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Kubakrise

Mit der Kubakrise erreichte der Kalte Krieg eine neue Dimension. Beide Supermächte kamen während dieser Krise einer direkten militärischen Konfrontation und …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Kern der Krise
  2. 2. Vorgeschichte und Aufrüstung
  3. 3. Unmittelbare Zuspitzung
  4. 4. Die dreizehn Tage
  5. 5. Lösung und Folgen

Kern der Krise

Die Kubakrise war eine Konfrontation zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion im Oktober 1962. Sie entstand durch die heimliche Stationierung sowjetischer Mittelstreckenraketen auf Kuba im Rahmen des nuklearen Wettrüstens. In der Sowjetunion und in der DDR wurde sie auch Karibische Krise genannt, auf Kuba später Oktoberkrise. Die eigentliche Krise dauerte vom 14. Oktober 1962 bis zum 28. Oktober 1962, also dreizehn Tage.

Sie gilt als einer der gefährlichsten Momente des Kalten Kriegs, weil die beiden Supermächte einer direkten militärischen Konfrontation und damit einem möglichen Atomkrieg so nahe kamen wie nie zuvor. Beteiligt waren vor allem US-Präsident John F. Kennedy, der sowjetische Regierungschef Nikita Chruschtschow und der kubanische Staatschef Fidel Castro. Auslöser war die Stationierung sowjetischer Raketen auf Kuba, die auch als Antwort auf bereits westlich und südlich der UdSSR stationierte amerikanische Raketen verstanden wurde. Die Krise endete mit einem Kompromiss: Die Sowjetunion zog ihre Raketen aus Kuba ab, die USA sagten zu, Kuba nicht zu invadieren, und entfernten geheim ihre Jupiter-Raketen aus der Türkei.

Vorgeschichte und Aufrüstung

Nach dem Zweiten Weltkrieg standen sich die USA und die UdSSR als Weltmächte mit gegensätzlichen Wirtschaftssystemen und Ideologien gegenüber. Ab Anfang der 1950er Jahre beschleunigte sich das nukleare Wettrüsten. Zunächst dienten Langstreckenbomber als Trägermittel für Atomwaffen, etwa die B-52 in den USA und die Tu-95 in der Sowjetunion. In den 1950er Jahren waren die USA der Sowjetunion bei Atomwaffen und Trägersystemen deutlich überlegen. Der sowjetische Start der ersten funktionsfähigen Interkontinentalrakete 1957 löste im Westen den sogenannten Sputnikschock aus.

Um lange Vorwarnzeiten zu umgehen, wurden Raketen näher an mögliche Ziele gebracht. Die Sowjetunion stellte 1958 atomare Mittelstreckenraketen des Typs R-5M in der DDR auf, verlegte sie 1959 aber nach Kaliningrad. Die USA stationierten ab Januar 1959 Thor-Raketen in England sowie Jupiter-Raketen in Apulien und bei Izmir in der Türkei. Anfang der 1960er Jahre konnten beide Supermächte einander erstmals auch vom eigenen Gebiet aus mit nuklear bestückten Interkontinentalraketen bedrohen.

Kuba wurde wichtig, nachdem Fidel Castros Guerilla im Januar 1959 den Diktator Fulgencio Batista gestürzt hatte. Die USA blieben wegen Castros Bündnis mit Kommunisten skeptisch, unterstützten später kubanische Oppositionelle und auch Sabotage- und Terroraktionen. Nach Verstaatlichungen von US-Besitz auf Kuba verhängten die USA im Oktober 1960 ein Export- und Importverbot gegenüber Kuba. Die Sowjetunion sagte Kuba wirtschaftliche und militärische Unterstützung zu. Die gescheiterte Invasion in der Schweinebucht im April 1961 und das geheime US-Programm Operation Mongoose verstärkten Kubas Abhängigkeit von der Sowjetunion. Für Moskau bot Kuba die Möglichkeit, das strategische Ungleichgewicht gegenüber den USA auszugleichen; für Kuba war die UdSSR Schutzmacht gegen eine mögliche US-Intervention.

Unmittelbare Zuspitzung

1959 beschlossen die USA, in Italien zwei Staffeln und in der Türkei eine Staffel mit je 15 nuklear bestückten Jupiter-Mittelstreckenraketen zu stationieren. Diese Raketen konnten wegen ihrer Reichweite Ziele in der UdSSR bis jenseits der Wolga erreichen; ab 1961 wurden die Pläne umgesetzt. Im April 1962 waren die amerikanischen Thor- und Jupiter-Atomraketen in der Türkei einsatzbereit. Zusätzlich verfügten die USA über U-Boote mit Polaris-Atomraketen, die unter Wasser abgefeuert werden konnten. Die Sowjetunion hatte zu diesem Zeitpunkt nichts Gleichwertiges.

