Zum Inhalt springen
L

Das Video kommt von YouTube: erst beim Abspielen verbindet sich die Seite mit YouTube (Google).

Kalter Krieg in Bewegung: Europa 1952/53 | Doku HD | ARTE

ARTEde1:28:53 95.845 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 489 Zeilen
Herunterladen
  1. [musik] Morgensonne glitzert auf den Wellen des Reins. Auf Europas wichtigster
  2. Wasserstraße gleiten die Schiffe vieler Länder aneinander vorüber. Durch die Verkehrsaden des Kontinents rollt der lebendige Strom des Handels.
  3. Rollt bis an die Grenzen. Dort heißt es zunächst einmal halt. Die Lastkähne gehen vor Anker. Von Ufer zu Ufer re
  4. Jahre nach dem fürchterlichen Krieg. [musik] Für die Menschen war es eine Zeit des Atemholens und der Hoffnungen,
  5. aber ebenso eine Zeit der Krise und der Angst [musik] vor einer neuen Katastrophe.
  6. Es entstanden neue Pläne und Visionen, die Europa für viele Jahrzehnte prägen sollten.
  7. Luxemburg, das kleine Land im Westen Europas. Im Spätsommer 1952 fanden sich in der romantisch gelegenen Hauptstadt Menschen aus [musik] sechs
  8. Nationen zu einem noch nie dagewesenen Projekt zusammen. Ein friedlicher Zusammenschluss von Ländern, von denen manche kurz zuvor noch verfeindet waren.
  9. Für mich wo war das der Anfang einer sehr großen Entwicklung und da von Anfang an dabei zu sein. Diplomaten und Beamte legten den
  10. Grundstein für die europäische Gemeinschaft [musik] für Kohle und Stahl. Diese Montanunion, wie sie bald genannt wurde, war auch
  11. eine Chance für junge Menschen nach Jahren der Entbehrungen. Die Leute kamen aus all diesen Ländern. Am Anfang waren alle enthusiastisch. Das
  12. war [musik] Europa, was da begann. Es war auch die Geburtsstunde der heutigen europäischen Union.
  13. Es war wie die Lava eines Vulkans. Am Anfang [musik] fließt es, aber man weiß nicht genau, was es ist.
  14. In Luxemburg, [musik] Paris, Bonn, Brüssel, Rom und Denhag schauten die Menschen unsicher in die Zukunft. Was würde der Jahreswechsel bringen?
  15. [musik] Der Lichter Glanz in den Städten täuschte nicht darüber hinweg, dass der Kontinent geteilt war im Zentrum der
  16. Spannungen zwischen Ost und West. In jeder Kinoorstellung zeigte die Wochenschau die neue Lage.
  17. [musik] Drive D. Eisenhauer, Kriegsheld, bis vor kurzem noch Oberbefehlshaber der NATO in
  18. Europa, wurde der 34. Präsident der USA. Ein Soldat [musik] als Anführer des Westens. Der kalte Krieg war nicht nur auf der
  19. Leinwand. In vorgeschobenen Linien gingen etwa 2000 Soldaten mit ihren Offizieren in Stellung. Eine psychologische Prüfung im
  20. Rahmen dieses taktischen Atombombenversuches. Die Film und Fernsehkameras warteten startfertig auf den dramatischen
  21. Augenblick. Ein [musik] Wettlauf der Aufrüstung im Osten und im Westen.
  22. Niemand konnte sich dieser Atmosphäre entziehen. Die Bombe ist explodiert.
  23. Eine Mischung aus [musik] Angst, Lust und Zuversicht. Im Osten Europas, in Moskau, Prag, Warschau und Ostberlin huldigten die
  24. Wochenschauen dem großen Anführer Stalin. Er hatte gerade Geburtstag. Lenins Ideen leben im Sowjetvolk und sie leben in Stalin, der sie wie ein
  25. kostbares Erbe pflegt. Die Menschen leben Stalin, weil Stalin die Menschen lebt.
  26. Die bösen Gegenspieler, Kriegstreiber und Feinde der Freiheit säßen im Westen. Das hämmerte die Ostpropaganda ihren Zuschauern ein.
  27. Wieder rasen schwere Panzer über die Felder Westdeutschlands, zermalmen die Ernten, reißen die Straßen auf, ersetzen Frauen
  28. und Kinder in Furcht und Schrecken. Es riecht nach Pulver auf den Feldern Westdeutschlands. Der eiserne Vorhang schnitt Europa in
  29. [musik] zwei Hälften. Im Osten die sozialistischen Diktaturen, im Westen die kapitalistischen Demokratien, in der Mitte [musik] Deutschland, die Arena für
  30. den Wettlauf der Systeme. In Born, der Hauptstadt der Bundesrepublik, war der Kanzler Konrad
  31. Adenauer klar auf Festkurs. Damit stand [musik] die Bundesrepublik Deutschland am Beginn eines
  32. Wirtschaftswunders. Es ging langsam berg auf und die Menschen spürten [musik] das. Das Ruhegebiet mit seinen Zechen und
  33. Stahlwerken war das pulsierende Herz der wiedererstarkenden Industrie. Doch die rauchenden Schlote schienen den Nachbarn eher als Bedrohung. Kohle und Stahl
  34. waren immer die Basis der Rüstungsindustrie. George Berto war damals ein junger [musik] französischer Regierungsbeamter.
  35. Zu dieser Zeit herrschte in Frankreich eine Art Geist von Versailles. Deutschland sollte bezahlen, es musste bestraft werden.
  36. Aber es stand viel auf dem Spiel, vor allem das Ruhrgebiet. Und hier wollten die Amerikaner und die Briten auf Bitten Erdenauers, dass sehr
  37. schnell die deutsche Souveränität über Kohle und Stahl der Ruhe wiederhergestellt würde und Frankreich wollte das nicht.
  38. Am liebsten hätten die Franzosen das Ruhrgebiet aus dem [musik] westdeutschen Staat herausgelöst.
  39. In Düsseldorf kontrollierte seit 1949 eine internationale Behörde unter Führung der Westmächte die Ruhe. Doch eine endgültige [musik] Lösung des
  40. Problems konnte sie nicht sein, auch wenn hier schon Deutsche mit am Tisch saßen.
  41. Hier im Atlantikus arbeitete [musik] die junge Französin Marie Ros Ibach, Tochter eines französischen [musik] Vaters und einer deutschen Mutter.
  42. Der Krieg war noch nicht so weit weg. Es war erst 5 Jahre her. Aber seltsamerweise war es kein Problem, sich mit all diesen Leuten anzufreunden.
  43. Und es war eine wunderschöne Zeit für mich. Es gab keinen Hass. Ich würde etwas erfinden, wenn ich ihnen sagen würde,
  44. dass es Streitigkeiten gab. So etwas gab es da nicht. Wieder bricht ein neuer Tag über Europa an, über dem Kontinent, dessen
  45. Bevölkerung trotz Grenzen und Nationalitäten im Grunde ein Volk ist. Ein [musik] Volk, das seine Hoffnung auf Friede und Sicherheit genau wie seine
  46. Erde miteinander teilt. Der lyrisch beginnende Film wurde mit US-Geld produziert. Es gab dutzende
  47. [musik] amerikanische Stellen, die den Europagedanken förderten und propagierten. Eine PR-Agentur der US-Regierung war in Bonn direkt beim
  48. amerikanischen Hochkommissar angesiedelt. Das Budget kam aus offiziellen Quellen in Washington und verdeckt aus geheimen
  49. CIA Fonds. Das Ziel der Kampagne die Vereinigten Staaten von Europa. Schon der Marshallpl, die Wirtschaftshilfe für das
  50. Nachkriegseuropa war Teil der amerikanischen [musik] Strategie in diesem kalten Krieg. George Berto hatte das selbst erlebt.
  51. Ich hatte ein Stipendium der Amerikaner für ehemalige französische Widerstandskämpfe und ich ging nach Harv.
  52. Wir Europäer dort dienten als Versuchskaninchen, um europäische Reaktionen auf die amerikanischen Methoden zu erhalten und die waren
  53. inquisitorisch. Die Amerikaner wollten die Verwendung der Marshall Plan Hilfen bis in die Fabriken hinein kontrollieren. Wir
  54. sagten, wenn ihr [räuspern] wollt, dass ganz Europa kommunistisch wird, dann macht das so. Nein, es muss eine Zusammenarbeit zwischen den nationalen
  55. Behörden und der Marshallplanbehörde geben. In Straßburg tagte seit 1949 der Europarat, ein Forum von 11 Staaten. Der
  56. Europarat durfte nichts entscheiden. Er setzte auf Diskussionen und Resolutionen. Die Gründung wurde mit Geld aus [musik] Washington unterstützt.
  57. vom CIA nahen amerikanischen Komitee für ein vereintes Europa. Die USA waren präsent in Westeuropa, politisch, wirtschaftlich und
  58. militärisch. In Paris war das Hauptquartier der NATO. Die Uniformen der Amerikaner und ihrer
  59. Verbündeten gehörten zum Straßenbild [musik] in der Stadt und im Vorort Marlis.
  60. [musik] can be seen against the skyline. These 12 nations have united in an alliance to preserve [musik] the peace
  61. of Europe. Here at Mar La on a donated by the people of France is the supreme headquarters of Allied Poers [musik] Europe.
