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Jesus Christus
Der Glaube an Jesu Auferstehung beruht nach dem NT auf Erscheinungen des auferstandenen Jesus gegenüber einigen seiner ersten Nachfolger, aber auch …
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Bedeutung und Quellen
Jesus Christus ist nach dem Neuen Testament der von Gott zur Versöhnung und Erlösung aller Menschen gesandte Messias und Sohn Gottes. Die Urchristen identifizierten Jesus von Nazaret mit dem in der hebräischen Bibel verheißenen Messias. Sie deuteten seinen Kreuzestod als Hingabe für die Menschen und seine Auferweckung als Handeln Gottes. Daraus folgte der Glaube, Jesus sei erhöht worden, lebe für immer und werde als Weltenrichter wiederkommen.
Die ältesten christlichen Schriften sind die zwischen 50 und 60 entstandenen Paulusbriefe. Paulus kannte den irdischen Jesus nicht, verstand sich aber als Zeuge des Auferstandenen. Seine Briefe enthalten einzelne Worte Jesu und biografische Angaben, jedoch keine fortlaufende Darstellung seines Wirkens. Die vier kanonischen Evangelien entstanden zwischen 70 und 100. Sie erzählen Jesu Leben, Tod und Bedeutung unterschiedlich und auf ihre jeweiligen Adressaten zugeschnitten, stimmen aber in den grundlegenden Glaubensaussagen überein. Die gemeinsamen Stoffe der drei synoptischen Evangelien werden meist mit der Zwei-Quellen-Theorie erklärt.
Das Thomasevangelium kann einzelne alte Jesusworte enthalten, gilt in neuerer Forschung jedoch eher als von den synoptischen Evangelien abhängige Sammlung. Sein Quellenwert für den historischen Jesus ist deshalb gering; es zeigt vor allem die Weiterentwicklung der Jesusüberlieferung im 2. Jahrhundert.
Alle neutestamentlichen Schriften verkünden Jesus aus der Perspektive des Auferstehungsglaubens. Sie wollen daher keine unbeteiligten Biografien sein, sondern zum Glauben an den menschgewordenen, stellvertretend getöteten und auferstandenen Gottessohn einladen. Das Neue Testament wurde damit zur Grundlage des Christentums, das seit etwa 100 als eigene Religion neben dem Judentum hervortrat.
Name und Bekenntnis
Die Bezeichnung „Jesus Christus“ verbindet den Personennamen Jesus mit dem ursprünglich als Titel gebrauchten Wort Christus. Jesus ist die latinisierte Form des griechischen Iēsūs und geht auf die hebräischen Namen Jehoschua und Jeschua zurück. Jehoschua verbindet eine Kurzform des Gottesnamens JHWH mit einer Form der Wurzel für „helfen“ oder „retten“; der Name bedeutet daher „JHWH hilft/rettet“ beziehungsweise „JHWH ist Retter/Rettung/Hilfe“. Nach Matthäus 1,21 erhielt Jesus den Namen, weil er sein Volk von seinen Sünden retten werde.
Christus ist die latinisierte Form des griechischen Christós und übersetzt das hebräische Maschiach beziehungsweise aramäische Meschicha: „Gesalbter“ oder „Messias“. Salbung bezeichnete in Israel besonders die göttliche Berufung von Königen, später auch von Priestern; außerdem erwartete man endzeitliche, von Gott beauftragte Heilsgestalten.
„Jesus Christus“ war ursprünglich kein Doppelname, sondern der Bekenntnissatz „Jesus ist der Christus“. In der frühen griechischsprachigen Christenheit wurde der Titel vermutlich rasch zu einem Beinamen. Dennoch blieb seine Bedeutung zunächst erkennbar: Im Neuen Testament stehen ungefähr 135 Belege für „Jesus Christus“ und ungefähr 95 für „Christus Jesus“. Der Philipperbrief fasst das Bekenntnis so zusammen: „Jesus Christus ist der Herr, zur Ehre Gottes, des Vaters.“
Im Deutschen wurde der Name früher vollständig lateinisch dekliniert. Heute ist hauptsächlich der Genitiv „Jesu Christi“ gebräuchlich; Dativ, Akkusativ und gewöhnlich auch der Vokativ verwenden die unveränderte Form „Jesus Christus“.