Ab dem 10. Juli 1962 begann die Sowjetunion unter dem Decknamen Operation Anadyr heimlich mit der Stationierung von Militär auf Kuba. Mit 183 Fahrten von 86 Schiffen wurden über 42.000 Soldaten und 230.000 Tonnen Ausrüstung transportiert. Dazu gehörten 40 R-12- und 24 R-14-Mittelstreckenraketen mit Atomsprengköpfen von 0,65 Mt beziehungsweise 1,65 Mt. Zum Vergleich nennt der Artikel die über Nagasaki abgeworfene Bombe Fat Man mit 0,024 Mt. Die Raketen dienten nicht nur dem Schutz Kubas, sondern sollten vor allem ein Drohpotenzial schaffen, das die sowjetische Schwäche bei Interkontinentalraketen ausglich.

Westliche Hinweise auf sowjetische Raketenbasen auf Kuba stammten wahrscheinlich vom deutschen Bundesnachrichtendienst, der seit Juni 1962 Informationen über den Ausbau von Mittelstreckenraketenbasen hatte. Die CIA entdeckte im August 1962 auf U-2-Aufklärungsfotos erstmals Startvorrichtungen für sowjetische Luftabwehrraketen. Im September 1962 wurden sowjetische Frachtschiffe mit militärischer Ladung beobachtet, darunter die Omsk und die Poltava.

Die dreizehn Tage

Am 14. Oktober 1962 genehmigte Kennedy neue U-2-Aufklärungsflüge über Kuba. Die Flugzeuge fotografierten den Bau von Startrampen für sowjetische Mittelstreckenraketen vom Typ SS-4 Sandal und SS-5 Skean nahe San Cristóbal. Am 15. Oktober bewiesen die ausgewerteten Fotos die Existenz der Startrampen. Am 16. Oktober wurde Kennedy informiert und berief das Executive Committee, kurz ExComm, ein. Dort wurden mehrere Optionen diskutiert: die Stationierung hinnehmen, Luftangriffe durchführen, Kuba invadieren oder eine Seeblockade verhängen. Verteidigungsminister Robert McNamara schlug eine Seeblockade vor, die völkerrechtlich problematisch war.

Am 17. Oktober zeigten weitere U-2-Flüge 16 bis 32 Raketen mit einer Reichweite von bis zu 4500 km sowie IL-28-Bomber. Die Raketen hätten Washington und wichtige Industriestädte der USA erreichen können; die Vorwarnzeit hätte nur fünf Minuten betragen. Im ExComm standen sich die sogenannten Hawks, die einen Luftangriff wollten, und die Doves, die eine Blockade bevorzugten, gegenüber. Kennedy entschied sich schließlich für die Blockade, hielt aber Luftangriff und Invasion als Möglichkeiten offen.

Am 22. Oktober machte Kennedy die Krise in einer Fernsehansprache öffentlich. Die US-Streitkräfte wurden weltweit in erhöhte Einsatzbereitschaft versetzt, weitere Soldaten nach Florida verlegt und etwa 200 Kriegsschiffe um Kuba positioniert. Kennedy kündigte eine Seeblockade an, die offiziell als Quarantäne bezeichnet wurde, und forderte Chruschtschow zum Abzug der Raketen auf. Am 24. Oktober begann die Quarantäne mit einem Sperrgürtel um Kuba. Sowjetische Schiffe drehten ab, nachdem der Radius verkleinert worden war.

Am 25. Oktober präsentierten die USA im UN-Sicherheitsrat Aufklärungsfotos der Raketenstellungen. Später wurde bekannt, dass die USA die Zahl und Gefahr der sowjetischen Waffen unterschätzt hatten. Auf Kuba befanden sich nach späteren Angaben 40.000 sowjetische Soldaten, 42 Raketen und etwa 80 Atomsprengköpfe, darunter auch taktische Atombomben. Am 26. Oktober bot Chruschtschow an, die Raketen abzuziehen, wenn die USA eine Invasion Kubas ausschlössen. Gleichzeitig kam es zu gefährlichen Zwischenfällen mit sowjetischen U-Booten, die je einen Nukleartorpedo an Bord hatten.

