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Antike
Die Antike (von lateinisch antiquus ‚alt, altertümlich, altehrwürdig') war eine Epoche im Mittelmeerraum, die etwa von 800 v. Chr. bis 600 n.
Inhalt6 Abschnitte
Begriff, Raum und Zeitrahmen
Die Antike ist die Epoche der griechisch-römischen Welt im Mittelmeerraum. Im üblichen engeren Sinn beginnt sie mit der Herausbildung der griechischen Staatenwelt, den homerischen Epen und der griechischen Kolonisation im 8. Jahrhundert v. Chr. Sie umfasst Griechenland und das Römische Reich. Rom vereinte den Mittelmeerraum seit dem 1. Jahrhundert n. Chr. politisch; im Westen prägte besonders die römische Kultur, im Osten blieben griechisch-hellenistische und auch orientalische Traditionen stark.
Übliche Epochen sind die griechische Archaik (ca. 800–500 v. Chr.), Klassik (ca. 500–330 v. Chr.) und der Hellenismus (ca. 330–30 v. Chr.) sowie die römische Republik (ca. 500–27 v. Chr.), Kaiserzeit beziehungsweise Prinzipat (27 v. Chr.–284 n. Chr.) und Spätantike (284–641 n. Chr.). Je nach Forschungsrichtung werden auch die minoische und mykenische Kultur von etwa 1900 bis 1100 v. Chr. und die „Dunklen Jahrhunderte“ 1200–750 v. Chr. einbezogen.
Eine feste Grenze zum Mittelalter gibt es nicht, weil Übergänge regional verschieden verliefen. Vorgeschlagen wurden unter anderem 476, die Absetzung des letzten weströmischen Kaisers Romulus Augustulus, 565, der Tod Justinians, 632, der Tod Mohammeds und Beginn der islamischen Expansion, oder 641, der Tod Herakleios'. Die neuere Forschung bevorzugt meist 565, die Zeit um 600 oder allgemein das 7. Jahrhundert und versteht die Zeit ab ca. 500 als Übergangszeit.
Der weitere Begriff Altertum schließt auch die altorientalischen Hochkulturen Ägyptens, Syriens und Mesopotamiens sowie weitere Räume ein und beginnt mit der Schriftlichkeit um 3500 v. Chr. Die Mehrheit der Forschenden ordnet Alten Orient und altes Ägypten dem Altertum, aber nicht der enger verstandenen Antike zu.
Frühe griechische Welt und Polis
Als wichtige Vorstufen gelten die minoische Kultur auf Kreta, deren Blüte ca. 1900–1450 v. Chr. lag, und die mykenische Kultur auf dem griechischen Festland (ca. 1600–1050/00 v. Chr.). Die mykenische Kultur übernahm und entwickelte Schrift: Aus der Linear-A-Schrift des 17. bis 15. Jahrhunderts v. Chr. entstand die Linear-B-Schrift des 15. bis 12. Jahrhunderts v. Chr. Mächtige Palastzentren steuerten ab ca. 1400 v. Chr. Teile Griechenlands zentral und handelten intensiv mit dem Nahen Osten, Assyrien und Ägypten.
Ab etwa 1200 v. Chr. wurden viele Zentren zerstört; die mykenische Kultur bestand aber noch ungefähr 150 Jahre fort. Das anschließende „Dunkle Zeitalter“ (traditionell 1200–750 v. Chr.) ist vergleichsweise schlecht überliefert, wird durch neue Funde jedoch besser erkennbar. Ab dem 8. Jahrhundert intensivierten sich die Kontakte zum Vorderen Orient; vermutlich bereits im späten 9. Jahrhundert v. Chr. wurde das Alphabet von den Phöniziern vermittelt.
Im frühen 8. Jahrhundert v. Chr. begann das archaische Zeitalter. Seit 776 v. Chr. ist die Siegerliste der Olympischen Spiele überliefert. Zwischen etwa 770 und 540 v. Chr. gründeten Griechen während der Großen Kolonisation Siedlungen im westlichen Mittelmeer, an der nördlichen Ägäis und am Schwarzen Meer. Wahrscheinlich zwischen 750 und 650 v. Chr. wurden Ilias und Odyssee schriftlich fixiert.
Kennzeichnend wurde die Polis, der griechische Stadtstaat. Sparta unterwarf zwischen 720 und 600 v. Chr. Messenien und hatte eine oligarchische Verfassung, also eine Herrschaft weniger. Auch Tyrannis, die Herrschaft eines Einzelnen, kam vor, etwa um 650 v. Chr. in Korinth und Megara. In Athen entwickelte sich nach den Gesetzgebungen Drakons (621 v. Chr.) und Solons (594/593 v. Chr.), der Tyrannis des Peisistratos und seiner Söhne (etwa 561–510 v. Chr.) sowie den Reformen des Kleisthenes bis 501 v. Chr. die Attische Demokratie.
