ehescheidungen und gaben Bischöfen zusätzliche Befugnisse. Andere verschärften Strafen erheblich, etwa durch häufigere Todesstrafe oder brutale Körperstrafen. Das Heer wurde in mobile Feldtruppen, die Comitatenses, und Grenztruppen, die Limitanei, gegliedert. Die beweglichen Verbände wurden gestärkt, damit Angreifer nach Grenzdurchbrüchen schneller abgefangen werden konnten. An Rhein und Donau stabilisierte Konstantin die Grenzen. 332 schloss er nach einem Sieg über die Goten ein foedus, also einen Vertrag, der die Donaugoten zur Waffenhilfe verpflichtete.
Konstantin und das Christentum
Konstantins Religionspolitik ist der am stärksten diskutierte Teil seiner Herrschaft. Vor 312 verehrte er besonders den Sonnengott Sol Invictus und neigte wohl zu einem Henotheismus, also zur Verehrung einer höchsten Gottheit. Das Christentum kannte er zumindest oberflächlich. Nach dem Sieg an der Milvischen Brücke förderte er es zunehmend; diese Entwicklung wird als konstantinische Wende bezeichnet. Die Forschung ist uneinig, ob Konstantin schon 312 im engeren Sinn Christ war oder ob seine Hinwendung ein längerer Prozess war. Sicher ist, dass er nach 312 die Kirche aktiv begünstigte und nach 324 offen als Anhänger und Förderer des christlichen Gottes auftrat.
Die Mailänder Vereinbarung von 313 gewährte Religionsfreiheit, privilegierte das Christentum aber noch nicht allein. Danach stärkte Konstantin die Kirche schrittweise: Er unterstützte Kirchenbau, gab Bischöfen mehr Bedeutung, ließ seine Söhne christlich erziehen und übertrug Christen zunehmend wichtige Ämter. Der christliche Monotheismus bot zugleich eine neue religiöse Begründung der Alleinherrschaft: Wie im Himmel nur ein Gott herrsche, könne auf Erden ein Kaiser herrschen. Diese Verbindung von Kaisertum und Religion wird teils als imperialer Monotheismus beschrieben.
Konstantin griff auch in innerchristliche Konflikte ein. Im Donatistenstreit in Nordafrika ging es darum, ob Kleriker, die während der diokletianischen Verfolgung christliche Schriften ausgeliefert hatten, gültig Sakramente spenden konnten. Konstantin ließ 314 in Arles beraten; entschieden wurde zugunsten der Gültigkeit solcher Weihen. Der Streit endete dadurch nicht. Im arianischen Streit ging es um das Verhältnis von Gott-Vater und Christus. Arius lehrte, dass der Sohn nicht wesensgleich mit dem Vater sei und es eine Zeit gegeben habe, in der Jesus nicht existierte. Konstantin wollte religiöse Einheit sichern und berief 325 das Erste Konzil von Nicäa ein. Dort verabschiedeten über 200 Bischöfe das Bekenntnis von Nicäa: Christus sei „wahrer Gott vom wahren Gott“, gezeugt, nicht geschaffen, und homoousios, also wesensgleich mit Gottvater. Arius wurde verbannt, später aber zeitweise rehabilitiert. Der Streit dauerte bis zum Ende des 4. Jahrhunderts fort.
Gegenüber den traditionellen Kulten handelte Konstantin vorsichtig. Er blieb Pontifex maximus und verbot pagane Religionen nicht allgemein. Einige Tempel wurden geschlossen oder beseitigt, vor allem wenn ihre Kulte als anstößig galten; ein allgemeines Opferverbot ist umstritten. Private Haruspizien und bestimmte magische Rituale wurden verboten. Insgesamt förderte Konstantin das Christentum deutlich, ging aber nicht grundsätzlich konfrontativ gegen andere Religionen vor. Auch das Judentum behielt seine alten Privilegien; zugleich schützte Konstantin zum Christentum konvertierte Juden und erschwerte Konversionen zum Judentum.