Der 27. Oktober wurde als schwarzer Samstag besonders gefährlich. Ein sowjetisches U-Boot B-59 wurde mit Übungswasserbomben zum Auftauchen gezwungen; an Bord wurde über den Einsatz eines Nukleartorpedos diskutiert. Wassili Alexandrowitsch Archipow verweigerte jedoch den Abschuss ohne Befehl aus Moskau. Am selben Tag wurde ein amerikanisches U-2-Flugzeug über Kuba abgeschossen, der Pilot Rudolf Anderson starb. Kennedy untersagte einen Gegenangriff. In einem zweiten Schreiben verknüpfte Chruschtschow den Abzug der Raketen mit einem US-Nichtangriffsversprechen und dem Abzug amerikanischer Jupiter-Raketen aus der Türkei. Am Abend traf Robert F. Kennedy heimlich den sowjetischen Botschafter Anatoli Dobrynin und teilte mit, dass Kennedy auch dem Abzug der Jupiter-Raketen zustimmen würde. Am 28. Oktober nahm Chruschtschow das Angebot an und erklärte öffentlich den Abzug der sowjetischen Raketen aus Kuba.

Lösung und Folgen

Die verbindliche Lösung beruhte auf mehreren Zusagen: Die Sowjetunion zog ihre Raketen aus Kuba ab. Die USA versprachen, keine weitere militärische Invasion Kubas zu unternehmen. Zusätzlich zogen die USA in geheimer Absprache ihre Jupiter-Raketen aus der Türkei ab. Dieser Abzug wurde nicht öffentlich gemacht, damit die NATO-Partner der USA nicht brüskiert wurden und die USA öffentlich als Sieger erscheinen konnten.

Am 5. November 1962 begann der Abzug der sowjetischen Mittelstreckenraketen von Kuba, offiziell war er innerhalb von fünf Tagen abgeschlossen. Als Chruschtschow am 15. November erfuhr, dass Castro auch einen offensiven Einsatz gegen die USA nicht ausschloss, entschied er, alle Atomsprengköpfe in die Sowjetunion zurückzubringen und nur einige konventionell bestückte Kurzstreckenraketen auf Kuba zu belassen. Am 20. November 1962 hoben die USA die Seeblockade auf. Der tatsächliche Abzug der Raketen war erst Anfang Januar 1963 abgeschlossen.

Politikwissenschaftlich gilt als zentral, dass Kennedy und Chruschtschow die Tragweite ihrer Entscheidungen erkannten, Zeit für Entscheidungen ließen und nicht blind den militärischen Beratern folgten. Der Historiker Sheldon M. Stern kam 2003 nach Analyse der ExComm-Aufzeichnungen zu dem Schluss, dass Kennedy bereits ab dem 17. Oktober 1962 einen Tauschhandel über den Abzug der Jupiter-Raketen aus der Türkei erwog. Kennedy erklärte nach der Krise, die Gefahr habe weniger darin gelegen, dass die Sowjetunion von Kuba aus Raketen abschießen könnte, sondern darin, dass die balance of power zugunsten der Sowjetunion verschoben gewirkt hätte.

Die Krise hatte weitreichende Folgen. Kurzfristig war sie ein taktischer Erfolg der Sowjetunion, weil die US-Atomraketen aus der Türkei und Italien entfernt wurden und Sicherheitsgarantien für Kuba erreicht wurden. Zugleich empfand Moskau die US-Überprüfung des sowjetischen Raketenabzugs auf See als Demütigung, was 1963 zum Ausbau sowjetischer strategischer Offensivstreitkräfte beitrug. Die Krise führte zu ersten Schritten der Rüstungskontrolle: Am 5. August 1963 wurde in Moskau ein Vertrag über das Verbot von Kernwaffenversuchen in der Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser unterzeichnet; ab 1969 wurden SALT-Abkommen zur Begrenzung von Interkontinentalraketen verhandelt.

Zur Vermeidung gefährlicher Missverständnisse wurde 1963 der Heiße Draht eingerichtet, eine direkte Fernschreibverbindung zwischen Weißem Haus und Kreml. Er sollte in Krisen sofortige Verhandlungen ermöglichen und wurde erstmals am 5. Juni 1967 kurz nach Beginn des Sechstagekriegs genutzt. Außerdem entzog Kennedy den Militärs die eigenständige Verfügung über Atomwaffen durch einen nuklearen Freischaltcode in der Hand des US-Präsidenten; die UdSSR führte 1968 ein entsprechendes System ein. Die USA verschärften nach der Krise ihr Embargo gegen Kuba und führten verdeckte CIA-Operationen fort. Kuba band sich noch enger an die Sowjetunion. Insgesamt trug die Kubakrise zu einer neuen Beziehung zwischen den Supermächten und zu einer Entspannungspolitik bei, auch wenn Konflikte danach häufig als Stellvertreterkriege ausgetragen wurden.

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