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Liquidität

Liquidität (lateinisch liquidus, „flüssig“) ist in der Wirtschaft die Fähigkeit von Wirtschaftssubjekten, jederzeit ihren Zahlungsverpflichtungen aus …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundbegriff und Bedeutung
  2. 2. Liquidität im Unternehmen
  3. 3. Messung und Planung
  4. 4. Marktliquidität
  5. 5. Liquidität im Bankwesen
  6. 6. Volkswirtschaftliche Sichtweisen

Grundbegriff und Bedeutung

Liquidität ist in der Wirtschaft die Fähigkeit von Wirtschaftssubjekten, jederzeit ihren Zahlungsverpflichtungen aus Schulden uneingeschränkt nachkommen zu können. Wirtschaftssubjekte sind Privathaushalte, Unternehmen sowie der Staat mit seinen Untergliederungen. Liquidität bedeutet deshalb auch, über genügend Zahlungsmittel zu verfügen.

Der Begriff beschreibt außerdem eine Eigenschaft von Wirtschaftsobjekten: Ein Vermögensgegenstand ist liquide, wenn er jederzeit liquidierbar ist, also in Zahlungsmittel umgewandelt oder unmittelbar zur Zahlung verwendet werden kann. Dazu gehören zum Beispiel Kassenbestand, Bankguthaben, Forderungen, Anlagevermögen oder unausgenutzte Kreditzusagen. Entscheidend ist die Geldnähe eines Vermögensgegenstands, also wie schnell und sicher er als Geld verfügbar gemacht werden kann.

Die Liquidität wird je nach Bereich unterschiedlich erfasst: Bei Privatpersonen und Privathaushalten geschieht dies durch eine private Liquiditätsrechnung, bei Unternehmen durch Kapitalfluss- oder Cash-Flow-Rechnung und bei öffentlichen Haushalten durch die Finanzrechnung.

Liquidität im Unternehmen

In der Betriebswirtschaftslehre ist Liquidität die Fähigkeit eines Wirtschaftssubjekts, seine fälligen Verbindlichkeiten jederzeit fristgerecht und uneingeschränkt begleichen zu können. Sie gehört neben Rentabilität, Sicherheit, Unabhängigkeit oder Gewinnmaximierung zu den wichtigsten Unternehmenszielen.

Bei Unternehmen umfasst Liquidität drei Teilaspekte: Zahlungsfähigkeit, Liquiditätsreserve und Liquidierbarkeit. Zahlungsfähigkeit liegt vor, wenn ein Zahlungspflichtiger seinen Verpflichtungen jederzeit uneingeschränkt nachkommen kann. Eine Liquiditätsreserve ist ein Zahlungsmittelbestand oder ein anderer kurzfristig liquidierbarer Vermögensgegenstand, der zusätzliche Einnahmen ermöglicht; auch ungenutzte Kreditzusagen können diese Funktion erfüllen. Liquidierbarkeit bezeichnet die Eigenschaft solcher Reserven, kurzfristig in Geld umgewandelt werden zu können.

Nach der Fälligkeit unterscheidet man kurzfristige Verpflichtungen unter einem Jahr, mittelfristige Verpflichtungen von einem bis fünf Jahren und langfristige Verpflichtungen über fünf Jahre. Diese Abgrenzung ist fließend, orientiert sich aber am Handelsgesetzbuch: Verbindlichkeiten bis zu einem Jahr sind nach § 268 Abs. 5 Satz 1 HGB gesondert auszuweisen, Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von mehr als fünf Jahren nach § 285 Nr. 1 a HGB im Anhang.

Mangelnde Liquidität ist neben zu geringer Eigenkapitalquote beziehungsweise Überschuldung eine der häufigsten Insolvenzursachen. Sie kann überraschend eintreten, besonders bei unzureichender Liquiditätsplanung. Warnzeichen sind etwa das Begleichen nur noch wichtiger Verpflichtungen, der Verzicht auf Skonto, überzogene Kreditlinien, nicht abgeführte Umsatzsteuer, Notverkäufe unter Wert oder verspätete Lohnzahlungen. Solche Maßnahmen können die Kosten erhöhen, die Bonität verschlechtern und schließlich zur Illiquidität, also Zahlungsunfähigkeit, führen.

Zu hohe Liquidität ist ebenfalls ungünstig. Wer zu viele Zahlungsmittel hält und sie nicht oder schlecht investiert, kann zwar Zahlungen meist problemlos leisten, verzichtet aber auf übliche Verzinsung und verliert durch Inflation einen Teil des Vermögens.

