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Messias
Messianische Juden verbinden dabei Elemente des Judentums mit dem Glauben an Jesus als Erlöser. Dabei enthält der Tanach keine eindeutig formulierte …
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Bedeutung und Grundentwicklung
Messias bedeutet „Gesalbter“ (hebräisch Maschiach/Moschiach; griechisch Christós, latinisiert Christus). Im Tanach ist es ein Hoheitstitel für einen von Gott erwählten und bevollmächtigten Menschen mit besonderer Aufgabe für Israel. Zunächst bezeichnete er vor allem rechtmäßige Könige.
Nach dem Untergang des Reiches Juda 586 v. Chr. verband sich die Erinnerung an die Daviddynastie zunehmend mit der Hoffnung auf einen künftigen Herrscher aus dem Haus Davids. Er sollte die Juden zusammenführen, von Fremdherrschaft befreien und Gerechtigkeit, Freiheit und Frieden verwirklichen. Daneben entstanden Erwartungen an einen endzeitlichen Retter und Friedensbringer. Beide Vorstellungen vermischten sich später teilweise.
Die Septuaginta übersetzt Maschiach stets mit Christos. Zur römischen Zeit traten in Judäa mehrfach Personen mit messianischem Anspruch auf; Flavius Josephus berichtet von solchen Unruhen. Ob Jesus selbst zu Lebzeiten einen Messiasanspruch erhob oder dies vor allem ein Vorwurf seiner Gegner war, ist in der neutestamentlichen Forschung umstritten. Seine Hinrichtung als rex Iudaeorum („König der Juden“) kann zeigen, dass die Römer ihn als politischen Aufrührer verstanden.
Der Tanach enthält keine eindeutig formulierte Einzelprophezeiung über eine konkrete zukünftige Person als Messias. Texte über gesalbte Könige, gerechte Herrscher und von Gott berufene Diener wurden später unterschiedlich ausgelegt: Das rabbinische Judentum erwartet einen künftigen davidischen König; das Christentum deutet viele dieser Texte rückblickend auf Jesus Christus.
Gesalbte und endzeitliche Hoffnung im Tanach
Die Salbung war ein altorientalisches Ritual zur Einsetzung hoher Amtsträger. In der Bibel beruft Gott durch Propheten einen Menschen zum künftigen Herrscher, oft noch vor dessen Anerkennung durch das Volk. Saul wird durch Samuel zum Retter vor den Philistern gesalbt. Damit bezeichnet Maschiach ursprünglich einen prophetisch berufenen politisch-militärischen Führer, der Israel nach Gottes Willen leiten und vor Feinden retten sollte.
Der gesalbte König stand unter Gottes Schutz, war aber zugleich an Gottes Willen gebunden. Er sollte für das Volk sorgen, gerecht regieren, Fremdherrschaft abwehren und Unterdrückung beenden. Bei Versagen konnte Gott ihn durch einen Propheten verwerfen lassen. Maschiach meint daher den aus biblischer Sicht rechtmäßigen Herrscher über die Juden. Ausnahmsweise wird auch der Perserkönig Kyros als Maschiach bezeichnet (Jes 45,1), weil er Gottes Willen für Israel vollstreckt. Nach dem Babylonischen Exil konnte der Titel auch auf Hohepriester übergehen, die politische Vollmachten erhielten.
Propheten erwarteten nach 586 v. Chr. neben einer Erneuerung des Königtums eine endgültige Heilswende: Frieden, Heil und Wohl für alle, hebräisch Schalom. Dieser Heilsbringer sollte ein von Gott erwählter Mensch sein, aber kein gewöhnlicher politischer Herrscher; deshalb nannten die Propheten ihn meist nicht Maschiach. Wichtige Texte sind unter anderem Jes 9,1–6, Jes 11,1–10, Mi 5,1–5, Jer 23,5f., Hes 34,23f. und Sach 9,9f.
Jes 9,1–6 gilt als erste echte messianische Weissagung. Jesaja verkündet um 730 v. Chr. für das von Assyrern unterdrückte Israel das Ende von Gewaltherrschaft und die Geburt eines Herrschers auf Davids Thron. Seine Herrschaft soll auf Recht, Gerechtigkeit und Tora beruhen und Frieden ohne Ende bringen. Die dortigen Thronnamen – „Wunderbares plant“, „mächtiger Gott“, „ewiger Vater“, „Friedefürst“ – sind sonst Gott vorbehalten; der Artikel erklärt sie als prophetischen Namen für König Hiskija († 697 v. Chr.).
Jes 11,1–10 beschreibt einen „Spross“ aus dem Stamm Isais, des Vaters Davids. Gottes Geist verleiht ihm Weisheit, Einsicht, Entschlusskraft, Erkenntnis und Gottesfurcht. Er richtet Arme gerecht und Gewalttäter durch seinen Richtspruch. Die Folge ist eine erneuerte Schöpfung: Wölfe und Schafe sowie Kinder und Giftschlangen leben friedlich zusammen. Ob etwa die Immanuel-Weissagung, die Gottesknechtslieder oder Dan 7,13f. ebenfalls auf einen endzeitlichen Retter bezogen sind, ist umstritten.
Messiaserwartung im Judentum
Außerbiblische jüdische Texte zeigen unterschiedliche Erwartungen. In 17 Schriftrollen vom Toten Meer, entstanden zwischen 250 v. Chr. und 40 n. Chr., erscheint der Maschiach-Titel. Meist bezieht er sich auf einen künftigen Hohepriester; die Gemeinderegel 1QS IX,9–11 spricht sogar von „Messiassen Aarons und Israels“. Die Psalmen Salomos 17 und 18 schildern einen künftigen davidischen Heilskönig, der von Gott abhängig bleibt und durch heiligen Geist stark, weise und gerecht ist. Im 4. Esra, um 100 n. Chr., schafft der Messias für Überlebende endzeitlicher Katastrophen eine Friedenszeit von 400 Jahren; danach stirbt er mit allen Menschen, bevor eine neue Weltzeit beginnt.
