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Jesus von Nazaret
Seine Anhänger verkündeten ihn nach seinem Tod als Jesus Christus, den Messias und Sohn Gottes. Daraus entstand eine neue Weltreligion, das Christentum. Auch …
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Historische Einordnung und Quellen
Jesus von Nazaret war ein jüdischer Wanderprediger, der etwa ab dem Jahr 28 in Galiläa und Judäa öffentlich auftrat. Zwei bis drei Jahre später wurde er auf Befehl des römischen Präfekten Pontius Pilatus in Jerusalem gekreuzigt. Seine Anhänger verkündeten ihn nach seinem Tod als Jesus Christus, Messias und Sohn Gottes. Aus dieser Bewegung entstand das Christentum.
Jesus hinterließ keine eigenen Schriften. Das Neue Testament (NT) ist als Glaubensdokument der Urchristen zugleich die wichtigste Quelle der historischen Jesusforschung. Die Evangelien und andere christliche Texte verbinden Erinnerungen an Jesus mit biblischen, legendarischen und theologischen Elementen. Sie wollten vor allem Jesus als den verheißenen Messias verkünden, nicht eine vollständige Biografie schreiben. Dennoch enthalten sie historische Angaben.
Zu den christlichen Quellen gehören die vier kanonischen Evangelien, Paulusbriefe, der Jakobusbrief, Apokryphen und außerhalb des NT überlieferte Einzelworte, die Agrapha. Die zwischen 48 und 61 entstandenen Paulusbriefe nennen nur wenige biografische Daten, bestätigen aber einzelne Jesusworte und Überlieferungen aus der Jerusalemer Urgemeinde. Die synoptischen Evangelien, also Matthäus, Markus und Lukas, entstanden wahrscheinlich nach 70, unter anderem wegen ihrer Anspielungen auf die Zerstörung des Jerusalemer Tempels. Matthäus und Lukas nutzten nach der Zweiquellentheorie das Markusevangelium oder eine Vorform davon sowie eine hypothetische Logienquelle Q mit Reden und Sprüchen Jesu. Auch das vermutlich in Syrien entstandene Thomasevangelium enthält Spruchsammlungen. Das um 100 entstandene Johannesevangelium kann unabhängig überlieferte historische Angaben enthalten.
Die Evangelien erzählen die Ereignisse vom Einzug in Jerusalem bis zur Grablegung in ähnlicher Reihenfolge. Diese Gemeinsamkeiten werden auf einen frühen Passionsbericht der Urgemeinde zurückgeführt. Orts-, Zeit-, Personen- und Situationsangaben wurden jedoch von den Evangelisten verändert; ihre Historizität ist daher häufig umstritten.
Nichtchristliche Quellen erwähnen Jesus nur selten und meist im Zusammenhang mit dem Christustitel und seiner Kreuzigung. Flavius Josephus nennt ihn in den Jüdischen Altertümern um 93/94 zweimal. Das Testimonium Flavianum gilt heute meist als christlich überarbeitet, besitzt aber wahrscheinlich einen authentischen Kern: Jesus wird darin als Weisheitslehrer beschrieben, der von vornehmen Juden angeklagt und von Pilatus zum Kreuzestod verurteilt wurde. Eine zweite Stelle bezeichnet Jakobus als Bruder Jesu, „der Christus genannt wird“. Tacitus berichtet um 117, Christus sei unter Tiberius von Pontius Pilatus hingerichtet worden. Unklar ist, ob Tacitus römische oder christliche Quellen verwendete. Sueton, Mara Bar Serapion und der babylonische Talmud beziehen sich nur beiläufig oder polemisch auf christliche Überlieferungen.
Seit etwa 1750 werden die Quellen historisch-kritisch untersucht. Die Forschung unterscheidet historische Angaben von Legenden, Mythen und theologischen Motiven. Methodik und viele Thesen der älteren Leben-Jesu-Forschung gelten seit Albert Schweitzers Geschichte der Leben-Jesu-Forschung (1906/1913) als überholt. Seit etwa 1970 werden stärker Archäologie, Sozialgeschichte, Orientalistik und Judaistik einbezogen. Die meisten NT-Historiker halten Jesu Existenz für wahrscheinlich und ordnen ihn vollständig in das damalige Judentum ein. Umfang und Zuverlässigkeit der Angaben bleiben jedoch umstritten. Als weithin anerkannte Echtheitskriterien gelten Kontext- und Wirkungsplausibilität: Historisch ist in den Quellen, was sich als Auswirkung Jesu begreifen lässt und zugleich nur in einem jüdischen Kontext entstanden sein kann.
