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Betriebswirtschaftliche Kennzahl

Eine betriebswirtschaftliche Kennzahl ist eine Kennzahl, die zur Beurteilung von Unternehmen herangezogen und aus Unternehmensdaten (Mikrodaten) gewonnen …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Aufgaben
  2. 2. Arten und Funktionen
  3. 3. Wichtige Gruppen von Kennzahlen
  4. 4. Kapital, Schulden und Umschlag
  5. 5. Kennzahlensysteme und Grenzen

Grundidee und Aufgaben

Betriebswirtschaftliche Kennzahlen sind messbare Größen aus Unternehmensdaten (Mikrodaten), mit denen Unternehmen beurteilt werden. Sie verdichten viele Einzelinformationen zu übersichtlichen Aussagen über wichtige Zustände und Vorgänge. Ihr Gegenstück auf der Makroebene sind volkswirtschaftliche Kennzahlen.

Sie helfen, Probleme sowie Stärken und Schwächen zu erkennen, Informationen zu gewinnen, Sachverhalte zu dokumentieren und Bereiche eines Unternehmens zu koordinieren. Bei der Kontrolle werden geplante und tatsächlich erreichte Werte im Soll-Ist-Vergleich gegenübergestellt. Kennzahlen können vom Unternehmen veröffentlicht oder beispielsweise aus dem Jahresabschluss ermittelt werden. Weil Rechnungslegungsvorschriften international unterschiedlich sind, ist der Vergleich von Unternehmen aus verschiedenen Ländern nur eingeschränkt möglich.

Für Entscheidungen sollen Kennzahlen repräsentativ, aussagekräftig, zielorientiert, wirtschaftlich ermittelbar, reversibel und für die jeweilige Aufgabe geeignet sein. Für Schülerinnen und Schüler werden unter anderem Marktpotenzial, Marktvolumen, Marktanteil, Absatzpotenzial und Absatzvolumen genannt.

Arten und Funktionen

Absolute Kennzahlen stehen für sich allein. Dazu gehören Einzelzahlen wie die Anzahl der Beschäftigten oder die Betriebsgröße, Summen wie Bilanzsumme oder Geschäftsvolumen, Differenzen wie Rohertrag oder Betriebsergebnis sowie Mittelwerte wie die durchschnittliche Lagerdauer.

Relative Kennzahlen setzen absolute Zahlen ins Verhältnis. Gliederungszahlen sind dimensionslos und vergleichen eine Teilmenge mit einer Gesamtmenge, etwa Eigenkapitalquote oder Personalaufwandsquote. Beziehungszahlen sind dimensionsbehaftet und verbinden sachlich zusammenhängende, aber verschiedenartige Größen, zum Beispiel Eigenkapitalrentabilität und Umsatzrentabilität. Indexzahlen vergleichen gleichartige Größen zu verschiedenen Zeitpunkten. Der Basiszeitpunkt wird in der Regel gleich 100 gesetzt, damit die Entwicklung im Zeitverlauf erkennbar wird.

Kennzahlen erfüllen eine Entscheidungsfunktion, indem sie Risiken, Chancen und Folgen von Entscheidungen sichtbar machen. Ihre Verdichtung kann allerdings Detailinformationen verlieren lassen. Sie dienen außerdem der Kontrolle durch Abweichungsanalysen, der Koordination und Dokumentation. In großen Unternehmen können sie Verhalten steuern, etwa über Akkordlohn. Wird eine ungeeignete Kennzahl an die Vergütung geknüpft, können Fehlsteuerungen entstehen. Zur Umsetzung von Vision und Strategie können Kennzahlensysteme die Grundlage einer Balanced Scorecard bilden.

Wichtige Gruppen von Kennzahlen

Erfolgskennzahlen messen den Unternehmenserfolg. Relative Erfolgskennzahlen richten sich entweder nach Gewinn oder Unternehmenswert. Unternehmenswertorientierte Kennzahlen entstanden aus dem Shareholder-Value-Ansatz und berücksichtigen im Unterschied zu gewinnorientierten Kennzahlen wie dem ROI auch Kapitalkosten. Beispiele sind Gewinn vor Steuern, Umsatz, Jahresüberschuss, Cash-Flow, Freier Cash Flow, EBIT, EBITDA, Economic Value Added, Handelsspanne, Rohertrag und Deckungsbeitrag.