  62. [musik] [musik] Die Amerikaner waren 1944
  63. als Befreier nach Frankreich gekommen, doch sie waren nicht wirklich beliebt. Seit den 20er Jahren lebte die US-Journalistin [musik]
  64. Janet Flanner in Paris. Sie bemerkte einen zunehmenden Antiamerikanismus. Grundsätzlich sind die Franzosen es leid, dass ihr Land nach sieben
  65. Friedensjahren immer noch besetzt ist. Allein in Paris leben mehrere tausend Amerikaner, die in den vielen amerikanischen Dienststellen arbeiten.
  66. Die Franzosen finden, dass die Mehrheit der Amerikaner in der Öffentlichkeit zu viel und zu laut reden und trinken.
  67. Die Amerikaner wollten, dass Europa ein Partner wird und nicht eine Kolonie, ein Partner. Man darf nicht vergessen, dass die
  68. Amerikaner damals noch nicht lange eine Weltmacht waren. Das politische Hauptquartier der NATO war in Sichtweite des Eifelturms. Marie
  69. Ros Ibach hatte die Ruhrbehörde verlassen und [musik] arbeitete nun hier im Herzen von Paris.
  70. Die Naturgebäude gingen vom Trocadero bis zur Szene. Sie waren aus Holz, eine ganz leichte Konstruktion.
  71. Deshalb gab es einmal im Monat eine Übung für den Fall eines Brandes, damit wir uns retten konnten.
  72. Eigentlich war die NATO multinational, doch die Amerikaner bestimmten. Das gefiel nicht allen Franzosen und auch Marie Ros Ibach erlebte diese
  73. Verärgerung. Ich bekam die Akten der Verrückten, die uns
  74. geschrieben haben, weil sie gegen die NATO waren. [räuspern] Ich habe auch andere Akten in die Hand bekommen, aber die großen Geheimakten
  75. waren die Sache von meinem englischen Chef. Das Nachkriegseuropa hatte viele Probleme. In Italien kam zu den Narben
  76. des Krieges noch die Armut, die tiefergehende Wurzeln hatte. Eine unterentwickelte Wirtschaft. schlechte hygienische Verhältnisse in den Städten,
  77. feudale Strukturen auf dem Land. 1,5 Milliarden Dollar Marshall Planhilfen investierten die USA in die
  78. italienische Wirtschaft, mehr als in die der Bundesrepublik. Nicht nur deshalb waren die Amerikaner bei der Bevölkerung Italiens willkommen.
  79. Lucana Castelina war damals eine [musik] junge Kommunistin in Rom. Amerika ist eine der großen Entdeckungen im Europa der Nachkriegszeit.
  80. Für Italien war Amerika schon lange ein Auswanderungsland. Die Italoamerikaner hatten vor allem auf dem Land im Süden Amerika bekannt
  81. gemacht. In Rom wie in allen großen Städten [musik] Italiens gehörten amerikanische
  82. Soldaten in diesen Nachkriegsjahren zum Straßenbild. Unsichtbar blieben die vielen 100000 Dollar, mit denen die CIA die konservativen [musik] Parteien
  83. Italiens finanzierte. Glück und Frieden.
  84. In Ostberlin entstand seit 1951 Prestigeprojekt. Die Stalin Allee, eine [musik] gut 2 km lange Prachtstraße nach Moskauer
  85. Vorbild. Die Regierenden im Osten Deutschlands waren [musik] stolz. Heute ist der Tag gekommen, wo die ganze Welt sehen kann, dass wir ein schöner
  86. Häuser mit Fahrstuhlen, mit Müllschlucker, mit allem, was das Leben der Frau bequem macht, schaffen für unsere Aktivisten, für unsere Helden
  87. Aber es gab auch kritische Stimmen in der DDR, das doch alles bei uns braend vor sich gehen muss. Der Bau eines Wohnhauses ist
  88. ein bahnbrechendes Ereignis. Auch anderswo auf der Welt baut man Häuser und Siedlungen, mehr Häuser, bessere Häuser, ohne dass jemand danach
  89. fragt, bis auf die Mieter. Bei uns aber muss der Bau eines Mietshauses von einem Getöse begleitet werden, als sei damit eine neue Epoche der Baukunst, der
  90. Städteplanung angebrochen. Alfred Kantorovic, Literat und Kommunist. Er war aus seinem selbstgewählten Exil USA in das
  91. vermeintlich bessere Deutschland, die DDR zurückgekehrt. Er gründete die Zeitschrift Ost und West, ein Forum [musik] für den Dialog, doch die wurde
  92. bald verboten. Freiheit der Meinungsäußerung, das war im Stalinismus [musik] nicht vorgesehen.
  93. In der Zentrale der sozialistischen Einheitspartei Deutschlands herrschte Walter Ulbricht. Der SED-chef war der eigentliche Machthaber. In seiner Welt
  94. war der Sozialismus das überlegende System. Der Fahrplan zieht eine Steigerung der friedlichen
  95. Industrieproduktion um das Zweifache gegenüber den Stand für 1936 vor. Ein Tempo, welches für kein kapitalistisches Land erreichbar ist.
  96. Ulbrcht regierte mit eiserner [musik] Faust. Jedes Theater, jedes Finanzamt, jedes Parteibüro eine Kaserne, jeder Besucher
  97. ein Rekrut, den man beibringen wird, wie er sich dem Vertreter einer hohen Behörde gegenüber zu verhalten hat.
  98. So richtig politische Standpunkt hatte ich damals nicht, außer dass ich sagte, na ja, äh wir sind halt in der DDR. Ich habe dann war ich in der FDJ, musste man
  99. praktisch sein und bei jungen Pionieren und Abzeichen für gutes Wissen in Bronze gemacht. Ich lief also nicht gerade stromlinieförmig mit, aber so
  100. ja unkritisch. Der 15-jährige Rudolf Deringer war aber kein FDJ Mitglied wie alle anderen.
  101. Rudolfs Vater gehörte zur politischen Prominenz. Georg Deringer war der Außenminister der DDR. Er gehörte der ostdeutschen CDU an. Als mein Vater
  102. Minister wurde, da kam dann abends ein riesen Fresskorb an mit Sachen, die man gar nicht kaufen konnte. Weintraum, Apfelsinen und was nicht alles. Äh
  103. angeblich als Gabe der sächslichen Bauern und sowas war das. oder es kam klingeln plötzlich abends zwei russische Soldaten und schleppten eine riesen
  104. Musiktruhe inklusive Plattenspieler und paar Platten an und stellten sie da irgendwo hin. Privat wohnten die Dattingers in
  105. Kleinmachnum gleich hinter der Grenze zu Westberlin. Zum Ende der Schulferien hieß es für Rudolf immer zurück ins Internat. Der Chauffeur des Vaters fuhr
  106. ihn im Ministerwagen. Das habe ich natürlich genossen mit der Riesen Limousine und einem Auto dahinter mit persönlichen Schutz
  107. davorzufahren. In Heiligenstadt, gar nicht weit von der Grenze zur Bundesrepublik ging Rudolf auf das katholische [musik] Konvikt.
  108. Schließlich repräsentierte sein Vater Georg die christliche CDU innerhalb des Systems der DDR. Die Arbeiter des Großkraftwerkes
  109. Hirschfelde empfingen den Außenminister der deutschen demokratischen Republik Georg Dertinger am Vorabend
  110. als Mann der Ostduinger den ostdeutschen Staat mit trotz der Diktatur der SED immer gesagt wir können uns nicht verweigern
  111. wir müssen uns mit einbringen mit gedacht nicht gesagt das schlimmste verhüten der Spalt ung widerstehen. Mein Vater war immer bemüht zu sagen, es muss
  112. doch möglich sein, dass die beiden Teile Deutschlands irgendwann mal wieder zusammenkommen und zwar auf eine Art und Weise, die sowohl
  113. die Sowjetunion gut heißen kann als auch der Westen. Doch eigentlich war die Sache [musik] längst entschieden. Wenn der Westblock
  114. nicht so stark wäre, meine Freunde, ich bin überzeugt, ganz Deutschland wäre schon lange ein russischer Satelliten [musik]
  115. die NATO trainierte auf westdeutschem Boden. Sie war gegründet aus dem Misstrauen gegenüber der Sowjetunion. Stalin hatte nach dem Krieg zwar
  116. Demokratie für viele Länder Osteuropas zugesichert, er brach aber sein Versprechen. Die Antwort des Westens: Abschreckung.
  117. Die Vereinigten Staaten waren sehr daran interessiert, ein Vereintes Europa zu haben. Ein westliches Bollwerk gegen das andere Europa, das zu diesem Zeitpunkt
  118. durch den berühmten eisernen Vorhang entstand. Und so gab es ein amerikanisches Interesse am Bau dieser gemeinsamen
  119. westlichen Front. Dafür wurde die NATO geschaffen. Doch ein Partner fehlte noch, die Bundesrepublik.
  120. Auch Westdeutschland sollte eine Armee bekommen. Die Deutschen, unter denen Europa noch vor kurzem gelitten hatte, sollten wieder bewaffnet werden. Das
  121. [musik] war das gemeinsame Ziel der Amerikaner und Konrad Adenauers. Bundeskanzler und Außenminister Dr. Adenauer traf mit den Außenministern der
  122. drei Westmächte zur ersten Viererkonferenz zusammen. Thema der Besprechungen war der Generalvertrag, der die Beziehungen Deutschlands zu den
  123. Westmächten auf eine Ebene der gleichberechtigten Partnerschaft stellen soll. Frankreich war Anfang der 50er Jahre arm
  124. und [musik] abhängig von den USA. In Vietnam führte das Land Krieg um eine verlorene Kolonie. In Französisch Nordafrika brodelte es. Es gab
  125. Wohnungsmangel und Versorgungskrise. Inflation. Das Kilo Schweinefleisch kletterte innerhalb eines Jahres von 380 auf 540 Franc.
