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Sakrament

Als Sakrament bezeichnet man im Christentum einen Ritus, der als sichtbares Zeichen beziehungsweise als sichtbare Handlung eine unsichtbare Wirklichkeit …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Bedeutung
  2. 2. Entwicklung der Lehre
  3. 3. Katholisches Verständnis
  4. 4. Orthodoxe Kirchen
  5. 5. Evangelische und anglikanische Kirchen
  6. 6. Weitere Gemeinschaften

Grundidee und Bedeutung

Ein Sakrament ist im Christentum ein Ritus, also eine religiöse Handlung, die als sichtbares Zeichen oder sichtbare Handlung eine unsichtbare Wirklichkeit Gottes gegenwärtig macht und Menschen daran teilhaben lässt. Sakramente verbinden nach christlichem Verständnis äußere Zeichen wie Wasser, Brot, Wein, Handauflegung oder bestimmte Worte mit Gottes Gnade, also mit seiner heilenden und rettenden Zuwendung.

Die Sakramentenspendung gehört neben der Verkündigung des Wortes Gottes zu den wesentlichen Aufgaben der Kirchen. Mit der formalen Darreichung eines Sakramentes wird eine von Gott zugesagte geistige Wirkung verbunden, die Heil bringen oder fördern soll. Die Kirchen unterscheiden sich darin, wer Sakramente gültig spenden darf: Je nach Tradition reicht die Berechtigung von eigens dazu berufenen Amtsträgern bis zu jedem anerkannt christlich Getauften, besonders bei der Taufe in Notfällen. Die gegenseitige Anerkennung der Sakramente zwischen den Kirchen besteht nur teilweise.

Entwicklung der Lehre

In der frühen westlichen Theologie wurden ab dem 2. Jahrhundert die Begriffe Mysterion und Sacramentum miteinander verbunden. Als Mysteria oder Sakramente galten zunächst biblische Ereignisse, die als Teile des göttlichen Heilsplanes verstanden wurden, besonders Ereignisse im Leben Jesu wie Geburt und Kreuzigung.

Augustinus prägte die Sakramentenlehre stark. Für ihn waren Sakramente „heilige Zeichen“: sinnlich wahrnehmbare Zeichen, die über sich hinaus auf eine geistige Wirklichkeit hinweisen. Er unterschied zwischen „Sachen“, die für sich selbst stehen, und „Zeichen“, die auf etwas anderes verweisen. Sakramente gehörten für ihn zu den „gegebenen Zeichen“, also absichtlich gesetzten Zeichen, die auf eine heilige Wirklichkeit verweisen. Auch die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus verstand er als größtes Sakrament.

Bis ins 12. Jahrhundert war der Sakramentsbegriff weit und die Zahl der Sakramente nicht genau festgelegt. Erst in der Frühscholastik entstanden eigene Sakramentstraktate; um die Mitte des 12. Jahrhunderts setzte sich die Zahl Sieben durch. Thomas von Aquin erklärte die Sakramente mit Hilfe der aristotelischen Philosophie: Sie bestehen aus „Materie“ und „Form“. Die Materie ist das sichtbare Element oder die zeichenhafte Handlung, etwa Wasser bei der Taufe oder Brot und Wein in der Eucharistie. Die Form sind die deutenden Worte, etwa Absolutions- oder Konsekrationsworte. Nach dieser Lehre bewirken Sakramente die Gnade ex opere operato, also durch die Kraft des vollzogenen sakramentalen Aktes selbst, wenn sie nach der Einsetzung Christi und dem Willen der Kirche gespendet werden. Auf dem Konzil von Trient (1545–1563) wurde in der Sessio VII die Siebenzahl Taufe, Firmung, Eucharistie, Buße, Krankensalbung, Weihe und Ehe festgelegt.

