Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Römische Kaiserzeit
Die von Augustus ausgehende Neuordnung des Staatswesens, die den Prinzipat begründete, bildet den unbestrittenen Auftakt der kaiserzeitlichen Epoche. Ihr Ende …
Inhalt5 Abschnitte
Zeitraum und Grundzüge
Die Römische Kaiserzeit bezeichnet meist die Epoche des Prinzipats von 27 v. Chr. bis 284 n. Chr. Sie folgt auf die späte Römische Republik, die durch Expansion und Bürgerkriege geprägt war, und geht der Spätantike voraus. Ihr Beginn ist mit der Neuordnung des Staates durch Augustus eindeutig bestimmt. Das Ende wird unterschiedlich eingeordnet: Als Ende der „klassischen“ Kaiserzeit gelten häufig die Veränderungen unter Diokletian und Konstantin dem Großen um 300. Althistoriker verstehen unter Kaiserzeit normalerweise die Zeit bis zum Ende der Reichskrise des 3. Jahrhunderts 284.
Der Prinzipat war eine Monarchie, die äußerlich republikanische Formen bewahrte. Der Kaiser nannte sich princeps, also „erster Bürger“. Seine Herrschaft beruhte besonders auf dem Oberbefehl über die Legionen in den Grenzprovinzen, dem imperium proconsulare maius, und der tribunicia potestas. Obwohl Augustus behauptete, seinen Amtskollegen nur an Ansehen, auctoritas, überlegen zu sein, besaß der princeps tatsächlich Sondervollmachten und Machtmittel. Diese Fiktion bildete etwa 300 Jahre lang die ideologische Grundlage der römischen Monarchie.
Üblich ist die Unterteilung in Frühe Kaiserzeit von Augustus bis Domitian und Hohe Kaiserzeit von Nerva bis Carinus. Nach 284 herrschten weiterhin Kaiser, im Westen bis 476 und im Ostreich viel länger, aber unter stark veränderten Bedingungen der Spätantike.
Augustus und die julisch-claudischen Kaiser
Augustus, zuvor Octavian, setzte sich nach der Ermordung Gaius Iulius Caesars gegen dessen Mörder und gegen Marcus Antonius durch. Antonius besiegte er 31 v. Chr. bei Actium. Im Januar 27 v. Chr. legte Augustus seine Alleinherrschaft scheinbar nieder, erhielt jedoch den erneuerbaren Oberbefehl über die Legionen der Grenzprovinzen. Damit wurde seine Macht rechtlich abgesichert.
Augustus legitimierte seine Herrschaft durch Bauvorhaben, Schenkungen an die plebs, den beginnenden Kaiserkult und die Betonung des Friedens nach den Bürgerkriegen, etwa durch die Ara pacis. Dichtung und römisches Recht erlebten eine Blütezeit. Der Senat und die Nobilität blieben sozial hervorgehoben, wurden politisch aber weitgehend entmachtet. Rom wurde administrativ und baulich ausgebaut; dazu gehörten Feuerwehr, städtische Garde, Tempelpflege, Spiele und Bäder. Das Reich erweiterte sich durch die Eingliederung Ägyptens sowie Eroberungen in Alpenregion, Nordspanien und auf dem Balkan. Nach der Niederlage des Varus 9 n. Chr. wurden die Gebiete zwischen Rhein und Elbe nicht provinzialisiert, sondern nur indirekt kontrolliert.
Auf Augustus folgten Tiberius (14–37), Caligula (37–41), Claudius (41–54) und Nero (54–68). Die senatorische Geschichtsschreibung zeichnete besonders von Tiberius, Caligula und Nero sehr negative Bilder; die moderne Forschung hat diese Überlieferung teilweise berichtigt oder als tendenziös bewertet. Claudius wird heute eher als erfolgreicher Herrscher gesehen, der Grenzen stabilisierte und die Expansion abschloss. Nero stand in seinen ersten fünf Regierungsjahren unter dem Einfluss Senecas, geriet dann jedoch in Konflikt mit Senat und Heer. Nach der Pisonischen Verschwörung und seiner Erklärung zum Staatsfeind beging er 68 Selbstmord. Der Verlust der Unterstützung von Senat und Heer führte zum Bürgerkrieg des Vierkaiserjahres.
Flavier und Adoptivkaiser
Aus dem Vierkaiserjahr ging Vespasian (69–79) als Sieger hervor und begründete die flavische Dynastie. Er ließ den Aufstand in Judäa 70 blutig niederschlagen, sicherte Rhein- und Ostgrenze, reorganisierte das Heer und sanierte die Finanzen. Zugleich sammelte er mehr Befugnisse beim Kaiser, ohne die republikanische Fassade aufzugeben. Bauten wie Kolosseum und Titusbogen sollten die zunächst geringe Legitimation seiner Familie stärken. Die Lex de imperio Vespasiani kann wegen ihrer sogenannten diskretionären Klausel als Übertragung absoluter Herrschaftsgewalt verstanden werden, wird aber auch anders gedeutet.
