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Koine
Zeitraum, ca. 300 v. Chr. bis 600 n. Chr. ; Ehemals gesprochen in. östlicher Mittelmeerraum: Kleinasien, südliche Balkanhalbinsel, Syrien, Palästina, Ägypten; …
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Koiné als griechische Gemeinsprache
Die Koiné (altgriechisch ἡ κοινὴ διάλεκτος, „der allgemeine Dialekt“) ist die überregionale Gemeinsprache des Griechischen vom Hellenismus bis in die römische Kaiserzeit, etwa von 300 v. Chr. bis 600 n. Chr. Sie ist die nachklassische Form des Altgriechischen. Teilweise wird das spätantike Griechisch von etwa 300 bis 600 n. Chr. nicht mehr zur Koiné gerechnet.
Gesprochen wurde sie vor allem im östlichen Mittelmeerraum, darunter in Kleinasien, auf der südlichen Balkanhalbinsel, in Syrien, Palästina und Ägypten. Die Koiné war eine Verkehrs- und Handelssprache, also eine Sprache zur Verständigung von Menschen unterschiedlicher Herkunft. Sie wurde zur Grundlage des Griechischen des Mittelalters und der Neuzeit. Heute ist sie noch Amtssprache in der Mönchsrepublik Athos.
Entstehung und sprachliche Merkmale
Die Koiné entstand durch die Vermischung der griechischen Dialekte Attisch, Dorisch, Ionisch und Äolisch während der Feldzüge Alexanders des Großen. Sein Heer bestand aus Makedonen und Griechen, mit Ausnahme der Lakedaimonier. Grundlage der neuen Gemeinsprache war das Attische, weil Athen im 5. und 4. Jahrhundert v. Chr. politisch und kulturell besonders bedeutend war.
Nach Alexanders Tod verbreitete sich Griechisch durch die großen hellenistischen Monarchien auf der Balkanhalbinsel, in Kleinasien, Syrien, Palästina und Ägypten. Bis nach Vorderindien diente es zumindest als Herrschafts- und Verwaltungssprache. Auch die Ausbreitung des Lateinischen durch die Römer verdrängte die Koiné in Vorderasien und Ägypten nicht. In Ostrom wurde Griechisch um 630 alleinige Amtssprache.
Die Koiné wird zum Altgriechischen gerechnet, unterscheidet sich aber deutlich vom klassischen Griechisch bei Sophokles oder Platon und noch stärker von Homers Sprache. Kennzeichnend sind unter anderem Vereinfachungen in Grammatik und Lautbestand. Die moderne Kunstsprache Katharevousa orientiert sich stärker an der Koiné als am klassischen Attisch.
Bibelgriechisch und Verbreitung des Christentums
Die Schriften des Neuen Testaments sind in einer neutestamentlichen Variante der Koiné verfasst. Die Septuaginta ist die in neutestamentlicher Zeit verbreitete Koine-Übersetzung des Alten Testaments. Sie ist die Quelle der meisten alttestamentlichen Zitate im Neuen Testament und zeigt Sprachwissenschaftlern, wie jüdische Gelehrte der letzten vorchristlichen Jahrhunderte das Hebräische des Tanach verstanden. Die Übersetzung gilt als äußerst präzise und durchdacht; das Bibelgriechisch hat jedoch eigene sprachliche Besonderheiten.
In Palästina gab es seit dem Hellenismus griechische Städte. Die gebildete Oberschicht sprach besonders häufig Griechisch, während das einfache Volk meist Aramäisch sprach. Als Zeugnis griechischer Siedlungen nennt das Neue Testament die Dekapolis, einen Bund griechischer Koloniestädte im Nordosten Palästinas. Im Evangelium nach Johannes 19,19–20 EU wird berichtet, dass die Inschrift bei der Hinrichtung Jesu auf Hebräisch, Lateinisch und Griechisch geschrieben war. Dies verdeutlicht die Rolle des Griechischen als Verkehrssprache.
Weil die Evangelien auf Griechisch abgefasst waren, konnte sich das Christentum rasch in den Städten des gesamten östlichen Mittelmeerraums verbreiten. Auf dem Land, wo meist lokale Sprachen gesprochen wurden, verlief diese Ausbreitung langsamer.
Koine als allgemeiner sprachwissenschaftlicher Begriff
In der Sprachwissenschaft kann „Koiné“ allgemein einen Dialekt oder eine Sprache bezeichnen, die in einer von Dialekten geprägten Sprachgemeinschaft als überregionaler Standard und Verkehrssprache akzeptiert wird. Hochdeutsch kann in diesem Sinn als Koine gelten: Es wird im deutschen Sprachgebiet überregional verwendet, hat aber Dialekte und Regiolekte nicht vollständig verdrängt.
Dabei werden Dialekte als Vorstufen einer entstehenden Standardsprache verstanden. Vergleichbar mit den griechischen Dialekten, aus denen die Koiné als weiträumige Verkehrs- und Handelssprache hervorging, können deutsche und andere europäische Dialekte als Vorstufen späterer Hochsprachen betrachtet werden.