Im rabbinischen Judentum haben Messiashoffnung, Gebete und Liturgie einen wichtigen Platz. Das Achtzehnbittengebet bittet um die Wiederherstellung Jerusalems und des Davidthrons. Die messianische Heilszeit gehört dabei noch zur menschlichen Geschichte; die Auferstehung der Toten bleibt allein Gottes Sache. Nach dem 1. Gebot kann der Messias nur ein Mensch sein, kein Gott, Teil Gottes oder Halbgott, und darf nicht angebetet werden.
Allgemein wird erwartet, dass der Maschiach Jude ist, zum Stamm Juda gehört und ein direkter männlicher Nachkomme von König David und König Salomon ist. Er soll das jüdische Volk aus dem Exil in Israel sammeln, den Tempel in Jerusalem wieder aufbauen, Weltfrieden bringen und die ganze Menschheit zur Anerkennung und zum Dienst des einzigen Gottes führen. Hes 37,24–28 fasst diese Erwartung mit einem ewigen Friedensbund, einem Heiligtum in Israels Mitte und der Erkenntnis Gottes durch die Nationen zusammen.
Erfüllt ein als Maschiach betrachteter Mensch nur eine dieser Bedingungen nicht und stirbt, kann er nach dieser Darstellung nicht als der Maschiach anerkannt werden. Nach jüdischer Auffassung steht sein Kommen daher weiterhin aus; nur messianische Juden vertreten eine abweichende Ansicht und glauben, Jehoschua beziehungsweise Jesus sei der angekündigte Messias.
Jesus Christus und christliche Deutung
Im Neuen Testament kommt Christos 531-mal vor, Messias nur zweimal (Joh 1,41; 4,25). Für Christen wurde „Jesus Christus“ zum Bekenntnis, dass Jesus der von Israel erwartete Messias und Sohn Gottes sei. Die Evangelien und Paulus verbinden den Titel besonders mit Jesu Tod und Auferstehung. So heißt es in 1 Kor 15,3: „Christus ist für uns gestorben nach der Schrift.“ Dies geht über die biblische Heilserwartung hinaus, die keinen leidenden Messias kannte.
Das Matthäusevangelium stellt Jesus als Sohn Davids und in Betlehem geboren dar. Paulus lehrt, Jesus habe durch seinen stellvertretenden Sühnetod am Kreuz vom Fluch der Tora befreit; Glaube und Bekenntnis zu Jesus genügten zur Rettung. Der Artikel weist zugleich auf einen Unterschied zwischen dem von Paulus zitierten Septuaginta-Text zu Jes 59,20 und dem hebräischen Tanachtext hin: Nach jüdischem Verständnis nimmt der Maschiach nicht Sünden ab, sondern kommt für Menschen, die von ihren Sünden umkehren.
Im Johannesevangelium reicht die Vorstellung eines Messias als König Israels nicht aus: Jesus gilt als präexistenter Sohn Gottes. Sein Reich sei „nicht von dieser Welt“ und gewaltlos; der Glaube an ihn als Christus verleihe ewiges Leben. Die Patristik entwickelte den Begriff „Sohn Gottes“ zur Dreifaltigkeits- und Dreieinigkeitslehre weiter. Jesus wird damit als gekreuzigter und auferstandener, leidender Gottesknecht verstanden, der sein Leben „als Lösegeld für viele“ hingibt (Mt 20,28).
Ob Jesus sich selbst Messias nannte, bleibt umstritten. Die Evangelien berichten jedoch von messianischen Erwartungen Johannes des Täufers, seiner Anhänger, von Armen im Volk und von Gegnern. Seine Verkündigung des Reiches Gottes und Heilungen weckten solche Hoffnungen. Nach heutiger Forschung wird oft zumindest ein impliziter Messiasanspruch angenommen, auch weil Petrusbekenntnis, Einzug in Jerusalem, Tempelreinigung, Todesurteil und römische Hinrichtung so erklärbar seien. Jesus habe Gottes Reich aber allein von Gott, nicht von kriegerischer Gewalt erwartet.
Die ersten Christen erwarteten seine Wiederkehr, griechisch Parusie, zusammen mit Weltende und Weltgericht. Im jüdisch-christlichen Dialog wurde die frühere Substitutionstheologie, nach der die Kirche Israel ersetzt habe, in den Großkirchen seit dem Holocaust zunehmend zurückgedrängt. Jüdischer Messiasglaube wird von manchen christlichen Theologen als eigenständige, noch unabgegoltene Erwartung anerkannt; die grundlegenden Glaubensgegensätze bleiben für viele Gläubige dennoch unüberbrückbar.
Messias im Islam
Der Koran nennt Jesus von Nazaret Isa bin Maryam, „Jesus, Sohn der Maria“, und al-Masīḥ, den Messias beziehungsweise Christus, den Gesalbten (Sure 3:44–49 und 4:170–174). Nach dem Koran ist Jesus jedoch weder Sohn Gottes noch Teil einer Dreieinigkeit, sondern ein Prophet und Diener Gottes.
Nach verbreiteter islamischer Überlieferung wird Jesus am Jüngsten Tag als Richter gegen die Ungerechten wiederkommen und gemeinsam mit dem Mahdi, einem Nachkommen Mohammeds, den Antichristen besiegen. Die islamischen Glaubensrichtungen unterscheiden sich dabei geringfügig in ihren Auffassungen.