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Augustus
Augustus (* 23. September 63 v. Chr. als Gaius Octavius in Rom; † 19. August 14 n. Chr. in Nola bei Neapel) war der erste römische Kaiser.
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Wer war Augustus?
Augustus wurde am 23. September 63 v. Chr. als Gaius Octavius in Rom geboren und starb am 19. August 14 n. Chr. in Nola bei Neapel. Er war der erste römische Kaiser.
Als Großneffe und Haupterbe Gaius Iulius Caesars gewann er die Bürgerkriege, die nach Caesars Ermordung 44 v. Chr. folgten. Von 31 v. Chr. bis zu seinem Tod war er faktisch Alleinherrscher des Römischen Reiches. Unter der Devise der angeblichen Wiederherstellung der Republik (restitutio rei publicae) verwandelte er den Staat tatsächlich dauerhaft in den quasi-monarchischen Prinzipat, der rund 300 Jahre bis zur Reichskrise des 3. Jahrhunderts bestand.
Damit beendete er das Jahrhundert der römischen Bürgerkriege und begründete die Julisch-Claudische Kaiserdynastie. Seine Herrschaft war außenpolitisch von vielen Eroberungskriegen geprägt, im Inneren von einer langen Friedens- und Konsolidierungsphase, der sogenannten Pax Augusta.
Namen und Titel
Der Geburtsname lautete Gaius Octavius; laut Sueton trug er ursprünglich das Cognomen Thurinus. Nach der Adoption durch Caesar 44 v. Chr. nannte er sich Gaius Iulius Caesar; die moderne Geschichtswissenschaft bezeichnet ihn für diese Zeit meist als Octavian oder Oktavian. Nach Caesars Vergöttlichung (42 v. Chr.) hieß er Gaius Iulius Divi filius Caesar (Sohn des Vergöttlichten).
Am 16. Januar 27 v. Chr. verlieh ihm der Senat den Ehrennamen Augustus („der Erhabene“). Die vollständige Form lautete fortan Imperator Caesar Divi filius Augustus.
Bei seinem Tod lautete die vollständige Titulatur: Imperator Caesar Divi filius Augustus, Pontifex maximus, Consul XIII, Imperator XXI, Tribuniciae potestatis XXXVII, Pater patriae – also 13-mal Konsul, 21-mal Imperator, 37-mal Inhaber der tribunizischen Gewalt, Vater des Vaterlandes. Nach seiner Vergöttlichung 14 n. Chr. wurde er als Divus Augustus Divi filius weitergeführt.
Aufstieg zur Macht: vom Caesaren zum Alleinherrscher
Octavian war der Sohn des Gaius Octavius und der Atia, einer Nichte Caesars. Caesar adoptierte ihn testamentarisch und machte ihn zum Haupterben – Octavian erfuhr davon erst bei der Nachricht von Caesars Ermordung 44 v. Chr. in Apollonia.
Wichtige Stationen des Aufstiegs:
- 43 v. Chr.: Bündnis mit den Republikanern unter Cicero; Sieg über Marcus Antonius bei Forum Gallorum und Mutina. Danach Staatsstreich: erzwungene Wahl zum Konsul am 19. August 43 v. Chr.
- Oktober 43 v. Chr.: Zweites Triumvirat mit Antonius und Lepidus (tresviri rei publicae constituendae), gesetzlich verankert durch die lex Titia. Proskriptionen gegen politische Gegner: 300 Senatoren und 2000 Ritter wurden getötet, darunter Cicero.
- 42 v. Chr.: Sieg über die Caesarmörder Brutus und Cassius in der Schlacht bei Philippi.
- Nach kriegerischen Auseinandersetzungen mit Fulvia und Lucius Antonius (Perusinischer Krieg 41/40 v. Chr.) erneutes Bündnis im Vertrag von Brundisium (40 v. Chr.); Antonius heiratete Octavians Schwester Octavia.
- 39 v. Chr.: Vertrag von Misenum mit Sextus Pompeius, der Sizilien kontrollierte und die Kornzufuhr Roms bedrohte. 36 v. Chr. vernichtete Agrippa Pompeius’ Flotte bei Naulochoi; kurz darauf entmachtete Octavian auch Lepidus.