  126. 1950 befanden wir uns immer noch in einer katastrophalen, wirtschaftlichen und insbesondere finanziellen Situation. Wir hatten z.B. eine Periode, in der wir
  127. gelbes Brot gegessen haben, weil es einen Übersetzungsfehler zwischen Korn für Mais und Weed für Weizen gab. Das Ergebnis war, dass wir riesige Mengen
  128. bestellt haben, Maismehl [musik] und kein Weizenmehl. Die französische Nachkriegsgesellschaft hatte tiefe Risse, doch die USA
  129. brauchten das Land im Zentrum Europas als wichtigsten Partner der NATO. Der wachsende Pessimismus der Franzosen hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen und
  130. politischen Zukunft verschärft ihr Gefühl der Unterlegenheit innerhalb der atlantischen Gemeinschaft. Dies führt dazu, dass sie die Rolle
  131. Deutschlands in der westlichen Verteidigung mehr fürchten und der amerikanischen Führung kritischer gegenüber stehen.
  132. Die Deutschen schienen das Kernproblem der westlichen Europapolitik zu sein. Schließlich waren noch vor kurzem Hitlers Lanzer über die Chancee
  133. marschiert. In den Köpfen halten die Schritte noch immer. Ich erinnere mich noch. Ich wollte mir einen kleinen DKW kaufen oder ein
  134. anderes kleines deutsches Auto und keiner meiner Freunde in Paris wollte mit dem deutschen Auto fahren. Das war unmöglich.
  135. [musik] Das Misstrauen gegenüber den Deutschen war weit verbreitet in ganz Europa. Dagen zeigte die Polit der Amerikaner
  136. ein positives Beispiel französischdeutscher Versöhnung. Komm mal rüber. Meine Maschine ist kaputt. Kann jetzt nicht. Du
  137. in einem französischen Dorf wird Deutsch gesprochen. Es sind die Stimmen der ehemaligen Kriegsgefangenen. Sie sind hier ansässig geworden, statt nach
  138. Deutschland zurückzugehen. Heute gehören die deutschen Bürger von Geminau und Umgebung schon hierher. Selbst das Kriegerdenkmal in dem
  139. Provenceddorf wurde von einem Deutschen geschaffen, berichtete der Film und feierte die gelungene Integration. [glocke]
  140. [musik] Heute trifft sich die Bevölkerung von Geminau, um das jüngste Mitglied zu
  141. taufen, einen Jungen von einer französischen Mutter und einem deutschen Vater.
  142. Doch das deutsch-französische Verhältnis blieb kompliziert. Der Hamburger Abiturient [musik] Dietrich Kuhlbrot machte 1952
  143. mit einem Freund einer Radtour durch Südfrankreich. Wir waren Kinder, nicht? Und dann habe ich die Militärfeldflasche von meinem Vater genommen aus dem
  144. Kleiderschrank aus der Ecke, nicht? Da hatte ich immer was zum Wasser zu füllen und die hatte ich hier so am Gürteln, nicht so eine Flasche und und fand das
  145. geil nicht da mit mit so einer Flasche rumzulaufen, nicht? Abends suchten die Freunde nach einer Unterkunft.
  146. Dann hatten wir [musik] irgendwo in einem Restaurant Schluss gemacht, um da auch zu übernachten und so weiter. Und dann merkte ich, da am Tresen
  147. versammelten sich so Leute und guckten uns feindselig an, nicht? Äh und da kapierte ich erst, dass sie das
  148. als Provokation empfunden wurde, dass ich mit einer deutschen Militär Feldflasche der erschienen. Das kannten sie schon.
  149. Wie sollte es [musik] weitergehen? Westdeutschland, ein schlafender Riese. Sein industrielles Herz, das Ruhrgebiet, wäre zu großen Leistungen fähig auch für
  150. Europa. Doch war da noch das militärische Potenzial der Schwerindustrie, das misstrauisch machte. Die
  151. wirtschaftlichen Realitäten forderten eine europäische Zusammenarbeit. Dennoch schien eine Lösung weit entfernt.
  152. Frankreich war sehr sehr vorsichtig. Dasselbe gilt für die deutsche Regierung. Beide Länder befanden sich in einer
  153. äußerst zwiespältigen Situation, was ihre Souveränität betraf. Sie waren finanziell nicht in der Lage, ihre Angelegenheiten allein zu regeln.
  154. Sie hatten keine Dollars pasllar. Im Pariser Außenministerium entstand ein Plan, der Westeuropa aus seinem Dilemma
  155. führen sollte. Außenminister Schuman schlug einen gemeinsamen Markt für Kohle und Stahl vor. Sechs Länder, Luxemburg, Frankreich, Belgien, die Niederlande,
  156. Italien und die Bundesrepublik sollten dafür ein Stück ihrer Souveräniten. France a toujours eu pour objet essentiel de servir la paix. L'Europe ne
  157. se fera pas d'un coup ni dans une construction d'ensemble par des réalisations concrètes créant d'abord une solidarité de
  158. der Schuman Plan unterzeichnet [musik] war galt er als das Ei des Columbus. Deutschland wurde durch einen gemeinsamen Markt integriert und dadurch
  159. auch kontrolliert. Fast zeitgleich wurde der prominenteste [musik] deutsche Industrielle aus der Haft entlassen.
  160. In Landsberg am Lech öffneten sich die Tore des Gefängnisses für 33 ehemalige Häftlinge, die der amerikanische Hohe Kommissar begnadigt hat.
  161. Alfred Krup war als Kriegsverbrecher verurteilt worden. Seine Freilassung auch ein Zeichen dafür, dass die Industrie an der Ruhe gebraucht wurde.
  162. Der Schuman Plan war für die Bundesrepublik ein wesentlicher Schritt [musik] auf dem Weg vom Paria, dem Ausgestoßenen zum Partner in Europa.
  163. Anfang 1952 feierte die Wochenschau die Ratifizierung im Bonner Bundestag. [musik]
  164. Die erste große außenpolitische Entscheidung der Bundesrepublik war eine Entscheidung für Europa. Der Bundestag hat den Schumann Plan einer Europäischen
  165. Montanunion mit großer Mehrheit angenommen. Voraussetzung dafür ist, dass Frankreich und Deutschland
  166. endlich begreifen, wie geringfügig ist das, was sie trennt und wie groß die Möglichkeiten sind, die sie mit vereinten Kräften erreichen
  167. können. [musik] Ein Fackelzug mit jungen Unterstützern der Europaunion zog abends durch Bonn,
  168. organisiert und finanziert mit amerikanischem Geld. Die Presse [musik] in den sechs beteiligten Ländern feierte den Vertrag. Doch der Schuman Plan, die
  169. Montanunion hatte nicht nur Freunde. Kup und andere deutsche Rüstungsunternehmen gelangten wieder in
  170. die Hand der alten Eigentümer. Die deutschen Gewerkschaften protestierten und die SPD. Auch in Italien protestierten wir, vor
  171. allem, weil es ja doch ein Versprechen gegeben hatte, dass die Fabrik nicht an die Familie Group oder ähnliche Besitzer zurückgegeben würden.
  172. [musik] Damals geschahen schreckliche Dinge in dem Sinne, dass die Macht sogar in
  173. Frankreich an Leute zurückgegeben wurde, die an der Judenverfolgung beteiligt waren.
  174. Die Ostwest Konfrontation bestimmte die politische [musik] Diskussion auch im liberalen Hamburg. Doch viele junge Leute waren skeptisch gegenüber der
  175. Bonnerlinie, sowie Dietrich Kuhlbrot. Das ist nicht unser Staat. den den Adenauer da haben will. Ja, z.B. die Wahlplakate nicht, die da
  176. an den Wänden hingen und dann hieß es also Sozialismus, unsere Feinde und dann wird gezeigt irgendwie wie ein Mensch umgebracht
  177. wird, richtig? Also, also das waren, ich habe diese Plakate auch abgerissen. Also, das heißt, ich hatte schon so diesen Impuls. Ich kann das nicht
  178. ertragen, diese komische Hetze Ostberlin an einem kühlen Märztag 1952. Eine Menschenansammlung vor der
  179. sowjetischen Botschaft. Stalin hatte den Westmächten ein überraschendes Angebot gemacht. Ein Friedensvertrag für Deutschland, der
  180. Kern, ein neutrales [musik] Deutschland in der Mitte zwischen den Blöcken, keine Teilung mehr in Ost und West und Demokratie, eine Vorstellung, [musik]
  181. die die Menschen elektrisierte. Vieles, was in dieser Stalin Note stand, entsprach auch den Überlegungen [musik] Georg Dertingers. Der DDR Außenminister
  182. war immer im Austausch mit den [musik] Sowjets. Nun glaubte er, dass seine Arbeit Früchte tragen würde. Mein Vater hat sich nur gewundert, dass etwas drin
  183. stand, was er gar nicht gewagt hätte reinzuschreiben, nämlich eine eigene Armee von weiß nicht wie viel bei 100.000 Mann.