Messung und Planung

Die statische Liquidität untersucht mit Liquiditätsgraden, ob ein Unternehmen seine Zahlungsverpflichtungen fristgerecht erfüllen kann. Dabei werden Positionen der Vermögensseite mit Positionen der Kapitalseite verglichen. Diese Methode gehört zur horizontalen Bilanzstrukturanalyse.

Die dynamische Liquidität schätzt für einen Zeitraum, meist ein bis drei Monate, ob vorhandene Zahlungsmittel und geschätzte Umsätze ausreichen, um die anfallenden Zahlungsverpflichtungen zu bedienen. Die Formel lautet: Dynamische Liquidität = (Zahlungsmittel + Forderungen + geschätzte Umsätze) / kurzfristige Verbindlichkeiten.

Die Periodenliquidität vergleicht notwendige Zahlungsausgänge mit erwarteten Zahlungseingängen einer bestimmten Periode. Die Formel lautet: Periodenliquidität = Zahlungsausgänge / erwartete Zahlungseingänge.

Der Liquiditätsstatus ergibt sich aus dem Vergleich des tatsächlich vorhandenen Zahlungsmittelbestands mit dem geplanten oder erforderlichen Zahlungsmittelbestand. Dabei ist ZMB_I der Istwert und ZMB_S der Sollwert. Idealliquidität liegt vor, wenn ZMB_I = ZMB_S. Ein Liquiditätsüberschuss liegt vor, wenn ZMB_I > ZMB_S. Ein Liquiditätsdefizit liegt vor, wenn ZMB_I < ZMB_S.

Zur Liquiditätssteuerung nutzen Unternehmen Organisationsmittel wie Liquiditätsplan, Kapitalflussrechnung und Liquiditätsablaufbilanz. Diese Instrumente vergleichen Einzahlungen und Auszahlungen innerhalb einer vergangenen Rechnungsperiode oder eines Planungshorizonts. Nur Einzahlungen und Auszahlungen gelten dabei als liquiditätswirksame Größen.

Marktliquidität

Marktliquidität bezieht sich besonders auf Wertpapiere. Ein liquider Markt ist dadurch gekennzeichnet, dass Kauf und Verkauf gut möglich sind und Transaktionskosten niedrig bleiben. Dafür sind drei Eigenschaften wichtig: Marktbreite, Markttiefe und Erholungsfähigkeit.

Marktbreite bedeutet, dass niedrige Transaktionskosten in Form einer geringen Geld-Brief-Spanne bestehen. Die Geld-Brief-Spanne ist der Unterschied zwischen Kauf- und Verkaufspreis. Markttiefe bedeutet, dass auch große Marktvolumina mit niedrigen Transaktionskosten gehandelt werden können. Erholungsfähigkeit bedeutet, dass Abweichungen vom inneren Wert eines Handelsobjekts schnell korrigiert werden.

Wertpapierrechtlich ist ein liquider Markt nach § 2 Abs. 23 WpHG ein Markt für ein Finanzinstrument oder eine Kategorie von Finanzinstrumenten, auf dem kontinuierlich kauf- oder verkaufsbereite vertragswillige Käufer oder Verkäufer verfügbar sind. Bewertet wird dies unter Berücksichtigung der Marktstruktur nach Durchschnittsfrequenz und Durchschnittsvolumen der Geschäfte, Zahl und Art der Marktteilnehmer einschließlich ihres Verhältnisses zu den gehandelten Finanzinstrumenten sowie der durchschnittlichen Geld-Brief-Spanne, sofern verfügbar.

Marktliquidität ist ein Kriterium dafür, ob ein Markt seine Funktionen erfüllt. Im Bilanzrecht ist ein aktiver Markt ein liquider Markt mit homogenen Produkten und öffentlich zugänglichen Preisen nach IAS 36.5.

Liquidität im Bankwesen

Im Bankwesen hat Liquidität besondere Bedeutung, deshalb gibt es bankenaufsichtsrechtliche Vorschriften. Die Liquiditätsverordnung (LiqV) gilt gemäß § 1 LiqV seit Januar 2018 nur noch für Kreditinstitute, auf die die Liquiditätsbestimmungen der Art. 411–428 Kapitaladäquanzverordnung (CRR) nicht anzuwenden sind. Dazu gehören Bürgschaftsbanken, Wohnungsunternehmen mit Spareinrichtung, Wertpapierfirmen und Finanzdienstleistungsinstitute gemäß § 1 Abs. 1a KWG.

