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Private Liquiditätsrechnung

In der privaten Liquiditätsrechnung (auch Einnahmen-Ausgabenrechnung (EAR)) werden die Einnahmen und Ausgaben einer Privatperson oder eines Privathaushalts …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Bedeutung
  2. 2. Aufbau der Rechnung
  3. 3. Wichtige Ausgabenquoten
  4. 4. Maßnahmen bei Überschuss oder Defizit
  5. 5. Anwendungsbereiche
  6. 6. Ziele

Grundidee und Bedeutung

Die private Liquiditätsrechnung, auch Einnahmen-Ausgabenrechnung (EAR), stellt die Einnahmen und Ausgaben einer Privatperson oder eines Privathaushalts innerhalb eines bestimmten Zeitraums gegenüber. Sie ist Teil der privaten Finanzplanung und hilft zu erkennen, ob ein Haushalt genug Geldmittel hat, um seine Zahlungen zu leisten.

Die Methode ähnelt Instrumenten aus anderen Bereichen: Bei Unternehmen heißt sie Kapitalfluss- oder Cash-Flow-Rechnung, bei öffentlichen Haushalten Finanzrechnung. Ein wichtiger Unterschied ist, dass Privathaushalte oft wenig oder keine finanzielle Allgemeinbildung besitzen. Deshalb können Finanzplanungstechniken ohne ausreichendes Verständnis weniger erfolgreich sein.

Der aktuelle Kapitalbedarf wird durch Finanzierung gedeckt. Dabei unterscheidet man Eigenfinanzierung, also eigene Mittel, und Fremdfinanzierung, also geliehenes Geld.

Aufbau der Rechnung

Die private Liquiditätsrechnung ist wie ein öffentlicher Haushalt aufgebaut: Einnahmen und Ausgaben werden einander gegenübergestellt. Zu den Einnahmen gehören vor allem das Arbeitseinkommen als Nettoeinkommen, Kapitalerträge wie Dividenden, Habenzinsen und sonstige Zinserträge sowie sonstige Einnahmen, zum Beispiel Geldgeschenke oder Kreditinanspruchnahmen.

Zu den Ausgaben zählen Lebenshaltungskosten wie Energiekosten, Immobiliarmiete und Nebenkosten, Kleidung, Körperpflege, Tierhaltung, Verpflegung und Versicherungsprämien. Weitere Ausgaben sind Schuldendienst, Freizeitgestaltung wie Abonnements, Freizeitsport, Unterhaltung und Urlaubsreisen sowie Investitionsausgaben, etwa für Hausrat, Instandhaltung und Reparaturen.

Aus der Gegenüberstellung ergibt sich als Saldo entweder ein Liquiditätsüberschuss oder ein Liquiditätsdefizit. Ein Liquiditätsüberschuss bedeutet, dass mehr Einnahmen als Ausgaben vorhanden sind. Ein Liquiditätsdefizit bedeutet, dass die Ausgaben höher sind als die Einnahmen.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen fixen und variablen Posten. Fixe Einnahmen und fixe Ausgaben sind nicht oder kaum beeinflussbar, weil sie durch Gesetz oder Vertrag feststehen. Dazu zählen vor allem Arbeitseinkommen, Immobiliarmiete, Schuldendienst und Pflichtversicherungen. Variable Einnahmen und Ausgaben können dagegen mehr oder weniger stark beeinflusst werden. Diese Unterscheidung ist nötig, um bei einem Ergebnis der Liquiditätsrechnung passende Maßnahmen ableiten zu können.

Wichtige Ausgabenquoten

Drei Ausgabenpositionen gelten als besonders wichtig, weil sie ein erhöhtes Risiko für den Haushalt enthalten: die Mietbelastungsquote, die Schuldendienstquote und die Vorsorgequote. Bei diesen Quoten werden bestimmte Ausgaben dem Nettoeinkommen des Haushalts gegenübergestellt.

Die Mietbelastungsquote beschreibt den Anteil der Miete am Haushaltseinkommen. Sie soll 30 % des Haushaltseinkommens nicht überschreiten. In Großstädten liegt sie derzeit jedoch bei 50 % und mehr. Der riskante Hebel ist hier das Mietpreisniveau.