  184. Die Stehote wurde dann aber sofort von den Westchen, USA und Adenauer abgelehnt. Die Reaktion des Westens war eindeutig.
  185. Zu oft war Stalin wortbrüchig gewesen. Schon lange lief die Kampagne Ostberlins gegen Adenauers Weg nach Westen. Mit
  186. Resonanz auch in der Bundesrepublik. Die Kommunisten organisierten Demonstrationen in den großen Städten, auch in Hamburg.
  187. Da kriegen wir eine Fackel in die Hand. Wir waren Schüler nicht an einer Oberschule und äh sind da mitmarschiert und dann
  188. haben eben auch haben wir gesungen, was ich weiß nicht, ob was genau war so, aber in dem Spiel bau auf, bau auf, bau auf, bau auf freie deutsche Jugend, bau
  189. auf, nicht? Und mir geht das immer noch den kalten Rücken runter, wenn [gelächter] ich das so operiere, nicht? Also, da hatten wir das Gefühl, da
  190. kommen wir weiter. Im Mai 1952 reisten 30.000 Pazifisten Linke Kommunisten nach Essen. Es ging gegen
  191. die westdeutsche Wiederbewaffnung, den Generalvertrag. Die Demonstration wurde kurzfristig verboten. Dennoch versammelten sich die
  192. jungen Menschen in der Stadt. Es fielen Schüssel. Der junge Münchner Kommunist Philip Müller starb. [jubel]
  193. Wasser auf die Propagandamühlen des Ostens. Bildumente vom Essner Blutsonntag. Essen war an diesem Tag das Ziel einer großen Friedenskarawane der
  194. westdeutschen Jugend. Gegen den Generalkriegsvertrag hieß ihre Forderung und schon heulten die Sirenen der Überfallwagen auf. Die Bilddokumente von
  195. den tödlichen Schüssen gegen den jungen Patrioten Philip Müller haben Leers Schergen beschlagnahmt, aber nicht alle ihre Schandtaten konnten sie verbergen.
  196. Diese Bilder beweisen Adenauers Terrorregim Seit der Westen die Stalinote abgelehnt hatte, eskalierte in Ostberlin der Ton.
  197. der patriotische Kampf unseres Volkes, um die Einheit unseres Vaterlandes gegen den verbrecherischen Generalkriegsvertrag.
  198. Zwischen den Abordnungen der Betriebe und der Bauern marschierten die paramilitärischen Einheiten der kasernierten [musik] Volkspolizei,
  199. denn längst hatte auch Ulbrichts DDR auf Aufrüstung umgeschaltet. Eine Welle nationalistischer Instinkte brandet auf, die alles zu überfluten
  200. droht. Die Überschriften des neuen Deutschland von heute lauten: Das deutsche Volk entfaltet seine Kraft. Schwur der deutschen Patrioten, wir
  201. ruhen nicht, bis der Sieg unser ist. Das neue Deutschland braucht gesunde und willensstarke Menschen sagte Ulbricht und forderte bewaffneten Schutz gegen
  202. alle eventuellen Aggressionsversuche vom Westen her. Auch in Italien sahen viele die [musik] westdeutsche Wiederbewaffnung mit Sorge.
  203. Über Parteien und Parlamente [musik] ging die Debatte weit hinaus. In den Kinos lief 1952 der US-Spielfilm Rommel der Wüstenfuchs, Hitlers
  204. Lieblingsgeneral als gebrochener Held. Lucana Castelina, die junge Kommunistin, war empört.
  205. Man wollte Deutschlandse Einstieg in die NATO unterstützen. Einer der ersten Filme war der Wüstenfuchs, der besagt, dass Rommel
  206. ganz außergewöhnlich war und gar nichts mit den Nazis zu tun hatte. Der Film hatte in einem Kino in Rom Premiere. Wir haben eine Demonstration
  207. organisiert und für immer kam auch gleich die Polizei. Protestare contro questa
  208. meine Spezialität damals war die Fahrträte der Obusse zu knacken und dabei wurde ich verhaftet. Das war die Atmosphäre beim beginnenden
  209. Aufbau Europas. Europa. [musik] In Bonn waren die Würfel längst gefallen. Für Adenauer gab es keinen
  210. anderen Weg als das Bündnis mit dem Westen. Zur Unterzeichnung wurde der Generalvertrag in Deutschland [musik] Vertrag umbenannt. Das klang schöner.
  211. Die Wiederbewaffnung sollte in einer gemeinsamen europäischen Armee stattfinden in engster Abstimmung mit der NATO. Sechs Länder trugen die Armee
  212. Europas, die gleichen, die auch den Schumann Plan beschlossen hatten. Die wirtschaftliche und die militärische Zusammenarbeit waren eins. So sahen es
  213. die Westmächte und auch für den Kanzler [musik] war das der Kern der Politik. Wir sind der Überzeugung, dass der Weg, den wir eingeschlagen haben, der einzig
  214. mögliche Weg ist, um zu einer Wiedervereinigung Deutschlands in Frieden und in Freiheit zu gelangen. [musik]
  215. Die Restauration unteilbar marschiert. Drüben wird mit nachgerade unausweichlicher schicksalhafter Zwangsläufigkeit
  216. der Generalkriegsvertrag unterzeichnet. Die westdeutsche Wiederbewaffnung deprimierte Alfred Kantorovsch.
  217. Die Antwort Ostberlins ebenso die Reaktion darauf ist Hüben nicht ausgeblieben. Auch wir werden nun wieder eine Armee haben. Generale, Offiziere,
  218. Muschkoten. Eigentlich ist es schon soweit. Ich habe das nie so konträr gesehen. Ich wusste ja, dass es anders ist, wie es
  219. anders ist. [musik] Vom Haus dertingers in Klein Machno waren es nur ein paar hundert Meter in
  220. den amerikanischen Sektor Berlins. M Berlin mal nebenan Kontrolle dem Sinne gab's da noch nicht. Sag konnte man noch
  221. einfach rüber von klein machen und erzählen noch. Das waren beim Fahrrad 5 Minuten
  222. von der Westpolizei. Sag mal sier Stumpizei stand da auch jemand, aber wir waren ja Schüler, wir sind 12, 13, 14-jährige rumgelaufen. Das spielt
  223. überhaupt keine Rolle. Die Grenze verlief auch über das Wasser der Hafel, doch gleich nebenan lockte
  224. der Wannsee, die [musik] Badewanne Westberlins. Rudolf verbrachte hier herrliche Sommertage.
  225. Ich hatte natürlich in dann Freunde und es waren Leute, die gut Englisch konnten zum Teil oder amerikanisch und schon mal Kaugumis hatten und wurde
  226. auch schon mal eingeladen zum Geburtstagsfeier. Für Momente schien der kalte Krieg weit weg.
  227. Frankreichs Wirtschaftskrise blieb ein zentrales Problem für die Politik des Westens. [musik] In den Analysen der CIA spielte sie eine große Rolle.
  228. Die rapide Verschlechterung seiner Außenhandelsbilanz und die unsicheren Aussichten der Finanzierung seiner gestiegenen Verteidigungslasten
  229. haben Frankreich an den Rand des Staatsbankotts gebracht. [musik] Die kriselnde Wirtschaft sorgte für
  230. Zulauf bei den kommunistisch geprägten Gewerkschaften. [musik]
  231. Als Gegenmaßnahme unterstützte eine amerikanische Agentur den Aufbau nicht kommunistischer Arbeiterverbände. My nameely
  232. [musik] comminated
  233. union why take this Die Kommunistenangst der Amerikaner war auf einem [musik] Höhepunkt. In den USA
  234. tobte Senator McCarthys Hetzjagd auf die Linke und in Westeuropa fürchteten die Amerikaner die fünfte Kolonne Moskhaus.
  235. All these people are commot Frankreich war vielfältiger und toleranter. Das beschreibt auch die
  236. US-Journalistin Janet Flanner. Einer der Gründe für den Antiamerikanismus hier ist unsere von den Franzosen verspottete hysterische
  237. Jagd auf ein paar wie Motten in einem Bürotepich verborgene Kommunisten. In Frankreich waren die z.B. integriert in in den ganzen Geschichten.
  238. Ein Kommunist wurde nicht hey Kommunist überhaupt nicht. Das war für die eine normale Wahlgeschichte, sich für den Kommunismus zu interessieren.
  239. Auch in Italien ließ sich ein rigider Antikommunismus kaum durchsetzen. Dafür waren die Menschen zu individualistisch
  240. und die Kommunisten selbst wunderten sich oft über die eigenen Widersprüche. Die italienischen Kommunisten sind ein merkwürdiges Wesen. 90% der 2 Millionen
  241. Mitglieder der Kommunistischen Partei damals waren Katholiken. Ich erzähle Ihnen eine Geschichte von 4647.
  242. Der Bischof von Andrea erlässt ein Edikt, dass Kommunisten nicht länger als Paten für die Firmung der Kinder agieren dürfen.
  243. Der örtliche Sekretär der Kommunistischen Partei fackelt nicht lange, versammelt die Leute und mit roten Fahnen marschieren sie mit Hammer
  244. und Sichel zur Kathedrale, um sie zu besetzen, um das Recht der Kommunisten durchzusetzen, Paten bei der Firmung der Kinder zu sein.
