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Rom

Rom wurde erstmals im 1. Jahrhundert v. Chr. vom Dichter Tibull Ewige Stadt genannt. Diese Bezeichnung, ursprünglich eine …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Lage
  2. 2. Stadt, Naturraum und Bevölkerung
  3. 3. Geschichtliche Entwicklung
  4. 4. Religion, Politik und Verwaltung
  5. 5. Kultur, Sehenswürdigkeiten und Alltag
  6. 6. Wirtschaft und Infrastruktur

Bedeutung und Lage

Rom (lateinisch Roma, italienisch Roma, amtlich Roma Capitale) ist die Hauptstadt Italiens, Hauptort der Region Latium und historische Hauptstadt des Römischen Reichs und des Kirchenstaats. Die Stadt liegt etwa in der Mitte der Apenninhalbinsel am Fluss Tiber, durchschnittlich 37 Meter über dem Meeresspiegel. Mit 2.745.062 Einwohnern am 31. Dezember 2025, rund drei Millionen Einwohnern im Stadtgebiet und etwa vier Millionen in der Agglomeration ist Rom die größte Stadt Italiens und die drittgrößte Stadt der Europäischen Union. Mit 1287,36 km² ist sie außerdem die flächenmäßig größte Stadt Italiens.

Rom ist wegen seiner fast drei Jahrtausende umfassenden Geschichte als „Ewige Stadt“ bekannt. Die Stadt war Ausgangspunkt des Römischen Reiches, dessen Sprache Latein die romanischen Sprachen stark prägte und dessen Recht bis heute Einfluss auf europäische Rechtsordnungen hat. Seit 1871 ist Rom Hauptstadt des vereinigten Italien. Dort sitzen unter anderem Abgeordnetenkammer, Senat, Präsident, Regierung und Verfassungsgerichtshof. Innerhalb der Stadtgrenzen liegt die Vatikanstadt, ein unabhängiger Staat und Sitz des Papstes. Außerdem haben internationale Organisationen wie FAO, IFAD und WFP ihren Sitz in Rom. Die Altstadt von Rom, der Petersdom und die Vatikanstadt gehören seit 1980 zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Stadt, Naturraum und Bevölkerung

Rom liegt am Tiber, der in mehreren Windungen nach Süden durch die Stadt fließt. Im Norden mündet der Aniene in den Tiber. Die Umgebung wird Campagna Romana genannt; im Osten liegen die Abruzzen, im Nordosten die Sabiner Berge und im Südosten die Albaner Berge. Seit der Verwaltungsreform von 2013 ist Rom in 15 Municipi gegliedert. Diese lokalen Verwaltungsbezirke sind für Statistik und Planung in 155 Stadtbereiche unterteilt. Die historische Altstadt im Municipio I umfasst die 22 Rioni, traditionelle Stadtteile wie Trastevere oder Monti.

Das Klima ist mediterran: Die Sommer sind trocken, die Winter feuchter. Der durchschnittliche Jahresniederschlag liegt bei 892 mm, die mittlere Tageshöchsttemperatur bei 20,5 °C und die mittlere Tagestiefsttemperatur bei 11,8 °C. Besonders trocken sind Juli und August, während Oktober und November mit jeweils 128 mm Niederschlag zu den nassesten Monaten gehören.

Die Einwohnerzahl Roms schwankte historisch stark. In der Antike wurde Rom zur Millionenstadt; um 330 wird eine Einwohnerzahl von 1.000.000 genannt. Nach dem Zerfall des Weströmischen Reiches sank sie bis 530 auf etwa 100.000 und im Frühmittelalter zeitweise auf etwa 20.000. Als Rom 1871 Hauptstadt Italiens wurde, zählte es 212.432 Einwohner. Im 20. Jahrhundert wuchs die Stadt stark, besonders nach 1945: 1951 hatte Rom 1.651.754, 1971 2.781.993 und 2017 2.872.800 Einwohner.

