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Kalter Krieg

Als Dauer des Kalten Krieges gilt im Allgemeinen die Nachkriegszeit von 1945 bis zum Zerfall der Sowjetunion 1991. Michail Gorbatschow bezeichnet in seinen …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Kennzeichen
  2. 2. Entstehung und Blockbildung
  3. 3. Abschreckung, deutsche Teilung und Krisen
  4. 4. Stellvertreterkriege, Entspannung und neue Aufrüstung
  5. 5. Ende des Kalten Krieges und Folgen
  6. 6. Deutungen der Ursachen

Begriff und Kennzeichen

Der Kalte Krieg war die Systemkonfrontation zwischen den Westmächten unter Führung der USA und dem Ostblock unter Führung der Sowjetunion. Er wurde meist auf die Zeit von 1947 bis 1989 datiert; allgemein gilt auch die Nachkriegszeit von 1945 bis zum Zerfall der Sowjetunion 1991. Die Bezeichnung Ost-West-Konflikt betont, dass sich die Beziehungen zwischen den Blöcken in wechselnden Phasen von Zuspitzung und Entspannung entwickelten.

Die Supermächte und ihre Militärblöcke führten keinen direkten Krieg gegeneinander. Stattdessen setzten sie politische, wirtschaftliche, technische, militärische und geheimdienstliche Mittel ein, um den Einfluss des anderen Lagers einzudämmen oder zurückzudrängen. Dazu gehörten Bündnisse, Wettrüsten, Embargos, Kriegsdrohungen, Propaganda, verdeckte Operationen und die Unterstützung von Staatsstreichen oder Konfliktparteien in anderen Ländern.

Ideologisch standen sich Kapitalismus und Kommunismus gegenüber. Der Westen stellte Freiheit, Demokratie und Marktwirtschaft der totalitären Diktatur und Planwirtschaft gegenüber. Der Osten stellte die sozialistische Entwicklung unter Führung der Staatspartei dem als ausbeuterisch bezeichneten imperialistischen Kapitalismus entgegen. Nach Georges-Henri Soutou ging es vor allem darum, dass der Gegner sein inneres politisches und soziales System ändern sollte, nicht um dessen Vernichtung oder den Erwerb von Territorien und Ressourcen.

Entstehung und Blockbildung

Die Vorgeschichte begann laut Artikel mit der Oktoberrevolution 1917. Westliche Kräfte intervenierten im Russischen Bürgerkrieg erfolglos gegen die Bolschewiki. Die Anti-Hitler-Koalition überdeckte den Gegensatz ab 1941 zeitweise: Nach dem deutschen Angriff vom 22. Juni 1941 kämpfte die Sowjetunion mit den Westalliierten gegen Deutschland. Nach 1945 traten die unterschiedlichen Ziele der Siegermächte bei der Neuordnung Europas hervor.

Der Westen und die Sowjetunion bildeten Machtblöcke, deren Ausdehnung weitgehend der Stellung von US-Truppen und Roter Armee im Jahr 1945 entsprach. Die Sowjetunion errichtete in Mittelost- und Osteuropa eine Sicherheitssphäre: In Polen, Rumänien und Bulgarien kamen kommunistische Regimes an die Macht; in Ungarn und der Tschechoslowakei wurden kommunistische Staatsstreiche vorbereitet. Die USA antworteten mit Containment, also einer Politik der antikommunistischen Eindämmung.

Als wichtiger Beginn des Kalten Krieges gilt die Truman-Doktrin vom 12. März 1947. Präsident Harry S. Truman kündigte an, „alle freien Völker zu unterstützen, die sich der Unterwerfung durch bewaffnete Minderheiten oder durch Druck von außen widersetzen“. Hintergrund waren unter anderem die Irankrise 1945/46, Griechenland und die Türkei. Im Iran versuchte Stalin, in kurdischen und aserischen Provinzen prosowjetische Staaten aufzubauen; erst Trumans Drohung mit ernsten Konsequenzen bis hin zu Atomwaffen bewog ihn laut Artikel zum Einlenken.

