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Byzantinisches Reich

Die Geschichte des Reiches war vom Abwehrkampf gegen äußere Feinde geprägt, der seine Kräfte erheblich beanspruchte und seine Ressourcen in der Spätzeit …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Wesen und Entwicklung des Reiches
  2. 2. Von Rom zu Ostrom und Justinian
  3. 3. Umbruch, Abwehr und neuer Aufstieg
  4. 4. Kreuzzüge, Teilung und Untergang
  5. 5. Staat, Gesellschaft und kulturelles Erbe

Wesen und Entwicklung des Reiches

Das Byzantinische Reich, auch Ostrom oder Byzanz genannt, war die östliche Fortsetzung des Römischen Reiches. Es ging aus der endgültigen Reichsteilung von 395 hervor und endete mit der osmanischen Eroberung Konstantinopels am 29. Mai 1453. Seine Bewohner bezeichneten ihren Staat als „Reich der Römer“ (Basileia tōn Rhōmaiōn) und sich selbst als Rhōmaîoi, also Römer. Die Wörter „Byzanz“, „Byzantiner“ und „Oströmisches Reich“ sind moderne Bezeichnungen.

Byzanz verband römisches Staatswesen, griechische Kultur und christlichen Glauben. Seine Bedeutung lag unter anderem darin, dass es den östlichen Mittelmeerraum über Jahrhunderte prägte, das orthodoxe Christentum nach Osteuropa vermittelte und antike Kenntnisse, Texte und Rechtsvorstellungen bewahrte und an Westeuropa weitergab.

Üblich ist eine Einteilung in drei Epochen: die spätantik-frühbyzantinische Zeit von etwa 300 bis zur Mitte des 7. Jahrhunderts, die mittelbyzantinische Zeit von der Mitte des 7. Jahrhunderts bis 1204/1261 und die spätbyzantinische Zeit von 1204/1261 bis 1453. Umstritten ist, ob die byzantinische Geschichte im engeren Sinn bereits mit Konstantin dem Großen oder erst im späten 6. beziehungsweise im 7. Jahrhundert beginnt. Erst unter Herakleios wurde der Staat vollständig gräzisiert: Griechisch wurde alleinige Amtssprache, während Latein zuvor vor allem in Heer, Hof und Verwaltung verwendet worden war.

Von Rom zu Ostrom und Justinian

Konstantin I. setzte sich 306 bis 324 als Alleinherrscher durch, reformierte Heer und Verwaltung und begünstigte das Christentum. Zwischen 325 und 330 ließ er Byzanz zur Hauptstadt ausbauen und in Konstantinopel umbenennen. Die Stadt erhielt einen Senat und wurde zum Verwaltungszentrum des Ostens. Nach dem Tod Theodosius’ I. wurde das Reich 395 unter seinen Söhnen Arcadius im Osten und Honorius im Westen aufgeteilt. Rechtlich galt das Imperium aber weiterhin als ein unteilbares Reich unter mehreren Kaisern.

Während das Westreich im 5. Jahrhundert zunehmend Provinzen, Steuern und politische Stabilität verlor, blieb Ostrom vergleichsweise stabil. Nach der Absetzung des Romulus Augustulus 476 war der Ostkaiser rechtlich wieder alleiniger Herrscher des Gesamtreichs, auch wenn die meisten westlichen Gebiete faktisch verloren waren. Kaiser wie Leo I., Zeno und Anastasios I. stärkten die kaiserliche Kontrolle über Heer und Finanzen.

Unter Justinian (527–565) eroberten Belisar und Narses Nordafrika, Italien und Südspanien zurück. Dadurch wurde das Römische Reich kurzzeitig in verkleinertem Umfang wiederhergestellt. Die Kriege gegen Vandalen, Goten und das Sassanidenreich sowie die ab 541 auftretende Pest erschöpften jedoch die Kräfte des Staates. Justinian ließ die Hagia Sophia errichten und veranlasste 534 die umfassende Sammlung des römischen Rechts, das später Corpus iuris civilis genannt wurde. Religiöse Konflikte zwischen orthodoxen und monophysitischen Christen blieben ungelöst. Nach Justinian verschärften leere Kassen, die Langobarden in Italien, Slawen auf dem Balkan und der Krieg gegen Persien die Krise.