Geschichtliche Entwicklung

Vor der Besiedlung durch Homo sapiens lebten im Gebiet des heutigen Rom bereits vor rund 250.000 Jahren Neandertaler. Nach der römischen Gründungssage wurde Rom am 21. April 753 v. Chr. von Romulus gegründet, der später seinen Zwillingsbruder Remus getötet haben soll. Archäologische Funde auf dem Palatin zeigen jedoch Siedlungsreste aus der Zeit um 1000 v. Chr.; wahrscheinlich wuchsen um 800 v. Chr. mehrere latinische und sabinische Dörfer zu einer Stadt zusammen.

Rom war zunächst nach späterer Überlieferung ein Königreich. Nach der Vertreibung des letzten etruskischen Königs Lucius Tarquinius Superbus, angeblich 509 v. Chr., wurde Rom Republik, tatsächlich wohl erst um 470 v. Chr. In der Republik kam es zu Ständekämpfen zwischen Plebejern und Patriziern. Rom expandierte in Italien und wurde nach den Punischen Kriegen gegen Karthago (264–146 v. Chr.) zur Vormacht im Mittelmeerraum. Innenpolitische Konflikte führten zu Bürgerkriegen. Gaius Iulius Caesar setzte als Diktator Reformen durch, wurde aber 44 v. Chr. ermordet.

In der Kaiserzeit war Rom im 1. Jahrhundert n. Chr. eine Millionenstadt und Zentrum des Reiches. Unter Augustus und später unter den Flaviern entstanden bedeutende Bauten wie das Kolosseum, das 80 n. Chr. fertiggestellt wurde. Im 3. Jahrhundert wurden die Aurelianische Mauer und große Thermenanlagen errichtet. In der Spätantike verlor Rom politische Bedeutung, weil Kaiser andere Residenzen bevorzugten. Die Stadt wurde 410 von den Goten und 455 von den Vandalen geplündert. Nach 476 blieb antikes Leben zunächst erhalten, doch die Gotenkriege im 6. Jahrhundert zerstörten wichtige Infrastruktur wie Wasserleitungen; die Einwohnerzahl sank stark.

Im Mittelalter wurde Rom Zentrum des Papsttums und Hauptstadt des Kirchenstaates. Im Jahr 800 krönte Papst Leo III. Karl den Großen in Rom zum Kaiser. Die Stadt blieb wichtiger Wallfahrtsort, litt aber unter Machtkämpfen, Angriffen und Bevölkerungsrückgang. In Renaissance und Barock erhielt Rom durch Kirchen, Plätze, Brunnen, Paläste und Sichtachsen ein neues Stadtbild; 1527 unterbrach der Sacco di Roma diese Blüte. 1870 nahmen italienische Truppen Rom ein, und 1871 wurde es Hauptstadt des Königreichs Italien. Im Faschismus entstanden neue Bauten und Achsen, unter anderem im Stadtviertel EUR; 1929 schufen die Lateranverträge den unabhängigen Staat der Vatikanstadt.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Rom am 19. Juli 1943 schwer bombardiert; besonders San Lorenzo wurde getroffen. Nach dem Waffenstillstand vom 8. September 1943 besetzte Deutschland die Stadt. Am 16. Oktober 1943 wurden über 1000 jüdische Einwohner in das KZ Auschwitz deportiert, und am 24. März 1944 wurden beim Massaker in den Ardeatinischen Höhlen 335 italienische Zivilisten ermordet. Anfang Juni 1944 wurde Rom zur offenen Stadt erklärt, am 4. Juni 1944 marschierten westalliierte Truppen ein. Nach 1945 wuchs Rom stark und entwickelte sich zur modernen Großstadt, kämpfte aber weiter mit Verkehrs-, Müll-, Vorstadt- und Infrastrukturproblemen.