  245. Kommunismus in Italien war eher volkstümlich und fröhlich. Die dunklen Seiten der Diktatur des Proletariats traten zurück hinter Revolutionsromantik
  246. und Kampfpathos. Und für Lucana Castellina war die Sowjetunion das Mutterland des
  247. Arbeiterkampfes. [singen] [musik]
  248. Die Sowjetunion ist immer noch das große Land, in dem zum ersten Mal in der Geschichte die Revolution stattfand. Das ist eine großartige Tatsache, mit der
  249. ich auch heute noch sehr zufrieden bin. Viele Landstriche Italiens waren feudalistisch geprägt. Herscharen von
  250. Landarbeitern beackerten die Flächen eines einzigen [musik] Großgrundbesitzers, eines Patrone. Im Norden, in der
  251. Poebene, im Süden, in Apulien [musik] und der Basilikata, auf Sizilien. Ich erinnere mich gut daran. Ich habe das als junges Mädchen gesehen, wie die
  252. Bauern, nicht diejenigen, die sowieso Kommunisten waren, die die keine Elite waren, die nicht im Gefängnis im Exil waren, bei Demonstrationen auf die
  253. Straße gingen mit Schildern, wir wollen wie in Russland das Land für diejenigen, die es bearbeiten.
  254. Das Problem wuchs. Der christdemokratische Ministerpräsident Alchide de Gasperi setzte eine Landreform durch. Sie blieb zwar weit
  255. hinter den Forderungen der Linken zurück, aber sie war ein kleiner Fortschritt.
  256. Ein von den Amerikanern produzierter Film feierte die Verlosung von Landstücken in Süditalien.
  257. è divenuta realtà. Con la Terra vengono assegnati ai nuovi proprietari [musik] gli strumenti di lavoro, le sementi e il concime di prima necessità. E questo è
  258. soltanto l'inizio. Im Frühjahr 1952 wurde in Paris [musik] ein gigantisches Kulturfestival organisiert. Der Kongress
  259. für die kulturelle Freiheit. Lespic du pour la liberté de la culture, l'œuvre du 20e siècle triom à Paris. Il s'agissait en somme, selon les termes
  260. mêmes des organisateurs, de montrer que la culture de l'Occident n'a rien perdu de sa force créatrice, de sa diversité. Musik, Theater, Literatur und eine
  261. Ausstellung mit Meisterwerken [musik] der modernen Kunst aus amerikanischen Museen. Das Geld kam offiziell von reichen Mzenen, [musik]
  262. aber in Wirklichkeit von der CIA. Es war die aufsehen erregenste kulturelle Propagandaaktion seit dem
  263. Krieg. ob nun privat oder staatlich, wobei der Tenor dieser Propaganda selbstverständlich antikommunistisch war.
  264. Das Nachkriegsfrankreich schien ein kulturelles Wunderland. Gerne wurden die Impulse aufgenommen, passten sie doch gut zu einer Stimmung von Aufbruch,
  265. Experiment und Libertinage. Picasso und Piaf, Existentialismus und Mormatre. Paris, die Traumstadt der Jugend Europas.
  266. In Paris hatten wir immer das Gefühl, hier gehören wir hin, da ist das volle Leben drin. Und äh wir haben uns da absolut
  267. wohlgefühlt, also auch auf der Bühne. Da wurde im vierten Jahr irgendwie noch ein Stück gespielt, das in Hamburg nie so gespielt hätte werden können. Ja, und
  268. dann gab's eben diese herrlichen Anrichtungen, die Cinematek Franzise, da war noch in der Rü Dulm, da gab's diese ersten Jaz Boutiken, die die hatten, die
  269. gab's in Hamburg nicht. Also Frankreich war das Land äh war das kulturelle Zentrum von Europa.
  270. Aus Berlin, im Gebäude der DDR Regierung wurden die Spielräume enger. Mit dem Scheitern der Stalin Note war klar, Ulbricht brauchte keine Rücksicht mehr
  271. zu nehmen. In Übereinstimmung mit den Vorschlägen aus der Arbeiterklasse, aus der werktätischen Bauerschaft, aus anderen
  272. Kreisen der Werktätigen hat das Zentralkomitee der sozialistischen Einhaltspartei Deutschlands beschlossen, der zweiten Parteikonferenz
  273. vorzuschlagen, dass in der deutschen demokratischen Republik der Sozialismus planmäßig aufgebaut wird. Olbricht beseitigte die letzten Reste
  274. einer liberalen Wirtschaftsordnung. Der Druck wurde erhöht, wirtschaftlich, ideologisch. Es war die endgültige Sowjetisierung der DDR.
  275. Wir hatten immer den Eindruck, ist ein völlig ungebildeter nicht zugänglicher Apparat.
  276. Ausbau des Militärs, Vorrang für die Schwerindustrie, Gründung von Produktionsgenossenschaften. [musik] Das war Ulbrichtskurs und
  277. Erhöhung der Arbeitsnormen. Das ist so an sich klassisch kapitalistisch, nicht mehr arbeiten fürs gleiche Geld. Das wurde anders verbremt.
  278. Aufbau des Sozialismus. Die Ökonomie äh zielte ja auf die Kollektivierung des gesamten Wirtschaftssystems. Volkseigende Betriebe. Ähm die ähm
  279. kleinen Privatbetriebe wurden auf manchmal abenteuerliche Weise klein gemacht. Ähm die Handwerker wurden in die kollektiven kollektiven
  280. Handwerkergenosschaften gedrängt, falls nicht gleich abgehauen sind. Mit dem politischen Druck stiegen die
  281. Zahlen in den Flüchtlingslagern der Westsektoren Berlins. Auf dem Landweg konnten diese [musik] Menschen die Insel Westberlin nicht mehr verlassen.
  282. Auf einer kleinen Luftbrücke werden die politischen [musik] Flüchtlinge aus der Ostzone nach Westdeutschland gebracht. Letzte Etappe auf dem Weg in die
  283. Freiheit. Das haben wir natürlich mitbekommen, auch in Heiligen Stadt beispielsweise, dass plötzlich äh äh Klassenkameraden
  284. nicht mehr da waren, äh weil sie mit ihrer Familie nach Westdeutschland gegangen sind.
  285. Das DDR-Rime reagierte mit verstärkter Abriegelung und scharfen Kontrollen an den Grenzüberging. Bei Helmstedt an der sowjetischen
  286. Zonengrenze inzinierten die sowjetonalen Behörden erneute Verkehrsschikanen. Die Abfertigung der Fahrzeuge mit Gütern aller Art dauerte bis zu 64 Stunden.
  287. Die Krise war auch eine Belastung für den [musik] Christdemokraten und DDR-minister Georg Dertinger. Mein Vater fand auch immer, man kann die
  288. Leute doch nicht im Stich lassen. Irgendwer muss ja noch mal gegenhalten, wenn alle abhauen, äh was soll aus dem Land werden? Das war so auch die
  289. Einstellung, mit der man sich vielleicht die Welt auch ein bisschen schön geredet hat. Ma auch noch Möglichkeiten. Das war schon
  290. für den damaligen Politiker ein großes Problem. Im Sommer 1952 traten die Ostwestspannungen [musik]
  291. für einen Moment in den Hintergrund. Das olympische Feuer wurde von der klassischen Städte Griechenlands nach der Hauptstadt Finnlands gebracht.
  292. Erstmals nach dem Krieg waren auch wieder Deutsche bei Olympia dabei. Der Hoffnungsträger 1500 m Weltrekordler Werner Luke. Er sollte Gold holen.
  293. Auch Luxemburg stellte eine kleine Mannschaft zusammen. Mit dabei Jean Hamilius. Die Luxemburger konnten einen deutschen Startrainer verpflichten als
  294. Gegenleistung für sportpolitische Unterstützung [musik] der geächteten Deutschen. Rekordtrainer Woldemar Gerschla [musik]
  295. Verfechter des neuen Intervalltrainings. Die Intervallmethode, das war [gelächter] das war etwas etwas heftig für für jeden
  296. für mich. jeden Tag mindestens eine eine Stundetraining laufen zehn mal eine 300 m
  297. mit einer Minute und war das steckte fast. Ja, für die Deutschen war der Einzug in Helsinki wie ein weiterer kleiner
  298. Schritt zurück in den Kreis der friedlichen Nationen. Die WR-Sportler waren nicht dabei. Eine rein westdeutsche Mannschaft, doch sie
  299. erlaubte zum ersten Mal wieder Nationalstolz. [applaus]
  300. Der große Star von 1500 m Star in Deutschland, das war Luk und ganz Deutschland Deutschland fieberte dem Sieg von Luke entgegen.
  301. Aber nun kommt Mbruck an auf der Außenbahn, aber immer noch Luk. Luke wird jetzt angegriffen. Luke wird in der Zielgraden angegriffen. Luke ist
  302. niedergekämpft. Die Nummer 406 geht an ihm vorbei. Die Nummer 997. gewonnen hat der Luxemburger Bastel. Dann hat dieser kleine Luxemburger
  303. gewonnen. [gelächter] Das hat man Gerschler über genommen. Ich möchte beer sagen, aus den ausgestreckten Hand ist uns die
  304. Goldmedaille entrungen worden. Der Sieger von Gefühlen überwältigt. Es sind so viel bl
  305. und ich bes das hatte es selten gegeben. Luxemburg im nationalen Rausch.