Umbruch, Abwehr und neuer Aufstieg

Herakleios setzte sich 610 gegen Phokas durch. Im Krieg gegen die Sassaniden gewann er nach Feldzügen ab 622 und dem Sieg bei Ninive Ende 627 die verlorenen Ostprovinzen zunächst zurück; Persien räumte sie bis 630. Schon bald eroberten jedoch arabische Heere Syrien, Palästina und Ägypten. Nach der Niederlage am Jarmuk am 20. August 636 gingen diese Gebiete bis 642 verloren, Africa mit Karthago spätestens 698. Das Reich verlor zwei Drittel seines Gebiets und die meisten Steuereinkünfte, darunter das besonders wichtige Ägypten.

Trotzdem überstand Byzanz die islamische Expansion. Es wurde zu einem vor allem auf Kleinasien, Konstantinopel, Teile Griechenlands und Italiens beschränkten Staat. Städte schrumpften häufig zu befestigten Dörfern, den kastra; eine neue Militärelite gewann an Gewicht. Als wichtige Verteidigungsorganisation entstanden wahrscheinlich erst nach Herakleios die Themen, Militärprovinzen mit örtlichen Truppen. Sie halfen, die Angriffe abzuwehren.

Arabische Angriffe auf Konstantinopel konnten abgewehrt werden; die Quellenlage zu einer angeblichen ersten Belagerung um 678 ist allerdings umstritten. Die Belagerung von 717–718 scheiterte unter Leo III. durch erfolgreiche Flottenoperationen, Griechisches Feuer und einen harten Winter. 740 siegte Byzanz bei Akroinon. Gleichzeitig kämpfte es gegen Slawen und Bulgaren auf dem Balkan.

Der Bilderstreit, der Konflikt über die Verehrung religiöser Bilder, prägte das 8. und 9. Jahrhundert. Eine erste bilderfeindliche Phase begann wohl unter Leo III.; Einzelheiten sind wegen einseitig überlieferter Quellen unsicher. Das Konzil von Hiereia schaffte 754 die Bilderverehrung formal ab. 815 begann unter Leo V. eine zweite Phase, die 843 endgültig endete. Im 9. Jahrhundert stabilisierte sich das Reich. Unter der makedonischen Dynastie folgten kulturelle Blüte und Expansion: Kreta wurde zurückerobert, und Basileios II. machte Bulgarien 1018 zur byzantinischen Provinz. 987 förderte die Heirat seiner Schwester mit Wladimir I. die Ausbreitung der Orthodoxie in den Gebieten der heutigen Ukraine, Belarus und Russlands.

Kreuzzüge, Teilung und Untergang

Nach Basileios II. schwächten der wachsende Landadel und die zunehmende Abhängigkeit von Söldnern das Themensystem. Die Niederlage bei Manzikert 1071 gegen die Seldschuken leitete den Verlust Kleinasiens ein; der eigentliche seldschukische Einfall begann laut Artikel erst drei Jahre später. Alexios I. Komnenos kam 1081 an die Macht, baute das Heer neu auf und erzielte Erfolge gegen Seldschuken und Petschenegen. Seine Bitte um westliche Söldner trug jedoch zum Ersten Kreuzzug bei. Die Beziehungen zu den Kreuzfahrern und besonders zu Venedig verschlechterten sich dauerhaft.

Unter Johannes II. und Manuel I. Komnenos festigte Byzanz seine Stellung in Kleinasien und auf dem Balkan. Die Niederlage bei Myriokephalon 1176 begrenzte jedoch die Offensive gegen die Seldschuken. Innere Krisen und die Herrschaft der Angeloi führten 1204 zur Eroberung und Plünderung Konstantinopels durch den Vierten Kreuzzug. Das Lateinische Kaiserreich entstand; die Spaltung zwischen orthodoxen Griechen und katholischen Lateinern vertiefte sich.