Katholisches Verständnis

In der römisch-katholischen Kirche bezeichnet Sakrament im engeren Sinn die einzelnen Sakramente, im weiteren Sinn aber jede sakramental vermittelte Begegnung von Gott und Mensch. In den Sakramenten wirkt Jesus Christus selbst. Jesus Christus wird in einer langen theologischen Tradition als „Ursakrament“ verstanden, also als Ursprung und Ziel des göttlichen Heilshandelns. Das Zweite Vatikanische Konzil bezeichnete auch die Kirche als Ganzes in analoger Weise als „das Sakrament, das heißt Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit“.

Nach katholischer Auffassung setzen Sakramente den Glauben voraus, fördern und stärken ihn aber zugleich. Sie gehören in die Liturgie, also in die gottesdienstliche Feier der Kirche. Zu jedem Sakrament gehört ein äußeres Zeichen, durch das eine innere Gnade angezeigt und zugleich mitgeteilt wird. Die Sakramente gelten als von Christus eingesetzt. Taufe, Firmung und Weihe prägen ein unauslöschliches Merkmal ein und können deshalb nur einmal empfangen werden.

Die Gültigkeit eines Sakraments hängt von der vorgeschriebenen Form des Vollzugs und von der Intention des Spendenden ab, das zu tun, was die Kirche tun will. Wer nicht getauft ist, kann die anderen Sakramente nicht gültig empfangen. Die Wirksamkeit hängt außerdem von der inneren Bereitschaft des Empfängers ab, der sogenannten Disposition. Fehlt sie, spricht die Tradition von einem Obex, einem „Riegel“, der den fruchtbaren Empfang der Gnade verhindert. Die sieben Sakramente wurden vom zweiten Konzil von Lyon am 6. Juli 1274 ausdrücklich gelehrt: Taufe, Firmung, Eucharistie, Bußsakrament, Krankensalbung, Weihesakrament in den drei Stufen der Diakon-, Priester- und Bischofsweihe sowie Ehe. Taufe, Firmung und Eucharistie gliedern den Menschen in die Kirche ein.

Orthodoxe Kirchen

In den orthodoxen Kirchen heißen Sakramente meist heilige Mysterien, nach dem griechischen Wort Mysterion, „Geheimnis“. Eine verbindliche Festlegung auf genau sieben Sakramente gibt es dort nicht, weil die Orthodoxie auch die gesamte Kirche und alle kirchlichen Handlungen als sakramental und als Mysterium versteht. Eine klare Trennung zwischen Sakramenten und Sakramentalien spielt deshalb keine zentrale Rolle.

Wichtiger als die rechtliche Gültigkeit ist in der orthodoxen Theologie die tatsächliche Wirksamkeit. Westliche Diskussionen über gültige oder ungültige Sakramente wirken aus orthodoxer Sicht oft zu legalistisch. Trotzdem sind Anerkennungsfragen im Gespräch mit anderen Kirchen wichtig. Die Anerkennung von Taufen anderer Konfessionen kann problematisch sein; bei Übertritten wird die Taufe mitunter wiederholt. Ein Hauptproblem ist die westliche Trennung von Taufe und Firmung. In orthodoxer Tradition gehört die Geistaussendung untrennbar zur Taufe hinzu, die ohne diesen Ritus als unvollständig gelten kann.

Als sieben Mysterien werden gewöhnlich Taufe, Myronsalbung, Eucharistie, Beichte, Ehe, Weihe und Krankensalbung genannt. Diese Aufzählung gilt jedoch nicht als verbindliche Glaubenswahrheit, sondern ist teilweise eine Angleichung an die westliche Tradition. Laien als Spender heiliger Mysterien sind der orthodoxen Tradition fremd. Auch die Ehe wird nach orthodoxem Verständnis erst durch den Priestersegen zu einem heiligen Mysterium.