Herkunft und Lebensumstände
Der Name Jesus ist die latinisierte Form des griechischen Ἰησοῦς und geht auf den hebräischen Namen Jehoschua sowie die aramäischen Kurzformen Jeschua oder Jeschu zurück. Er verbindet die Kurzform Jeho- des Gottesnamens JHWH mit einer Form des Verbs j(a)sch(a)ʿ („helfen, retten“). Matthäus 1,21 und Apostelgeschichte 4,12 deuten den Namen als „Gott ist die Rettung“ oder „der Herr hilft“. Zusätze wie „Josefs Sohn“, „Sohn der Maria“, Nazarenos oder Nazoraios bezeichneten seine Herkunft beziehungsweise seinen Wohnort.
Das NT nennt kein Geburtsdatum. Die Angaben zum Geburtsjahr widersprechen sich. Matthäus und Lukas setzen Jesu Geburt in die Zeit des Herodes, der laut Josephus 4 v. Chr. starb. Lukas verbindet sie außerdem mit einer Volkszählung unter Publius Sulpicius Quirinius, der erst 6/7 n. Chr. Statthalter von Syrien und Judäa wurde. Diese Angabe gilt daher wahrscheinlich als chronologischer Irrtum. Jesus wurde vermutlich zwischen 7 und 4 v. Chr. geboren.
Matthäus und Lukas nennen Betlehem in Judäa als Geburtsort, weil Jesus als Nachkomme Davids und Erfüller der messianischen Verheißung dargestellt werden sollte. Die Geburtsgeschichten fehlen bei Markus und Johannes, unterscheiden sich stark und enthalten viele legendarische und mythische Motive. Dazu gehören Jungfrauengeburt, Engel, Stern, orientalische Astrologen, Kindermord und Flucht nach Ägypten. Historiker nehmen deshalb meist an, dass Jesus in Nazareth geboren wurde und seine Geburt später nach Betlehem verlegt wurde. Nazareth war damals ein unbedeutendes Dorf mit höchstens 400 Einwohnern.
Jesus war nach Markus der erstgeborene Sohn Marias. Als mögliche Brüder werden Jakobus, Joses, Judas und Simon sowie mehrere nicht genannte Schwestern genannt. Ob „Brüder“ und „Schwestern“ leibliche Geschwister oder auch Vettern und Cousinen meint, ist umstritten. Die Familie war wahrscheinlich jüdisch und toratreu. Jesu öffentliches Auftreten führte nach den Evangelien zu Konflikten mit seinen Angehörigen. Einige Familienmitglieder hielten ihn für verrückt oder glaubten nicht an ihn. Nach seinem Tod gehörten seine Mutter und einige Brüder jedoch zur Urgemeinde; Jakobus wurde später deren Leiter.
Jesus sprach im Alltag wahrscheinlich westliches Aramäisch. Ob er die griechische Koine beherrschte, ist ungewiss. Biblisches Hebräisch wurde kaum noch gesprochen, doch Jesus kann es durch seine Kenntnis des Tanach oder durch aramäische Übersetzungen, die Targumim, gekannt haben. Die Angabe, dass der Zwölfjährige im Tempel Toralehrer beeindruckte, gilt als legendarisches Motiv. Seine späteren Synagogenauftritte setzen Lesefähigkeit voraus; ob er schreiben konnte, bleibt ungewiss.
Seine Argumentation war rabbinisch und verband Halacha, also religiöse Rechtsauslegung, mit Midraschim, der auslegenden Deutung biblischer Texte. Seine Jünger nannten ihn „Rabbi“ oder „Rabbuni“, also Lehrer beziehungsweise „mein Meister“. Nach Markus war Jesus Bauhandwerker, griechisch τέκτων, was häufig ungenau mit „Zimmermann“ übersetzt wird. Vermutlich erlernte er den Beruf seines Vaters. Weitere Aussagen des NT erlauben keine sichere Bestimmung anderer Berufe.