- Propagandakampf gegen Antonius, der mit Kleopatra VII. von Ägypten liiert war und Teile des römischen Ostens an sie und ihre Kinder „verschenkt“ hatte. Der Senat erklärte Kleopatra zur Staatsfeindin und Ägypten den Krieg.
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- September 31 v. Chr.: Sieg in der Seeschlacht bei Actium; 30 v. Chr. Eroberung Alexandrias, Selbstmord Antonius’ und Kleopatras. Ägypten wurde römische Provinz.
Damit endeten die rund 100 Jahre der römischen Bürgerkriege. 29 v. Chr. wurden aus diesem Anlass die Tore des Janustempels geschlossen – laut Livius erst zum dritten Mal seit Roms Gründung.
Der Prinzipat: Herrschaft mit republikanischer Fassade
Am 13. Januar 27 v. Chr. legte Octavian im Senat demonstrativ seine außerordentliche Macht nieder; formal wurde die Republik wiederhergestellt. Vier Tage später übertrug ihm der Senat das militärische Kommando über die Hälfte der Provinzen – jene an den Rändern des Reiches, in denen das Gros der Legionen stand. Damit erhielt er eine den Provinzstatthaltern übergeordnete Befehlsgewalt (imperium proconsulare). Das Reich gliederte sich fortan in kaiserliche und senatorische Provinzen.
Am 16. Januar 27 v. Chr. erhielt er den Ehrennamen Augustus sowie den Ehrenschild (clipeus virtutis). Er nannte sich bescheiden princeps senatus („Erster des Senats“) – daher der Begriff Prinzipat.
Revision von 23 v. Chr.: Augustus verzichtete bis auf zwei Jahre auf das Konsulat und erhielt stattdessen auf Lebenszeit die tribunizische Gewalt (tribunicia potestas) – das Recht, Senat und Volksversammlung einzuberufen, Gesetze vorzuschlagen, Vetoeinzulegen. Zusätzlich bekam er das imperium proconsulare maius, die übergeordnete Befehlsgewalt. Eine lex de imperio bestimmte, dass alles, was Augustus wünschte, als Gesetz galt.
Weitere Ehrungen: 17 v. Chr. erstmals Feier der decennalia (zehnjähriges Regierungsjubiläum); nach Lepidus’ Tod 13/12 v. Chr. übernahm Augustus das Amt des Pontifex maximus (oberster Priester); 8 v. Chr. wurde der Monat Sextilis in Augustus umbenannt; am 5. Februar 2 v. Chr. erhielt er den Titel pater patriae („Vater des Vaterlandes“).
Die neue Ordnung stieß anfangs auf Widerstand (Verschwörung des Fannius Caepio um 23/22 v. Chr.), wurde aber akzeptiert, weil der Prinzipat funktionierte, es keine realistische Alternative gab und Augustus über 40 Jahre regierte. Unter ihm fanden allerdings auch die ersten Bücherverbrennungen kritischer Geschichtswerke statt.
Innen- und Außenpolitik unter Augustus
Wirtschaft und Gesellschaft: Nach Actium entließ Augustus etwa 80.000 der 230.000 Soldaten und siedelte Veteranen ohne Enteignungen an – finanziert aus dem ägyptischen Staatsschatz. Er reformierte das Gerichtswesen: Respondierjuristen gaben fortan verbindliche Rechtsauskünfte, was die Blüte der römischen Rechtswissenschaft auslöste. In den Provinzen kehrte Rechtssicherheit und Wohlstand zurück, weil die übliche Ausplünderung durch Magistrate endete.
Sittenpolitik: 19 v. Chr. erhielt Augustus die cura morum (Sittenaufsicht). Die Leges Iuliae verschärften Strafen für Ehebruch, führten eine Ehepflicht ein (Männer 25–60, Frauen 20–50 Jahre) und privilegierten Kinderreiche; die lex Papia (9 n. Chr.) verbot bestimmte Ehen. Die Gesetze stießen auf Ablehnung, zumal Augustus selbst davon ausgenommen war (princeps legibus solutus). Seine Tochter Iulia wurde 2 v. Chr. wegen Ehebruchs nach Pandateria verbannt, der Dichter Ovid 8 n. Chr. nach Tomis verbannt. Ein großes Bauprogramm in Rom (u. a. Augustusforum, Marcellustheater, Solarium Augusti, laut Tatenbericht 82 Tempel in einem Jahr) zeigte Macht und Autorität des Princeps.