Hoheitstitel und ihre Aussagen
Die christologischen Hoheitstitel erklären Jesu Verhältnis zu Gott und seine Aufgabe mithilfe jüdischer Schriften und Vorstellungen. Viele historisch-kritische Forscher halten es für wahrscheinlich, dass Jesus selbst keinen der traditionellen Titel eindeutig für sich beanspruchte; besonders beim Menschensohn ist dies umstritten.
• Kyrios bedeutet „Herr“. Es konnte eine respektvolle Anrede sein, wurde in der griechischen Bibel aber auch für den nicht ausgesprochenen Gottesnamen JHWH gelesen. Auf Jesus bezogen bezeichnet es daher Heiligkeit, Macht und Weltherrschaft. Der frühe aramäische Gebetsruf „Maranatha“ kann „Unser Herr, komm!“ oder „Unser Herr ist gekommen!“ bedeuten; wegen Offenbarung 22,20 gilt die erste Deutung als wahrscheinlicher.
• Christus oder Messias bezeichnet Jesus als den von Gott Gesalbten. Im Neuen Testament umfasst der Titel königliche, priesterliche und prophetische Aufgaben. Die Evangelien verbinden ihn besonders mit Lehren, Heilen, Retten und stellvertretendem Leiden. Das Messiasbekenntnis des Petrus „Du bist der Christus!“ wird bei Markus unmittelbar mit Jesu Leidensankündigung verbunden.
• Sohn Gottes konnte in der jüdischen Tradition himmlische Wesen, Könige oder Gerechte bezeichnen. Das Neue Testament hebt damit die besondere Beziehung Jesu zu Gott hervor. Ob Jesus wegen eines exklusiven Anspruchs auf diesen Titel der Gotteslästerung beschuldigt wurde, ist umstritten. Im Johannesevangelium spricht Jesus häufig von sich als „dem Sohn“.
• Mehrere neutestamentliche Texte bezeichnen Jesus ausdrücklich als Gott oder stellen ihn auf Gottes Ebene. Thomas spricht den Auferstandenen mit „Mein Herr und mein Gott!“ an. Andere Texte nennen Christus gottgleich oder sagen, in ihm wohne „die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig“. Ob Römer 9,5 Jesus als Gott bezeichnet, hängt von der umstrittenen Zeichensetzung ab.
• Menschensohn bedeutet im Aramäischen allgemein „Mensch“ oder „jemand“. Daniel 7 beschreibt damit ein Himmelswesen beziehungsweise das endzeitliche Volk Gottes. Im Neuen Testament erscheint der Ausdruck fast nur in Jesu eigener Rede: Der Menschensohn vergibt Sünden, dient, gibt sein Leben „für viele“ und tritt als Weltrichter auf. Umstritten bleibt, ob Jesus sich selbst, eine andere endzeitliche Gestalt oder allgemein einen Menschen in seiner Lage meinte.
• Sohn Davids bezeichnet einen Nachkommen König Davids und damit einen erwarteten messianischen Herrscher. Im Neuen Testament erscheint Jesus unter diesem Titel häufig als Heiler und Exorzist. Die Texte reagieren zugleich auf die Frage, ob er tatsächlich davidischer Abstammung war.
Weitere wichtige Titel sind Logos, Hoherpriester, Lamm Gottes und letzter Adam. Logos bezeichnet im Johannesprolog Gottes wirksames Wort, das schon vor der Schöpfung existiert und in Jesus Mensch wird. Der Hebräerbrief nennt Jesus den Hohepriester „nach der Ordnung Melchisedeks“. „Lamm Gottes“ deutet ihn unter anderem als Träger der Sünde, Passahlamm oder leidenden Gottesknecht. Paulus stellt Jesus als letzten Adam dem ersten Menschen gegenüber: Adam brachte durch die Sünde den Tod, Christus überwand ihn und begründet eine neue, himmlische Gemeinschaft.
