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Gott (Christentum)

Von der Mehrheit des Christentums und seiner Kirchen wird Gott als dreieiniger Gott, aus drei Personen, Gottvater, dem Sohn (Jesus Christus) und Heiligem Geist …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee des christlichen Gottesbildes
  2. 2. Frühe christliche Vorstellungen
  3. 3. Trinität und Kirchenväter
  4. 4. Mittelalterliche und reformatorische Deutungen
  5. 5. Neuzeit, Wissenschaft und moderne Theologie
  6. 6. Geschlecht Gottes

Grundidee des christlichen Gottesbildes

Im Christentum ist Gott das höchste Wesen und der einzige transzendente Gott des Monotheismus. Er besitzt nach christlicher Lehre sämtliche Macht und steht über der Welt. Die Mehrheit der christlichen Kirchen beschreibt Gott als dreieinig: Gottvater, Sohn (Jesus Christus) und Heiliger Geist sind drei göttliche Personen, aber nicht drei Götter. Diese Lehre heißt Dreifaltigkeitslehre oder Trinitätslehre.

Christliche Gottesvorstellungen entstanden aus dem hellenistischen Judentum und wurden stark von jüdischen Vorstellungen und griechischer Philosophie geprägt. Im frühen Christentum gab es noch keinen allgemein anerkannten festen Satz von Dogmen. Deshalb existierten verschiedene christliche Richtungen mit unterschiedlichen Vorstellungen von Gott nebeneinander.

Auf dem Ersten Konzil von Nicäa und weiteren ökumenischen Konzilien wurde ein grundlegendes christliches Gotteskonzept festgelegt. Es beschreibt den einen Gott als heilige Dreieinigkeit aus Vater, Sohn und Heiligem Geist. Jesus Christus gilt darin als von Maria geboren, zugleich Mensch und Gott, und als unter römischer Justiz gekreuzigt. Nichttrinitarische Gruppen wie Unitarier, Zeugen Jehovas, Mormonen oder Christian Scientists lehnen die Dreifaltigkeitslehre ab.

Frühe christliche Vorstellungen

Paulus sah Jesus Christus in seiner neutestamentlichen Theologie als göttlichen Erlöser der Menschheit und Sohn Gottes. Er entwickelte aber noch keine ausführliche Lehre über die besondere Beziehung zwischen Gott und Jesus Christus und erwähnte keine göttliche Dreifaltigkeit. Im Taufbefehl in Mt 28,19 werden Vater, Sohn und Geist gemeinsam genannt.

In der frühen heidenchristlichen Phase lassen sich zwei große Gruppen unterscheiden. Eine Gruppe war vom Hellenismus beeinflusst und verstand Gott stärker mit griechisch-philosophischen Begriffen; sie hielt die menschliche Vernunft für ausreichend, um Gott zu verstehen. Die andere Gruppe stützte sich zumindest teilweise auf umgedeutete jüdische und später christliche Offenbarungen.

Die Gnostiker griffen als frühe christliche Theologen nach Philon von Alexandria Ideen des Mittelplatonismus auf. Sie betonten oft Gottes völlige Transzendenz und Unergründlichkeit. Im Apokryphon des Johannes erscheint Gott als mehr als nur ein „Gott“: als Monade, perfekt, unendlich, unergründlich, unsichtbar, ewig, unnennbar und ohne definierbare Attribute. Zugleich wurde dort beschrieben, dass Sophia ein unvollkommenes Wesen namens Jaldabaoth hervorbrachte, den Gott der Juden. Ptolemäus erklärte im Brief an Flora, das Alte Testament könne nicht vom wahren vollkommenen Gott stammen, sondern müsse vom Demiurg, dem Schöpfer der Welt, inspiriert sein.

Trinität und Kirchenväter

Proto-orthodoxe Kirchenväter wie Tatian, Athenagoras und Theophilus beschrieben Gott als transzendent, ewig, frei von zeitlichen und räumlichen Grenzen und mit höchster übernatürlicher Macht und Ehre ausgestattet. Justin der Märtyrer stellte Gott als ewigen, unbeweglichen, unveränderlichen Grund und Herrscher des Universums dar: namenlos, unbeschreiblich, unerschaffen und im Himmel weilend. Athenagoras nannte Gott „unerschaffen, ewig, unsichtbar, unergründlich, unbegreiflich und unendlich“ und meinte, Gott sei allein durch den Verstand zugänglich.

