Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Wort
Das „Wort“ wird begrifflich vom Phonem, vom Morphem, dem Syntagma sowie dem Satz abgegrenzt. Allerdings kann tatsächlich auch ein einziges Wort einen Satz …
Inhalt5 Abschnitte
Grundbegriff und Bedeutung
Ein Wort ist eine selbständige sprachliche Einheit mit eigenständiger Bedeutung. Anders als ein Laut oder eine Silbe ist es ein Symbol und damit ein Bedeutungsträger. In der Sprachwissenschaft ist jedoch umstritten, ob „Wort“ eine eindeutig definierbare Kategorie ist. Ferdinand de Saussure stellte den Begriff zurück und sprach stattdessen allgemein vom „Zeichen“.
Mit „Wort“ kann auch eine Abstraktion von konkreten Wortformen gemeint sein: „Baum“ und „Bäume“ gelten dann als Formen desselben Wortes. Für solche Vorstellungen bietet die Semantik mit dem Begriff Lexem eine präzisere Beschreibung. Ein Lexem ist eine relativ selbstständige Bedeutungseinheit, die im Lexikon verzeichnet ist.
Das Wort wird begrifflich vom Phonem, Morphem, Syntagma und Satz unterschieden. Diese Grenzen sind aber nicht absolut: Ein einziges Wort kann einen Satz bilden, aus einem einzigen Morphem bestehen und dieses wiederum aus nur einem Phonem bestehen. Ein Beispiel ist die lateinische Form ī „geh!“, der Imperativ des Verbs ire „gehen“.
Kriterien und Abgrenzungsprobleme
Je nach theoretischem Ansatz wird ein Wort phonetisch-phonologisch, graphematisch, morphologisch, syntaktisch oder lexikalisch-semantisch bestimmt. Die Kriterien können miteinander kombiniert werden.
Beim phonologischen Kriterium ist ein Wort eine Lautfolge beziehungsweise Phonemkette, die durch Grenzsignale wie Pausen theoretisch isolierbar ist oder Regeln der Silbenbildung entspricht. Im Deutschen besitzt jedes Wort genau eine Hauptakzentsilbe. In Sprachen wie dem Französischen werden Wörter beim Sprechen jedoch stark miteinander verbunden und verschmolzen. Deshalb können eine schriftbezogene und eine lautorientierte Wortdefinition deutlich voneinander abweichen. Nach dem phonetischen Kriterium zählen auch Interjektionen wie „äh“ zu den Wörtern.
Nach dem orthografischen Kriterium ist ein Wort eine Graphemkette, also eine Buchstabengruppe zwischen zwei Trennzeichen, meistens Leerzeichen. Diese Definition gilt nur für Schriften mit solchen Trennzeichen. Sie ist problematisch, weil Getrennt- und Zusammenschreibung teilweise fakultativ ist, etwa bei „auf Grund“ und „aufgrund“. Auch trennbare Verben wie „anrufen“ und „ich rufe an“, die Schreibweisen mit Bindestrich oder Apostroph sowie die unterschiedliche Behandlung von „spazierengehen“ und „spazieren gehen“ erschweren die Abgrenzung. Außerdem sind Wortgrenzen sprach- und schriftabhängig: Der türkische Ausdruck alabileceğim bedeutet „ich werde kaufen können“, und „Waschmaschine“ wird im Deutschen als ein Wort behandelt, während „washing machine“ im Englischen aus zwei Wörtern besteht. Einige Sprachen oder Schriftsysteme, etwa Thai oder Chinesisch, verwenden keine Leerstellen zwischen Wörtern. Johannes Volmert nennt die orthografische Definition deshalb „tautologisch“, weil die Schreibkonventionen bereits ein Vorverständnis von Wörtern und ihren Grenzen enthalten.
Auch die Abgrenzung nach Sprechpausen ist nicht eindeutig. Pausen können innerhalb eines Wortes zwischen Silben gesetzt werden, ohne dass dadurch neue Wörter entstehen: „wi-ki-pe-di-a“ bleibt ein Wort. Umgekehrt macht man beim normalen Sprechen in den meisten Sprachen nicht zwischen allen Wörtern eine Pause. Besonders bei polysynthetischen Sprachen ist die Erkennung von Wortpausen schwierig; dort können andere Kriterien wie die Betonung hilfreicher sein.
Aufbau, Grammatik und Formen
Morpheme sind die kleinsten bedeutungstragenden Einheiten eines Sprachsystems. Wörter bestehen aus Morphemen. In flektierenden Sprachen können sie aus einem Stamm- und einem Flexionsmorphem bestehen, zum Beispiel Haus+es. In isolierenden Sprachen wie dem klassischen Chinesischen oder dem Vietnamesischen gibt es dagegen keine Flexion.
Ein morphologisches Wort ist eine möglichst kleine sprachliche Einheit, die Bedeutung trägt und frei vorkommen kann. Es entspricht ungefähr einem freien Morphem, kann aber durch Derivationsmorpheme erweitert werden, etwa in „Herr“, „herrlich“ und „verherrlichen“. Durch Flexionsmorpheme entstehen verschiedene Wortformen eines Wortes, zum Beispiel „Frau“ und „Frauen“, „laut“ und „lauter“ oder „mache“, „machst“ und „macht“.