Vespasians Söhne Titus (79–81) und Domitian (81–96) regierten insgesamt erfolgreich. Titus reagierte nach dem Vesuvausbruch und einer Seuche rasch mit Hilfsmaßnahmen. Domitian führte erfolgreiche Feldzüge in Germanien, war bei Heer und Volk beliebt, regierte jedoch autokratisch und ließ sich dominus et deus, „Herr und Gott“, nennen. Widerstand am Hof führte 96 zu seiner Ermordung. Die ihm oft zugeschriebene Christenverfolgung war eher regional und nicht systematisch.
Nerva (96–98) adoptierte Trajan (98–117). Die Bezeichnung „Adoptivkaiser“ bedeutet nicht unbedingt, dass jeweils der Beste ausgewählt wurde: Die Herrscher hatten vor allem keine Söhne. Trajan, der aus Hispanien stammte, unterwarf Dakien und zeitweilig große Teile des Partherreichs. Beim Tod Trajans 117 hatte das Reich seine größte Ausdehnung erreicht: von Schottland bis zur Sahara sowie von Spanien und dem Donauraum bis in den heutigen Irak. Die Provinzen Armenia, Assyria und Mesopotamia standen allerdings nur wenige Jahre unter römischer Kontrolle.
Hadrian (117–138) hielt die Ressourcen des Reiches für überlastet und zog die Ostgrenze bis an den Euphrat zurück. Seine Herrschaft brachte trotz Konflikten mit dem Senat und des jüdischen Aufstands von 132–135 eine kulturelle Blüte. Antoninus Pius (138–161) setzte die defensive Politik fort; seine Zeit galt als Friedenszeit. Unter Mark Aurel (161–180), der bis 169 mit Lucius Verus regierte, endete diese Ruhe. Gegen die Parther wurde 161–166 Krieg geführt. Die von rückkehrenden Truppen eingeschleppte Antoninische Pest begann 165/166. In den Markomannenkriegen 167–175 und 178–180 wehrte Rom Markomannen, Quaden und Sarmaten an der mittleren Donau ab. Mark Aurel starb in Vindobona und bestimmte seinen leiblichen Sohn Commodus (180–192) zum Nachfolger; damit endete das Adoptivkaisertum.
Severer und Reichskrise
Commodus fiel Ende 192 einer Verschwörung zum Opfer. Im zweiten Vierkaiserjahr setzte sich Septimius Severus (193–211) durch. Er stabilisierte Grenzen und innere Ordnung und begründete die severische Dynastie. Sein Sohn Caracalla (211–217) ließ seinen Bruder und Mitkaiser Geta ermorden. Mit der Constitutio Antoniniana von 212 erhielten alle freien Bewohner des Imperiums das Bürgerrecht und zugleich die Steuerpflicht. Caracalla wurde 217 während eines Partherfeldzugs ermordet.
Nach den kurzen Herrschaften von Macrinus und Elagabal wurde Severus Alexander (222–235) der letzte Severer. Er führte Kriege gegen Sassaniden und Alamannen, galt aber als eher schwacher Kaiser und wurde 235 in Mainz von aufständischen Soldaten ermordet. Danach begann die Zeit der Soldatenkaiser.
Die Reichskrise des 3. Jahrhunderts war durch rasch wechselnde Herrscher, äußeren Druck, innere Konflikte und teilweise wirtschaftliche Probleme bestimmt. Das frühere Akzeptanzsystem, nach dem die Legitimität des princeps auf Zustimmung von Heer, Senat und Bevölkerung Roms beruhte, brach an seinen Grenzen zusammen: Das Grenzheer wurde zum entscheidenden politischen Faktor. 260 spaltete sich das gallische Sonderreich ab. Zugleich bedrohten Völker im Norden und das neupersische Sassanidenreich im Osten das Reich. Kaiser Valerian geriet 260 in Gefangenschaft, während Palmyra weite Teile Kleinasiens und Ägyptens kontrollierte. Aurelian (270–275) stabilisierte die Lage und gewann verlorene Gebiete zurück. Carus (282–283) blieb gegen die Sassaniden siegreich. Mit Diokletian und seiner Viererherrschaft, der Tetrarchie, begann nach allgemeiner Einordnung die Spätantike.
Archäologische Verwendung des Begriffs
In der Archäologie, besonders in der Ur- und Frühgeschichte, bezeichnet „Römische Kaiserzeit“ traditionell einen Abschnitt der Frühgeschichte der an das Imperium Romanum angrenzenden europäischen Gebiete. Er umfasst ungefähr die Zeit von 1 bis 375 n. Chr.; 375 gilt herkömmlich als Beginn der Völkerwanderung.
Nach der Gliederung von Hans Jürgen Eggers gehören B1 (0–50 n. Chr.) und B2 (50–150 n. Chr.) zur frühen römischen Kaiserzeit. C1 (150–200 n. Chr.), C2 (200–300 n. Chr.) und C3 (300–375 n. Chr.) bilden die späte römische Kaiserzeit. Diese Einteilung stützt sich auf die Datierung römischer Importgüter in der Germania magna und im übrigen Barbaricum, also den Gebieten außerhalb des Römischen Reiches. In der jüngeren Forschung wird diese Chronologie jedoch in Frage gestellt.