Absolute Erfolge lassen sich über die Zeit auf Trends, Schwankungen und Stabilität in Krisenzeiten untersuchen, erlauben aber keine Betriebs- oder Branchenvergleiche. Dafür werden Verhältniszahlen benötigt. Erfolge entstehen aus dem Einsatz von Eigen- und Fremdkapital. Zunächst müssen Fremdkapitalgeber bedient werden; Kennzahlen zum Verhältnis von Erfolg zu Zins- und Tilgungszahlungen zeigen, ob ein Unternehmen sein Fremdkapital bedienen kann. Der verbleibende Vermögenszuwachs kann etwa ausgeschüttet, für Aktienrückkäufe genutzt oder als Gewinnrücklage gebildet werden.

Liquiditätskennzahlen beurteilen die Zahlungsfähigkeit, besonders anhand der Zahlungsmittelbestände. Dazu zählen Cash Ratio, Acid Test Ratio, Current Ratio, Anlagendeckung, Einzugsliquidität, Working Capital und Net working capital. Rentabilitätskennzahlen beschreiben Teilaspekte der Rentabilität, eines wichtigen Unternehmensziels; Beispiele sind Gesamtkapitalrentabilität, Eigenkapitalrentabilität, Umsatzrendite, Return on Capital Employed, Return on Investment und Cash Flow Return on Investment.

Kapital, Schulden und Umschlag

Kennzahlen zur Kapitalstruktur, auch Bilanzkennzahlen, messen die horizontale und vertikale Kapitalstruktur. Sie geben unter anderem das Verhältnis von Anlagevermögen zu Umlaufvermögen beziehungsweise von Eigenkapital zu Fremdkapital sowie die Anlagendeckung wieder. Beispiele sind Eigenkapitalquote, Fremdkapitalquote, Verschuldungsgrad, Anlagenintensität, Anlagendeckung, Kapitalbindung, Lagerkennziffern und Berry-Index.

Schuldenkennzahlen setzen die Verbindlichkeiten eines Schuldners zu anderen schuldenrelevanten Größen in Beziehung. Damit wird die Tragfähigkeit der Schulden beurteilt. Genannt werden Schuldenkennzahl, Zinsdeckungsgrad, Schuldendienstdeckungsgrad, Kapitaldienstgrenze und Kapitaldienstfähigkeit.

Kennzahlen zur Umschlagshäufigkeit zeigen, wie häufig bestimmte Größen umgesetzt oder umgeschlagen werden. Dazu gehören Umschlagskennzahlen, Geldumschlag, Kapitalumschlagshäufigkeit und Lagerumschlagshäufigkeit.

Kennzahlensysteme und Grenzen

Ein Kennzahlensystem ist eine geordnete Menge miteinander verbundener Kennzahlen. Es soll vollständig über einen Sachverhalt, etwa die Rentabilität, informieren und kann dazu beispielsweise ein Dashboard verwenden. Es liefert schnell verdichtete Informationen über die Unternehmensleistung und unterstützt Planung, Kontrolle und Steuerung. Anders als Performance-Measurement-Systeme umfasst es nur monetäre, exakt quantifizierbare Kennzahlen.

Ordnungssysteme ordnen Kennzahlen Unternehmensbereichen wie der Produktion zu. Rechensysteme zerlegen Kennzahlen mathematisch und haben die Form einer Pyramide mit einer Spitzenkennzahl. Beziehungen zwischen Kennzahlen können logisch sein, etwa „Gewinn = Ertrag − Aufwand“, empirisch beobachtet werden, etwa höhere Werbeausgaben und höhere Verkaufszahlen, oder hierarchisch aufgebaut sein. Bekannte Systeme sind das 1919 eingeführte DuPont-Kennzahlensystem, das ZVEI-Kennzahlensystem und das RL-Kennzahlensystem. Kennzahlen ermöglichen außerdem Betriebs- und Branchenvergleiche, Benchmarking anhand eines „Branchenprimus“ sowie externe Bilanzanalysen durch Kreditinstitute und Ratingagenturen zur Einschätzung von Kreditrisiko und Rating.

Risiken liegen in einseitiger Fokussierung, Fehlinterpretationen und unerwünschten Verhaltensweisen. Mehrere Kennzahlen in einer Kennzahlenhierarchie und transparente Berechnungsgrundlagen können dem entgegenwirken. Das Beispiel „chicken efficiency“ zeigt die Gefahr: Die Zahl verkaufter Hühnerteile wird den weggeworfenen Teilen gegenübergestellt. Wird deshalb erst bei Anwesenheit eines Kunden gegrillt, kann die Wartezeit 20 Minuten betragen. Kunden können den Laden verlassen; trotz höherer Kennzahl sinken dann möglicherweise Umsatz und Kundenzufriedenheit.

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