Clemens von Alexandria entwickelte eine besonders stark negative Theologie. Negative Theologie bedeutet, dass man Gott vor allem dadurch beschreibt, was er nicht ist, weil sein Wesen nicht direkt begriffen werden kann. Für Clemens war Gott körperlos, formlos und ohne Attribute, über Raum und Zeit, Tugend und Güte und sogar über der Monade. Origenes sah den Gegensatz zwischen der Unergründlichkeit Gottes und biblischen Stellen, die Gott menschliche Eigenschaften zuschreiben. Deshalb deutete er solche Stellen allegorisch. Später sprach er aber auch vom göttlichen Logos, der litt und die Menschen liebte.

Athenagoras war der erste christliche Autor, der sich gesondert mit der Dreifaltigkeitslehre befasste. Er verteidigte die Einheit Gottes, beschrieb den Sohn Gottes als „das Logos des Vaters in idealer Form (idea) und Kraft (energeia)“ und den Heiligen Geist als Emanation Gottes. Das erste erhaltene Buch zur Trinität stammt von Novatian.

Das Konzil von Nicäa legte 325 ein verbindliches Glaubensbekenntnis fest. Der Begriff homoousios („von gleicher Substanz“) beschrieb die Beziehung zwischen Christus und Gottvater: Jesus Christus sollte als göttlich gelten, während die Einheit Gottes gewahrt blieb. Das Erste Konzil von Konstantinopel bestätigte 381 offiziell den Glauben an die Dreifaltigkeit. Das Athanasische Glaubensbekenntnis bekräftigte diese Lehre erneut. Das Konzil von Chalcedon legte 451 fest, dass Jesus zugleich Gott und Mensch war. Die kirchliche Lehre suchte damit einen Mittelweg zwischen Tritheismus, also drei verschiedenen Göttern, und Modalismus, also drei bloßen Erscheinungsweisen eines einzigen Gottes.

Mittelalterliche und reformatorische Deutungen

Im Mittelalter wurde die Gotteslehre systematisch weiterentwickelt. Johannes von Damaskus verfasste im achten Jahrhundert mit der dreiteiligen Quelle der Erkenntnis eine umfassende Darstellung der damaligen kirchlichen Dogmatik. Gregorios Palamas drückte im 14. Jahrhundert die östliche Spiritualität besonders deutlich aus: Für ihn waren Wesen und Energie zwei Aspekte derselben göttlichen Existenz.

Thomas von Aquin zeigte in der Scholastik im Rahmen der natürlichen Theologie, dass der Glaube nicht vernunftwidrig sei. Natürliche Theologie meint den Versuch, mit Vernunft über Gott zu sprechen. Thomas beschrieb Gott als reine Form ohne Materie, vollkommen und deshalb unveränderlich. Der göttliche Wille sei der göttlichen Weisheit untergeordnet. Nikolaus von Kues verwendete mathematische Analogien. Sein Begriff Coincidentia oppositorum bedeutet „Zusammenfall der Gegensätze“: Gott geht über alles Endliche und Gegensätzliche hinaus. Zugleich bleibt Gottes Wesen für die Vernunft unzugänglich.

Martin Luther betonte stärker die Geschichtlichkeit Gottes. Gott ist für ihn nicht vor allem der für sich seiende Gott, sondern der handelnde Gott, der in Zorn und Gnade handelt. Er unterschied den im Zorn „verborgenen Gott“ (deus absconditus) und den in der Gnade „offenbaren Gott“ (deus revelatus). Der Zorn gehört dabei nicht zum Wesen Gottes; Gottes Wesen ist nach Luther Liebe. Er nannte Gott einen „glühenden Backofen voller Liebe“.