  306. Ich spreche jetzt bloß für Luxemburg. Äh da würde ich nicht sagen Nationalismus, ich würde sagen Patriotismus.
  307. Ich bin auch, ich bin ein Luxemburger Patriot. Über meine Heimat ist Luxemburg. Ich bin kein Deutscher, ich bin kein Franzose, ich bin Luxemburger.
  308. Luxemburg war ein verschlafenes Städtchen bis zum Sommer 1952. Erst 14 Tage vor Beginn stand fest, Luxemburg sollte der Sitz der neuen
  309. Montanunion werden. Planungsgruppen, Beamtenkommissionen und Industrievertreter inspizierten hektisch Häuser und Büros. Umzugsleute und
  310. Handwerker bevölkerten die Stadt. Die hohe Behörde suchte Mitarbeiter. Jean Hamilius hatte ein abgeschlossenes Wirtschaftsstudium und er war der Sohn
  311. des Bürgermeisters der Stadt Luxemburg. Also Europäer, ich wollte doch eine Stellung kriegen. Ich erh keine Antwort und das hatte irgendwie politische
  312. Hintergründe hatte nichts direkt mit mir zu tun, aber irgendwie waren da leemburger, die die mich nicht wollten.
  313. Im Rathaus der Stadt fand die Premierensitzung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl statt. Es war die Stunde eines Mannes, Jean
  314. Monet. Jahrelang hatte er als französischer Wirtschaftsplaner im Hintergrund gearbeitet. Er hatte den Schuman Plan konzipiert. Jetzt war er
  315. Chef dieser Montanunion. Jean hatte lange Erfahrungen als Politmanager in Frankreich und während
  316. des [musik] Krieges in den USA. In Luxemburg war der junge George Perto sein engster Mitarbeiter.
  317. Mon war ein Pionier. Er war ein Pionier. All American amerikanische Pioniere haben anfangs kein Büro organisiert, keine Hierarchie.
  318. Aber wir hatten auch keine Ahnung, wie wir bezahlt wurden. Niemand stellte diese Fragen.
  319. Kommissionspräsident Monnais und seine Mannschaft [musik] bezogen Büros in der alten Luxemburger Eisenbahnverwaltung. Alles musste schnell gehen und immer im
  320. Mittelpunkt als Stratege und als Antreiber [musik] Jean. Marie Ros Ibach hatte die NATO verlassen
  321. und war nun eine der 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Montanunion [musik] in Luxemburg. Er war einer der ersten im Büro, sodass
  322. sich die anderen beeilen mussten, um auch da zu sein, zumindest gleich nach ihm oder vor ihm. Er war ein Arbeitstier.
  323. In der hohen Behörde herrschte das totale Chaos. Man wusste nicht, was man genau tat, Mon der einzige, der in diesem Chaos klar sah.
  324. Wir wussten, wir läuten gerade eine völlig andere, sehr schwierige und völlig unerforschte Zeit ein. Es war das erste Mal, dass wir aus
  325. verschiedenen Nationalitäten zusammenarbeiten würden. Vor allem für die Deutschen und Franzosen war es ein außergewöhnliches Abenteuer.
  326. Es war eine Atmosphäre des Aufbruchs. Jean Monnais und Robert Schuman hatten ein Projekt angestoßen, das [musik] jeden, der in Luxemburg dabei war,
  327. elektrisierte. 7 Jahre nach Ende des Krieges schafften sie es ehemalige [musik] Feinde zu Partnern zu machen.
  328. In Luxemburg [musik] entstand die erste internationale Gemeinschaft auch im Alltag.
  329. Ich hatte eine Wohnung zusammen mit einer Französin. Ich erinnere mich gerne daran. Es gab Deutsche in unserem Haus. Es gab Luxemburger im Erdgeschoss.
  330. Es war ein großer Mix. Ich hatte keine Probleme mit den Nationalitäten. In der Stadt selbst jedoch waren manche skeptisch.
  331. Da gab es in Luxemburg und bei den älteren Bedenken. Luxemburg würde überfremdet. Äh wiederum. Ich möchte da keine meinen
  332. einen Vorwurf machen, denn das man hat erzählt oder man gemunkelt, das wäre unter anderem auch der Hof gewesen oder auch die Kirche, die diese Protestanten,
  333. die dann massiv nach Luxemburg kommen und und [gelächter] so weiter, aber das ist nicht sehr weit gegangen. [musik]
  334. In der knappen Freizeit erkundeten die neuen Bewohner das kleine Land zwischen [musik] Mosel, Eifel und Arennen. Doch neben den baulichen und landschaftlichen
  335. Schönheiten wollten die meist jungen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Montanunion auch abends einmal etwas unternehmen und mancher in der
  336. ehemaligen Eisenbahndirektion war auch noch auf Erlebnisse anderer Art aus. Die Herren in Luxemburg waren meist ohne
  337. ihre Frauen gekommen. Der Tanztee, den die hohe Behörde selbst veranstaltete, bot die Gelegenheit, sich
  338. außerhalb des Büros näher zu kommen. Und dann gab es ja noch das ein oder andere lauschige Restaurant oder Caffée in Luxemburgs hübscher Altstadt.
  339. Ja, da gab es genügend Geschichten. [gelächter] Die jungen Frauen, die dort arbeiteten, waren ja in der Regel Singles.
  340. Und da ja diese Herren oft ohne ihre Frauen kamen. Natürlich gab es Freundschaften. Freundschaften, wie man das so nannte.
  341. Aus diesem Chaos entstand die Ordnung. Das Chaos war so groß, dass wir uns in etwas integrierten, das anfangs völlig einzigartig war. Die Psychologie
  342. untereinander änderte sich. Wir wurden Teil eines Teams. Es war die Geburtsstunde Europas.
  343. Sechs Länder, sechs Gesellschaften, 155 Millionen Menschen auf dem Weg in die
  344. Zukunft. In Moskau feierte man 35 Jahre Oktoberrevolution.
  345. Der ganze Ostblock war noch enger zusammengerückt oder besser wurde noch mehr von Stalin dirigiert. Alfred Kantorovic in Ostberlin sorgte sich.
  346. Gedanken zum Jahrestag der russischen Revolution. Wir sind im Schachspiel der Weltmächte nur ein vorgeschobener Bauer, der
  347. geschützt wird, bis er das Opfer wert ist. Sogar als Hilfstruppe sind wir eine Quantität negligeable, trotz allen Tamtams der Lokalgewaltigen.
  348. [musik] Georg Deringers gesamtdeutscher Traum war ausgeträumt. Jetzt fürchtete [musik] er seine Absetzung oder schlimmeres.
  349. Diesen liberalen bürgerlichen Politiker dieses Aushängeschild brauchen wir eigentlich gar nicht mehr, weil so gesagt hat Stalin so jetzt haben wir die
  350. DR, jetzt machen wir auch eine richte DR draus. Weihnachtszeit 1952. In den Straßen Ostberlins versuchten die
  351. Menschen letzte Geschenke einzukaufen. Der noch amtierende Außenminister der DDR, Georg Dertinger, feierte am ersten Weihnachtstag seinen 50. Geburtstag.
  352. Da war ein großer Empfang. Da kam also der sowische Botschafter, es kam äh Regierung. Es war auch der Grote wohl. Der kam dann mit viel Lob und äh
  353. Glückwünschen. Und hat mein Vater zu meiner Mutter gesagt, jetzt kann nichts mehr passieren. Die Familie war erleichtert.
  354. [musik] Ein paar Tage nach Neujahr fuhr der junge Rudolf wieder ins Internat.
  355. [musik] Nach den Weihnachtsferien bin ich dann wieder nach Heiligstadt gefahren und
  356. begann wieder der normale Schulbetrieb und der endete etwas abrupt am 16. Januar 1953 morgens um 8 Uhr 8:30 Uhr etwa, [schnauben] als der Schuldrektor
  357. mich nach draußen bat aus der Klasse raus und da standen zwei Herren in der üblichen Aufmachung Kut Ledermantel und sagten mein Vater in Berlin wollte mich
  358. sprechen. Da habe ich eigentlich nichts Böses geahnt. Ich habe da meinen Kram, sowohl gutes gegusepackt in der Klasse, mich aus der Klasse verabschiedet
  359. und nach dem Motto bin d wieder da wahrscheinlich was ich aber nicht gesagt habe, bin dann in den das Auto gestiegen und bin mit den beiden Herren nach
  360. Berlin gefahren. Es ging in die Dienstvilla des Vaters am Majakowski Ring in Berlin Panco, das
  361. Viertel der Politinenz. Und da fand ich dann meine Schwester vor, die ist anderthalb Jahre jünger und
  362. mein Bruder, der ist 7 Jahre jünger und äh das Personal Dienstwer, das war so eine Haushälterin mit ihrem Sohn und dann zwei drei Stasiute.
  363. Meine Eltern waren nicht da, dann haben wir das auf die einfachste Methode gemacht. Sie haben mir das neuen Deutschland hingelegt und da stand auf
  364. der ersten Seite unten notiz aus Ministeringer als Spion verhaftet und so ähnlich war die Formulierung prank. Das war's dann und dann saßen wir
  365. erstmal fest. Am 31. Januar 1953 zog ein gewaltiger Orkan über der
  366. schottischen Nordsee auf. In der Nacht erreichte der Sturm die niederländische Küste. Eine Springflut ließ um 3 Uhr morgens die ersten Deiche
  367. brechen. [musik] Bald war das Küstenland von Rotterdam bis zur belgischen Grenze
  368. komplett überflutet. Ein Sonntag. Die Telefonleitungen brachen zusammen. Erst am Montag morgen rief die niederländische Regierung den nationalen
  369. Notstand aus. Nach und nach wurde das Ausmaß der Katastrophe deutlich. Es gab über 1800 Tote allein in den Niederlanden.