Griechenland von Athen bis zum Hellenismus
Der Ionische Aufstand um 500 v. Chr. leitete den Konflikt mit dem Perserreich ein. In den Perserkriegen siegten die Athener 490 v. Chr. bei Marathon; die athenische Flotte unter Themistokles besiegte Xerxes I. zehn Jahre später bei Salamis, und 479 v. Chr. siegten die vereinigten Poleis bei Plataiai. Mit dem Attischen Seebund von 477 v. Chr. begann unter Athens Vorherrschaft eine rund 50-jährige Blütezeit, die Pentekontaetie. Die Akropolis mit dem Parthenon wurde ausgebaut; Tragödien von Aischylos, Sophokles und Euripides wurden aufgeführt. Sokrates wirkte in Athen, dessen Lehren Platon weiterverarbeitete.
Athen geriet jedoch mit Sparta in Rivalität. Der Peloponnesische Krieg dauerte von 431 bis 404 v. Chr. und endete wegen der Unterstützung Spartas durch Persien mit Athens vollständiger Niederlage und einer zeitweiligen spartanischen Hegemonie. Nach weiteren wechselnden Kriegen löste Theben Sparta nach Leuktra 371 v. Chr. als Vormacht ab, verlor diese Rolle aber nach dem Tod des Epaminondas um 362 v. Chr. Philipp II. von Makedonien besiegte die Griechen 338 v. Chr. bei Chaironeia; der Korinthische Bund bestätigte 337 v. Chr. seine Hegemonie.
Alexander der Große eroberte nach Philipps Ermordung 336 v. Chr. mit einem griechisch-makedonischen Heer das Perserreich. Nach seinem Tod 323 v. Chr. teilten die Diadochen das Reich. Im Hellenismus vermischten sich griechisch-makedonische und einheimische Elemente. Die rivalisierenden Reiche der Ptolemäer, Seleukiden und Antigoniden bestimmten die Politik. Fernhandel, Güterproduktion, große Städte mit über 100.000 Einwohnern und Wissenschaften, besonders in Alexandria, entwickelten sich weiter.
Rom griff seit 200 v. Chr. zunehmend ein: 168 v. Chr. wurde das Antigonidenreich zerschlagen, 146 v. Chr. der Achaiische Bund unterstellt, 133 v. Chr. Pergamon zur Provinz Asia und 64/63 v. Chr. das verbliebene Seleukidenreich zur Provinz Syria. Mit der Eingliederung des ptolemäischen Ägyptens unter Kleopatra VII. als Provinz Aegyptus 30 v. Chr. endete die hellenistische Staatenwelt. Die griechische Kultur und die griechische Sprache als lingua franca im östlichen Mittelmeerraum bestanden dennoch fort.
Römische Republik und Prinzipat
Rom entstand nach neueren archäologischen Forschungen gegen Ende des 7. Jahrhunderts v. Chr. aus mehreren dörflichen Siedlungen an einer Tiberfurt; die legendäre Gründung wird auf 753 v. Chr. datiert. Wohl um 500 v. Chr. lösten sich die Römer vom etruskischen Stadtkönigtum, dessen Existenz nicht gesichert ist. In der Republik wirkten Senat, Magistratur und Volksversammlung zusammen. Die Zwölftafelgesetze von wohl ca. 450 v. Chr. hielten frühe Normen des Zivil-, Straf- und Prozessrechts fest. Die obersten Magistrate waren zwei jährlich gewählte Konsuln; Volkstribunen konnten mit ihrem Vetorecht Senatsbeschlüsse verhindern. Seit 287 v. Chr. hatten Beschlüsse der plebejischen Volksversammlung Gesetzeskraft.
Mit den Legionen unterwarf Rom bis 272 v. Chr. Italien südlich der Poebene. Die Punischen Kriege gegen Karthago machten Rom im 3. und 2. Jahrhundert v. Chr. zur Weltmacht. Kolonien, Veteranenansiedlungen und zunächst oft militärisch angelegte Römerstraßen förderten Integration, Handel, Städtewachstum und Steuereinnahmen. Zugleich verschärften sich soziale und politische Konflikte: Optimaten verteidigten die Vorrangstellung des Senats, Popularen suchten über die Volksversammlung Macht. Seit der Gracchenzeit nahm politische Gewalt zu; 88 v. Chr. begann der erste Bürgerkrieg. Gaius Iulius Caesar wurde dictator perpetuus. Nach Caesars Tod 44 v. Chr. schuf sein Erbe Augustus den Prinzipat: eine tatsächliche Alleinherrschaft mit republikanischer Fassade.
