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Sage

Eine Sage (von althochdeutsch saga „Aussage, Rede, Erzählung“; Prägung durch die Brüder Grimm) ist, dem Märchen und der Legende ähnlich, eine zunächst auf …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Grundmerkmale der Sage
  2. 2. Drei grundlegende Formen
  3. 3. Lokale, Natur- und Geschichtssagen
  4. 4. Kunstsagen und urbane moderne Sagen

Grundmerkmale der Sage

Eine Sage ist eine kurze Erzählung von fantastischen und die Wirklichkeit übersteigenden Ereignissen. Sie beruht zunächst meist auf mündlicher Überlieferung. Weil die Handlung mit realen Begebenheiten, Personen und Orten verbunden wird, entsteht der Eindruck eines Wahrheitsberichts. Nach dem Deutschen Wörterbuch ist eine Sage eine Überlieferung über Ereignisse der Vergangenheit, denen eine historische Beglaubigung fehlt.

Die ursprünglichen Verfasser sind in der Regel unbekannt. Sammler und Herausgeber schrieben die Erzählungen später auf, bearbeiteten sie häufig inhaltlich und sprachlich und formten sie literarisch. Stoffe und Motive können von anderen Völkern und Kulturen übernommen werden; solche Erzählungen heißen Wandersagen. Bei ihrer Weitergabe verbinden sie sich oft mit landschaftlichen Besonderheiten, zeitbedingten Vorstellungen und regionalen Anspielungen.

Der Begriff wurde besonders durch die Brüder Grimm geprägt. Als früheste deutsche Sagensammlung gelten Johann Karl Christoph Nachtigals Volcks-Sagen von 1800. In der Sagenwelt können Pflanzen und Tiere vermenschlicht werden; außerdem treten übernatürliche Wesen wie Elfen, Zwerge und Riesen oder besonders hervorgehobene Helden auf. Der entscheidende Unterschied zum Märchen liegt im Realitätsanspruch: Das Märchen spielt in einer zeitlich und räumlich unbestimmten Welt mit typisierten Figuren, während die Sage tatsächliche Ereignisse, konkrete Orte und historische Persönlichkeiten als Ausgangspunkt nimmt und sie fantastisch ausschmückt.

Drei grundlegende Formen

Thematisch lassen sich Sagen stark verallgemeinert in drei Zentren einteilen, die sich auch überschneiden:

  • Göttersagen oder Mythen erzählen von der Entstehung der Welt, von Götterwelten wie der griechischen oder germanischen, von Kämpfen um Herrschaft, Zuständigkeiten für Naturkräfte und Beziehungen zwischen Göttern und Menschen. Götter greifen dabei unterstützend oder feindlich in die Menschenwelt ein.

  • Heldensagen handeln vor allem von berühmten Herrscherfamilien, Machtpolitik und kriegerischen Auseinandersetzungen. Germanische Heldensagen der Völkerwanderungszeit bilden häufig Sagenkreise um Figuren wie Dietrich von Bern, Siegfried, Kudrun oder Wieland den Schmied. Ihre Stoffe können zu Heldenliedern oder Heldenepen erweitert werden, etwa im Hildebrandslied, im Atlilied, im Waltharius, im Nibelungenlied oder im Gudrunlied.

  • In der Volkssage handeln meist sprachlich einfach dargestellte Figuren an Orten der Alltagswelt. Die Natur erscheint von kleineren Naturgeistern wie Feen und Zwergen, aber auch von dämonischen Wesen wie Drachen, Zauberern oder Baumnymphen bewohnt und beseelt.

Lokale, Natur- und Geschichtssagen

Besonders die Volkssage verbindet häufig mehrere Themen: lokale Ereignisse, Naturerscheinungen und regionale Geschichte werden mit einer erklärenden Funktion verknüpft. Solche Erzählungen heißen ätiologische Sagen. Sie erklären beispielsweise, warum eine Felsgruppe, eine Landzunge, eine Burg oder ein See einen bestimmten Namen trägt oder wie eine auffällige Landschaftsform entstanden ist. Ein Felsenmeer kann etwa als Ergebnis eines Kampfes von Riesen gedeutet werden.

Natursagen berichten von Naturgeistern, geheimnisvollen Ereignissen und Geistererscheinungen. Beispiele sind Wassernymphen wie die Loreley, dämonische Wesen wie der Lindwurm, der von Ritter Georg getötet wird, oder Geister an Burgen, in nächtlichen Landschaften und Gebirgen, etwa der Berggeist Rübezahl im Riesengebirge.

Geschichtssagen verarbeiten historische Ereignisse, zum Beispiel die Sage vom Rattenfänger von Hameln oder die Blondelsage. Andere Erzählungen verwenden lediglich historische Namen und eine Burg als Bezugspunkt und gestalten die Handlung frei. Eine Wandersage ist ursprünglich eine Sage, die in verschiedenen Varianten an anderen Orten oder sogar in anderen Kulturen erzählt wird.

Kunstsagen und urbane moderne Sagen

Die Entwicklung der Sage als literarische Form ist nicht abgeschlossen. In der Romantik entstand die Kunstsage. Autoren wie Achim von Arnim, Clemens Brentano, E. T. A. Hoffmann und Johann Karl August Musäus führten überlieferte Stoffe und Motive weiter. Manche damals entstandenen Erzählungen gelten heute allgemein als alte Sagen, obwohl ihre Entstehung später liegt. Dazu zählen etwa Erzählungen von der Loreley oder von Rübezahl.

Bei bekannten Verfassern ist die spätere Entstehungszeit meist belegbar. Wenn jedoch ein unbedeutender oder unbekannter Verfasser in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine angeblich alte Sage veröffentlicht, fehlen oft frühere Belege. Das weckt Zweifel am hohen Alter, beweist aber nicht, dass die Erzählung tatsächlich später entstanden ist.

Im Medienzeitalter entwickelt sich außerdem die urbane moderne Sage, international „urban legend“ genannt. Sie wird häufig anonym als schauermärchenartige Wandererzählung oder Hoax über E-Mail und Facebook verbreitet. Bekannte Sagenstoffe werden dabei an aktuelle Angstthemen wie Tod, Krankheit, Krieg, Wahnsinn und Verbrechen angepasst. Angebliche Quellenangaben, etwa „Friend of a friend tales“, sollen der Erzählung Glaubwürdigkeit verleihen.

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