  370. Bald kam internationale Hilfe. Ein Angebot aus Deutschland aber wurde zunächst nur zögerlich angenommen. Zu tief waren die Wunden des Krieges.
  371. Doch dann konnte die Bonner Regierung das neu gegründete technische Hilfswerk schicken. Wir sind besonders befriedigt darüber,
  372. dass die Deutsche Hilfsaktion über ihren eigentlichen Zweck hinaus mit dazu beigetragen hat, das deutsche und das niederländische Volk wieder einander
  373. näher zu bringen und dass sie damit auch der europäischen Idee selbst einen [musik] Dienst erweisen konnte. Deutsche in Uniform als Helfer. Die Not
  374. führte Niederländer und ehemalige Besatzer zusammen. [musik] Die deutsche Hilfsaktion ist für die Niederlände von ganz besonderer Wert
  375. und ich bin überzeugt, dass sie für [räuspern] die beide Wölker auch gute politische und wirtschaftliche Auswirkungen haben wird.
  376. Und natürlich schickten auch die USA Rettungsflieger gemeinsam mit den Verbündeten Europäern. Amerikanische, britische, belgische
  377. Maschinen, Militär und Zivilflugzeuge aller Typen, Flieger aller Nationen, besieht von einem Willen, dem Nachbarn in der Not zu helfen. Ein Flug folgte
  378. dem anderen Stunde um Stunde. Es gab keinen Schlaf und keine Ruhe. Es ging um Menschenleben, um Junge und alte, um Mütter und Kinder.
  379. Ein weiterer Baustein für den Zusammenhalt [musik] des Westens. Die promte und umfassende Hilfe, die amerikanische Truppen während der
  380. Überschwemmungen im Februar in den Niederlanden geleistet haben, hat einen tiefen [musik] und positiven Eindruck auf das niederländische Volk gemacht.
  381. In Luxemburg an der Place Demess, dem Hauptquartier der [musik] Montanunion zog der Arbeitsalltag ein. Sechs Nationen, fünf Sprachen. Wie sollte man
  382. eigentlich miteinander sprechen? [musik] Am Anfang sprachen alle Französisch, aber die Dominanz des Französischen wurde nicht akzeptiert. Seitdem lebte
  383. man eben unter den Bedingungen, jeder spricht seine Sprache. Bis heute haben wir einen wahrhaftigen Turmbau zu Babel.
  384. Nach Jahrhunderten nationaler Rivalität reichten sich die Völker Europas endlich die Hand. Sie öffneten das Tor in die Zukunft, das Tor zur Einheit Europas.
  385. [musik] Was als Symbol wichtig war, das war der erste Zug, der die Grenze überquerte.
  386. An einem Februar Morgen 1953 passierte ein Zug mit deutscher Kohle die Grenzen [räuspern] ganz ohne Kontrolle. Sein Ziel: Ein Eisenwerk in
  387. Frankreich. Im Kremmel lag Stalin nach einem Schlaganfall im Sterben. [musik] Sein
  388. Tod am 5. März 1953 veränderte die Situation im Osten Europas schlagartig.
  389. Das Sowjetvolk nimmt Abschied von seinem großen Führer und Lehrer, dem geliebten Stalin.
  390. In diesem Augenblick treffen sich die Gedanken von Millionen. [musik]
  391. Alle Radiostationen Osteuropas übertrugen die tagelange Trauer. Aus dem Fenster der US-Botschaft in Moskau filmte ein Atach heimlich [musik]
  392. den pompösen Beerdigungszug und in Ostberlin verfasste der Staatsdichter Johannes R. Becher ein Trauergedicht. Begleitet Starlin vor die rote Mauer.
  393. Erhebt euch in der Größe eurer Trauer. Seht über Stalins Grab die Taube kreist denn Stalin
  394. Freiheit. Stalin Frieden heißt und aller Ruhm der Welt.
  395. wird Talin heißen. Lasst uns den ewig lebenden Lobpre preisen. [musik] Verordnete Trauer überall, selbst im
  396. Jugendgewahrsam, wo der junge Rudolf Dattinger auf einen Prozess wegen Spionage wartete. [musik] Da war ein großer Versammlungsraum. Ich
  397. meine mich zu erinnern, dass wir da alle das ganze Jugend Werk auch zusammengesetzt wurde, um zu trauern. Es ist uns bewusst geworden, Stalin ist
  398. tot. [musik] In Moskau, Bukarest, Warschau, Prag, Ostberlin waren die Menschen
  399. jahrzehntelang [musik] mit Lobeshymnen auf Stalin überschüttet worden. Aber auch im Westen waren einige fassungslos.
  400. Als Stalin starb, gab es einen Kongress der kommunistischen Jugend. Ich erinnere mich, das war in Ferrara. Der Kongress wurde durch diese Nachricht
  401. unterbrochen. Es war ein tiefes Gefühl und ich dachte, die Welt geht unter. Wie soll es bloß weitergehen?
  402. Und ich erinnere mich noch, wie gestern an die Szene, als Parteichef Toliatti mit dem Zug abfuhr und dass wir alle Delegierten des Kongresses spät in der
  403. Nacht zum Bahnhof fuhren, um ihn auf dem Weg zu Stalins Beerdigung zu grüßen. Die Kommunisten in Frankreich zeigten sich ebenso schockiert. In den
  404. Schaukästen [musik] der KPzentrale hing die Partezeitung. Die Freitagsausgabe von Lumanité war [musik] eine zehnseitige Sondernummer.
  405. Die schwarz umrandete Titelseite zeigte [musik] das gigantische Foto eines lächelnden Stalin. Darunter eine einzige Textspalte. Schreckliche Nachricht:
  406. Stalin ist tot. Die Arbeiter der ganzen Welt, die Menschen auf der ganzen Erde sind in Trauer. Stalins Tod, wenn sie so wollen, bestand
  407. darin, dass man das erste Mal feststellte, dass er sterblich war. Es dauerte Jahre, bis sich die Mehrheit der Kommunisten, [musik]
  408. auch im Westen, in ihrem Denken von Stalin verabschiedet hatte. Und dann begann man sich Fragen zu stellen, wie konnte das passieren?
  409. Es konnte ja nicht nur der Charakter Stalin sein. Es stimmte auch etwas nicht mit dem System.
  410. Bald arbeitete die Montanunion auf allen Ebenen. In Stahlberg Bwal bei Esh in Luxemburg gaben Jean Monet das Zeichen zum Anstich des ersten europäischen
  411. Roheisens. Das erste Eisenstück trägt die Aufschrift Europa.
  412. Das erste europäische Roheisen ist ein Produkt aus französischem Erz, belgischem Kalkstein, holländischem und deutschem Koks untermitwirkung
  413. italienischer Arbeit in Luxemburg hergestellt. Il n'y aura plus de charbon allemand ni d'acier français mais du charbon et de
  414. l'acier européen circulant entre nos pays librement dans un même p5 milliats etion
  415. dieanunion hatte von dermosphäre her einen französischen Ursprung, aber Frankreich hat nicht gesagt, ich übernehme die Führung.
  416. Wenn wir damals so angefangen hätten, hätte jeder geantwortet: Ich. Und in dem Maße, wie sich die deutsche Macht wieder aufbaute, entstand ein gewisses
  417. Gleichgewicht. Ein neuer Geist zog ein im Westen Europas. Die Staaten rückten so eng
  418. zusammen, wie noch nie. [musik]
  419. [musik] Eine modische Sensation und gleichzeitig einen künstlerisch ästhetischen Genuss bot das Gastspiel des großen Pariser
  420. Modeschöpfers Dior im Hotel Bayerische Hof in München. [musik] Doch Frankreich blieb in der Krise. Seit April 1953
  421. wurde das Land immer wieder bestreikt. Was vor drei Wochen, als ein kleiner Streik in der Polsterabteilung der
  422. staatlichen Renault Autowerke begann, breitete sich zu einem Streik von 10.000 Arbeitern aus. Und das wiederum führte zu einer Aussperrung von 37 000
  423. untätigen Menschen. Die Arbeiter verlangten 25 Frauen die Stunde mehr. Dass die meisten französischen Arbeiter unterbezahlt werden, durfte kaum ein
  424. Geheimnis sein. In Frankreich wechselten die Regierungen, doch die Misere blieb.
  425. Die Montanunion in den Anfängen, die NATO ein Fremdkörper. Ein Mann artikulierte immer wieder das Unbehagen. Der Kriegsheld des freien
  426. Frankreich Charles de Gul. Er ist gegen ein Vereintes Europa, weil es seinem geheiligten französischen Nationalgefühl den Todesstreich
  427. versetzen würde. The Gol sagt, die NATO habe Frankreich in ein amerikanisches Protektorat verwandelt, ohne Frankreich den entsprechenden Schutz zu gewähren.