Evangelische und anglikanische Kirchen

Die aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen unterscheiden sich deutlich von der katholischen und orthodoxen Tradition. In den evangelisch-lutherischen Kirchen geht das Verständnis auf Martin Luther zurück. In seiner Schrift Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche von 1520 lehrte er, ein Sakrament wirke nicht allein durch den Vollzug, sondern müsse mit dem Wort der Verheißung, dem Evangelium, verbunden sein. Deshalb zählte er vor allem Taufe, Abendmahl und Beichte zu den Sakramenten, wobei er die Beichte selbst in Zweifel zog, weil ihr kein sichtbares Zeichen eindeutig zugeordnet sei. Die Apologie des Augsburger Bekenntnisses von 1531 nennt Taufe, Abendmahl und Absolution beziehungsweise Bußsakrament als Sakramente im strikten Sinn; im weiteren Sinn kann auch die Ordination als Sakrament gelten. Heute kennt die Evangelische Kirche in Deutschland meist nur noch zwei Sakramente: Taufe und Abendmahl.

Nach lutherischer Auffassung sind Sakramente „Zeichen und Zeugnis“ des göttlichen Willens. Sie wecken und stärken den Glauben, fordern ihn aber auch, weil nur der Glaube das Heil im Sakrament ergreift. Zugleich hängt die Gültigkeit nicht von der Person oder dem Glauben des Spenders ab, sondern von Gottes Wort.

Die evangelisch-reformierten Kirchen kennen ebenfalls Taufe und Abendmahl, verstehen Sakramente aber stärker als Zeichen und Siegel: Sie machen eine geistliche Wirklichkeit sichtbar, bewirken sie jedoch nicht selbst. Dieser Unterschied war ein Hauptstreitpunkt zwischen Martin Luther und Ulrich Zwingli im Marburger Religionsgespräch 1529 und führte zur Trennung von lutherischer und reformierter Kirche. Viele evangelische Freikirchen folgen einem ähnlichen Verständnis und lehnen das Sakrament als heilswirksames Zeichen ab; Mennoniten und andere Täufer verzichten meist ganz auf den Begriff Sakrament.

In den anglikanischen Kirchen gelten Taufe und Eucharistie als die beiden „Herren-Sakramente“. Die weiteren fünf Handlungen, die in der katholischen Kirche Sakramente sind, werden von vielen Anglikanern ebenfalls als Sakramente, von anderen aber als Sakramentalien betrachtet.

Weitere Gemeinschaften

In der Neuapostolischen Kirche gibt es drei Sakramente: Heilige Wassertaufe, Heiliges Abendmahl und Versiegelung. Taufe und Versiegelung werden nur einmal vollzogen und bewirken nach neuapostolischem Verständnis die „Wiedergeburt aus Wasser und Geist“. Das Heilige Abendmahl wird in jedem Gottesdienst durch Abendmahlshostien gefeiert.

In Christian Science wird das Abendmahl als „geistige Kommunion mit dem einen Gott“ verstanden. Brot und Wein, Taufe und Abendmahl werden geistig gedeutet und empfangen. Äußeres Zeichen ist bei zweimal jährlich stattfindenden Gottesdiensten in den Zweigkirchen eine besondere Gottesdienstordnung mit kniend gebetetem Vaterunser und Doxologie.

Die Christengemeinschaft versteht sich als Kultusgemeinschaft. Ihre zentrale Feier ist die „Menschenweihehandlung“, deren Aufbau mit Evangeliumlesung, Opferung, Wandlung und Kommunion Ähnlichkeiten mit der katholischen Eucharistie hat. Eine bindende Sakramentenlehre gibt es nicht. Man spricht vom „Kreis der Sakramente“: Um die Menschenweihehandlung stehen Taufe, Konfirmation, Beichte oder Schicksalsberatung, Trauung, Priesterweihe und Sterbeölung. Die Sakramente werden vom Priester in festgeschriebener Weise, mit liturgischen Gewändern und teils jahreszeitlich unterschiedlichen Wortlauten und Farben vollzogen.

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