Außenpolitik: Lange galt sie als defensiv, doch kein Feldherr oder Kaiser vergrößerte das Reich mehr als Augustus. 20 v. Chr. erreichte er durch Machtdemonstration die Rückgabe der bei Carrhae erbeuteten Legionsadler von den Parthern. Neue Provinzen: Ägypten, Galatia (25 v. Chr.), durch den Kantabrischen Krieg (25–19 v. Chr.) die Gebiete Nordspaniens, und südlich der Donau Raetia, Noricum, Pannonia, Illyricum und Moesia. Die Grenze wurde bis zu Rhein und Donau, zeitweise zur Elbe vorgeschoben.
Katastrophe: 9 n. Chr. vernichtete ein germanisches Bündnis unter Arminius in der Varusschlacht (wahrscheinlich bei Kalkriese) drei Legionen unter Varus (XVII., XVIII., XIX. – deren Nummern wurden nie wieder vergeben). Augustus soll gerufen haben: „Quinctilius Varus, gib die Legionen zurück!“ Die Römer zogen sich später auf die Rhein-Donau-Linie zurück und bauten den Limes.
Nachfolge, Tod, Augusteisches Zeitalter und Rezeption
Nachfolge: Da Augustus keine Söhne hatte, zwang er seine Tochter Iulia nacheinander zu Ehen mit Nachfolgekandidaten: zuerst Marcellus (starb 23 v. Chr.), dann Agrippa (zwei Töchter, drei Söhne, darunter Gaius und Lucius Caesar). Nach Agrippas Tod (12 v. Chr.) sollten die Enkel Gaius und Lucius folgen, doch beide starben 2 und 4 n. Chr. Am 26. Juni 4 n. Chr. adoptierte Augustus seinen Stiefsohn Tiberius, der im Gegenzug Germanicus adoptieren musste. Erst 13 n. Chr., ein Jahr vor Augustus’ Tod, erhielt Tiberius die volle prokonsularische Gewalt und wurde öffentlich als Nachfolger designiert. Der Enkel Agrippa Postumus war 7 n. Chr. verbannt worden und wurde nach Augustus’ Tod ermordet – ungeklärt ist, ob auf Anweisung des Augustus oder des Tiberius.
Tod und Begräbnis: Augustus starb am 19. August 14 n. Chr. in Nola, am selben Tag, an dem er über 50 Jahre zuvor sein erstes Konsulat angetreten hatte. Seine Leiche wurde auf dem Marsfeld verbrannt und im Augustusmausoleum beigesetzt; er wurde zum Staatsgott (divus) erklärt, mit einem Tempel zwischen Kapitol und Palatin und dem Priesterkollegium der Augustales.
Augusteisches Zeitalter: Die Epoche brachte Rom und den Provinzen innern Frieden, Stabilität und Wohlstand (Pax Augusta). Sie brachte Dichter wie Vergil, Horaz, Ovid und Properz sowie Historiker wie Livius hervor. Rom sollte laut Augustus „von einer Stadt aus Ziegeln zu einer Stadt aus Marmor“ werden – Zeugnisse sind das Marcellustheater, das Pantheon, das Mausoleum und die Ara Pacis (9 v. Chr.). Zugleich war das Reich unter Augustus in einem Ausmaß expandiert wie nie zuvor und nie wieder.
Nachwirkung: Augustus selbst prägte sein Bild durch den Tatenbericht Res gestae divi Augusti. Der Historiker Tacitus zeichnete ein kritisches Bild, Cassius Dio ein positiveres. Seit der Spätantike wurde die Pax Augusta oft mit der pax Christiana gleichgesetzt, da Jesus im augusteischen Zeitalter geboren wurde. In der modernen Forschung prägte Ronald Syme (The Roman Revolution, 1939) das Bild Augustus’ als kalkulierendem Machtmenschen; Jochen Bleicken sah ihn als „Baumeister des Römischen Kaiserreichs“, Klaus Bringmann und Werner Dahlheim zogen positive Bilanzen. Als Verfasser ist Augustus nur mit den Res gestae vollständig erhalten; seine Autobiografie De vita sua, das Epos Sicilia und die Tragödie Ajax (von ihm selbst vernichtet) sind verloren, Briefe nur als Zitate späterer Autoren überliefert.
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