Botschaft und Wirken
Jesu zentrale Botschaft war nach den synoptischen Evangelien die nahe „Königsherrschaft Gottes“ oder das „Reich Gottes“. Er rief die Juden zur Umkehr auf und verstand Gottes Herrschaft sowohl als unmittelbar bevorstehend als auch als bereits beginnenden Prozess. Seit etwa 1945 gehen die meisten Exegeten davon aus, dass beide Aspekte zu Jesus gehören. Gemeint war nicht nur eine jenseitige Welt, sondern eine umfassende Erneuerung der Erde und der Natur.
Die Botschaft richtete sich besonders an Arme, Trauernde, Machtlose und Verfolgte. Die Seligpreisungen versprechen ihnen Gottes Herrschaft als gerechte Wende und Aufhebung ihrer Not. Jesu Antrittspredigt in Lukas 4,18–21 aktualisiert die biblische Verheißung eines Erlassjahres zur Entschuldung und Landumverteilung aus Levitikus 25. Heilungen galten als Zeichen dafür, dass Gottes Reich bereits anbricht und die Herrschaft des Bösen endet. Jesus verband das Reich Gottes mit einer letzten Chance zur Umkehr, stellte es aber anders als Johannes der Täufer auch als für alle offenes Festmahl dar.
Jesus heilte Kranke und trieb Dämonen aus. Die Evangelien berichten außerdem von Geschenk-, Rettungs-, Normen- und Totenerweckungswundern. „Aussatz“ bezeichnete damals verschiedene Hautkrankheiten; als Besessene galten unter anderem Menschen mit Krankheitsbildern, die heute als Epilepsie oder Schizophrenie bezeichnet werden. Jesu Zuwendung zu sozial Ausgegrenzten, darunter Kranke, Sünder, Zöllner und auch einzelne Nichtjuden, hob ihre Isolation auf. Oft wird die Heilung dem Glauben der Betroffenen zugeschrieben: „Dein Glaube hat dich gerettet.“ Viele Neutestamentler nehmen an, dass die ältesten Heilungs- und Exorzismuserzählungen auf tatsächliche Handlungen Jesu zurückgehen, während ihm später weitere Wunder zugeschrieben wurden.
Jesus deutete die Tora innerhalb des Judentums aus. Er setzte sie grundsätzlich als gültigen Willen Gottes voraus, verschärfte manche Gebote, entschärfte andere und relativierte weitere. Der Nächstenliebe gab er zusammen mit der Gottesliebe eine zentrale Stellung. Er wandte sich an Menschen, die wegen Übertretungen verachtet wurden, und kritisierte das Anhäufen von Besitz. Ein gesetzestreuer Reicher müsse nach Markus seinen Besitz den Armen geben, um frei zur Nachfolge zu sein.
In den sogenannten Antithesen betonte Jesus, dass bereits die innere Haltung den Bruch eines Gebots verursachen könne: Zorn und Beschimpfung verletzten das Tötungsverbot, begehrliches Anschauen das Ehegebot und jeder Eid den richtigen Umgang mit Gottes Namen. Statt Vergeltung forderte er Gewaltverzicht, Feindesliebe und Fürsorge auch für Verfolger. Die Aufforderung „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!“ warnt davor, Tora und Auslegung zur unbarmherzigen Verurteilung anderer zu benutzen. Die Geschichte von der Ehebrecherin, in der Jesus sagt: „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie“, fehlt allerdings in älteren Handschriften des Johannesevangeliums und ist in ihrer Überlieferung umstritten. Auch die Speise- und Reinheitsgebote hob Jesus wahrscheinlich nicht insgesamt auf, sondern stellte moralische Reinheit über äußerliche Reinheit und nahm Ausgegrenzte in die Gemeinschaft auf.