Der Marshallplan bot europäischen Staaten Wiederaufbauhilfe, wurde von der Sowjetunion wegen der amerikanischen Bedingungen aber abgelehnt. Osteuropäische Staaten mussten auf diese Hilfe verzichten und wurden wirtschaftlich enger an die Sowjetunion gebunden. Nach der Währungsreform in den Westzonen am 20. Juni 1948 blockierte die Sowjetunion ab 24. Juni die Land- und Wasserwege nach West-Berlin. Die Berliner Luftbrücke verhinderte die Unterwerfung der Westsektoren. 1949 entstanden die Bundesrepublik Deutschland und die NATO sowie die DDR; der Ostblock schuf später den Warschauer Pakt. Wirtschaftlich standen im Westen unter anderem OEEC und ab 1952 EGKS, im Osten der Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW/COMECON) gegenüber.

Abschreckung, deutsche Teilung und Krisen

Das atomare Wettrüsten beruhte auf Abschreckung: Beide Seiten drohten mit Atomkrieg, sodass ein Angriff zur Selbstauslöschung der Menschheit, dem „Overkill“, führen konnte. Ab 1954 entstand nach dem sowjetischen Aufholen bei Wasserstoffbomben und interkontinentalen Flugzeugen ein „Gleichgewicht des Schreckens“. Die USA hielten an der Strategie der „massiven Vergeltung“ fest; bei einem Angriff sollte ihre volle atomare Streitmacht eingesetzt werden.

Der Koreakrieg war ab Juni 1950 der erste große Stellvertreterkrieg. Nord- und Südkorea waren nach 1945 entlang des 38. Breitengrads geteilt worden. Nordkorea griff mit Zustimmung Stalins und Maos Südkorea an; die USA intervenierten für Südkorea, China für Nordkorea. Der UN-Sicherheitsrat beschloss wegen eines sowjetischen Boykotts mit Resolution 85 ein militärisches Eingreifen. Nach rund drei Jahren wurde ein Waffenstillstand geschlossen; der 38. Breitengrad blieb Grenze. Der Krieg forderte nach Schätzungen vier bis fünf Millionen Opfer.

Deutschland war ein Kernelement der europäischen Spaltung. Die Bundesrepublik und die DDR gehörten gegensätzlichen politischen, militärischen und wirtschaftlichen Systemen an, blieben aber über den innerdeutschen Handel verbunden. Die DDR schloss am 13. August 1961 die Grenze in Berlin und errichtete die Berliner Mauer. Sie sollte die Abwanderung von rund 2,6 Millionen Menschen seit 1949 stoppen. Bis 1989 starben an der innerdeutschen Grenze mehrere hundert Menschen bei Fluchtversuchen.

Besonders gefährliche Krisen waren die Berlin-Blockade 1948/49, die Berlin-Krise 1961, die Kubakrise 1962 und der Streit über Mittelstreckenraketen 1979 bis 1982/83. In der Kubakrise reagierte Kennedy auf sowjetische Atomraketen auf Kuba mit einer Seeblockade. Chruschtschow verzichtete schließlich auf die Stationierung; geheim zugesagt wurde auch der Abzug amerikanischer Raketen aus der Türkei. 1963 wurde das „rote Telefon“ als direkte Verbindung der Staatschefs eingerichtet.

Stellvertreterkriege, Entspannung und neue Aufrüstung

Nach der Kubakrise regelten USA und UdSSR Konflikte stärker durch Krisendialog und Rüstungskontrolle, kämpften aber weiter um Einflusszonen. Beide unterstützten Bürgerkriege und bewaffnete Konflikte in Afrika sowie Mittel- und Südamerika. Die USA waren mit eigenen Truppen im Vietnamkrieg beteiligt, die Sowjetunion intervenierte in Afghanistan; die jeweilige Gegenseite unterstützte Gegner mit Geld, Waffen, Logistik und Informationen. Beispiele sind die Unterstützung der Contra-Rebellen in Nicaragua, Konfliktparteien im angolanischen Bürgerkrieg und der afghanische Widerstand. In El Salvador ermordete die US-gestützte Militärdiktatur Anfang der 1980er Jahre laut Artikel etwa 40.000 Oppositionelle, rund 0,8 % der Bevölkerung.

Geheimdienste nutzten Spionage, Desinformation und verdeckte Operationen. Die Sowjetunion setzte Truppen gegen den Volksaufstand in der DDR 1953, in Ungarn 1956 und gegen den Prager Frühling 1968 ein. Die Breschnew-Doktrin rechtfertigte ein Eingreifen, wenn sozialistische Staaten von den Grundlagen des Sozialismus abwichen. Der Westen griff ebenfalls durch Geheimdienste und politische Einflussnahme ein.