Die LiqV stellt Zahlungsmittelbestände und Zahlungsverpflichtungen gegenüber. Beide werden in Laufzeitbänder eingeteilt: Zahlungsmittelbestände nach Liquiditätsgrad gemäß § 3 LiqV, Zahlungsverpflichtungen nach Laufzeit gemäß § 4 LiqV.

Nach Art. 412 CRR müssen Kreditinstitute über liquide Aktiva ZMB verfügen, deren Gesamtwert die Liquiditätsabflüsse AZ abzüglich der Liquiditätszuflüsse EZ unter Stressbedingungen abdeckt. So sollen angemessene Liquiditätspuffer vorhanden sein, um ein mögliches Ungleichgewicht zwischen Zu- und Abflüssen während 30 Tagen unter erheblichen Stressbedingungen auszugleichen. Die Definitionsgleichung lautet: ZMB = EZ ≥ AZ. In Stressperioden dürfen Institute ihre liquiden Aktiva zur Deckung der Netto-Liquiditätsabflüsse verwenden.

Art. 415 CRR begründet eine Meldepflicht: Institute melden den zuständigen Behörden in einer einzigen Währung bestimmte Bilanzpositionen und deren Bestandteile, einschließlich der Zusammensetzung ihrer liquiden Aktiva nach Art. 416 CRR. Liquide Aktiva werden nach Art. 418 CRR mit ihrem Marktwert gemeldet, vorbehaltlich angemessener Abschläge. Diese Abschläge sollen mindestens Duration, Kredit- und Liquiditätsrisiko sowie typische Abschläge auf Pensionsgeschäfte in allgemeinen Stressphasen des Finanzmarktes widerspiegeln.

Ein extremes Beispiel für eine Stressbedingung ist ein Bankenansturm. Dabei heben viele Bankkunden gleichzeitig Guthaben ab, weil sie Zahlungsunfähigkeit der Bank befürchten. Das ist problematisch, weil Kreditinstitute mehr Buchgeld für Kunden verwalten, als ihnen als Bargeld zur Verfügung steht. In den EU-Mitgliedstaaten gilt die Gefahr eines solchen Liquiditätsengpasses als gering, weil Liquiditätsvorschriften und Einlagensicherung Anleger und Gläubiger schützen sollen.

Volkswirtschaftliche Sichtweisen

In der Volkswirtschaftslehre wird Liquidität unter mehreren Blickwinkeln betrachtet. In der Mikroökonomie geht es um die Fähigkeit eines Wirtschaftssubjekts, seine Aktiva in Geld umzuwandeln. Je leichter ein Anlagegut in Geld umgewandelt werden kann, desto höher ist seine Liquidierbarkeit. Dabei können Liquidationskosten entstehen.

Ein Grundstück kann zwar relativ wertbeständig sein, verursacht aber bei der Umwandlung in liquide Mittel oft hohe Kosten. Spezifische Investitionen können besonders schwer verwertbar sein. Ein Stahlofen, der vor fünf Jahren für 20 Mio. € gebaut wurde, kann bei Aufgabe der Stahlproduktion höchstens noch Schrottwert haben; dieser kann sogar durch Abbruchkosten überstiegen werden. Ein altes Fabrikgebäude kann weniger spezifisch sein, wenn eine alternative Nutzung möglich ist, zum Beispiel ein Umbau zu Lofts. Daraus folgt, dass Anlagegüter zu Fortführungswerten meist wesentlich höher bewertet werden als zu Zerschlagungswerten.

Beim freien Kapitalverkehr wird Liquidität wichtig, wenn viele Menschen Zentralbankgeld oder Tageseinlagen halten, die schnell in andere Währungen übertragen werden können. Dann ist der freie Liquiditätssaldo der Geschäftsbanken hoch. Sie können ihren binnenwirtschaftlichen Kreditschöpfungsspielraum nutzen oder Liquidität in fremde Währung transferieren, was bei freier Konvertierbarkeit der nationalen Währung schaden kann. Zentralbank oder Gesetzgeber können deshalb versuchen, die Konvertierbarkeit einzuschränken, um die Liquidität auf ein normales Maß zu reduzieren und den Außenwert der Währung stabil zu halten. Als Beispiel nennt der Artikel die Argentinienkrise.

Makroökonomisch bezeichnet Liquidität die vorhandene Geldmenge. Gemeint sein kann M1, M2 oder M3. Die Geldmenge wird von der Konjunktur beeinflusst, besonders von der Geldumlaufgeschwindigkeit, sowie von der Geldpolitik der Zentralbank. Im IS-LM-Modell steht der Parameter L für Liquidität.

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