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Abendmahl Jesu

Als Abendmahl Jesu, auch letztes Abendmahl, wird das Mahl bezeichnet, das Jesus Christus der Überlieferung nach mit den zwölf Aposteln zur Zeit des …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand und Quellen
  2. 2. Brot, Kelch und ihre Deutung
  3. 3. Zeit und angenommener Ort
  4. 4. Jüdische Wurzeln und Pessachfrage
  5. 5. Frühchristliche Feier und Deutungsmodelle
  6. 6. Bezüge und künstlerische Darstellung

Gegenstand und Quellen

Als Abendmahl Jesu oder letztes Abendmahl gilt das Mahl, das Jesus Christus der Überlieferung nach mit den zwölf Aposteln zur Zeit des Pessachfestes vor seinem Kreuzestod in Jerusalem feierte. Es wird in die Amtszeit des Statthalters Pontius Pilatus (26–36 n. Chr.) datiert. Aus der Erinnerung daran, dem Ablauf jüdischer Mahlzeiten und den gemeinsamen Mahlfeiern der Urgemeinde entwickelten sich christliche Kultformen; seit dem 2. Jahrhundert heißt diese Handlung Eucharistie.

„Abendmahl“ ist eine Bezeichnung der Lutherbibel und war in der Antike unbekannt. Das Neue Testament spricht vom „Herrenmahl“, vom „Brotbrechen“ und teils vom Agape-Mahl. „Eucharistie“ kommt dort noch nicht als Wort vor, ist aber frühchristlich bezeugt.

Alle vier Evangelien und 1 Kor 11 berichten vom letzten Mahl. Die älteste literarische Quelle ist Paulus um 55/56 n. Chr.; er gibt eine Überlieferung wieder, die er etwa 40 n. Chr. oder 35 n. Chr. empfangen und um 50 n. Chr. nach Korinth gebracht habe. Paulus zufolge nahm Jesus in der Nacht seiner Auslieferung Brot, dankte, brach es und sagte: „Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ Nach dem Mahl deutete er den Kelch als „Neuer Bund in meinem Blut“. Das Essen und Trinken verkünde den Tod des Herrn, „bis er kommt“.

Markus, Matthäus und Lukas stellen ebenfalls Brotbrechen und Kelchreichung mit Deuteworten in den Mittelpunkt. Das Johannesevangelium enthält dagegen keinen Einsetzungsbericht: Es erzählt Fußwaschung, die Brotausteilung an Judas und lange Abschiedsreden. Seine Brotrede in Joh 6,48–59, besonders „Und dieses Brot ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt“, wird meist auf das Herrenmahl bezogen; manche sehen darin eine nachträgliche Angleichung, andere eine eigenständige frühe Mahltradition.

Brot, Kelch und ihre Deutung

Die Überlieferungen stimmen darin überein: Jesus segnete und brach Brot, gab es den Jüngern und reichte einen Weinbecher. Er bezog Brot und Wein auf seinen „Leib“ und sein „Blut“. Die Fassungen unterscheiden sich:

  • Markus: „Nehmt, dies ist mein Leib“; „Dies ist mein Blut des Bundes, das ausgegossen wird für viele.“
  • Matthäus ergänzt beim Brot „esst“ und beim Kelch „zum Nachlass der Sünden“.
  • Paulus: „Dies ist mein Leib für euch“ und „Dieser Becher ist der neue Bund in meinem Blut“.
  • Lukas: „Dies ist mein Leib, der für euch gegeben wird“; „Dieser Becher ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch ausgegossen wird.“

Als älteste Typen gelten die paulinische beziehungsweise testamentarische Tradition (1 Kor 11,23–25), der Lukas folgt, und die synoptische beziehungsweise liturgische Tradition bei Markus, der Matthäus folgt. Paulus nennt das Pessachfest im Bericht nicht und überliefert einen Wiederholungsbefehl nach Brot und Kelch; Markus nennt keinen solchen Befehl, bezeichnet das Mahl aber ausdrücklich als Paschamahl. Markus verbindet die Gabe des Kelchs mit dem Gelübde Jesu, bis zum Reich Gottes nicht mehr vom Gewächs des Weinstocks zu trinken. Lukas vereint Elemente beider Traditionen und kennt zwei Kelche.