Krisen am Hof, Tod und Nachfolge
Ein dunkles Kapitel der Herrschaft Konstantins sind die Verwandtenmorde von 326. Konstantin ließ seinen ältesten Sohn Crispus und kurz darauf seine Frau Fausta töten. Die Quellen berichten widersprüchlich und teils erkennbar tendenziös. Spätere Autoren erzählten Skandalgeschichten über angebliche sexuelle Verfehlungen oder Intrigen, doch eine sichere Rekonstruktion ist nicht möglich. Plausibel sind politische Hintergründe: Nach der Alleinherrschaft ging es um die Absicherung der Dynastie, und Crispus war durch militärische Erfolge ein möglicher Konkurrent innerhalb der Familie.
In den letzten Jahren bereitete Konstantin einen Krieg gegen das Sassanidenreich vor. Der persische König Schapur II. war 336 in Armenien eingefallen, hatte den christlichen König Trdat III. vertrieben und seinen Bruder Narseh eingesetzt. Konstantin plante für 337 einen großen Perserfeldzug, angeblich zum Schutz der Christen in Persien. Unklar ist, ob er nur Armenien sichern oder weitergehende Ziele verfolgen wollte.
Während der Kriegsvorbereitungen erkrankte Konstantin und starb am Pfingstfest 337 bei Nikomedia. Auf dem Totenbett wurde er von Eusebios von Nikomedia getauft; eine späte Taufe war damals nicht ungewöhnlich, weil man möglichst sündenfrei sterben wollte. Nach seinem Tod wurde Konstantin in römischer Tradition zum divus erhoben. Seine Söhne Konstantin II., Constantius II. und Constans waren bereits zu Caesaren ernannt worden; 335 erhielt auch sein Neffe Dalmatius diesen Titel. Nach Konstantins Tod kam es jedoch zu Morden in der Familie und später zu Bruderkriegen.
Nachwirkung und Forschung
Konstantin wurde schon in der Spätantike sehr unterschiedlich beurteilt. Christliche Autoren wie Lactantius und besonders Eusebios von Kaisareia sahen in ihm den von Gott unterstützten Herrscher und idealen christlichen Kaiser. Eusebios’ Darstellung ist deutlich lobend und tendenziös, aber wegen der enthaltenen Informationen sehr wichtig. Pagane Autoren urteilten oft kritischer. Julian, Libanios, Eunapios und Zosimos warfen Konstantin unter anderem Religionspolitik, hohe Steuern oder familiäre Verbrechen vor; manche Vorwürfe folgen typischen literarischen Mustern und sind historisch nur vorsichtig zu nutzen.
Im Mittelalter dominierte im christlichen Europa ein positives Bild. In Byzanz galt Konstantin als Gründer Konstantinopels und als vorbildlicher Herrscher; mehrere Kaiser trugen seinen Namen oder stellten sich als „neuer Konstantin“ dar. Im Westen spielte die gefälschte Konstantinische Schenkung eine große Rolle. Sie behauptete, Konstantin habe Papst Silvester I. weitreichende Rechte und Besitzungen übertragen. Die Fälschung entstand im 8./9. Jahrhundert und wurde im 15. Jahrhundert von Nikolaus von Kues und Lorenzo Valla nachgewiesen.
In der Neuzeit schwankte das Bild stark. Humanisten und Aufklärer sahen Konstantin oft kritisch, teils als Mitverursacher des „finsteren Mittelalters“ oder als Politiker, der Religion für Machtzwecke einsetzte. Moderne Forschung betont die schwierige Quellenlage. Viele Fragen bleiben umstritten: War seine Hinwendung zum Christentum echte Überzeugung, politisches Kalkül oder beides? Die heute verbreitete Forschungsmeinung nimmt seine religiöse Motivation ernst, sieht ihn aber zugleich als pragmatischen Machtpolitiker. Weitgehend anerkannt ist seine Bedeutung als erfolgreicher Militär, Reformer und Mitgestalter des spätantiken römischen Staates. Zusammen mit Diokletian stabilisierte er das Reich noch einmal grundlegend.