  428. Er möchte, dass Frankreichsverteidigung von Franzosen übernommen wird, nicht von den Vereinigten Staaten. Sollte die internationale Lage sich
  429. erheblich verschlechtern, ist es gut möglich, dass Gol noch einmal Geschichte macht.
  430. Die Krise im Osten Europas ging tiefer. Die schlechte Versorgung, die Parteidiktatur, die Schikanen. Immer wieder überwandten Prominente [musik]
  431. und weniger Prominente den eisernen Vorhang. Ein Thema für die Politaganda der Amerikaner. [musik]
  432. Die 21-jährige Prima Ballerina der ungarischen Staatsoper Nora Kovats und ihr Mann und Partner Istwan Rab sind in den Westsektor geflohen. Vor der
  433. internationalen Presse berichteten sie über die Gründe zu ihrer Flucht. die persönliche und künstlerische Unfreiheit unter dem Sowjetregime und
  434. der brennende Wunsch aus der geistigen Öde und materiellen Verelendung. [musik]
  435. [musik] 200.000 Menschen verließen die DDR in der ersten Jahreshälfte 1953. So viele wie noch nie. Eine Bankrotterklärung für die [musik]
  436. Politik der SED. Ulbricht wurde nach Moskau zitiert. Die Nachfolger Stalins zwangen dessen besten Schüler zum Kurswechsel.
  437. Im neuen Deutschland erschien am 11. Juni eine öffentliche Selbstkritik. Es sein Fehler begangen worden.
  438. Die Politik Ulbrichts ist gescheitert. Was werden die Freunde jetzt sagen? Als sich Z anrief, schüttelte ihn ein Weinkrampf. Er konnte nicht sprechen. Es
  439. kommt zul plötzlich. Es ist überwältigend. Mit einem Schlag war es still um Walter Ulbricht.
  440. Ulbrichts Tage seien gezählt, so heißt es. Der schauerliche Rummel, der seit Monaten für seinen 60. Geburtstag vorbereitet wird, ist bereits abgesagt
  441. worden. In Luxemburg war ein Gegenentwurf zur rigen Planpolitik des Ostens entstanden.
  442. Die Schöpfer der Montanunion zeigten Selbstbewusstsein. In der sowjetischen Botschaft wurde diese Entwicklung argwöhnisch
  443. beobachtet. Anfangs gab es nur eine kleine Botschaft. Als die Montanunion nach
  444. Luxemburg kam, waren da, glaube ich, mehr als 35 Sowjetdiplomaten, die verfolgten, was wir taten. Ich sprach mit dem sowjetischen
  445. Botschafter. Er fragte: "Warum hat Jean M nie eine Rede gegen die Sowjetunion gehalten?"
  446. Und ich antwortete ihm, weil wir der Meinung sind, dass sie sich historisch gesehen nicht halten würden. Er war wütend.
  447. Furieux. Die Arbeiter an der Ostberliner [musik] Stalin Allee litt unter den zu hohen Vorgaben.
  448. Die waren mit dem neuen Kurs nicht zurückgedreht worden. Unmut machte sich breit und Hass auf die Funktionäre und ihr gutes Leben. Die Spannung stieg.
  449. Es beginnt zu rumoren. Immer mehr Menschen sammeln sich. Die Arbeiter folgen der Streikparole und verlassen zu abertausenden ihre Betriebe.
  450. Die Aufständischen marschierten zum Haus der Ministerien. Die Trennungsbarrieren zwischen Ost und Westsektor werden aus dem Pflaster
  451. gerissen und zertrümmert. Mit Taten und Worten fordert man leidenschaftlich die Vereinigung mit dem Westen und den Genuss der gleichen demokratischen
  452. Rechte. Das Pulverfass war explodiert. Für einen Moment schien es wie das Ende der DDR.
  453. Die rote Fahne, die über dem Brandenburger Tor wehte, wurde von der Menge zerfetzt. Hilflos wirkten die Aktionen [musik] der
  454. Volkspolizei und der Stasi. Dann gegen Mittag Schüsse am Pozdammerplatz. Wir können von hier aus nicht
  455. beobachten, wohin geschossen wird und ob diese Schüsse aus russischen oder von Karabinern der Volkspolizei stammen. Als Abschluss des Leipziger Platzes hat man
  456. eine Barriere aufgebaut. Dahinter drei schwere russische Panzer. Wahrscheinlich stehen dahinter noch viele weitere russische Panzer.
  457. Die höhere Gewalt hat eingegriffen. Der Ausnahmezustand ist verkündet. Jetzt kann man nur noch von [schnauben] innen her für Veränderungen wirken. Die
  458. Ratlosigkeit ist allgemein. Wir wussten wenig. Wir haben wenig verstanden und dann waren wir so daran
  459. gewöhnt, dass bei uns die Polizei auf Arbeiter schießt. So war das in Italien. Viele sind gestorben.
  460. Die Christdemokraten haben auf ihren Plakaten gesagt, die Kommunisten essen Kinder. Es war ein solcher Konflikt, dass wir es
  461. nicht glaubten, wenn man uns diese Dinge erzählte, die in Ostdeutschland passiert sind. Germania dellest c'era la tendenza a non crederci.
  462. Eine Woche später fand vor dem Schöneberger Rathaus in Westberlin eine Trauerkundgebung statt. Der Aufstand im Osten war für Bundeskanzler Adenauer die
  463. Bestätigung seiner Politik der Bindung an den Westen, an Amerika, an Westeuropa. Mit uns
  464. trauen Millionen Deutscher. Mit uns trauen alle in anderen Ländern, die die Sklaverei hassen und die die Freiheit lieben.
  465. [musik] Es war eine Geste ehrlicher, tiefer Trauer und zugleich eine Inszenierung. Einer der aufgebahten Sgeer. Die
  466. DDRbehörden hatten den Leichnamen eines getöteten Westberliners [musik] nicht freigegeben.
  467. Das war der kalte Krieg. Es bedeutete auch, dass es schwer war, ein unabhängiges Urteil zu fällen, weil auf beiden Seiten eben Dinge gesagt
  468. wurden, die nicht stimmt unsere Freunde, die blieben unsere Freunde, die die kommunistisch denkenden
  469. nicht, aber nicht diese Oberschicht, die wie Ulbricht und so weiter. Die waren uns nicht sympathisch. Das war zu sehr erinnerte uns an Regelvorschriften, die
  470. man einhalten mussten und an Abhörgeschichten und all sowas, wie das in der Nazizeit mit solcher Technik auch gemacht worden war.
  471. [musik] Als Antwort auf die Krise in Ostberlin öffnete der Westen seine riesigen Vorratskammern. Es war zum einen
  472. Hilfsangebot, [musik] zum anderen aber auch ein Propagandabeleg dafür, welches System besser funktionierte.
  473. Alltägliche Dinge für die Bevölkerung des Westens, doch rare Kostbarkeiten für die Menschen hinter dem eisernen Vorhang. Erschütternde Szenen, die von
  474. der Not dieser bedauernswerten Zeugen. Luxemburg wurde für viele Jahrzehnte einer der wichtigsten Orte des geeinten
  475. friedlichen Europas, trotz der Widersprüche zu Beginn. Europa fängt schlecht an. Es beginnt mit der Montanunion, den Wiederaufbau der
  476. deutsch-französischen Stahlindustrie, Protagonisten des Krieges und des Nationalsozialismus, eine Militärindustrie,
  477. das war der schlechteste Weg, um von vorne anzufangen bei so einer bedeutsamen Sache.
  478. Die Menschen sind einander [musik] näher gekommen, aber es gab auch verpasste Chancen.
  479. Ich glaube, wenn damals Luxemburg äh mehr Aufnahme bereit gewesen wäre, dann wäre haut heute Luxemburg vielleicht die Hauptstadt Europas. Vielleicht
  480. es gibt Fotos, auf denen man Mon bei der Übergabe der europäischen Pisse sieht. Die sollten es ermöglichen, sich im Europa der 6 zu bewegen.
  481. Wir waren davon überzeugt, dass wir in 10 Jahren die Vereinigten Staaten von Europa schaffen würden. Wir haben uns gehörrt.
  482. Ich hoffe, meine Tochter wird's erleben und wenn nicht meine Tochter, meine Enkelin, die in Belgien wohnt.
  483. Marie Ros Ibach ist immer noch begeisterte Europäerin und besucht Freunde und Familie auf dem ganzen [musik] Kontinent.
  484. Rudolf Dertinger verbüste in der DDR dreieinhalb Jahre jugendhaft wegen Spionage. Danach ging er in den Westen. Alfred Kantorowitsch flüchtete 1957 in
  485. die Bundesrepublik. Dort warf man ihm mangelnde Opposition zum DDR Regime vor. Dietrich Coolbrot wurde Staatsanwalt und Protagonist in den Underground Filmen
  486. Christoph Schlingensives. [musik] Nach 5 Jahrzehnten Paris kehrte Janet Flanner 1975 nach New York zurück. Dort starb sie 3 Jahre später.
  487. Jean Hamilius machte Karriere als Wirtschaftsprüfer und Politiker für sein Land Luxemburg. Lucana Castellina wurde 1969 aus ihrer
  488. Partei [musik] ausgeschlossen. Sie blieb aber überzeugte Kommunistin und wurde Abgeordnete des Europaparlaments. George Bertois ist der [musik] letzte
  489. Überlebende aus dem Gründerkreis Europas. Er lebt in Südfrankreich.

Zum Nachlesen