Kreuzestod und seine Deutung
Kreuzestod und Auferweckung bilden gemeinsam das Zentrum des frühchristlichen Glaubens. Frühe Bekenntnisse verstehen Jesu Tod als Hingabe Jesu beziehungsweise Gottes für seine Anhänger, Israel und alle Menschen. Eine Grundlage dafür bilden die Abendmahlsworte. Die Evangelien entfalteten diese Aussagen in Passionsberichten, deren gemeinsame Grundform wahrscheinlich aus der Jerusalemer Urgemeinde stammt.
Das Markusevangelium verbindet Jesu Wirken durch drei Leidensankündigungen eng mit seinem Tod in Jerusalem. Der Ablauf umfasst Einzug, letztes Mahl, Festnahme, Prozess, Übergabe, Kreuztragung, Kreuzigung und Grablegung. Wahrscheinlich griff Markus dafür auf eine ältere Quelle zurück; ihr genauer Umfang ist nicht geklärt.
Beim letzten Mahl sagt Jesus über den Wein: „Das ist mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird.“ Ob „für viele“ als aramäische Ausdrucksweise „für alle“ bedeutet und auf den leidenden Gottesknecht in Jesaja 53 verweist, wird diskutiert. Die Finsternis und das Stundenschema der Kreuzigung stellen das Geschehen in einen endzeitlichen Zusammenhang: Gottes Gericht und Heil vollziehen sich, und die Herrschaft der Gewalt erhält eine Grenze.
Jesu Ruf „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ stammt aus Psalm 22. Er verbindet sein Leiden mit der Leidensgeschichte Israels und aller ungerecht Verfolgten. Zugleich deutet die christliche Auslegung Jesus als denjenigen, der das Gericht stellvertretend für die Menschheit trägt.
Das Neue Testament verwendet dafür mehrere biblische Deutungsmotive: Hingabe, Erfüllung der Schrift, leidender Gottesknecht, Leiden des Gerechten, Opfer, Passahlamm, Sühne, Lösegeld, Erlösung, Versöhnung, Loskauf und das Sterben „für“ andere. Die verschiedenen Bilder stimmen darin überein, dass Jesu Tod Gottes rettendes Handeln zugunsten der Menschen bedeutet.
Auferstehung und Osterzeugnisse
Die Auferstehung Jesu ist der Hauptinhalt der frühchristlichen Heilsbotschaft: „Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift“, wurde begraben, „am dritten Tag auferweckt“ und erschien Zeugen. Diese von Paulus in 1 Korinther 15 überlieferte frühe Formel nennt Kephas, die Zwölf, mehr als fünfhundert Brüder, Jakobus und alle Apostel. Paulus ergänzt seine eigene Erscheinungserfahrung, durch die er sich zur Völkermission berufen sah.
„Auferweckt“ bezeichnet Gottes Handeln am getöteten Jesus. Das „Sehen“ des Auferstandenen wird nicht als gewöhnliche Wahrnehmung verstanden, sondern als von Gott beziehungsweise Jesus bewirkte Offenbarung. Die Texte betonen gleichzeitig, dass der Auferstandene derselbe ist wie der gekreuzigte Jesus und dennoch nicht mehr der Sterblichkeit unterliegt.
Nach Markus fanden Frauen das Grab am dritten Tag leer. Ein junger Mann in weißem Gewand erklärte ihnen, Jesus sei auferstanden, und sandte sie zu den Jüngern. Markus endet ursprünglich mit ihrer Flucht und ihrem Schweigen. Der historische Gehalt dieser Überlieferung ist stark umstritten: Einige Forscher sehen darin eine spätere apologetische Legende, andere halten die Entdeckung des leeren Grabes für historisch. Als Argument für die Überlieferung gilt, dass ausgerechnet Frauen genannt werden; dagegen wird eingewandt, dass die Erzählung keinen juristischen Zeugenkontext schildert. Das leere Grab allein erzeugt in den Evangelien keinen Glauben, sondern erst Jesu Erscheinung.
