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Bund (Bibel)
Bei einem Bund kann es sich um einen Vertrag zwischen Menschen handeln oder um einen Bundesschluss Gottes mit Menschen. Bei einem Bund zwischen Gott und …
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Grundidee des Bundes
„Bund“ gibt die biblischen Schlüsselbegriffe Brit(h), hebräisch ברית (Bərit), und altgriechisch διαθήκη (diathēkē) wieder. Gemeint ist ein feierliches Bündnis, ein Vertrag oder ein Eid. Ein Bund kann zwischen Menschen bestehen oder von Gott mit Menschen geschlossen werden.
Beim Bund zwischen Gott und Menschen sind die Partner ungleich: Gott steht der Menschheit, einem Volk oder einzelnen Personen gegenüber. Deshalb wird der Bund von Gott eingesetzt, gegeben, aufgestellt, befohlen, gewährt oder angeboten. Dennoch verpflichtet er beide Seiten; er darf wie ein Vertrag nicht gebrochen werden. Der Bund am Sinai betrifft Gott und das ganze Volk Israel und ist damit eine Gemeinschaftsoffenbarung.
Bündnisse zwischen Menschen und Gottes Bund
Die hebräische Bibel kennt Bündnisse zwischen einzelnen Menschen und Völkern. Sie können zwischen Gleichrangigen geschlossen werden, etwa zwischen König Salomo und Hiram von Tyrus (1 Kön 5,26 EU), oder zwischen Ungleichen. Im Bund mit Israel werden die Gibeoniter zu „Sklaven“ oder „Knechten“ (Jos 9,1–27 EU); Zedekia wird von Babylon als Herrscher über das abhängige Juda eingesetzt (2 Kön 24,17 f. EU).
Wichtig ist der Schwur bei einer Gottheit: Er macht den Vertrag bindend, auch wenn er sich nachträglich als nachteilig erweist. So bleibt der bei JHWH beschworene Bund mit den Gibeonitern trotz deren Täuschung gültig (Jos 9,19 f. EU). Zedekias Bruch des bei JHWH geschworenen Bündnisses mit Babylon wird daher als Anlass göttlicher Strafe gedeutet (Ez 17,11–21 EU).
Der Bund Gottes mit Israel ist grundlegend für Tora und hebräische Bibel. Daneben nennt die Bibel weitere Bundesschlüsse unterschiedlicher Tragweite.
Noach, Abraham und Sinai
Der Noahbund erscheint in Gen 6,18 EU und 9,8–17 EU. Er gilt Noah, seiner Familie und ihren Nachkommen sowie allen Lebewesen, die in der Arche gerettet wurden. Gott legt der Menschheit die sieben noachidischen Gebote auf und verpflichtet sich selbst, nie wieder alle Lebewesen durch eine Flut auszurotten. Die Zusage lautet: „So lange die Erde besteht, sollen nicht aufhören Aussaat und Ernte, Kälte und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht“ (Gen 8,22 EU). Sein Zeichen ist der Regenbogen. In priesterlicher Tradition wird er als einseitige, für alles Lebendige geltende Zusage Gottes verstanden.
Beim Abrahamsbund schließt Gott mit Abraham und dessen Nachkommen einen Bund; äußeres Zeichen ist die Beschneidung alles Männlichen, die Brit Mila (Gen 17 EU). In jüdischer Tradition ist dies der bedeutendste Bund, weil er die Erwählung Israels begründet; damit wird laut Bibel auch Israels Bedeutung für das Heil der anderen Völker verbunden. Sterne des Himmels und Brit Mila sind Symbole dieses Bundes. In Exodus wird er als Bund Gottes mit Israel bestätigt und mit der Gabe der Tora verbunden (Ex 19,5 f. EU).
Der Sinaibund ähnelt alten Verträgen zwischen ungleichen Partnern: Präambel, Rückblick auf die guten Taten der stärkeren Partei, Vertragsbedingungen und Versprechen. Der Bund zwischen Gott und Israel umfasst zudem Segen und Fluch, öffentliche Ausrufung und die Anerkennung durch das Volk. Kennzeichnend ist die als göttliche Offenbarung durch Mose verstandene Ethik. Israel wird nicht wegen eigener Verdienste, sondern nach Gottes unergründlichem Willen erwählt, seine Ordnungen, Gebote und Verbote zu befolgen; anderen Völkern gelten die sieben noachidischen Gebote. Die Zehn Gebote und die Bundeslade mit den Gesetzestafeln sind Zeichen des Sinaibundes. Die jüdische Tradition versteht jede Generation so, als stehe sie selbst am Sinai beziehungsweise Horeb.
Alter und neuer Bund im Christentum
Die christliche Bibeltheologie unterscheidet häufig „alten“ und „neuen Bund“. Der alte Bund ist ein Sammelbegriff für die im Alten Testament beschriebenen Bündnisse Gottes mit Menschen, besonders für das angebotene Bündnis mit dem erwählten Volk Israel. Der neue Bund wird auf Jesus Christus als Stifter eines neuen Heilsbundes bezogen.
Der Begriff gelangte über das Griechische Alte Testament in das Neue Testament. Dort bedeutet diathēkē überwiegend „Bund“, nicht „Testament“. Nach christlichem Verständnis wird der Sinaibund aus Exodus 24 erneuert. Wegen seiner Einsetzung am Gründonnerstag heißt er je nach theologischer Auffassung neuer oder zweiter Bund.
Jesus schließt diesen Bund nach Lk 22,19–20 EU mit seinen Jüngern: Brot steht für seinen hingegebenen Leib, der Kelch für den „Neue[n] Bund in meinem Blut“, das vergossen wird. Brot und Wein sind die Bundeszeichen; Eucharistie oder Abendmahl erinnern an den Bund. Durch die Taufe wird der einzelne Mensch in den neuen Bund aufgenommen (Röm 6,3–5 EU): Die Taufe verbindet mit Christi Tod und Auferstehung und soll zu einem Leben als neuer Mensch führen.
Theologische und religionswissenschaftliche Deutungen
In der christlichen Theologie wurde eine angeblich nomistische, also gesetzesbezogene, Struktur des Bundes unterschiedlich bewertet: teils als durch die Liebe des Neuen Testaments aufgehobenes Heilshindernis, teils – besonders in Bundestheologie der Reformatoren und Föderaltheologie des 18. Jahrhunderts – als notwendiger Teil des Heilsvollzugs.
Die Septuaginta übersetzt Brith mit diathēkē. Außerhalb der Bibel bedeutet dieses griechische Wort „Testament“. Christliche Theologie versteht die Wortwahl als passend, weil der Bund Gottes wie ein Testament die Willenserklärung Gottes und nicht die Übereinkunft zweier Parteien sei. Die jüdische Tradition sieht dies gegensätzlich und hält „Vertrag“ für passender; im christlichen Schrifttum kann diathēkē daher auch Verfügung, Willenskundgebung oder Anordnung bedeuten.
Religionswissenschaftlich gelten die Bünde mit Noah, Abraham und Mose als Zäsuren einer Entwicklung der Religion. Das Bundesverhältnis bleibt dabei unsymmetrisch; „Bund“ und „Erwählung“ werden teilweise gleichbedeutend gebraucht. Unterschieden wird zwischen der Außenseite der Erwählung Israels zum „erwählten Volk“ und der Innenseite der Verpflichtung gegenüber Gott, die nach Hermisson den Bund im engeren Sinn bildet.
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