Die Schuldendienstquote beschreibt den Anteil des Haushaltseinkommens, der für Zinsen und Tilgung verwendet wird. Privatpersonen gelten als verwundbar, wenn sie mehr als 40 % ihres monatlichen Haushaltseinkommens für den Schuldendienst aufwenden müssen. Etwa 60 % der Haushalte verwendeten weniger als 20 % ihres Nettoeinkommens für Zinsen und Tilgung, weniger als 10 % verwendeten mehr als 50 % ihres Einkommens. Im Durchschnitt liegt die Quote bei 20 %. Der riskante Hebel ist hier das Zinsniveau.

Die Vorsorgequote betrifft Geld, das wegen künftig niedriger Renten als Kapitalanlage zurückgelegt werden soll. Haushalte müssen dafür mindestens 15 % ihres Nettoeinkommens einkalkulieren. Der riskante Hebel ist das Rentenniveau.

Wenn Mieten oder Kreditzinsen steigen, während das Nettoeinkommen relativ starr bleibt, erhöhen sich die entsprechenden Quoten. Dadurch kann ein kritischer Punkt erreicht werden, der ein Finanzrisiko für den Haushalt bedeutet.

Maßnahmen bei Überschuss oder Defizit

Ergibt die private Liquiditätsrechnung ein Liquiditätsdefizit, entsteht ein Geldmangel. Dieser kann durch Senkung oder Vermeidung nicht fixer Ausgaben geschlossen werden, also durch Konsumverzicht. Außerdem können variable Einnahmen möglichst erhöht werden.

Im ungünstigsten Fall muss auch ein Umzug in eine kleinere Wohnung oder der Verzicht auf bestimmte Versicherungen einkalkuliert werden. Reichen solche Maßnahmen nicht aus oder werden sie nicht umgesetzt, kann es zu Zahlungsrückständen bei fälligen Verbindlichkeiten kommen, zum Beispiel zu Mietrückständen. Darauf können Gläubiger mit Mahnung, Mahnbescheid oder Kündigung von Mietverträgen reagieren.

Um Zahlungsrückstände zu vermeiden, kann ein Privathaushalt Kredite aufnehmen, etwa Bankkredite oder Privatkredite. Kreditaufnahmen können im schlimmsten Fall aber ein Hinweis auf strukturelle Liquiditätsdefizite sein. Dann droht mittelfristig die Gefahr der Überschuldung.

Bei einem Liquiditätsüberschuss kann der Haushalt entweder seine Ausgaben erhöhen oder sparen, zum Beispiel als Anleger von Finanzprodukten.

Anwendungsbereiche

In der privaten Finanzplanung dient die Liquiditätsrechnung zunächst als Ist-Analyse. Sie prüft, ob ein Haushalt liquide ist oder ob er zunehmend Verbindlichkeiten aufbaut und dadurch das Risiko einer Zahlungsunfähigkeit entsteht.

Wird die Liquiditätsrechnung mit Plan-Zahlen durchgeführt, die ein gewünschtes zukünftiges Ein- und Ausgabeverhalten darstellen, spricht man von einem Privatbudget. Ein Privatbudget wird aufgestellt und regelmäßig kontrolliert, um die Ausgabendisziplin zu erhöhen. Es kann helfen, übermäßigen Konsum zu verhindern und Sparziele zu erreichen.

In der Szenariotechnik wird die Liquiditätsrechnung an bestimmte Ereignisse oder geänderte Rahmenbedingungen angepasst. Beispiele sind der Tod eines Verdieners, erhöhte Inflationsraten, erhöhter Sanierungsbedarf des Eigenheims, die Anwendung steuerlicher Gestaltungsmöglichkeiten oder eine erhöhte Inanspruchnahme staatlicher Förderung. Dadurch soll beurteilt werden, ob in solchen Szenarien genügend Liquidität vorhanden ist und ob sich die Liquiditätssituation verbessert.

Auch Kreditinstitute nutzen eine angepasste Einnahmen-Ausgaben-Rechnung, um im Rahmen der Kreditvergabe die nachhaltige Bonität eines Kreditnehmers zu überprüfen.

Ziele

Die Maßnahmen aus der privaten Liquiditätsrechnung müssen sich an den persönlichen Zielen des Privathaushalts orientieren. Ein wichtiges Ziel ist, die eigenen Finanzen zu organisieren.

Konkret soll die Liquiditätsrechnung helfen, ein Liquiditäts- und Finanzierungsrisiko zu vermeiden. Sie betrachtet deshalb sowohl die Einnahmen als auch die Ausgaben. In diesem Zusammenhang wird Henry Ford das Zitat zugeschrieben, dass man Reichtum nicht nur durch Einkommen erreichen kann, sondern auch durch Nicht-Ausgeben.

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