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Begriff
Mit dem Wort Begriff wird der Bedeutungsinhalt einer Bezeichnung oder Vorstellung angesprochen. Mit ähnlicher Bedeutung wird auch das Wort Konzept verwendet …
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Bedeutung und Funktion
Ein Begriff ist der Bedeutungsinhalt einer Bezeichnung oder Vorstellung; ähnlich wird auch „Konzept“ verwendet. Er bildet eine semantische Einheit, also eine Einheit der Bedeutung, und kann Teil einer Proposition oder eines Gedankens sein. Begriffe helfen dabei, Wirklichkeit zu deuten und Gegenstände oder Ereignisse anhand gemeinsamer Merkmale einzuordnen.
Ein und derselbe definierte Begriffsinhalt kann mehrere Bezeichner haben. Diese heißen Synonyme. Umgekehrt können gleiche Benennungen verschiedene Begriffe meinen; solche Benennungen heißen Homonyme. Begriffe können nicht nur durch Wörter oder Wortgruppen, sondern auch durch Symbole oder Codes bezeichnet werden.
Verschiedene Auffassungen
„Begriff“ wird oft nicht eindeutig von äußeren sprachlichen Einheiten wie Wörtern und Ausdrücken sowie von inneren gedanklichen Einheiten wie Auffassungen oder Vorstellungen getrennt. Er kann als mentale Informationseinheit verstanden werden oder als „lexikalisiertes Konzept“: das mit einem Lemma verbundene Konzept, also die mentale Repräsentation eines einzelnen Objekts oder einer kognitiven Kategorie. Im Alltag wird „Begriff“ häufig fälschlich für eine Benennung, also ein Wort oder eine Wortgruppe, verwendet.
Verschiedene Wissenschaften untersuchen Begriffe aus unterschiedlichen Blickwinkeln: Psychologie, Neurowissenschaften, Sprachwissenschaft, formale Wissensrepräsentation – besonders die Formale Begriffsanalyse – sowie Logik, Erkenntnistheorie, Ontologie und Semiotik. Die Begriffsgeschichte untersucht den historischen Bedeutungswandel und veränderte Beziehungen zwischen Ausdrücken. Davon unterscheidet sich die Ideengeschichte, die Vorstellungen und Konzepte auch unabhängig von ihren Bezeichnungen behandelt.
Im Strukturalismus heißt die Inhaltsseite eines Zeichens Signifikat; je nach Bedeutungstheorie wird sie als Begriff, Bedeutung oder Sinn verstanden. Die Ausdrucksseite aus Lauten oder Buchstaben heißt Signifikant. In einer einfachen Lesart vermittelt das Signifikat beziehungsweise der Begriff zwischen Benennung und Bezeichnetem. Das Semiotische Dreieck stellt diesen Zusammenhang dar: Der Begriff als Sinn eines Symbols stellt dessen Bezug zum Referenzobjekt her.
Wie Begriffe gebildet werden
Begriffsbildung ist ein Gebiet der Denkpsychologie. Menschen können lebenslang Begriffe bilden, indem sie Objekte oder Ereignisse nach Merkmalen kategorisieren. Voraussetzung ist die Diskrimination, also das Unterscheiden von Merkmalen, sowie das Erkennen, welche Merkmale charakteristisch und welche unwesentlich sind. Mindestens muss ein Begriff ermöglichen, ein Phänomen wiederzuerkennen. Besonders stabil ist er, wenn er gegenüber äußeren Veränderungen invariant bleibt, also seine Bedeutung behält.
Begriffsbildung ist ein aktiver kognitiver Strukturierungsprozess. Die Umwelt wird nicht einfach abgebildet; neue Strukturen entstehen durch mentale Konstruktionen. Häufig werden vorhandene Begriffsstrukturen umgestellt, seltener völlig neu gebildet. Dazu gehören:
- Abstraktion von unwichtigen Reizmerkmalen,
- Differenzierung und Löschung der Reizmerkmale,
- vermittelte Assoziation,
- Invariantenbildung durch schrittweise Informationsverarbeitung.
