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Latein

Verben ; Perfekt- stamm · 2. Person Singular Perfekt Konjunktiv Aktiv, du habest geliebt, amāv-, -eri- ; Perfekt- stamm · 3. Person Plural Plusquamperfekt Indikativ …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Einordnung
  2. 2. Sprachformen, Schrift und Aussprache
  3. 3. Formenlehre und Satzbau
  4. 4. Entwicklung von Antike bis Neuzeit
  5. 5. Gegenwart in Bildung, Kirche und Fachsprachen

Bedeutung und Einordnung

Latein (lateinisch lingua Latina) ist eine indogermanische Sprache aus dem italischen Hauptzweig, genauer dem latino-faliskischen Bereich. Ursprünglich sprachen es die Latiner in Latium, dessen Zentrum Rom war. Die frühesten Zeugnisse stammen aus dem 7. oder 6. Jahrhundert v. Chr.; längere Texte sind ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. überliefert. Das klassische Latein, das heute vor allem gelehrt wird, erreichte seine ausgeprägte schriftsprachliche Form im 1. Jahrhundert v. Chr.

Als Amtssprache des Römischen Reichs wurde Latein zur wichtigsten Verkehrssprache im westlichen Mittelmeerraum. Aus dem gesprochenen Vulgärlatein entwickelten sich im Frühmittelalter die romanischen Sprachen. Die literarische Hochsprache blieb dagegen bis in die Neuzeit wichtig für Literatur, Wissenschaft, Politik und Kirche. Heute ist Latein keine Muttersprache mehr, aber Amtssprache von Vatikanstadt und Heiligem Stuhl; die Sprachcodes la, lat und lat bezeichnen es nach ISO 639-1, ISO 639-2 beziehungsweise ISO 639-3.

Latein ist eine flektierende, synthetische Sprache: Grammatische Informationen werden meist durch Endungen an Wörtern ausgedrückt, nicht durch Hilfswörter. Es prägt bis heute zahlreiche Lehn- und Fremdwörter sowie Fachbegriffe, auch im Deutschen und Englischen. Die Nähe des italischen Wortschatzes zu den keltischen Sprachen ist erkennbar, doch ob sie auf enger Verwandtschaft oder vorgeschichtlichem Sprachkontakt beruht, ist nicht gesichert.

Sprachformen, Schrift und Aussprache

Neben der überlieferten Hoch- und Schriftsprache gab es vermutlich Regiolekte, also geografische Sprachformen, und Soziolekte, also Sprachformen sozialer Gruppen. Zwischen der Sprache der gebildeten Schichten und der gesprochenen Sprache unterer Schichten bestand Diglossie, das heißt ein Nebeneinander deutlich verschiedener Sprachformen. Graffiti aus Pompeji, die durch den Vulkanausbruch von 79 erhalten blieben, zeigen teils bereits Entwicklungen in Richtung romanischer Sprachen, etwa Kasussynkretismus im Akkusativ mit Verlust des auslautenden -m.

Das klassische Alphabet hatte 23 Zeichen: A B C D E F G H I K L M N O P Q R S T V X Y Z. Es wurde ohne Worttrennung geschrieben (Scriptio continua), nur in Majuskeln. I stand zugleich für i und j, V für u und v; iuventus erschien daher als IVVENTVS. K, Y und Z dienten vor allem für griechische Fremdwörter und Namen. Moderne Regeln für Rechtschreibung und Worttrennung entstanden erst später.

Latein besitzt die fünf Vokale a, e, i, o und u, die jeweils kurz oder lang sein können, sowie die Diphthonge au, ai (ae), oi (oe) und seltener ei, ui, eu. Der als V geschriebene Laut war [w] wie im Englischen, R ein gerolltes Zungenspitzen-r. Stimmloses p, t und k waren nicht behaucht. Die Silbenstruktur lautet (K)(K)(R)V(H)(R)(K): Im Anlaut sind höchstens drei, im Auslaut höchstens zwei Konsonanten möglich; bei mehreren Konsonanten muss einer ein Resonant sein. Beispiele sind tū („du“), os („Knochen“) und strīga („Hexe“).