Die lutherische Reformation übernahm die altkirchliche Trinitätslehre. Die Confessio Augustana bekennt ein göttliches Wesen (una essentia divina) und drei Personen (tres personae). Der Unitarismus der Reformationszeit lehnte dagegen die Trinitätslehre als unbiblisch ab, etwa im Rakauer Katechismus. Die lutherische Orthodoxie unterschied innere Werke Gottes, etwa generatio und spiratio, von äußeren Werken wie creatio, redemptio und sanctificatio. Im Neuprotestantismus wurde die Trinitätslehre teils ganz aufgegeben oder auf die Offenbarungstrinität beschränkt.

Neuzeit, Wissenschaft und moderne Theologie

In der Neuzeit änderte sich die Gotteslehre im Gespräch mit Philosophie und Naturwissenschaft. William Paleys Argument des kosmischen Uhrmachers war in der englischsprachigen Welt für viele Gläubige überzeugend. Darwins Evolutionstheorie stellte die Kirchen vor neue Fragen. Um Evolution und Theismus zu verbinden, entwickelten Theologen die Theistische Evolution, nach der Gott die Entwicklung des Lebens steuert.

In Kontinentaleuropa werden die Erkenntnisse der Evolutionsbiologie im 21. Jahrhundert von beiden großen Kirchen weitgehend anerkannt oder nicht mehr offen infrage gestellt. Die biblische Schöpfungserzählung wird dabei eher als Aussage über die Beziehung Gottes zu den Menschen verstanden und weniger als naturwissenschaftlich-historischer Tatsachenbericht. Entscheidend ist theologisch, dass Gott die Welt und besonders den Menschen geschaffen und sich ihm liebevoll zugewandt hat, nicht genau wie, wo und wann dies geschah. Evangelikale Freikirchen können hiervon abweichen und teils kreationistische Standpunkte vertreten.

Albrecht Ritschl verstand den Glauben an Gott als ethische, nicht als ontologische Frage. Ontologisch bedeutet: auf das Sein oder die Existenz bezogen. Für Ritschl ist Gott das moralisch Höchste, nicht ein Wesen, dessen Existenz oder Nichtexistenz bewiesen werden müsse. Karl Barth bestritt später, dass Gott durch menschliche Vernunft erkennbar sei, und betonte Gottes Offenbarung in Jesus Christus. Dietrich Bonhoeffer und Jürgen Moltmann hoben Gottes Leiden hervor; Bonhoeffer meinte, nur ein fühlender, machtloser Gott könne helfen.

Alfred North Whitehead sah Gott als völlig mit der Welt zusammenhängend; jedes Ereignis sei von Gott mitbestimmt. Charles Hartshorne entwickelte daraus eine panentheistische Vorstellung weiter und prägte die Prozesstheologie mit. Andere Denker wie Karl Heim versuchten, christliche Theologie mit neuen wissenschaftlichen Entdeckungen, etwa der Quantenmechanik, in Beziehung zu setzen. Hermann Helbig deutete Gott im Anschluss an Samuel Alexander als emergentes Phänomen, das der Welt immanent ist und sie zugleich naturwissenschaftlich verstehbar transzendiert.

Geschlecht Gottes

Theologen hatten häufig angedeutet, dass Gott ungeschlechtlich sei, auch wenn Gott als „Allmächtiger“ bezeichnet wird. Feministische Theologen machten jedoch darauf aufmerksam, dass das christliche Bild Gottes stark männlich geprägt war.

Innerhalb feministischer Theologie gab es unterschiedliche Positionen. Mary Daly vertrat die Ansicht, der christliche Gott sei notwendigerweise patriarchalisch. Rosemary Radford Ruether und Letty Russell sahen den christlichen Gott dagegen als Befreier, der die Menschheit vom Patriarchalismus befreien könne.

Aus dem biblischen Schöpfungsmythos lässt sich ableiten, dass Gott männliche und weibliche Elemente enthalten kann: „Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie.“ (Gen 1,27 EU) Papst Johannes Paul I. sagte 1978 über Gott als Vater: „aber noch mehr ist er Mutter“ (E’ papà; più ancora è madre.).

Lernvideos zu Gott (Christentum)

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