Religion, Politik und Verwaltung

Rom war in der Antike ein Zentrum römischer Religion, aber auch anderer Kulte und Religionen. Früh entstand dort eine christliche Gemeinde. Mit Konstantin dem Großen gewann das Christentum im Römischen Reich an Bedeutung. Die Bischöfe von Rom beanspruchten als Nachfolger des Apostels Simon Petrus eine Führungsrolle in der Kirche und nahmen den Titel Papst an. Rom und besonders der Vatikan sind bis heute geistliches Zentrum der römisch-katholischen Kirche. In Rom gibt es über 900 katholische Kirchen. Im Bistum Rom waren 2017 2.355.984 Einwohner, also 82 % der Bevölkerung, katholisch.

Die älteste religiöse Minderheit sind die Juden, die seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. in Rom nachgewiesen sind. Seit dem 16. Jahrhundert mussten sie im Ghetto leben, das erst 1870 aufgehoben wurde. Heute leben etwa 20.000 Juden in Rom, ungefähr 0,7 % der Bevölkerung. Weitere religiöse Gruppen sind Protestanten, orthodoxe Christen, Muslime sowie kleinere Minderheiten und Konfessionslose. Die Zahl der orthodoxen Christen wurde 2014 auf etwa 114.000 geschätzt, die der Muslime auf 101.000.

Politisch hat Rom als Roma Capitale einen besonderen Status als Gemeinde. Der Gemeinderat, die Assemblea Capitolina, hat 48 Mitglieder. Nach der Kommunalwahl 2021 stellte das Mitte-links-Bündnis um Roberto Gualtieri (PD) mit 29 Sitzen die Mehrheit. Gualtieri wurde 2021 Bürgermeister, nachdem Amtsinhaberin Virginia Raggi (M5S) den Einzug in die Stichwahl verpasst hatte. Als Hauptstadt Italiens ist Rom seit 1871 Sitz zentraler Staatsorgane: Die Abgeordnetenkammer tagt im Palazzo Montecitorio, der Senat im Palazzo Madama, der Staatspräsident im Quirinalspalast und der Ministerpräsident im Palazzo Chigi. Das Stadtwappen zeigt einen roten Schild mit S.P.Q.R., lateinisch Senatus Populusque Romanus, „Senat und Volk von Rom“.

Kultur, Sehenswürdigkeiten und Alltag

Rom gehört zu den wichtigsten Kulturstädten Europas. Besonders dicht ist die Zahl der antiken Bauwerke im historischen Zentrum innerhalb der Aurelianischen Mauer. Dazu gehören das Forum Romanum, die Kaiserforen, Triumphbögen, Stadtmauern, Thermen und das Kolosseum. Das Pantheon wurde 27 v. Chr. gegründet und zwischen 118 und 128 n. Chr. wiederaufgebaut; es gilt als fast vollständig erhaltener Kuppelbau der Antike. Das Kolosseum, fertiggestellt 80 n. Chr., war das größte Amphitheater der Antike und diente Gladiatorenkämpfen und anderen Schauspielen.

Das christliche Rom ist durch große Kirchen geprägt, darunter der Petersdom in der Vatikanstadt, die Lateranbasilika, Santa Maria Maggiore und Sankt Paul vor den Mauern. Viele Kirchen enthalten Kunstwerke von hohem Wert. Bedeutende Plätze und Brunnen sind die Piazza Navona mit Berninis Fontana dei Quattro Fiumi, die Piazza del Campidoglio, der Trevi-Brunnen und die Piazza di Spagna mit der Spanischen Treppe. Zu den wichtigen Museen zählen die Kapitolinischen Museen von 1471, die Vatikanischen Museen, die Galleria Borghese, das Museo Nazionale Romano und das MAXXI für Kunst und Architektur des 21. Jahrhunderts.