„Leib“ bedeutet im hebräischen Sprachgebrauch nicht nur den Körper, sondern den ganzen Menschen. „Blut“ gilt als Träger des Lebens und steht hier für Jesu gewaltsamen Tod in seiner Heilsbedeutung. „Blut des Bundes“ verweist bei Markus und Matthäus auf Ex 24,8, den Sinai-Bund; der „neue Bund“ bei Paulus und Lukas erinnert an Jer 31,31–34. „Für viele“ wird nach einer verbreiteten Deutung im einschließenden Sinn für die Gesamtheit aus Juden und Heiden verstanden; eine andere, katholisch-konservative Position deutet πολλοί dagegen einschränkend als „viele“. Das „Gedächtnis“ (anámnesis) meint im biblischen Gebrauch mehr als Erinnern: eine sakramentale Vergegenwärtigung und zugleich Vorwegnahme des künftigen Heils.

Paulus warnt vor unwürdiger Teilnahme: Wer isst und trinkt, ohne den Leib des Herrn zu bedenken, zieht sich Gericht zu. Bei Markus tranken dagegen alle aus dem von Jesus gereichten Kelch, auch Judas Iskariot.

Zeit und angenommener Ort

Historiker setzen die Kreuzigung in die Jahre 30–36 n. Chr. Astronomische Kalenderberechnungen, unter anderem von Isaac Newton und Colin Humphreys, schließen die Jahre 31, 32, 35 und 36 aus und lassen den 7. April 30 oder den 3. April 33 als plausible Daten. Die kirchliche Tradition des Gründonnerstags nimmt ein Abendmahl am Abend vor der Kreuzigung an.

Die Evangelien stimmen darin überein, dass Jesus vor seinem Tod an einem Freitag zur Pessachzeit mit den Jüngern aß und am folgenden Sabbat im Grab lag. Die Synoptiker verstehen das Mahl als Pessachmahl. Johannes legt es dagegen auf einen Abend vor dem Rüsttag und lässt den Tod Jesu vor dem Beginn des Pessachfestes stattfinden. Daher entstehen unterschiedliche Chronologien.

Humphreys schlug, an Annie Jaubert anknüpfend, Mittwochabend, 1. April 33, als Termin des letzten Mahls vor. Er verband dies mit einem jüdisch-ägyptischen Mondkalender, der anders als der jüdisch-babylonische Kalender den Monatsbeginn und Tagesbeginn bestimmt. Die im Artikel dargestellte Kalenderthese ist jedoch ausdrücklich als grundlegend überarbeitungsbedürftig markiert: Sie wird dort als großteils unrichtige Darstellung einer nicht anerkannten Außenseitertheorie auf veralteten oder unrichtigen Kalenderhypothesen bezeichnet. Die daraus abgeleiteten Angaben sind daher umstritten.

Als traditioneller Ort gilt ein Saal auf dem Berg Zion in Jerusalem. Die byzantinische Hagia-Sion-Kirche wurde im späten 4. Jahrhundert zunächst mit dem Pfingstgeschehen verbunden; ab dem 6. Jahrhundert zog sie auch die Tradition des Abendmahlssaals an. Kreuzfahrer ersetzten die baufällige Kirche weitgehend durch Sancta Maria in Monte Sion.

Jüdische Wurzeln und Pessachfrage

Gemeinsame Mahlzeiten haben im Tanach eine religiöse und soziale Bedeutung: Gastfreundschaft gewährt Schutz, Segen und Hilfe. Mahlzeiten können Verträge und Gottesbund bestätigen, etwa beim Bund am Sinai in Ex 24,1–11. Das gemeinsame Essen ist außerdem Bild für den endzeitlichen Schalom Gottes, also Frieden, Heil und Erlösung, für Israel und die Völker, beispielsweise Jes 25,6ff.

Ob das letzte Abendmahl ein Pessachmahl war, hängt von der gewählten Chronologie ab. Nach den Synoptikern wurde es am Abend des 14. Nisan als Pessachmahl gefeiert und Jesus am Festtag, dem 15. Nisan, gekreuzigt. Nach Johannes war der 14. Nisan der Kreuzigungstag; das Mahl wäre dann nach jüdischem Kalender kein Pessachmahl gewesen. Letzteres gilt im Artikel meist als historisch wahrscheinlicher, weil Prozess und Hinrichtung am Pessachfest selbst schwer vorstellbar seien und die Einsetzungstexte das Pessachmahl nicht selbst nennen. Auch dann stand das Mahl aber „im Schatten des Passahgedankens“.

