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Wort Gottes
Unter Wort Gottes versteht man eine von Gott den Menschen gegebene Offenbarung, insbesondere wenn diese in schriftlicher Form als Heilige Schrift vorliegt.
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Grundidee
Unter „Wort Gottes“ versteht man eine Offenbarung, die nach religiösem Verständnis von Gott den Menschen gegeben wurde. Besonders häufig ist damit eine Heilige Schrift gemeint, also ein schriftlich überliefertes religiöses Dokument. Wenn eine Schrift als Wort Gottes bezeichnet wird, bedeutet das oft auch, dass sie als inspiriert und verbindlich gilt. Mit dieser Verbindlichkeit hängt der Begriff „Kanon“ zusammen: Ein Kanon ist eine festgelegte Sammlung von Schriften, die als Maßstab für Glauben und Lehre gilt.
In monotheistischen Religionen, also Religionen mit dem Glauben an einen einzigen Gott, spielt das Wort Gottes eine zentrale Rolle. Je nach Religion und Konfession kann damit eine Schrift, eine mündliche Tradition, eine göttliche Botschaft oder auch eine Person gemeint sein.
Jüdisches Verständnis
Im Judentum gilt vor allem die Tora als Weisung Gottes an sein Volk Israel. Die Tora wird auf den Propheten Mose zurückgeführt; das Wort bedeutet auf Deutsch „Lehre“ oder „Unterweisung“. Neben Mose wurden auch weitere Propheten als Übermittler göttlicher Weisungen anerkannt.
Der Tanach, die jüdische Bibel, wird als von dem einen Gott Israels inspiriertes Schriftwerk verstanden. In den Philosophien des hellenistischen Judentums, besonders bei Philo von Alexandria, wurde das Wort Gottes mit dem griechischen Begriff „Logos“ verbunden. Logos bedeutet hier ein vermittelndes Prinzip zwischen Gott und Welt. Diese Vorstellung beeinflusste später das Heidenchristentum und die in griechischer Sprache verfassten Schriften des Neuen Testaments.
Christliches Grundverständnis
Im Christentum werden die Schriften des jüdischen Tanach, hier Altes oder Erstes Testament genannt, sowie die Schriften des Neuen Testaments als Wort Gottes oder Bibel bezeichnet. Der Artikel beschreibt dies als „Selbstaussage Gottes im gesprochenen menschlichen Wort“.
Zugleich wird im Prolog des Johannesevangeliums der Begriff „Wort“ beziehungsweise griechisch „Logos“ auf Jesus Christus selbst bezogen. Jesus gilt dort als Schöpfungsmittler und als „fleischgewordenes Wort Gottes“. Er steht nach diesem Verständnis in einem besonderen Verhältnis zum Vater als einziger Sohn und erlöst im Auftrag dieses Vaters die Welt. Der Artikel verweist dazu unter anderem auf 1. Johannes 1, 1. Johannes 3,16 und Offenbarung 19,13.
Katholisch und orthodox
Im katholischen Verständnis gibt es das Wort Gottes in zwei Formen: schriftlich in der Heiligen Schrift und mündlich in der Apostolischen Tradition. Die Apostolische Tradition dient als Richtschnur für die gültige Auslegung der Bibel. Praktisch geschieht diese Auslegung durch das kirchliche Lehramt. 2019 führte Papst Franziskus den Wort-Gottes-Sonntag am dritten Sonntag des Kirchenjahres ein.
Im orthodoxen Verständnis ist das Wort Gottes nicht in erster Linie die Heilige Schrift, sondern Jesus Christus selbst. Genauer wird es als die zweite Hypostase der allerheiligsten Dreieinigkeit verstanden. „Hypostase“ bedeutet hier eine personale Wirklichkeit innerhalb der Dreieinigkeit.