Bei mehrsilbigen Wörtern liegt der Akzent meist auf der vorletzten oder drittletzten Silbe; entscheidend ist allein die vorletzte Silbe (Pänultimaregel). Ob der Akzent ein dynamischer Druckakzent oder ein musikalischer Akzent der Tonhöhe war, ist bis heute umstritten. Vokalschwächungen wie facere und deficere sprechen für einen Druckakzent; die aus dem Griechischen übernommene quantitierende Metrik wird dagegen als Argument für einen melodischen Akzent angesehen.

Formenlehre und Satzbau

Verben werden nach Person (erste bis dritte), Numerus (Singular, Plural), Diathese (Aktiv, Passiv), Tempus (Präsens, Imperfekt, Perfekt, Plusquamperfekt, Futur I, Futur II), Modus (Indikativ, Konjunktiv, Imperativ) und vier Konjugationsklassen gebeugt: ā-, ē-, dritte Konjugation mit konsonantischer und gemischter beziehungsweise ĭ-Konjugation sowie ī-Konjugation. Regelmäßige Verben gehören jeweils einer dieser Klassen an.

Aktivformen sowie Präsens, Imperfekt und Futur im Passiv werden synthetisch gebildet. Nur Perfekt, Plusquamperfekt und Futurperfekt des Passivs sind analytisch: Sie verwenden das Partizip Perfekt und esse („sein“), niemals habere („haben“). Eine Verbform setzt sich aus Präsens- oder Perfektstamm, gegebenenfalls Präfix, Tempus- und Moduszeichen sowie Personalendung zusammen. Die Personalendung kennzeichnet zugleich Person, Anzahl und Diathese. Bei amāre („lieben“) bedeutet amō „ich liebe“, amāvī „ich habe geliebt/ich liebte“ und amābimur „wir werden geliebt werden“.

Substantive haben drei Genera (Maskulinum, Femininum, Neutrum), zwei Numeri und die Kasus Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ, Vokativ, Ablativ und Lokativ. Der Nominativ kennzeichnet meist das Subjekt, der Genitiv Besitzverhältnisse, der Dativ das indirekte und der Akkusativ das direkte Objekt. Im Ablativ sind ältere Kasus zusammengefallen: Er kann Wegbewegung ausdrücken (a Rōmā, „von Rom [weg]“), ein Mittel (gladiō pugnāre, „mit dem Schwert kämpfen“) oder Ort und Zeit (eō locō, „an diesem Ort“). Der Vokativ ist der Anredefall, etwa et tu, mi fīli Brūte. Der Lokativ lebt unter anderem in domī („zu Hause“) und Romae („in Rom“) fort.

Es gibt fünf Deklinationsklassen: a-, o-, dritte Deklination mit konsonantischen, Misch- und i-Stämmen, u- und e-Deklination. Adjektive stimmen mit ihrem Substantiv überein und werden meist nach erster und zweiter oder nach dritter Deklination gebeugt. Der Komparativ hat meist -ior/-ius, der Superlativ -issimus, -a, -um; bei Stämmen auf -r wird daraus -rimus. Unregelmäßig sind etwa bonus – melior/melius – optimus. Pronomina umfassen Personal-, Possessiv-, Reflexiv-, Relativ-, Demonstrativ-, Interrogativ- und Indefinitpronomen. Von Zahlwörtern sind 1 bis 3, die Hunderter außer centum sowie der Plural von mille deklinierbar.

Der Satzbau ist wegen der Endungen vergleichsweise frei. Subjektpronomen können fehlen: venimus bedeutet „wir kommen“, nōs venimus betont „wir“. Betonte Satzteile, Fragewörter, Imperative sowie num und nōnne stehen gewöhnlich am Anfang; Verben häufig am Ende. Adjektive, Partizipien, Possessivpronomen und Genitivattribute folgen meist ihrem Substantiv, etwa homo sapiens und domus mea.

Entwicklung von Antike bis Neuzeit

Aus dem in Inschriften wie dem Lapis Niger und der Duenos-Inschrift fassbaren Frühlatein entstand bis zum 3. Jahrhundert v. Chr. durch Veränderungen wie Rhotazismus und Vokalschwächungen das Altlatein. Für dieses liefern besonders Plautus und Terenz aus dem 3./2. Jahrhundert v. Chr. viele Texte. Das klassische Latein des 1. Jahrhunderts v. Chr. wurde vor allem durch Cicero, Vergil und Gaius Iulius Caesar maßgeblich. Die Literatursprache änderte sich später vor allem im Wortschatz, kaum im Formenbestand und in der Syntax; zugleich entwickelte sich das Vulgärlatein weiter und wurde zur Grundlage der romanischen Sprachen.