Die Emmauserzählung zeigt zwei Jünger, die Jesus zunächst nicht erkennen. Durch Schriftauslegung und Brotbrechen erkennen sie ihn und kehren nach Jerusalem zurück. Die Erzählung verdeutlicht, wie Glaube auch ohne eigene Vision durch Bibelauslegung, gemeinsames Mahl, Erfahrungsaustausch und Bekenntnis entstehen kann.
Alle Evangelien berichten außerdem von einer Erscheinung vor dem engeren Jüngerkreis und verbinden sie mit dem Auftrag zur Mission. Matthäus verlegt sie nach Galiläa und verbindet sie mit Taufe und Lehre; Lukas und Johannes erzählen sie in Jerusalem und betonen Friedensgruß, körperliche Erkennbarkeit sowie Vergebung. Wo und wann diese Erscheinung stattfand, lässt sich wegen widersprüchlicher Angaben nicht mehr bestimmen.
Theologisch stimmen die Ostertexte in mehreren Punkten überein: Gott allein hat Jesus auferweckt; der Auferstandene versöhnt sich mit den versagenden Jüngern; der gekreuzigte Jesus ist der erhöhte Sohn Gottes und kommende Weltrichter; seine Auferweckung nimmt die endzeitliche Überwindung des Todes vorweg; der Heilige Geist sendet die Glaubenden zur Völkermission. Über die historische oder psychologische Erklärung der Erscheinungserfahrungen bestehen gegensätzliche Forschungspositionen.
Frömmigkeit, weltweite Deutungen und Kunst
Die christliche Frömmigkeit verbindet in Jesus Christus die historische Person Jesus von Nazaret mit dem göttlichen Herrn und Sohn Gottes. Die Zweinaturenlehre fasst dies als wahres Menschsein und wahre Gottheit zusammen. In der mittelalterlichen Mystik wurde die persönliche Beziehung zu Christus wichtig. Katholische Frömmigkeit entwickelte unter anderem Eucharistieverehrung, Kreuzweg, Herz-Jesu- und Christkönigsverehrung. In der Orthodoxie prägen das Jesusgebet und Christusikonen die Verehrung. Protestantische Traditionen betonen biblische Grundlagen und die persönliche Aneignung des durch Christus bewirkten Heils.
Die weltweite Mission führte zur kulturellen Deutung Christi. Missionare betonten häufig den siegreichen Christus mit universalem Anspruch, Missionierte eher den im armen Alltag gegenwärtigen und mitleidenden Christus. Nach der Dekolonisation entstanden eigenständige afrikanische und asiatische Christologien, etwa Deutungen Jesu als Ahn oder Initiationsmeister sowie die südkoreanische Minjung-Theologie. Kritisch wird gefragt, ob traditionelle Kulturen auch Unterdrückung, besonders von Frauen, legitimieren. Im 21. Jahrhundert wird zudem diskutiert, ob die verbreitete Darstellung Jesu mit weißer Hautfarbe eurozentrisch geprägt ist.
Die frühchristliche Kunst verwendete zuerst Hoffnungssymbole wie Fisch und Lamm. Seit dem 3. Jahrhundert erschien Jesus meist jugendlich und bartlos als Hirte, Heiler oder Lehrer; im 4. Jahrhundert kamen Geburt, Passion, Auferstehung und Weltenrichter hinzu. Später setzte sich der erwachsene, langhaarige und bärtige Christus nach dem Vorbild herrscherlicher Repräsentation durch. Das Mittelalter entwickelte unter anderem Majestas Domini, Schmerzensmann und Pietà. Renaissance und Barock betonten Körper, Raum, Emotion und dramatische Passion. Reformation und katholische Reform führten zu unterschiedlichen Regeln für religiöse Bilder. Seit dem 19. Jahrhundert wurde Christus außerdem als exemplarisch leidender Mensch und als Bild für Krieg, politische Gewalt, soziale Not, Verfolgung und jüdisches Leiden dargestellt.
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