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Legende

Die Legende ist eine mit dem Märchen und der Sage verwandte Textsorte bzw. literarische Gattung, in der historische Ereignisse durch spätere Hinzufügungen …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundbegriff
  2. 2. Religiöse Funktion
  3. 3. Typen
  4. 4. Sammlungen und Mittelalter
  5. 5. Kritik und spätere Formen
  6. 6. Heutige Wortverwendung

Grundbegriff

Die Legende ist eine Textsorte bzw. literarische Gattung, die mit Märchen und Sage verwandt ist. In ihr werden historische Ereignisse durch spätere Hinzufügungen überhöht oder verfälscht. Wie Sagen haben Legenden meist einen wahren Kern, der fantastisch ausgeschmückt wird.

Wichtig ist dabei: Eine Legende muss nicht einfach als falsche Geschichte verstanden werden. Einzelne Legenden können einen Kern historischer Wahrheit enthalten. Sie erzählen diesen Kern oft bildhaft oder szenisch und versuchen so, den Sinn eines Geschehens zu vermitteln, auch wenn die konkrete erzählte Geschichte quellenmäßig nicht gesichert ist.

Religiöse Funktion

Besonders wichtig ist die Heiligenlegende. Sie gehört in den Bereich der Hagiographie, also der Beschäftigung mit Texten über Heilige. Solche Texte werden als Vita untersucht, neben Märtyrerakten und anderen Überlieferungen. Dabei sollte man zwischen „Heiligenlegende“ und „Heiligenbiographie“ unterscheiden.

Die Heiligenlegende zielt nicht vor allem auf historische Wahrheit, sondern auf die Verkündigung einer Glaubenswahrheit. Im Zentrum steht die Offenbarung des göttlichen Heilswirkens, das in der Person eines Heiligen sichtbar wird. Beglaubigt wird dieses Wirken häufig durch ein Wunder. Bekannte Beispiele sind die Christophorus- und Georgslegende. Sie können als eine Art erzählende Theologie verstanden werden.

Der Erzählrahmen der Legende bleibt, ähnlich wie bei Sage, Mythos und Märchen, im fiktionalen Bereich. Trotzdem können Legenden von Eremiten oder Asketen historisch passende Einzelelemente enthalten. Ein Beispiel ist die Mumie des Apa Bane im ägyptischen Kloster Deir Abu Fana. In seiner koptischen Legende wird beschrieben, dass er fastete, nie schlief und fast immer stand; der Koptologe Siegfried G. Richter deutete dies als mögliche Symptome von Morbus Bechterew.

Typen

Der Theologe Harald-Martin Wahl ordnete Legenden nach der Bedeutung des Begriffs Legenda ein. Im antiken Christentum entstanden zunächst Christuslegenden, also Legenden um Jesus Christus. Einige davon wurden in apokryphe Evangelien und in Geschichten der Apostel aufgenommen. Später kamen Märtyrerlegenden hinzu, besonders zu frühen christlichen Märtyrern, von denen Kirchenväter des 3. Jahrhunderts wie Tertullian, Hippolyt, Origenes und Cyprian berichteten und die durch altgriechische Grabinschriften bezeugt sind.

Mit diesen Erzählungen verband sich eine religiöse Verehrung im Kult. Der Märtyrerkult wurde später auch auf Heilige ausgeweitet; ab Ende des 4. Jahrhunderts ist dies etwa in Liturgie und Reliquienkult bezeugt. Heilige und Märtyrer wurden in Not und Bedrohung zusammen mit Engeln und Aposteln angerufen.

Der Philologe Benedikt Konrad Vollmann betrachtete religiöse Legenden allgemein als Erzählungen im „Schwerefeld der jeweiligen Hochreligion“. Als Beispiele nennt der Artikel die Buddhalegende im Buddhismus und Legenden um die Heldentaten von Mohammeds Schwiegersohn 'Ali im Islam. Für das Christentum unterscheidet Vollmann unter anderem Marienlegenden bzw. Marienmirakel, Apostellegenden, Bischofslegenden, Mönchslegenden, Jungfrauenlegenden und Büßerlegenden.

Sammlungen und Mittelalter

Zu den frühesten Legendensammlungen zählen die „Dialogi de miraculis patrum Italicorum“ von Papst Gregor dem Großen (540–604). Vor 959 schloss die Kanonissin Hrotsvit, die als erste deutsche Dichterin und Geschichtsschreiberin gilt, ihre erste Legendensammlung ab. Ihre Legenden waren in epischer und elegischer Form geschrieben und behandelten unter anderem das Leben Marias, die Auferstehung Christi sowie das Leben von Gangolf und Pelagius.

Am Ende des Hochmittelalters erreichten in Deutschland entstandene Legenden einen Höhepunkt in mittelhochdeutschen Versepen. Zu den bekannten Autoren gehören Hartmann von Aue, Konrad von Würzburg und Rudolf von Ems.

Im Hoch- und Spätmittelalter verbreiteten sich besonders Legendensammlungen in Form von Legendaren. Das sind meist Sammlungen von Berichten über Heilige. Besonders einflussreich wurde die „Legenda aurea“ des Jacobus de Voragine (1228/29–1298). Sie sammelte die große Fülle an Legendenstoffen ihrer Zeit und machte sie sowohl für kultische Zwecke als auch für private Frömmigkeit nutzbar. Ihr Einfluss auf die bildende Kunst dieser Zeit war sehr groß.

Kritik und spätere Formen

In Renaissance und Reformation entstand eine scharfe Kritik an Legenden. Erasmus von Rotterdam unterschied zwischen fabulae fictae, also frei erfundenen Erzählungen, und historischen facta, also Tatsachen. Nach seiner Auffassung konnten nur die facta durch historisch-philologische Kritik auf Echtheit geprüft werden und waren für die educatio, die Bildung des Humanisten, geeignet.

Martin Luther teilte diese kritische Haltung. Er zählte fromme Legenden zur Erbauungsliteratur, wandte sich aber besonders gegen ausschmückende Wunderdetails in Heiligenviten. Er bezeichnete Legenden mehrfach abwertend als „Lügende“ und kritisierte, sie enthielten „so viele Lügen“. Trotzdem ließ Luther einzelne Motive von Wundererzählungen bei bestimmten Heiligen als Ausnahmen gelten, wenn sie der katechetischen Allegorese dienen konnten. Solche Motive verstand er nicht als Lügen, sondern als Gedichte.

Der Protestantismus griff Luthers Kritik auf. Ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts führte dies zu starker Polemik gegen Legenden. In der Aufklärung hielten Legenden dem kritischen Interesse nicht stand. In der Romantik wurden sie wieder höher geschätzt: Schriftsteller des 19. Jahrhunderts, beginnend mit einem Plädoyer Herders, schufen neue Legenden, darunter Goethes „Legende vom Hufeisen“ und Kleists „Die heilige Cäcilie oder die Gewalt der Musik“. Im 20. Jahrhundert erhielt die Legende erneut Aufmerksamkeit, auch in parodistischer Form als „Antilegende“. Zeitgenössische Legenden sind meist sogenannte Urban Legends.

Heutige Wortverwendung

Im heutigen Medien-Sprachgebrauch wird das Wort „Legende“ häufig auch allgemein im Sinn von „Ruhm“ oder „Berühmtheit“ verwendet. Diese Bedeutung unterscheidet sich von der literarischen und religiösen Bedeutung, bei der es um eine bestimmte Erzählform mit historischem Kern, Ausschmückung und oft religiöser Aussage geht.

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