Evangelisches Verständnis
Nach reformatorischer Auffassung ist das Wort Gottes nur in der Bibel zu finden. Dieses Prinzip heißt „sola scriptura“, also „allein die Schrift“. Die Mitte der Bibel ist Jesus Christus. Das Wort Gottes ist dabei grundlegend für das reformatorische Verständnis von Kirche: Kirche ist die Gemeinschaft von Gläubigen, in der das Wort Gottes rein verkündet und die Sakramente ordentlich verwaltet werden.
Als Gläubige gelten Menschen, die durch den Glauben gerechtfertigt sind. Dieser Glaube wird durch das Hören des Wortes Gottes geweckt. Wichtige reformatorische Formeln sind „sola fide“ („allein durch Glauben“), „solus Christus“ („allein Christus“) und „sola gratia“ („allein aus Gnade“). Der Mensch gilt zugleich als gerechtfertigt und Sünder; dafür steht die Formel „simul iustus et peccator“. Auch die Sakramente werden als anschauliche Form des Wortes Gottes verstanden, wirken aber nur in Verbindung mit dem dabei verkündeten Wort.
Besonders in der lutherischen Lehre wird das Wort Gottes nach Gesetz und Evangelium unterschieden. „Gesetz“ meint die Ansprache Gottes, die dem Menschen zeigt, was er tun soll, und ihn erkennen lässt, dass er als Sünder diese Forderung nicht erfüllen kann. „Evangelium“ meint die gute Botschaft, dass Jesus Christus die Forderungen des Gesetzes erfüllt hat und dass dieses Heilswerk dem Menschen im Glauben zugerechnet wird. Dadurch steht er vor Gott als gerecht da; damit verbindet der Artikel den Begriff „Evangelische Freiheit“.
In der dialektischen Theologie Karl Barths ist das Wort Gottes die Offenbarung, die grundsätzlich von der Welt und dem in ihr Erkennbaren verschieden ist. Ihr Zentrum ist das Christusereignis. Für Barth ist deshalb allein Jesus Christus im eigentlichen Sinn Wort Gottes. In einem sekundären Sinn ist auch die Bibel Wort Gottes, weil sie Zeugnis von Christus gibt. Außerdem nennt der Artikel eine dreifache biblische Verwendung des Begriffs: für prophetische Aussprüche, für die zentrale Heilsbotschaft, also das Evangelium, und besonders für Jesus Christus.
Islam und Bahaitum
Im Islam gilt der Koran, arabisch Qur’an, als „unerschaffenes Wort Gottes“. Nach islamischem Verständnis wurde er dem Propheten Mohammed vom Erzengel Gabriel diktiert. Auch Isa bin Maryam, also Jesus, Sohn der Maria, trägt im Islam den Beinamen „Wort Gottes“; der Artikel bezieht dies auf seine Verkündigung des Evangeliums, arabisch Indschil. Der Begriff Indschil kommt im Koran zwölfmal vor: 3:3, 3:48, 3:65, 5:46, 5:47, 5:66, 5:68, 5:110, 7:157, 9:111, 48:29 und 57:27.
Auch die Tora, arabisch Taurat, und das Buch der Psalmen, arabisch Zabur, gelten im Islam als Wort Gottes. Zugleich glauben Muslime nach Darstellung des Artikels, dass nur der Koran das unverfälschte Wort Gottes darstellt. Die anderen heiligen Bücher seien nach dem Tod der jeweiligen Propheten verfasst worden. Daher wird im Islam an eine „echte“ Tora und ein „echtes“ Evangelium geglaubt, die verloren gegangen seien.
Im Bahaitum gelten die umfangreichen Schriften Bahāʾullāhs, des Stifters des Bahaitums, als Wort Gottes. Dazu gehören Bücher, Abhandlungen, Briefe, Gedichte und Gebete. Auch die Schriften des Vorläufers Bab werden als Wort Gottes angesehen. Bahāʾullāh beansprucht, das jüngste Glied in einer Kette der Gottesboten zu sein und der in früheren Religionen Verheißene. Außerdem erkennt er frühere Religionsstifter als Gottgesandte an. Deshalb gelten für die Bahai auch die heiligen Schriften anderer Offenbarungsreligionen als Wort Gottes.