Byzantinische Nachfolgestaaten waren das Kaiserreich Nikaia, das Despotat Epirus und das Kaiserreich Trapezunt. Von Nikaia aus eroberte Michael VIII. Palaiologos Konstantinopel 1261 zurück. Das erneuerte Reich war aber nur noch eine Regionalmacht. Im 14. Jahrhundert gingen die kleinasiatischen Besitzungen schrittweise an türkische Fürstentümer verloren; zugleich schwächten Pestpandemie von 1346–1353, Bürgerkriege und der Aufstieg Serbiens den Staat.

Seit 1354 setzten sich die Osmanen in Europa fest. Byzanz wurde osmanischer Vasall und bestand zuletzt im Wesentlichen aus Konstantinopel mit Umgebung, Thessaloniki, einigen Inseln und dem Despotat Morea. Eine zeitweilige Entlastung brachte 1402 die Niederlage der Osmanen gegen Timur bei Angora, konnte den Untergang aber nicht verhindern. Nach knapp zweimonatiger Belagerung nahm Mehmed II. Konstantinopel 1453 ein; Konstantin XI., der letzte Kaiser, fiel in den Kämpfen. Morea wurde 1460, Trapezunt 1461 und Theodoro 1475 erobert.

Staat, Gesellschaft und kulturelles Erbe

Byzanz besaß eine für das Mittelalter ungewöhnlich straffe Bürokratie mit Zentrum Konstantinopel, ein organisiertes Finanzwesen, eine stehende Armee und bedeutende Handelswege. Der Ein- und Ausfuhrzoll hieß kommerkion. Der goldene Solidus war vom 4. bis zum 11. Jahrhundert Leitwährung im Mittelmeerraum. Der Kaiser hatte de facto sehr weitreichende Macht über Staat und Kirche; dennoch war sozialer Aufstieg in die Aristokratie vergleichsweise gut möglich. Das Reich war nicht einfach ein theokratischer Staat, also kein Staat, der allein durch Religion beherrscht wurde; die Vorstellung eines uneingeschränkten Cäsaropapismus wird von der Forschung ebenfalls nicht mehr vertreten.

Das Heer bestand dauerhaft. Themen bildeten seit der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts die wichtigsten Militärdistrikte. Die vier großen Themenarmeen des 7. und 8. Jahrhunderts umfassten vermutlich jeweils etwa 10.000 Mann. Die gesamte Heeresstärke wird für das 7. Jahrhundert auf rund 100.000, für das 8. Jahrhundert auf etwa 80.000 und um 1000 auf etwa 250.000 Mann geschätzt. Seit dem 13. Jahrhundert fehlten Geld, Kerngebiete und leistungsfähige Truppen; die Marine spielte dann kaum noch eine Rolle.

Die Bevölkerung war polyethnisch: Neben Griechen lebten unter anderem Armenier, Illyrer, Slawen, früher auch viele Syrer und Ägypter sowie stets eine jüdische Minderheit im Reich. Für die Spätantike werden ungefähr 25 Millionen Einwohner geschätzt; Konstantinopel könnte bis zu 400.000 Einwohner gehabt haben. Wegen Seuchen und Kriegen sank die Bevölkerung seit der Mitte des 6. Jahrhunderts. Zu Beginn des 11. Jahrhunderts werden etwa 18 Millionen Einwohner angenommen. Alle Zahlen sind Schätzungen.

Das kulturelle Erbe wirkte vor allem in den östlich-orthodoxen Kirchen fort. Byzanz prägte Griechenland, Bulgarien, Russland, Serbien, die Ukraine und Belarus. Nach 1453 brachten byzantinische Flüchtlinge und Gelehrte Schriften griechischer Denker sowie naturwissenschaftlich-technisches Wissen nach Westeuropa und trugen zur Renaissance bei. Das Osmanische Reich übernahm keine staatsrechtliche Fortsetzung, doch Mehmed II. nannte sich „Kayser-i Rum“. Die ältere westliche Vorstellung von Byzanz als dekadenter Despotie gilt in der Forschung als überholt; betont werden heute seine Rolle als Bewahrer und Vermittler antiken Wissens sowie sein jahrhundertelanger Schutz gegen äußere Angriffe.

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