Latein verbreitete sich mit der römischen Expansion. Im Osten konkurrierte es mit dem Griechischen und verdrängte dieses nicht; im Westen wurde es durch Romanisierung in Italien, Gallien sowie Hispania, Dacia und Africa zur Muttersprache. In der Spätantike nahm der Grammatikunterricht ab. Justinian (527 bis 565) war der letzte römische Kaiser mit Latein als Muttersprache. Im ehemaligen weströmischen Reich entfernten sich Alltagssprache und Hochlatein zunehmend voneinander. Das Konzil von Tours beschloss 813 volkssprachliche Predigten, weil die Gläubigen Latein nicht mehr verstünden.

Unter Karl dem Großen und Alkuin wurde der Lateinunterricht wieder gefördert: Eine Anweisung von 789 verlangte Schulen an Klöstern und Bischofssitzen. Im Mittelalter war Latein Sprache der Kirche, der Wissenschaft und der Universitäten. Es blieb in seinen Grundformen weitgehend stabil, erhielt aber neues Vokabular und grammatische Vereinfachungen, etwa quod-Objektsätze neben dem Accusativus cum infinitivo. Humanisten der Renaissance orientierten sich erneut an Cicero. Seit dem 17. Jahrhundert setzten sich Nationalsprachen stärker durch; 1681 erschienen im deutschen Sprachraum erstmals mehr Bücher auf Deutsch als auf Latein. In Wissenschaft und Verwaltung blieb Latein jedoch lange international bedeutsam; Universitätsvorlesungen wurden teils bis ins frühe 19. Jahrhundert, Dissertationen teils bis ins frühe 20. Jahrhundert auf Latein gehalten.

Gegenwart in Bildung, Kirche und Fachsprachen

Im deutschsprachigen Raum wird Latein vor allem an Gymnasien und Gesamtschulen unterrichtet. Etwa ein Drittel der Gymnasiasten in Österreich und Deutschland lernt es als erste, zweite oder dritte Fremdsprache. An Universitäten gehört Latinistik mit Gräzistik zur Klassischen Philologie; für verschiedene, besonders geisteswissenschaftliche Studiengänge können Latinum oder Lateinkenntnisse verlangt werden. Die konkreten Regeln unterscheiden sich je nach Universität.

Latein bleibt in der katholischen Kirche wichtig. Es ist Amtssprache des Vatikanstaats, und amtliche Texte weltkirchlicher Bedeutung werden lateinisch veröffentlicht, darunter liturgische Bücher, Katechismus, Kodex des kanonischen Rechts, päpstliche Rechtsvorschriften und Enzykliken. Bis zur Liturgiereform 1965 unter Paul VI. war es Sprache der Tridentinischen Messe. Andere Sprachen sind erlaubt, tatsächlich finden aber nur wenige Gottesdienste auf Latein statt. Das Lexicon recentis Latinitatis erschien 2004 mit 15.000 neuen Begriffen, darunter instrumentum computatorium für „Computer“.

In den Wissenschaften lebt Latein besonders in Benennungen fort: in Biologie und Zoologie bei wissenschaftlichen Namen, in Medizin und Anatomie, in Pharmazie und Rezeptabkürzungen, im Recht, in Geschichtswissenschaft und Meteorologie. Die IAU verwendet für alle 88 Sternbilder offizielle lateinische Namen mit dreibuchstabigen Kürzeln und in der Regel auch lateinische Nomenklatur für geologische Formationen auf anderen Himmelskörpern. Die EU nutzt Latein in Logos, wenn eine Darstellung in allen EU-Sprachen nicht möglich ist; eine Einführung als Amtssprache ist nicht vorgesehen.

Latein erscheint weiterhin in Rundfunk, Internet, Musik und Übersetzungen. Die lateinische Wikipedia hatte 2022 über 135.000 Artikel. Besonders geistliche klassische Musik und gregorianischer Gesang verwenden kirchenlateinische Texte. Als Sprachbeispiel zeigt Caesars Beginn von Commentarii de Bello Gallico die freie Wortstellung: „Gallia est omnis divisa in partes tres“ bedeutet „Gallien als Ganzes zerfällt in drei Teile“.

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