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Rentabilität

Rentabilität (englisch profitability) ist der Oberbegriff für mehrere betriebswirtschaftliche Kennzahlen, die der Beurteilung des wirtschaftlichen Erfolgs …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Grundformel
  2. 2. Eigenkapitalrentabilität und Verschuldung
  3. 3. Leverage-Effekt
  4. 4. Gesamtkapital- und Umsatzrentabilität
  5. 5. Einsatz und Abgrenzung ähnlicher Kennzahlen

Bedeutung und Grundformel

Rentabilität ist ein Oberbegriff für betriebswirtschaftliche Kennzahlen, mit denen der wirtschaftliche Erfolg eines Unternehmens beurteilt wird. Sie ist ein wichtiger Maßstab für Erfolgsmessung, -analyse, -kontrolle und -planung.

Meist wird sie als Prozentsatz angegeben. Sie ist eine Verhältniszahl: Sie zeigt, wie viel Prozent eine Bezugsgröße von einer anderen Bezugsgröße ausmacht. In ihrer allgemeinsten Form wird der erwirtschaftete Gewinn dem zur Gewinnerzielung eingesetzten Kapital gegenübergestellt:

Rentabilität = Gewinn / Kapital.

Je nach gewählter Bezugsgröße entstehen verschiedene Rentabilitätskennzahlen. Der Begriff Rendite wird oft gleichbedeutend verwendet, bezeichnet aber genauer den jährlichen Gesamtertrag einer Kapitalanlage und ist daher eher dem Finanzwesen zuzuordnen.

Eigenkapitalrentabilität und Verschuldung

Die Eigenkapitalrentabilität (EKR; auch Eigenkapitalrendite oder Unternehmerrentabilität; englisch Return on Equity, ROE) zeigt, wie sich das Eigenkapital eines Unternehmens innerhalb einer Rechnungsperiode verzinst hat. Sie hilft Unternehmern, Gesellschaftern und Aktionären zu beurteilen, ob ihre Investition rentabel ist.

Sie wird grundsätzlich berechnet als:

Eigenkapitalrentabilität = Gewinn / Eigenkapital.

Dabei wird der Jahresüberschuss nach Steuern zum zu Beginn der Periode verfügbaren Eigenkapital ins Verhältnis gesetzt. Für die Ermittlung der Rentabilität kann auch der dauerhaft erzielbare operative Gewinn verwendet werden, bereinigt um außerordentliche Effekte sowie Zins- und Steuerzahlungen:

Eigenkapitalrentabilität = EBIT / Eigenkapital.

Eine außergewöhnlich niedrige EKR weist häufig auf überbewertete Aktiva, mögliche künftige Wertberichtigungen oder unrentabel gebundenes Kapital hin, etwa hohe Vorräte oder nicht mehr betriebsnotwendiges Anlagevermögen. Eine außergewöhnlich hohe EKR beruht, sofern keine außergewöhnliche Marktstellung vorliegt, meist auf einer vorübergehenden Ausnahmesituation, zum Beispiel außerordentlichen Erträgen oder einem konjunkturzyklischen Hochpunkt. Werden Gewinne bei konstanter Rentabilität reinvestiert, kann die um außerordentliche Ergebnisse bereinigte EKR unter Berücksichtigung der Dividendenquote Hinweise auf das künftige Gewinnwachstum geben.

Leverage-Effekt

Der Hebel- oder Leverage-Effekt beschreibt den Einfluss von Fremdkapital auf die Eigenkapitalrentabilität. Kommt zum Eigenkapital Fremdkapital hinzu und steigt dadurch der Gewinn, steigt auch die Eigenkapitalrentabilität.

Solange die Gesamtkapitalkosten beziehungsweise -rendite über den Fremdkapitalkosten liegen, erhöht eine zunehmende Verschuldung die Rendite des Eigenkapitals. Ein stärkerer Fremdkapitaleinsatz steigert aber zugleich Zinsrisiken und die Gewinnschwelle. Bei Beschäftigungsschwankungen können dadurch Gewinnminderungen oder sogar Verluste entstehen.

Gesamtkapital- und Umsatzrentabilität

Die Gesamtkapitalrentabilität (GKR; auch Gesamtkapitalrendite, Kapitalrentabilität oder Unternehmensrentabilität; englisch Return on Assets, RoA) gibt an, wie effizient der gesamte Kapitaleinsatz eines Investitionsvorhabens innerhalb einer Abrechnungsperiode war. Sie vermeidet die Nachteile der Eigenkapitalrentabilität und damit auch die Verzerrung durch den Leverage-Effekt.