Augustus und Tiberius stabilisierten das Kaisertum zunächst. Unter den Adoptivkaisern erreichte das Imperium in der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts seine größte Blüte und Ausdehnung: Trajan expandierte, Hadrian sicherte die Grenzen. Nach dem Tod Mark Aurels 180 n. Chr. nahmen Bedrohungen durch Germanen im Norden und Parther im Osten zu. Caracalla verlieh 212 mit der Constitutio Antoniniana allen freien Reichsbewohnern das Bürgerrecht. Nach 235 folgte unter den Soldatenkaisern die Reichskrise des 3. Jahrhunderts mit raschen Herrscherwechseln, regionalen Problemen, Abspaltungen und äußerem Druck durch Germanen und das Sassanidenreich. Die neuere Forschung bewertet sie nicht nur als Krise, sondern auch als Transformationsphase.
Spätantike und Ende der gemeinsamen Reichsordnung
Diokletian stabilisierte das Reich seit 284 durch Reformen und die 293 eingeführte Tetrarchie, eine Herrschaft von vier Kaisern. Konstantin der Große privilegierte das zuvor verfolgte Christentum und setzte Reformen sowie ein Mehrkaisertum fort. Nach Julian, der 363 starb, waren alle Kaiser Christen. Theodosius I. erklärte 392 das katholische Christentum zur Staatsreligion und verbot heidnische Kulte, doch bestanden heidnische Minderheiten mindestens bis ins 6. Jahrhundert, weil die Gesetze lange nicht konsequent durchgesetzt wurden.
Nach der Teilung von 395 blieb das von Konstantinopel aus regierte Oströmische Reich dauerhaft lebensfähig und bewahrte antike Traditionen; Latein blieb dort bis ins frühe 7. Jahrhundert Amtssprache. Das Weströmische Reich zerfiel dagegen durch Bürgerkriege, Provinzverluste und äußeren Druck. Kriegerverbände übernahmen zunächst als foederati, also verbündete nichtrömische Gruppen, seit dem 5. Jahrhundert Provinzen. Rom wurde 410 von Westgoten und 455 von Vandalen geplündert und sank bis Ende des 5. Jahrhunderts auf geschätzt 200.000 Einwohner.
476 setzte Odoaker Romulus Augustulus ab und erkannte nominell die Oberherrschaft des oströmischen Kaisers an. Das gilt heute nicht allgemein als Ende der Antike: Im 6. Jahrhundert bestanden im Osten römisch-antike Strukturen fort, und Justinian (527–565) eroberte kurzzeitig große Teile des Westens zurück. Die islamische Expansion ab 632 veränderte Verwaltung und Gesellschaft Ostroms grundlegend und gilt als wichtiger Einschnitt zum mittelalterlichen Byzantinischen Reich. Ob die Veränderungen der spätantiken Städte und Wirtschaft Niedergang oder Wandel waren, ist in der Forschung umstritten.
Nachwirkung und Quellen
Antike Traditionen beeinflussten besonders die westliche Welt: Dazu zählen ionische Naturphilosophie, attische Demokratie, römisches Recht, religiöser Pluralismus sowie griechische und römische Kunst und Architektur. Antike Schriften wurden im mittelalterlichen Abendland in Klöstern bewahrt; byzantinische und arabische Gelehrte überlieferten ebenfalls antikes Wissen. Die Renaissance des 15. Jahrhunderts griff besonders römische Überreste und Kunstformen auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor die griechisch-römische Zivilisation zunehmend ihre frühere Vorbildfunktion. Zugleich ermöglicht dies laut Artikel einen neutraleren Blick auf die Antike.
Die Quellenlage ist lückenhaft: Schätzungen zufolge sind kaum 10 % der griechischen Literatur erhalten; andere Forschende nehmen sogar eine Verlustrate von etwa 99 % an. Besonders schlecht ist die Überlieferung für Archaik und Hellenismus, besser für die klassische Zeit Griechenlands und die Spätantike. Deshalb stützt sich die Forschung nicht nur auf erzählende Texte, Gesetze, Reden, Briefe, philosophische Schriften und Dichtung, sondern auch auf Inschriften, Papyri, archäologische Funde und Münzen. Ausgrabungen etwa in Pompeji, Olympia, Delphi und Pergamon sind für den antiken Alltag besonders wichtig.
Wichtige erhaltene Geschichtswerke stammen unter anderem von Herodot, Thukydides, Xenophon, Polybios, Livius, Tacitus, Cassius Dio, Ammianus Marcellinus und Prokop. Da viele Werke nur in Teilen oder gar nicht erhalten sind, bleiben zahlreiche Ereignisse und Zusammenhänge unbekannt.
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