Anhänger und jüdische Konflikte
Jesus berief männliche und weibliche Jünger. Sie sollten Beruf, Familie und Besitz verlassen, meist mittel- und waffenlos umherziehen und Gottes Reich verkünden. Sie heilten Kranke, trieben Dämonen aus und überbrachten Gottes Segen. Wer sie nicht aufnahm, sollte den Ort verlassen und dem Gericht Gottes überlassen. Gerd Theißen deutete diese Texte 1977 als Ausdruck eines „Wanderradikalismus“: Besitzlose Wanderer seien in einer Zeit wirtschaftlicher Krise von ortsansässigen Sympathisanten unterstützt worden. Ob Jesus einen engeren Zwölferkreis auswählte, ist im NT überliefert; dies konnte die symbolische Bedeutung der zwölf Stämme Israels aufgreifen.
Frauen hatten in Jesu Bewegung eine ungewöhnlich wichtige Rolle. Frauen aus Galiläa versorgten Jesus und seine Jünger, begleiteten sein Sterben, beobachteten die Grablegung und wurden als erste Zeuginnen der Auferstehung dargestellt. Viele Heilungen betrafen sozial ausgegrenzte Frauen. Das NT enthält keinen Hinweis auf eine Partnerschaft Jesu. Theorien, Maria Magdalena sei seine Ehefrau gewesen, gelten als quellenlose Fiktion. Jesus gebot die Ehe seinen Jüngern nicht, sondern ließ für die Reich-Gottes-Verkündigung Ehelosigkeit zu. Gegenüber Pharisäern betonte er die Unauflösbarkeit der Ehe und verbot beiden Ehepartnern Scheidung und Wiederheirat. Dies wird als Schutz der Frauen in einer patriarchalischen Gesellschaft gedeutet.
Die Evangelien stellen Pharisäer und Toragelehrte häufig als Gegner dar, etwa wegen Jesu Sündenvergebung, seiner Tischgemeinschaft mit Zöllnern und Sündern sowie seiner Sabbatheilungen. Die Darstellung einer geschlossenen Gegnerschaft und einer Verbindung mit Herodianern gilt jedoch vielfach als spätere Redaktion. Historisch plausibler erscheinen Berichte, nach denen Pharisäer Jesus zum Essen einluden, seine Lehre diskutierten, ihm beim Doppelgebot der Gottes- und Nächstenliebe zustimmten oder ihn vor Herodes warnten. Viele Forscher sehen Jesus den Pharisäern näher als anderen jüdischen Gruppen.
Die Sadduzäer waren wohlhabende, hellenistisch gebildete Priester und leiteten den Jerusalemer Tempel. Sie stellten den Hohepriester, verwalteten den Opferkult und zogen die Tempelsteuer ein. Seit 6 n. Chr. wurden sie von den Römern kontrolliert und mussten für Ordnung sorgen. Jesus lehnte den Tempelkult offenbar nicht grundsätzlich ab, kritisierte aber seine Ausrichtung und die soziale Ungerechtigkeit.
Herodes Antipas regierte Galiläa und Peräa. Seine hellenisierten Städte Sepphoris und Tiberias galten vielen Landbewohnern als fremd und unrein. Wegen seiner Ehe mit Herodias ließ er Johannes den Täufer hinrichten. Die Zeloten bekämpften die römische Fremdherrschaft, teils durch Aufstände und Attentate. Jesus verkündete ebenfalls das baldige Ende der Gewaltimperien, setzte aber auf gewaltlose Nachfolge, Feindesliebe, gemeinsames Essen und kostenloses Heilen. Die Forschung diskutiert deshalb, ob sein Wirken eine indirekte politische Dimension besaß und ob sein Tod als Folge eines politisch gedeuteten Messiasanspruchs zu verstehen ist.
Jerusalem, Hinrichtung und Grablegung
Vor dem Pessachfest zog Jesus nach Markus auf einem jungen Esel in Jerusalem ein. Eine Menge jubelte mit „Hosanna“ und sprach vom kommenden Reich Davids. Der Esel erinnerte an Sacharja 9,9: einen machtlosen Messias, der Kriegswaffen abschafft und Frieden gebietet. Zugleich konnte ein solcher Einzug die Erwartung eines jüdischen Königs und damit einen Aufstand signalisieren. Jesus konfrontierte in Jerusalem die Machteliten von Tempel und Besatzung, obwohl sein Messiasbild von Gewaltlosigkeit und Dienst geprägt war.