Rom hat außerdem zahlreiche Theater und Konzertsäle. Das Teatro dell’Opera di Roma gehört zu den größten Opernhäusern Italiens; im Sommer finden Aufführungen in den Caracalla-Thermen statt. Die Stadt war in Renaissance und Barock ein bedeutendes Musikzentrum, unter anderem mit Giovanni Pierluigi da Palestrina. Zur römischen Küche gehören Gerichte wie coda alla vaccinara, abbacchio alla scottadito, trippa alla romana, Supplì, Artischocken alla Romana oder alla Giudea sowie bekannte Nudelgerichte wie cacio e pepe, alla gricia, all’amatriciana und alla carbonara. Sportlich prägen vor allem die Fußballvereine Lazio Rom und AS Rom die Stadt; Rom war Austragungsort der Olympischen Sommerspiele 1960 und der ersten Paralympics.

Wirtschaft und Infrastruktur

Rom ist seit dem Zweiten Weltkrieg ein besonders dynamischer Wirtschaftsstandort Italiens. Der Großraum Rom erwirtschaftete laut einer Studie von 2014 ein Bruttoinlandsprodukt von 163,2 Milliarden US-Dollar (KKB); das BIP pro Kopf lag bei 38.025 US-Dollar. Die Wirtschaft stützt sich vor allem auf Dienstleistungen, Staatsbetriebe und Großkonzerne wie Eni, Enel, Leonardo S.p.A., Poste Italiane, Rai, TIM und Unicredit sowie auf Handel und Tourismus. Industriell wichtig sind unter anderem Textilien, Souvenirs, Lebensmittel, pharmazeutische Produkte, Maschinen, Papier- und Metallwaren. Auch die Filmindustrie ist wegen Cinecittà bedeutend.

Der Tourismus ist ein zentraler Wirtschaftsfaktor. 2024 erreichte Rom mit 51,4 Millionen Übernachtungen und 22,2 Millionen Touristen einen historischen Höchststand. Wichtige Ziele sind Kolosseum, Forum Romanum, Petersdom, Vatikanische Museen mit Sixtinischer Kapelle, Pantheon, Trevi-Brunnen, Museen, Galerien und historische Plätze. Die vielen Besucher bringen Einnahmen und Arbeitsplätze, erzeugen aber auch Probleme durch Menschenmengen, Wartezeiten, Belastung historischer Bausubstanz und Konflikte mit den Bedürfnissen der Bevölkerung.

Die Verkehrsinfrastruktur umfasst drei Flughäfen: Roma-Fiumicino „Leonardo da Vinci“ als wichtigsten Flughafen Italiens, Roma-Ciampino als gemischten Verkehrs- und Militärflughafen und den kleinen Flugplatz Rom-Urbe. Im Bahnverkehr ist Roma Termini einer der größten Bahnhöfe Europas mit ungefähr 400.000 Reisenden täglich. Im Straßenverkehr liegt Rom in einem sternförmigen Netz, das vom antiken Straßensystem ausgeht, und wird vom Autobahnring A90, dem Grande Raccordo Anulare, umschlossen. Die Stadt hat starke Verkehrsprobleme; in bestimmten Innenstadtbereichen gelten verkehrsberuhigte Zonen (ZTL).

Der öffentliche Nahverkehr wird überwiegend von ATAC betrieben und umfasst Busse, Oberleitungsbusse, Straßenbahnen, Vorortbahnen und die U-Bahn. Das Busnetz hat 350 Linien mit mehr als 8000 Stationen. Die Straßenbahn fährt auf sechs Linien mit 51,31 km Streckennetz. Die Metro hat die Linien A, B und C mit 77 Stationen auf 62,5 km Länge (Stand 2026), wurde aber wegen archäologischer, finanzieller und bürokratischer Hindernisse nur langsam ausgebaut. Bildungs- und Forschungseinrichtungen sind ebenfalls wichtig: Rom hat drei staatliche Universitäten, darunter La Sapienza, gegründet 1303, mit 147.000 Studenten eine der größten und ältesten Universitäten Europas.

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