Gesamtkapitalrentabilität = (Reingewinn + Fremdkapitalzinsen) / Gesamtkapital = (Reingewinn + Fremdkapitalzinsen) / (Eigenkapital + Fremdkapital).

Das Gesamtkapital besteht aus Eigen- und Fremdkapital und steht auf der Passivseite der Bilanz. Fremdkapital umfasst Darlehensschulden, kurzfristige Bankschulden, Verbindlichkeiten und Rückstellungen. Der Reingewinn wird mit der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) ermittelt. Fremdkapitalzinsen sind Betriebsausgaben und senken den Reingewinn.

Die Netto-Umsatzrendite oder Umsatzrentabilität (englisch Return on Sales, ROS, operating profit margin) setzt Gewinn und Umsatz einer Rechnungsperiode ins Verhältnis:

Netto-Umsatzrendite = Gewinn / Umsatz.

Sie zeigt, welcher Anteil des Umsatzes als Gewinn verblieben ist. Eine Umsatzrendite von 10 % bedeutet beispielsweise einen Gewinn von 10 Cent je Euro Umsatz. Sie darf nicht mit der Bruttomarge verwechselt werden, welche das Bruttoergebnis vom Umsatz zu den Umsatzerlösen ins Verhältnis setzt. Ohne außerordentliche Faktoren kann die Umsatzrendite Hinweise auf die Marktstellung geben: Ausgeprägte Alleinstellungsmerkmale ermöglichen eine höhere Umsatzrendite; eine schwache Rendite im unteren einstelligen Prozentbereich deutet meist auf starken Wettbewerb hin. Unternehmen mit hoher Umsatzrendite sind bei ihrem Gewinn weniger anfällig für Schwankungen von Wechselkursen, Zinssätzen, Rohstoffpreisen und anderen Aufwandspositionen.

Bei Selbständigen ist der Gewinn abzüglich des kalkulatorischen Unternehmerlohns anzusetzen. Für Vergleiche zwischen Unternehmen oder Perioden ist die Brutto-Umsatzrendite beziehungsweise Vorsteuermarge hilfreich, weil sie Steuerschwankungen ausblendet:

Brutto-Umsatzrendite = Gewinn vor Steuern / Umsatz.

Die EBIT-Marge geht noch weiter und ignoriert zusätzlich Fremdkapitalkosten. EBIT bedeutet Earnings before interest and taxes, also Gewinn vor Zinsen und Steuern, und dient als Maß der operativen Rentabilität.

Einsatz und Abgrenzung ähnlicher Kennzahlen

Rentabilitätskennziffern lassen sich branchenübergreifend für jede Unternehmensart ermitteln. Sie dienen als Entscheidungsgrundlage, für betriebsinterne Vergleiche und für den Vergleich mit Wettbewerbern. Für einzelne Branchen werden sie zu Kennzahlen aggregiert und können innerhalb der Unternehmensziele hierarchisch eingeordnet werden. Wegen ihrer anderen Strukturen verwenden Kreditinstitute die Zinsspanne; bei Versicherungen wird der Gewinn nach Steuern der Solvabilitätsquote gegenübergestellt.

Rendite bezieht sich auf Finanzinstrumente wie Aktien, Anleihen, Investmentzertifikate und Zertifikate sowie auf Finanzprodukte wie Tagesgeld, befristete Einlagen und Spareinlagen. Sie wird am Kapitalmarkt und Bankenmarkt verwendet. Rentabilität bezieht sich dagegen auf Unternehmensdaten wie Umsatzerlöse, Eigenkapital, Fremdkapital und Gewinn und wird im Kreditmarkt, im Corporate Finance und in der Unternehmensfinanzierung genutzt. Der Effektivzins betrifft Finanzprodukte wie Darlehen, Kredite und Kreditderivate und gehört zum Kreditmarkt.

Der Effektivzins nach der Anlage zu § 16 PAngV wird als einziger mit 365 Zinstagen berechnet. Die übrigen Kennzahlen rechnen auf der Grundlage von 360 Zinstagen. Bei zinstragenden Finanzprodukten und Finanzinstrumenten wird die Rendite zugrunde gelegt; Rentabilität bezieht sich auf Unternehmensdaten.

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