Das Atomteststoppabkommen vom 5. August 1963 verbot Kernwaffentests in Luft, Weltraum und unter Wasser. Ab 1969 führten USA und Sowjetunion Gespräche zur Atomwaffenkontrolle, aus denen SALT-Verträge und der ABM-Vertrag hervorgingen. Brandts Ostpolitik, die Ostverträge und die KSZE-Schlussakte von Helsinki 1975 stärkten die Entspannung und sollten menschliche Erleichterungen im geteilten Deutschland fördern.

Ende der 1970er Jahre verschärfte sich der Konflikt wieder: Der NATO-Doppelbeschluss 1979 sollte sowjetische Mittelstreckenraketen ausgleichen; zugleich marschierte die Sowjetunion in Afghanistan ein. Reagan erhöhte die Rüstungsausgaben und begann die Strategic Defense Initiative (SDI). 1983 beschloss der Bundestag die Stationierung von Pershing II und Cruise Missiles; dagegen richtete sich eine breite Friedensbewegung. Der technologische Rüstungswettlauf überforderte die bereits wirtschaftlich geschwächte Sowjetunion zunehmend.

Ende des Kalten Krieges und Folgen

1985 begann Michail Gorbatschow in der Sowjetunion Perestroika, die Umgestaltung von Wirtschaft und Verwaltung, und Glasnost, Offenheit und Transparenz. Er wollte unter anderem durch Abrüstung das große Haushaltsdefizit verringern. Der Genfer Gipfel mit Ronald Reagan im November 1985 brachte zunächst keine Lösung, leitete aber eine Wende im Klima der Ost-West-Beziehungen ein. Nach dem Gipfel von Reykjavík 1986 wurden konkrete Abrüstungsschritte möglich: Der INF-Vertrag sah die Verschrottung aller Mittelstreckenraketen in Europa vor, START I leitete die Verringerung strategischer Kernwaffen ein.

Gorbatschows Abkehr von der Breschnew-Doktrin erlaubte den Ostblockstaaten selbstbestimmtere Entwicklungen. 1989 führten unter anderem in Polen, Ungarn, der Tschechoslowakei, Bulgarien und Rumänien Proteste und Revolutionen zum Ende kommunistischer Herrschaft; in Rumänien verlief der Umbruch blutig. In der DDR führten Fluchtbewegung und Montagsdemonstrationen zur friedlichen Revolution. Nach dem Mauerfall wurde am 3. Oktober 1990 die deutsche Wiedervereinigung durch den Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes vollzogen.

Die Charta von Paris vom 21. November 1990 legte den Kalten Krieg formell bei. 1991 wurden Warschauer Pakt und RGW aufgelöst. Der gescheiterte Augustputsch gegen Gorbatschow beschleunigte den Zerfall der Sowjetunion, die zum Jahresende 1991 aufgelöst wurde. Danach galten die USA zunächst als einzige verbliebene Supermacht. Die Rivalität zwischen den USA und der in den 2010er Jahren aufschließenden Volksrepublik China wird teilweise als „Zweiter Kalter Krieg“ bezeichnet.

Deutungen der Ursachen

Die Ursachen des Ost-West-Konflikts werden kontrovers beurteilt. Die „orthodoxe“ Sicht sieht den ideologisch begründeten Expansionsdrang der Sowjetunion als Hauptursache. Die USA hätten darauf vor allem reagiert, um Freiheit und Demokratie zu verteidigen. Vertreter heben besonders Stalins Rolle hervor.

Die „revisionistische“ Schule betont dagegen ökonomische und hegemoniale Interessen der USA. Die amerikanische Außenpolitik habe auf die Öffnung neuer Märkte gezielt; der Marshallplan sei Ausdruck einer Einmischung in europäische Wirtschaftsstrukturen gewesen, welche die Sicherheitsinteressen der Sowjetunion bedroht habe.

Beide Ansätze gingen ursprünglich von einem Aggressor und einem reagierenden Verteidiger aus und stützten sich häufig auf begrenzte, vor allem amerikanische Informationen. Der seit den 1990er Jahren stärkere Postrevisionismus wertet schrittweise zugängliche Archive beider Seiten aus und gilt als ausgewogener. Auch dort werden jedoch unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt; John Lewis Gaddis vertritt als „neo-orthodox“ bezeichnete Position, die erneut Stalins Persönlichkeit als zentrale Ursache hervorhebt.

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