Das Pessachmahl zur Zeit Jesu war vor allem ein gemeinsamer Verzehr des Opfertiers in Jerusalem. Es verband sich mit Neuanfang, Schutz und kultischer Reinheit. Der spätere rabbinische Sederabend ist nicht einfach mit dem Mahl Jesu gleichzusetzen: Erst nach dem Bar-Kochba-Aufstand entwickelte sich in Palästina ein Ersatz für das Tempelritual, dessen klassische Form erst über Jahrhunderte entstand. Ähnlichkeiten zwischen Seder und christlichen Mahlfeiern erklären sich nach dem Artikel durch die gemeinsame Beteiligung an der Kultur des griechischen Gastmahls.

Die Schriftrollen vom Toten Meer beschreiben zudem ein endzeitliches Bankett des Jachad: Ein Priester segnete Brot und Most, danach sollte der Messias zuerst vom Brot essen. Ob dies als Ersatz für Tempelopfer gedacht war, bleibt unklar.

Frühchristliche Feier und Deutungsmodelle

Für das Urchristentum hatte das Brotbrechen zentralen Rang. Apg 2,42 nennt es als eines von vier Kennzeichen christlicher Gemeinschaft (Koinonia, Gemeinschaft). Die ersten Christen feierten Mahlzeiten, die an Tod und Auferstehung Jesu erinnerten und auf seine Wiederkunft vorbereiteten. Die Apostelgeschichte erwähnt tägliche Mahlzeiten in Privathäusern; daraus folgt aber nicht sicher, dass täglich Eucharistie gefeiert wurde.

Bei der Agape, dem Liebesmahl, wurde auch Nahrung an Bedürftige verteilt. Wegen Missständen in Korinth forderte Paulus, das Herrenmahl im Gottesdienst vom Sättigungsmahl im eigenen Haus zu trennen (1 Kor 11,17–34). Die Agape und das Abendmahl wurden bald unterschieden, aber wohl nicht vollständig getrennt. Vermutlich feierte die Gemeinde wenigstens am ersten Tag der Woche, dem „Tag des Herrn“, Eucharistie, eingebunden in ein gemeinsames Abendessen. Ein besonderer priesterlicher Dienst für die Sakramentsverwaltung lässt sich aus den neutestamentlichen Texten nicht ableiten.

Die eschatologische Deutung richtet das Mahl auf das kommende Reich Gottes und die Parusie, die Wiederkunft Christi, aus. Albert Schweitzer betonte, entscheidend seien ursprünglich die Danksagungsgebete über Brot und Wein und die Erwartung des messianischen Mahls gewesen. Eine andere, formgeschichtliche Deutung von Rudolf Bultmann sieht die Worte über Brot und Wein als später entstandene Kultlegende aus hellenistischen Kreisen; Willi Marxsen nahm eine allmähliche theologische Entwicklung der Mahlpraxis an. Diese Hypothesen stellen die direkte Einsetzung eines sakralen Mahls durch Jesus in Frage.

In der heutigen Forschung überwiegt nach der Zusammenfassung von 1993 die Annahme, die besondere Handlung gehe auf Jesus und sein letztes Mahl vor dem Tod zurück. Für Mk 14,25 und das Brotwort wird überwiegend ein wesentlicher Bezug auf Jesus angenommen; beim zweiten Kelchwort sind viele Exegeten skeptischer. Neuere Forschung bleibt gespalten: Hermut Löhr sieht den Bundesgedanken eher als Hinweis auf Jesu eigene Deutung, während Karin Lehmeier zwischen dem letzten Mahl Jesu und der späteren regelmäßigen sakralen Mahlfeier unterscheidet und eine Kultstiftung durch Jesus nicht für exegetisch nachweisbar hält.

Bezüge und künstlerische Darstellung

Weitere biblische Mahlgeschichten werden mit dem Herrenmahl verbunden. In Lk 24,13–35 erkennen die Emmausjünger den Auferstandenen beim Brotbrechen. Joh 21,1–13 erzählt ein Mahl Jesu mit sieben Jüngern am See Genezareth. Auch die Speisungen der Vier- und Fünftausend werden teils auf die Eucharistie bezogen; dieser Zusammenhang wird aber nicht von allen Exegeten anerkannt.

In der Kunst ist das Abendmahl vielfach dargestellt worden. Besonders in italienischen Renaissanceklöstern wurden Refektorien, also Speiseräume, mit Fresken des letzten Abendmahls ausgestattet. Das bekannteste Beispiel ist Leonardo da Vincis „Das Abendmahl“ (Cenacolo). In der Orthodoxie heißen Darstellungen in Fresken oder Ikonen „Apostelkommunion“.

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