Am folgenden Tag störte Jesus nach Markus den Handel im Tempelvorhof. Er stieß Stände von Opferhändlern und Geldwechslern um und verhinderte den Transport von Gegenständen. Ob diese Tempelaktion historisch ist, wie groß sie war und ob sie den Tempelkult insgesamt oder nur Missstände kritisierte, ist umstritten. Wahrscheinlich handelte es sich nicht um eine dramatische Massenszene, da sonst Tempelwache oder römische Soldaten eingegriffen hätten. Jesus begründete sie mit Jesaja 56,7: „Mein Haus soll ein Haus des Gebetes für alle Völker sein.“ Möglicherweise forderte er damit eine eschatologische Kultreform und den freien Zugang aller Völker. Der Ausdruck „Räuberhöhle“ spielt auf Jeremia 7 an und kann eine Kritik an Rechtsbrüchen der Priester enthalten; seine Echtheit ist umstritten.
Jesus wurde nachts nach dem letzten Mahl im Garten Getsemani festgenommen. Nach Markus führte Judas Iskariot eine bewaffnete Schar mit Schwertern und Stangen dorthin; das vereinbarte Zeichen war der Judaskuss. Einige Jünger wollten Widerstand leisten, doch Jesus wies dies zurück. Anschließend flohen alle. Ob die Festnahme durch die jüdische Tempelwache oder unter römischer Beteiligung erfolgte, ist umstritten. Johannes spricht von einer römischen Kohorte, einer Einheit von 600 bis 1000 Soldaten; einige Forscher halten diese Darstellung für historisch, andere für theologisch überhöht.
Nach Markus wurde Jesus im Haus des Hohepriesters vor dem Hohen Rat verhört. Zeugen bezogen sich auf eine Ankündigung des Abrisses und Neubaus des Tempels. Auf die Frage, ob er der Messias, der Sohn des Hochgelobten sei, antwortete Jesus: „Ich bin es; und ihr werdet sehen den Menschensohn sitzend zur Rechten der Kraft und mit den Himmelswolken kommen.“ Der Hohepriester deutete dies als Gotteslästerung. Ob ein solcher Prozess stattfand und ob der Rat ein Todesurteil fällte, ist stark umstritten. In Judäa durfte nur der römische Statthalter Todesstrafen anordnen und vollstrecken.
Die Evangelien berichten, Pilatus habe Jesus als „König der Juden“ verhört und zur Kreuzigung verurteilt. Eine öffentliche Volksbefragung und eine Pessachamnestie gelten heute meist als spätere Redaktion, die Pilatus entlasten und jüdische Führer belasten sollte. Der historische Kern des Urteilsgrundes „König der Juden“ gilt dagegen als wahrscheinlich. Ein politisch verstandener Messiasanspruch konnte nach römischem Recht als Majestätsbeleidigung, Aufstand oder staatsfeindlicher Aufruhr gelten.
Jesus wurde wahrscheinlich im Jahr 30, möglicherweise 30 oder 31, getötet. Die Evangelien nennen als Todestag einen Freitag während des Pessachfestes. Die Synoptiker nennen den 15. Nisan, Johannes den 14. Nisan. Astronomische Berechnungen ergeben für einen Freitag am 15. Nisan die Jahre 31 und 34, für den 14. Nisan die Jahre 30 und 33. Viele Forscher halten die johanneische Datierung für glaubwürdiger. Die Kreuzigung begann nach Markus etwa um 9 Uhr und endete gegen 15 Uhr. Details wie Finsternis und Psalmzitate gelten eher als theologische Deutung.
Römische Soldaten kreuzigten Jesus zusammen mit zwei „Räubern“, vermutlich Zeloten oder Sozialbanditen, vor der Stadtmauer auf Golgota. Die Kreuzigung sollte besonders Aufständische abschrecken und war für Juden ein Zeichen des Verfluchtseins. Noch am selben Abend bestattete Josef von Arimathäa Jesus nach jüdischem Brauch in einem neuen Felsengrab. Der genaue Ort ist unbekannt; manche Historiker vermuten ihn unter der heutigen Grabeskirche. Die Forschung untersucht die Berichte nach der Grablegung vor allem als Zeugnisse der Entstehung des urchristlichen Auferstehungsglaubens.