Syntaktische Wörter sind die „kleinsten verschiebbaren und ersetzbaren Einheiten des Satzes“ oder die Atome, mit denen grammatische Sätze beschrieben werden. Sie dienen als Einheiten, auf die Satzbauregeln angewendet werden. Daher müssen sie nicht mit einer morphologischen Wortform übereinstimmen. Andere Autoren verstehen unter einem syntaktischen Wort „jede spezifische grammatische Ausprägung eines Wortes“, genauer eines Lexems. Es ist dann ein Lexem, das mit genügend grammatischen Merkmalen ausgestattet ist, um Phrasen und Sätze zu bilden. Ein Problem bilden trennbare Verben wie „aufessen“ und „er isst auf“: Ihre Bestandteile können getrennt werden, sind aber als Ganzes ersetzbar.
In der Grammatik werden Wörter nach Wortarten wie Substantiv, Adjektiv und Verb klassifiziert. Dabei untersucht man unter anderem Satzstellung, Flexion und Tonalität, also bedeutungsunterscheidende Tonhöhen in Tonsprachen wie dem Mandarin-Chinesischen. Für die Klassifikation werden syntaktische, morphologische und funktionale Kriterien verwendet.
Geschriebene und gesprochene Wörter
Geschriebene Wörter werden durch Buchstaben, Schriftzeichen oder Symbole dargestellt. In vielen Sprachen werden sie durch Leerzeichen oder Satzzeichen voneinander getrennt. Im klassischen Chinesischen entspricht jedes Zeichen einem Wort, einem Morphem und einer Silbe.
Gesprochene Wörter bestehen aus Silben, die aus einem oder mehreren Phonemen, also Lauten, aufgebaut sind. In manchen Sprachen kommen bedeutungsunterscheidende Töne hinzu, etwa im Mandarin-Chinesischen, Hausa und Vietnamesischen. Solche Sprachen heißen Tonsprachen. In Akzentsprachen wie dem Deutschen besitzt jedes Wort eine Hauptakzentstelle. In der gesprochenen Sprache liegt potenziell vor und hinter einem Wort eine kurze Pause; diese Pause ist jedoch kein verlässliches allgemeines Abgrenzungskriterium.
Plural, Wortschatz und religiöse Bedeutungen
Für „Wort“ gibt es zwei Pluralformen. „Wörter“ bezeichnet gewöhnlich einzelne Wörter oder eine Anzahl vereinzelter Objekte, etwa in „Das Verzeichnis enthält 100.000 Wörter“. „Worte“ bezeichnet dagegen Wörter als zusammenhängende Äußerung oder in festen Ausdrücken wie „Dankesworte“, „Grußworte“, „ehrliche Worte“, „leere Worte“ und „letzte Worte“. Diese Unterscheidung ist im Mittelhochdeutschen bezeugt und setzte sich im 16. Jahrhundert verstärkt durch; der Plural „Worte“ wurde in hochrangiger Literatur aber auch für einzelne Wörter verwendet. Justus Georg Schottelius formulierte die semantische Unterscheidung im 17. Jahrhundert. Als Kollektivum kann „Wort“ außerdem eine kurze, bedeutsame Aussage oder eine feste Aussageform bezeichnen, etwa „Ein Wort der Weisheit“, „Machtwort“ oder „Sprichwort“. In diesem Sinn ist der Plural „Worte“ erforderlich. Als Singularetantum kann „Wort“ ohne Plural eine Lehre, etwa „das Wort Gottes“, oder ein Versprechen, etwa „sein Wort“, bezeichnen.
Ein großer Teil des deutschen Wortschatzes besteht aus Fremd- und Lehnwörtern. Der Anteil solcher Entlehnungen ist sprachabhängig. Für das Englische wurden unter rund 80.000 Wörtern fast 75 % nichtgermanischen Ursprungs gezählt; in einem deutschen etymologischen Wörterbuch wurden unter knapp 17.000 Wörtern über 30 % Entlehnungen ermittelt. Mit den 207 häufigsten Wörtern im Wortschatz eines deutschen Muttersprachlers lassen sich bereits 50 % eines fast beliebigen Textes darstellen. Einsilbige Wörter sind besonders häufig; je länger ein Wort ist, desto geringer ist im Allgemeinen seine Häufigkeit. Diese Beobachtung wird als Zipfsches Gesetz beziehungsweise Huffman-Kodierung bezeichnet.
In der jüdischen Bibel kommt das hebräische רבד (davar) 2.570-mal vor und wird meist mit „Wort“ übersetzt. Es kann jedoch auch „Angelegenheit“, „Botschaft“, „Sache“, „Tat“, „Verheißung“ und weitere Bedeutungen tragen. Frans Hendrik Breukelman beschreibt es als Einheit von Wort und Tat; Gerhard Jankowski spricht von „tatkräftiger und wirkungsmächtiger Rede Gottes“. Im Prolog des Johannesevangeliums (1,1–18 EU) steht der griechische Logos, das Wort: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.“ Gemeint ist Jesus Christus als fleischgewordenes Wort Gottes. Auch in den heiligen Schriften anderer Religionen besitzt das Wort eine herausragende Bedeutung.
Lernvideos zu Wort
5:12
Klasse 1a schreibt das Wort Opa mit der Lauttabelle
Beate Leßmann · 566.432 Aufrufe
3:50
Nur ein Wort (Wir sind Helden) - Psycho-Chor der Uni Jena
Psycho-Chor der Uni Jena · 102.551 Aufrufe
5:45
Das längste deutsche Wort – so entstehen Kompositionen
musstewissen Deutsch · 35.677 Aufrufe
5:33
UMfahren oder umFAHRen - gleiches Wort aber andere Bedeutung! Deutsch B2, C1, C2 - typische Fehler
GermanSkills.com · 5.666 Aufrufe