Eigenschaftsbegriffe entstehen durch Kategorisierung und werden deshalb oft Kategorien genannt. Eine Mondfinsternis kann beispielsweise als partiell oder total kategorisiert werden. Für manche Begriffe bildet sich ein Prototyp, ein idealer Vertreter; für körperliche Aggression ist dies die Schlägerei. Erklärungsbegriffe enthalten zusätzlich eine Erklärung, die auf Bekanntes wie eine Theorie oder einen Zusammenhang zurückgreift. So wird eine Mondfinsternis als Mond im Erdschatten erklärt.
Jeder Begriff hat eine sachliche, denotative Bedeutung und eine emotionale, konnotative Bedeutung. Die sachliche Bedeutung ist bei Eigenschaftsbegriffen die logische Struktur oder ein Prototyp, bei Erklärungsbegriffen eine Theorie. Die emotionale Bedeutung bezeichnet die gefühlsmäßige Beziehung einer Person zu der Sache.
Theorien der Begriffsbildung
In der aristotelisch-thomistischen Tradition wird Begriffsbildung als Abstraktion durch einen aktiven Geist erklärt. Der Empirismus sieht den Geist eher als Tabula rasa für neue Sinneseindrücke: Aus vielen Wahrnehmungen einzelner Pferde werde etwa der gemeinsame Begriff „Pferd“ abstrahiert.
Jean Piaget untersuchte die Entwicklung kognitiver Strukturen bei jungen Menschen. Nach ihm entstehen diese durch Interaktion mit Objekten. Alte Strukturen bleiben bestehen, bis neue invariante Merkmale ihre Korrektur erfordern. Bei der Assimilation wird das Objekt der Wahrnehmung angepasst; bei der Akkommodation passt sich die Wahrnehmung dem Objekt an. Das Fließgleichgewicht zwischen beiden Prozessen nennt Piaget Äquilibration. Wahrnehmung und die Fähigkeit zur Begriffsbildung differenzieren sich dadurch weiter aus. Piaget betonte die konstruktive Rolle des Geistes und bevorzugte Beziehungsbildung (mise en relation) zwischen Phänomenen gegenüber einer traditionellen hierarchischen Abstraktion.
Lange war umstritten, ob Begriffe scharf oder vage-fließend abgegrenzt sind. Die klassische Logik vertritt die scharfe Abgrenzung: Etwas ist entweder Glas oder Vase. Die seit Ludwig Wittgenstein in der Philosophie und Eleanor Rosch in der Psychologie vertretene Prototypentheorie betont dagegen fließende Ähnlichkeiten, etwa „irgendwie ähnlich zu Glas – Vase“.
Hierarchie, Teile und Benennung
Ein übergeordneter Begriff steht in einem hierarchischen Begriffssystem höher und fasst mehrere Begriffe einer anderen Ebene zusammen; ein untergeordneter Begriff steht niedriger. Ein Oberbegriff beruht dabei auf Abstraktionsbeziehungen: „Fahrzeug“ ist Oberbegriff von „Landfahrzeug, Wasserfahrzeug und Luftfahrzeug“. Entsprechend ist „Auto“ ein Unterbegriff von „Fahrzeug“.
Ein Verbandsbegriff ist ebenfalls übergeordnet, beruht aber auf Bestandsbeziehungen. „Europa“ ist beispielsweise Verbandsbegriff von „Frankreich, Schweiz und Italien“. Diese Beziehung heißt in der Sprachwissenschaft Meronymie; der untergeordnete Begriff heißt Meronym oder manchmal Teilbegriff.
Das Semiotische Dreieck unterscheidet drei Ebenen: Auf der Repräsentationsebene stehen Benennung und Definition eines Begriffs, auf der Begriffsebene der Begriff mit seinen Merkmalen und auf der Gegenstandsebene mehrere Gegenstände mit bestimmten gemeinsamen Eigenschaften. Begriffe und ihre Relationen, etwa Äquivalenz und Hierarchie, sind wichtig für Information Retrieval und für den Aufbau des „Semantic Web“.
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